Wolfgang Michel: Wataxyx gattinnakka - Japanisch in den Gedenkwaerdige Gesantschappen des Arnoldus Montanus. In: Linguistic Science, Vol. 21, Kyushu University, March 1986, pp. 1-10. Linguistic Science 21

 

Wolfgang Michel

Wataxyx gattinnakka - Japanisch in den Gedenkwaerdige Gesantschappen des Arnoldus Montanus -


Während die bahnbrechenden Sprachstudien der Missionare im Japan des ‘christlichen Jahrhunderts’ vergleichsweise intensiv bearbeitet werden, findet der Zeitraum nach dem Abschluß bis etwa gegen Ende des 18. Jahrhunderts wenig Beachtung. Dies hat gute Gründe. Den durch die Vereenigde Oostindische Compagnie nach Dejima versetzten Ausländern bot sich kaum eine Gelegenheit, Japanisch zu lernen. Überdies waren ihre Energien während des meist kurzen Aufenthaltes auf den Handel gerichtet. In den ersten Dekaden der niederländisch-japanischen Beziehungen fungierte ohnehin das Portugiesische als Lingua franca des Fernen Ostens. Dann wuchsen nach und nach japanische Dolmetscher für das Holländische heran, deren Fähigkeiten allerdings noch zu Engelbert Kaempfers Zeiten (1690 - 1692) einige Wünsche offen ließen.[1] Da andererseits holländische Dolmetscher nicht ausgebildet werden durften, fallen dem allem zufolge die Anmerkungen zur japanischen Sprache in den Berichten und Büchern sehr spärlich aus. Vieles wurde einfach aus älteren iberischen Schriften übernommen, neue Beobachtungen sind selten.

Eines der wenigen frühen authentischen Japanischfragmente findet sich in den ‘Gedenkwaerdige Gesantschappen [...] aen den Kaisaren van Japan’, einer 1669 sowohl in niederländischer als auch in deutscher Sprache erschienenen umfangreichen Kompilation von Arnoldus Montanus. Zur Sprache allgemein wird dort zunächst der Jesuit Giovanni Pietro Maffei rekapituliert:[2]

“Die Japanische Sprache ist wohl / dem grunde nach / einerley / und allen Einwohnern gemein: gleichwohl hat sie so vielerley mundahrten / die man alle vor sonderliche Sprachen ansehen solte. Dan ein einiges Ding hat unterschiedliche benahmungen; von denen etliche zur verachtung / andere zu ehren / wieder andere bey Fürsten / andere bey gemeinen Leuten / ja andere bey den Männern / andere bey den Frauen gebreuchlich. Hierzu komt noch dieses / daß sie anders sprechen / als schreiben : und im schreiben haben sie andere Wörter zu den Briefen / andere zu den Büchern, derer anzahl sehr groß ist / so wohl gedichtet / als ungedichtet. Ferner gebrauchen sie solche Buchstaben / derer ein jeder ein gantzes Wort / ja wohl einen gantzen Sin ausbildet : also daß sie den Sinischen oder Egiptischen Schreibzeichen nicht ungleich seind. Und hieraus komt es, daß die Japanische sprache so schweer zu lernen fällt.”(M2: S.44)

Trotz der Kürze ist vieles präzise angesprochen: die Variationsbreite der Dialekte, die Honorativ- bzw. Pejorativ-Formen, die Scheidung von Männer- und Frauen-, von Schrift- und Umgangssprache, Lyrik und Prosa. Natürlich hätte man ähnliche Phänomene auch in Europa entdecken können, doch in Japan fielen sie, weil fremd und grammatisch systematischer geregelt, stärker ins Auge. Danach rund 370 Seiten kaum ein Wort mehr zur Sprache, der Leser erwartete sicher anregenderen Stoff. Erwähnenswert bestenfalls die Marginalie, daß die Japaner “einen greuel an Scheltworten” zeigten (M2: S.45), denn noch heute wirkt das diesbezügliche japanische Vokabular auf Europäer etwas kärglich. Doch dann geraten die Werkzeuge eines Schreibers ins Blickfeld:

“Unter währendem diesem Handel saß dem Sikungodonne[3] zur seite ein Schreiber / welcher alle Fragen / und Beantwortungen fleissig anzeichnete. Vor ihm stund ein großes Japanisches Schreibezeug. Dieses war eben wie eine länglichte Schachtel an zu sehen : aus derer Decke der Mund von einem länglichten Flaschlein herfür ragete / welches man mit einem verlackten Litte [?] wider das brechen verwahret. Die Schachtel war in drey Fächer unterschieden. Zur seite sahe man eine Federbüchse / darinnen die Schreibefedern lahen / welche einem kleinen Mahlerquästlein nicht unähnlich. Die Federbüchse war oben mit Stiftlein zu gemacht; Unten an der Schreibeschachtel befand sich ein / Kästlein / darinnen die Japanischen Dintenküchlein[4] verwahret warden.” (M2: S.322)

Die sehr detaillierte Schilderung führt allmählich zur Haltung des Pinsels, zur Schreibrichtung und zu den Schriftzeichen, die denen der Chinesen glichen und auch mit den ägyptischen verwandt seien, und verliert sich in einen Exkurs über die Schriften in 0st und West. Vor dem Hintergrund der biblischen Weltgeschichte mit ihrem Turmbau zu Babel und der Verstreuung der Völker über die Welt war die Wurzel der japanischen bzw. chinesischen Zeichen natürlich im vorderen Orient zu suchen, doch wollte sich das nicht so leicht fügen lassen:

“Die Gelehrten / wan sie den Ursprung dieser Sinbilder ausforschen wollen / kommen gantz nicht überein. Dan etliche halten die Assirer vor derselben erste Erfünder. Die meisten schreiben solche Ehre gleichwohl den Egiptern 2U. Wan es aber war ist / wie im gemelten Drachenbuche des ersten Sinischen Königs Fohi[5] gemeldet wird / daß sie solche Schreibebilder schon vor 3689 Jahren gebrauchet; so haben sie diese Kunst eher gehabt / als die Assirer und Egipter.” (M2: S.324f.)

Dazu käme, daß die Ägypter “nur bey dem Gottesdienste dergleichen Schriftzeichen gebrauchten” und damit auch “die verborgenen Eingeschaften und eigenen Würckungen der abgebildeten Sache” bezeichneten. Bei den Japanern und Chinesen seien sie hingegen “auch gebreuchlich/ wan sie Bürgerliche Vorfälle / und natürliche Dinge beschreiben: und bezeichnen bloß allein dasselbe / was sie abbilden / und verfassen keine fernere Geheimnisse” (M2: S.325). Der Autor geht (6) weiter zur chinesischen Beamtensprache “Quonhua”,[6] die zu einer einheitlichen Gerichtsbarkeit des riesigen chinesischen Reiches unabdingbar sei.

“Das allerwunderlichste in gemelter Mandarinen=sprache ist dieses: daß sie / wan sie geschrieben ist / von allen Sinischen Völckern / ja selbst Japanern / Koreern / Tonchinern[7] und Konchichinern[8] kan verstanden; aber nicht ausgesprochen werden; dan aus dem Reden kan eine Völckerschaft von der andern nicht ein Wort verstehen. Und daher gehet es mit der Mandarinen=sprache fast eben also zu / als mit unsern gemeinen Zahlzeichen: welche durch das gantze Europe / wen sie auf dem Papiere / geschrieben stehen / einerley bedeutung überal haben / und wohl können verstanden ; aber wan man sie ausspricht / nicht von allen verstanden werden; weil nähmlich ein iedes Volck solchen Zahlzeichen eine andere / und aber andere benahmung zueignet.” (M2: S.325)

Dies alles ist — mit Ausnahme der Schilderung des Schreibzeuges — nicht unbedingt originell, skizziert jedoch in eindrucksvoller Präzision den aktuellen Kenntnis- bzw. Meinungsstand des Abendlandes. Alsdann kommt Montanus noch einmal auf die japanische Sprache selbst zurück:

“Was endlich die Japanische sprache betrift / dieselbe klinget nicht weniger trotzig / als manhaft / und drücket die hochmühtige Angebohrenheit derselben / die sie reden / genugsam aus; weil sie einen harten und hohen Toon hat. Zum beweise dessen können nachfolgende Redensahrten und Worte dienen.”

Die hierauf vorgestellten Sprachproben stammten offenbar von einem Holländer, der in Nagasaki gewesen war. Bei den japanischen Vokabeln halte ich mich daher an die niederländische Edition (M1: S.337). Es folgen eine Interpretation in Hepburnscher Umschrift und die der deutschen Ausgabe (M2: S.325) entnommene Übersetzung, mit Ausnahme von Beispiel (19), das fort fehlt:

[1] Moʃs ra∫oucq gu∫arr gebt ein Licht her; môshi, rôsoku gozaru
[2] Curi gu∫avi mas kom her; kore e gozarimasu
[3] Sa∫s ma∫∫io ich bring es euch; sashimashô
[4] Itum takka ma∫∫io wohl bekom es euch; itadakimashô
[5] Icoramo∫s wie viel dar vor; ikura môsu
[6] Doukye gou∫arri ma∫s wohin wolt ihr gehen? doke e gozarimasu
[7] Mis co∫mis Reis essen; meshi kikoshimesu
[8] Souw meeremas Wasser trincken; mizu nomimasu
[9] Gekyo, donne / ∫omma Herr / Meister kekyô-dono / -sama[9]
[10] Nanto mo∫s was sagt ihr / Freund; nan to môsu
[11] Mada ∫utta wartet was; matashita
[12] Imo gu∫arri ma∫s ich komme stracks; ima gozarimasu
[13] Emingo∫amma Jungfrau; yomego-sama[10]
[14] Bobbo die weibliche Scham; bobo[11]
[15] K∫ou Essig; su
[16] Warrangu∫ar böse; warû gozaru
[17] Surry warrangu∫ar dis ist böse; sore warû gozaru
[18] Kataskanongu∫arri ma∫s ich dancke euch sehr ehrerbietig; katajikenô gozarimasu
[19] Katania (Een manir) = ?
[20] Konatta ∫amma gattinnakka euer Herr verstehet es verkehrt konata-sama gatten naka
[21] Konatta ∫amma gattinde gu∫arr euer Herr verstehet es wohl; konata-sama gatten degozaru
[22] Wataxyx gattinde gu∫arr ich versteh es wohl; watakushi gatten degozaru
[23] Wataxyx gattinnakka ich versteh es nicht wohl; watakushi gatten naka
[24] Ary gattinnakka er versteht es nicht wohl; are gatten naka
[25] Phnyx ikoma∫∫io an das Schif kommen / zu fahren; fune ni ikimashô
[26] Medit ongu∫ary ma∫s ich wünsche euch ehrerbietig einen guhten Tag / medetô gozarimasu

Von der Morphologie des Japanischen verstand unser anonymer Beobachter nicht viel. Die Redewendungen wurden so festgehalten, wie er sie zu hören glaubte bzw. tatsächlich hörte. Einen Beleg für diese phonetische Notation liefert unter anderem das Verschwinden des ‘u’ in bestimmten Silben. Denn tatsächlich werden die Vokale [i] und [Ɯ] zwischen stimmlosen Konsonanten und sehr häufig auch nach stimmlosen Sibilanten im Auslaut devokalisiert.

Konsequenterweise hätte man z.B. “ra∫oucq” etwa als ‘ra∫ocqu’, “wataxyx” als ‘wataku∫i’ schreiben müssen. Nachfolgend eine Gegenüberstellung der ‘theoretischen’ Schreibungen und denen im Text:

-ru -r (gu∫arr, gu∫ar)
-cqu -cq (ra∫oucq)
-ku∫i -xy (wataxyx)
-∫su -∫s (mo∫s, ma∫s)

Auch beim anlautenden [ΦƜ] verschwindet der Vokal, von ‘Phune’ bleibt nur “Phny". Die Transkription mit ‘ph’ trifft die damalige Aussprache [Φ] erstaunlich genau. Das abgeschwächte ‘i’ der Silbe [∫i] klang in Falle von (11) allerdings wie ‘u’. Nicht ganz so willkürlich, wie man meinen möchte, war weiter der Gebrauch des stimmhaften ‘∫’ und des stimmlosen ‘s’. Noch heute bewahren die Dialekte in Kyushu die ältere Aussprache der sa-Reihe der japanischen Silbentafel — [sɑ], [∫i]. [sƜ], [∫ɛ], [sƆ] — während [∫ɛ] in der Standardsprache zu [sɛ] wurde. Verschwunden ist in Kyushu demgegenüber die damalige Nasalierung der Vokale [ɑ] und [Ɔ] vor den Konsonanten [b] , [d] und [g] , welche die Schreibung ‘ng’ für ‘g’ an einigen Stellen belegt:

warrangu∫ar, kataskanongu∫arri ma∫s, medit ongu∫ary ma∫s

Erstaunlicherweise haben wir dazu noch ein Exempel für ein nasaliertes [i] und ein [Ɯ] in “emingo∫amma” bzw. im “Sikungodonne” des Textes auf Seite 322.

Kurze, sehr ähnliche Vokale wurden scheinbar nicht sauber getrennt. Besonders ‘o’ und ‘u’ hatte man auffallend häufig ‘verwechselt’:

[Ɔ] als ‘u’: curi, surry, gu∫ar(r) (11 Stellen)
[Ɯ] als ‘o’: ikora (1 Stelle)
[Ɔ] als ‘ou’: doukye, ra∫oucq (2 Stellen)
[Ɯ] als ‘ou’: k∫ou, souw (2 Stellen)

Weitgehend eindeutig wiedergegeben ist nur das lange [Ɔ] :

[Ɔ] als ‘o’: gekyo kataskanongu∫∫arri ma∫s, ma∫∫io. mo∫s ( 8 Stellen)

Dies lag allerdings keineswegs an der spezifischen Hörstruktur der Niederländer. Auf eine derartige Vertauschung von also’ und ‘u’ in der japanischen Sprache des 16./17. Jahrhunderts wurde bereits in der Literatur[12] hingewiesen. Auch unsere Beispiele sprechen für diese Tendenz. Nur zwei Stellen (Fehlschreibungen oder Druckfehler ?) fallen aus dem Rahmen:

[Ɔ:] als als ‘a’: ra∫oucq
[Ɔ] als ‘e’: donne

Zur Not könnte man sogar noch das ‘a’ erklären, da der neuzeitliche Langvokal [Ɔ:] in diesem Wort lautgeschichtlich die Wurzel ‘a + u’ hat, rôsoku (d.h. Kerze) also eigentlich aus den Silben ‘ra-u-so-ku’ besteht und möglicherweise noch Restlautungen existierten.

Auffallend häufig ist außerdem die Schreibung ‘i’ oder ‘y’ an Stellen, wo ein ‘e’ zu setzen wäre:

[ɛ] als ‘i’ bzw. ‘y’: ary, curi, gatten, medit, mis, surry, phnyx, meeremas, emingo∫amma (13 Stellen)

Auch hierfür finden sich ältere Belege in den Grammatiken und Wörterbüchern der christlichen Mission. M. Iida[13] glaubte dabei ein Überwiegen der Substitution von ‘i’ durch ‘e’ zu erkennen, doch unser Text spricht für den umgekehrten Fall.

Anders als in modernen Umschriften gibt es keine besondere Markierung der Langvokale, man liest gemäß der niederländischen (deutschen) Gewohnheiten. Verdoppelte Konsonanten stehen daher nicht für Spannlaute, sondern machen den vorangehenden Vokal kurz. Beachtung verdient besonders das verdoppelte ‘r’ in “gu∫arr” (= gozaru) und “warran” (= warû). Zwar fehlt im Japanischen die Opposition zwischen [l] und [r] (genauer gesagt, dem einmal geschlagenenen [ɾ] ), was jedoch nicht bedeutet, daß man das [r] überhaupt nicht aussprechen könnte. Die Artikulationsschwierigkeiten liegen eher beim lateralen [l]. Im Slang und einer Reihe von Dialekten existiert durchaus ein mehrfach geschlagenes Zungen-R.

Für bemerkenswert halte ich weiter, daß das ‘i’ der aus den Komponenten ‘shi’ und ‘yo’ heute kontrahierten Silbe [∫Ɔ:] seinerzeit noch hörbar war, d.h. ‘-mashô’ wie “ma∫∫io” [ma∫iƆ:] klang. Eigentlich sollte die Kontraktion in jener Zeit schon abgeschlossen gewesen sein.

Ferner wirken einige Wendungen etwas verdreht. Bei umgangssprachlichen Äußerungen, in denen Fragen oft nur durch die Intonation erkennbar sind, Postpositionen häufig wegfallen oder bestenfalls durch Sprechpausen markiert werden, sollte man sich jedoch vor Überkorrekturen hüten. Eindeutig falsch ist allerdings der Gebrauch des höflichen Verbes ‘gozaru’ im Beispiel, das sich hier nicht auf den Sprecher selbst beziehen darf, wie es die Übersetzung verlangt. Etwas eigenartig mutet ferner der Ausdruck ‘gatten naka’ an. Die in Kyushu typische Form ‘naka’ für die Negation ‘nai’ ist zwar in Verbindung mit Nomina wie ‘tozen naka’[14] und ‘jutsu naka’[15] nachweisbar, im Falle von ‘gatten’ (Einverständnis) würde man eher ‘gatten ga ikanai’ erwarten. Auch das von der Societas Jesu 1603/4 in Nagasaki gedruckte ‘Vocabulario da lingõa de Iapam’, in dem die gesprochene Sprache sehr beachtet wird, enthält nichts in dieser Richtung:

“Gatten. Gatten itaita. Gattenni maitta. Tenho entendido.” [Ich bin einverstanden] [16]

Die Endung ‘ka’ blieb in Kyushu übrigens auch bei Adjektiven bewahrt: yoka (= yoi), utsukushika (= utsukushii) etc. Regional überliefert üblich ist ferner das Wort ‘bobo', das den Padres nicht entgangen war:

“Bobo. Weibliche Scham. Wort, das Frauen und Mädchen gebrauchen.”

So geben die, bei erstem Hinsehen abstrus wirkenden Sprachbeispiele trotz aller Mängel eine ganze Reihe linguistischer Aspekte des Japanischen vor rund 330 Jahren preis. In diesen wenigen Sätzen ist das Leben in Deshima auf seine wesentlichen Punkte komprimiert: Grüßen, Essen, Trinken, die Bitte um Hilfe und Handreichungen, das Danken, die Frage nach dem Preis einer Ware. Das Schiff (aus Batavia) hat seine sprachlichen Spuren ebenso hinterlassen wie der Umgang mit den Frauen aus dem Vergnügungsviertel Maruyama. Selbst die Anwesenheit des europäischen Chirurgen läßt sich rekonstruieren. Der “Meister” bzw. “meester” ist ein ‘heelmeester’ und wird im Japanischen (gekyô = Chirurg)[17] sogar mit der ehrenden Anrede ‘-dono’ bedacht. Auch in den anderen Wendungen sind Elemente einer honorativen Sprechweise wie ‘gozaru’ und ‘môsu’ häufig, was auf die wahrscheinlich niedrige(re) Stellung der Sprecher deutet. Da ein derart verballhorntes Wort wie “co∫mis” (7) auch in Georg Meisters 1692 erschienenem ‘Orientalischen Lustgärter’[18] genau in dieser Form wieder auftaucht, ist es nicht ausgeschlossen, daß wir es zum Teil mit einem niederländischen ‘Compagnie-Japanisch’ zu tun haben. Die Dürftigkeit dieser Sprache läßt erahnen, wie man miteinander umging.

 

 Literatur

[M1] Gedenkwaerdige Gesantschappen der Oost-lndische Maetschappy in’t Vereenigde Nederland, aen de Kaisaren wan Japan [...] Getrokken uit de Geschriften en Reisaentekeninze der zelver Gesanten, door Arnoldus Montanus. t'Amsterdam. By Jacob Meurs [...] 1669.

[M2] Denckwürdige Gesandtschafften der Ost lndischen Gesellschaft in den Vereinigten Niederländern / an unterschiedliche Keyser von Japan [...] Aus den Schriften und Reyseverzeichnüssen gemelter Cesanten gezogen / Durch Arnoldus Montanus. Bey Jacob heurs [...] in der Stadt Meurs / 1669.

[VLI] Vocabulario da lingoa de lapam [...] em Nansasaqui no Collegio de lapam da Companhia de Jesvs. Anno M.D. Clll. / Supplemento [...] Anno 1684. Faksimile. Kaiseisha, Tokyo 1973.

 

Anmerkungen
[1]   Engelbert Kaempfer: Geschichte und Beschreibung von Japan. Lemgo 1777-1779, LXVII.
[2]   M2, S.412
[3]   Chikugo-dono (筑後殿), etwa 'Exzellenz Chikugo'. Gemeint ist Inoue Masashige (井上政重) mit dem Ehrentitel 'Bewahrer von Chikugo' (Chikugo-no-kami (筑後守).
[4]   d.h. gepreßter Tuschestein
[5]   fu-hsi (chines.): 伏義
[6]   Kuan-hua (chines.): 官話
[7]   Einwohner im Raume Tonkin (東京), heute der nördliche Teil Vietnams.
[8]   Einwohner in Cochinchina, heute der südliche Teil Vietnams
[9]   外境(者). Vgl. VLI: “Guegiôa. Cururgião.”
[10]   嫁御. Vgl. VLI: “Yomego. Nora, falando com mais respeito. ou boura.”
[11]   “Bobo. Pudenda mulieris. Palauras que as molheres, & meninan usão.” Zur geographischen Verteilung in dieser Bedeutung siehe das Nihon Kokugo Daijiten. Tôkyô 1975 (『日本国語大辞典』).
[12]   Eiji Toyama: Kindai no on'in. In: Kokugoshi kôza 2, on'inshi·mojishi. Tôkyô 1972. S.181f. (外山映次『近代の音韻』 国語史講座2、音韻史・文学史). Tadayoshi Imaizumi: Nippu-jisho no kenkyû — on'in. Tôkyô 1968, S.63 (今泉忠義『日葡辞書の研究・音韻』).
[13]   Akira Kôno: Rapunichi-jiten no nihongo ni okeru ie kôtai In: Nihon Onsei Gakkai Kaihô. No.96, 1958. 9ff.(河野亮「羅葡日辞典の日本語におけるie交代」 『日本音声学会会報』). Michio Iida: i to e no kôtai ni tsuite. dto. No.181, 1959, 6f.(飯田道夫「 iとeの交替について」). Siehe auch Toyama (S.182) und Imaizumi (S.68f.).
[14]   徒然ナカ. Z.B, belegt für Kurume (Fukuoka), etwa 'sterbenslangweilig', 'nichts zu machen'
[15]   術ナカ. Etwa 'nichts zu machen'
[16]   合点. An Fügungen findet man 'gatten suru', 'gatten dearu', 'gatten ja', 'gatten ga iku'.
[17]   gekyô外経
[18]   Der Orientalisch=Indianische Kunst= und Lust=Gärtner / [...] entworffen und fürgestellet durch George Meistern [...] In Verlegung des Autoris, druckts Johan Riedel / Anno 1692, S. 187

 

TOPTOP
inserted by FC2 system