German translation of: Caspar Schamberger no chôji ni tsuite. (Caspar Schamberger's Memorial Adress). In: Nihon Ishigaku Zasshi@-@ Journal of the Japanese Society of Medical History, Vol. 37, No.4 (1991), pp.143 - 151.
Due to HTML code problems some features have been changed.

Wolfgang Michel

Caspar Schambergers "Leichenpredigt"


Über den aus Leipzig stammenden Vater der Caspar-Chirurgie, Caspar Schamberger (1623-1706), hatte ich bereits eine Reihe neuer biographischer Funde vorgestellt.1 Im Laufe weiterer Nachforschungen fand ich die 'Leichenpredigt' (Fig.1) und einige andere kurze Reden etc., die anläßlich seines Todes gehalten worden waren:
"Einen Gläubigen in seinem allezeit getrosten Muthe, Stellte bei Christlich=solenner Leichen-Bestattung Des Wohl=Ehrenvesten, Vor=Achtbarn und Wohl=Fürnehmen Herrn Caspar Schambergs, Fürnehmen Bürgers und berühmten Handels=Manns allhier, Den XI. April. A. MDCCVI. Der Hochansehnlichen Versam}lung in der Academischen Paulinder=Kirche aus Jes. XLIII, 1-3. zu betrachten dar D. Gottlob Friedrich Seligmann, P.P. Consist. Assessor, und zu S. Thomas Pastor. Leipzig, gedruckt bey Johann Samuel Fleischern."

Die Predigt wurde gedruckt, was nur bei sehr wichtigen Personen üblich war und die Stellung Schambergers in der Leipziger Gesellschaft deutlich macht. Da die Auflage sehr klein war, ist heute nur noch ein einziges Exemplar erhalten, das in der Stolberg-Stolbergschen Leichenpredigten-Sammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel aufbewahrt wird.


Fig. 1 Schambergers Leichenpredigt, Frontispiz[2]

Am Anfang finden wir zunächst eine Grabrede des Pastors Seligmann von 66 Seiten Länge (!), die selbst bei zügigem Vorlesen zweieinhalb Stunden gedauert haben dürfte. Gefüllt mit Zitaten aus der Bibel wird den Hinterbliebenen und trauernden Trost gespendet. Immer wieder wird die lange Reise Schambergers von über 20 000 Meilen angesprochen, sein zweimaliger Schiffbruch und die Rettung als Zeichen besonderer Zuversicht in Gott und zugleich auch Zeichen der besonderen Gnade Gottes. Es folgt ein "Lebens=Lauff" von 13 Seiten, auf den ich weiter unten genauer eingehe. Ein kurzer "Beschluß" und das "Vater Unser" beenden die Leichenpredigt. Es folgt eine sechsseitige "Abdanckung", gehalten im "schwarzen Trauer-Saal" von Johann Gottlob Pfeiffer. Außerdem finden wir ein bei Johann Wilhelm Krügern gedrucktes "Letztes Ehren=Gedächtniß" von neun "Patronen / Anverwandten und Freunden": D.Johann Cyprianus P.P., D. Christoph Schreiter, D. Johann Christoph Schacher P.P., D Polycarpus Gottlieb Schaer P.P. Extr., Lic. Johannes Dornfeld, L Immanuel Horn, Archidiaconus zu St. Thomas., M. Romanus Teller, M. Christian Ehrenfried Seyffert, SS. Theol. Stud.Johann Graupner und Phil. & Medic. Stud. Christian Jacob Seyler. Ein weiterer dreiseitiger Text, gedruckt bei Christian Gözen, enthält "eylfertige Trauer=Zeilen" in Versform von L. Gottfried Olearius, P.P. Auch ein Vetter Schambergers, Johann Stephan Vlitz, ließ seine "Gedancken" bei Johann Andreas Zschau drucken. Am Schluß der Textsammlung findet man drei Seiten mit "Wehmüthigen Thränen", vergossen von den Enkeln Caspar Friedrich und Christian Gottfried "Schamberg".

Fig. 2 Schambergers Lebenslauf [3]

Der kurze Lebenslauf (Fig.2), wahrscheinlich von Pastors F. Seligmann verfaßt, ist von besonderem Interesse. Eine deutsche Edition des Textes habe ich bereits publiziert.[4] Nachfolgend möchte ich einige bislang unbekannte Einzelheiten, zur Kindheit, Ausbildung und zu seiner Tätigkeit für die Ostindische Compagnie vorstellen und diese in den bisher bekannten Lebenslauf einfügen.
Ich hatte schon zuvor vermutet, daß Schamberger kein studierter Arzt, sondern ein Chirurg gewesen sein muß. Dies wird nun durch folgende Zeilen aus dem "Lebens=Lauf" bestätigt:

"Ob nun wohl anfänglich diese seine liebwertheste Eltern, bey anwachsenden Jahren ihres Sohnes, einige Lust und Inclination zur Handelschafft bey ihme verspühret, so haben sie doch, wegen der damahligen Teutschen Krieges=Unruhe nicht vor rathsam erachtet, diese Lebens=Arth und Profession vor ihr Kind zuerwehlen, sondern ihn vielmehr, sonderlich auff Einrahten des berühmten damahligen Medici, Herrn D. Michelis, zur Chirurgie anführen zu lassen mit GOTT entschlossen, ihn auch zu dem Ende [= Zweck] der treuen Anführung Herrn Christoph Bacherten, wohl=erfahrnen Chirurgi hiesiges Orts, den 16 Martii Anno 1637 überlassen, da er dann innerhalb dreyen Jahren solche gute Fundamenta in dieser Wissenschafft geleget, daß er zwar Anno 1640. von diesem seinem Lehr=Herrn seine Dismission [=Abschied] mit Ruhm und Ehren erhalten, iedoch zu mehrerer Perfection und Excolirung [=Verfeinerung, Veredelung] seiner Kunst, bald darauff nach Halle und Naumburg gereiset, und noch gantzer zwey Jahr daselbst dieser Wissenschafft mit allem Fleiß obgelegen."[5]
Über Christoph Bachert vermochte ich leider nichts herauszufinden. Johan Michaelis[6] aus Soest (Westfalen) war nach Studien in Wittenberg und einigen anderen deutschen wie holländischen Universitäten 1630 in Leipzig Magister, 1631 Doktor und bald darauf Professor geworden. Im Laufe seiner weiteren Karriere stieg er zum Decanus perpetuus seiner Fakultät, der Academie Decemvir auf, wirkte u.a. seit 1641 bei Herzog Wilhelm von Altenburg und ab 1662 beim Kurfürsten Johann Georg II. als Leibarzt. Er machte als erster in Leipzig die 'chymischen Medikamente'[7] bekannt und erfand selbst viele compositiones medicas, unter denen das 'Specificum cephalicum'[8] sehr gebräuchlich gewesen sein muß. Auch betrieb er die Wiederauflage wichtiger Werke und schrieb Vorreden zu vielen Büchern. Michaelis starb 1667. Seine Opera omnia wurden in Nürnberg 1688 gedruckt und 1698 noch einmal aufgelegt. Im Jahre 1637, als er Schambergers Eltern eine chirurgische Ausbildung anriet, war er Anfang dreißig und bereits Ordinarius.
Um in Leipzig Meister zu werden, mußte ein junger Chirurg nur zwei Dienstjahre absolvieren, eine Wanderschaft wurde nicht unbedingt verlangt. Der erst 16 Jahre alte Schamberger jedoch begibt sich "mit Consens und Einwilligung der lieben Seinigen" auf Reisen, was während des 30jährigen Krieges nicht ungefährlich war. Zunächst zieht er nach Halle und Naumburg, um sich für zwei Jahre weiter zu vervollkommnen Der "Lebens=Lauf" nennt dann Hamburg, Lübeck, Königsberg in Preußen, Danzig, Schweden, Dänemark und schließlich Holland.[9]
Die Entscheidung nach Ostasien zu fahren, erklärt Pfarrer Seeligmann mit 'göttlicher Direktion' und dem Drang, sich in seinem Beruf zu vervollkommnen. Auch andere Nachrufe gehen auf diesen Punkt ein, und man spürt selbst nach vielen Jahrzehnten einer bürgerlichen Lebensführung Schambergers die Schwierigkeiten seiner Mitbürger, die Motive seiner so ausgedehnten Reisen zu verstehen. Schamberger bewarb sich bei der Kammer von Amsterdam,[10] die, wie ich schon ausführte, eine strenge Prüfung der Chirurgen durchführt.[11] Er wird auf drei Jahre verpflichtet und begibt sich zusammen mit einem Oberchirurgen und zwei Unterchirurgen auf das Admiralsschiff "Mauritius Eyland".[12] Die Flotte läuft am 24. 10.1643 aus. Vermutlich war er der sogenannte 'dritte Meister'. Die Chirurgen pflegten ihre Mahlzeiten gemeinsam mit den Schiffsoffizieren einzunehmen und hatten etwas bessere Unterkünfte als die Mannschaftsgrade. Ihnen oblagen die Versorgung der Kranken und bestimmte hygienische Desinfektionsmaßnahmen wie das Abbrennen von Schießpulver oder Verdampfen von Essig in den Quartieren. Die Sterblichkeitsrate auf der langen Strecke von Europa nach Südostasien war außerordentlich hoch. Schon bald nach dem Auslaufen mangelte es an frischen Nahrungsmitteln und Trinkwasser, und gegen die diversen Infektionen in südlichen Breiten vermochte ein europäischer Chirurg, dem die Behandlung derartiger Leiden an Land verboten war, ohnehin nichts auszurichten. Die schlechte Ventilation der Schiffe tat das ihrige. Bei der Hinreise Schambergers existierte die 'Verfrischstation' (verversingplatsen) am Kap der Guten Hoffnung noch nicht,[13] so daß es Patienten zu Hauf gab. Ob ihre Flotte am Kap wenigstens Wasser aufnehmen konnte, ist nicht klar. Auf jeden Fall erlebte Schamberger zwei heftige Stürme, die zum "Verlust des Schiffes und Lebens=Gefahr unter den wilden Innwohnern" führen. Wir wissen leider nicht, wo dies geschah. Da die Mauritius in späteren Dokumenten erwähnt wird, scheint mit "Verlust" gemeint zu sein, daß Schamberger ins Meer gefallen, aber dann wieder von einem anderen Schiff wieder aufgenommen worden war. Die Überfahrt zog sich in die Länge, schließlich kam es zu einer "gefährlichen Rebellion auff dem Schiffe", die zusammenbrach oder niedergeschlagen wurde. "Wegen Mangel frischen Wassers und andern vielen Ungemach" in Äquatornähe warf ihn eine hitzige und beinahe tödliche Krankheit zwei Mal aufs Lager.[14] Nach neun langen Monaten betrat Schamberger endlich "glücklich und gesund" am 31. Juli 1644 den Boden Batavias, dem Zentrum des ostindischen Compagnie-Imperiums. Seine robuste Konstitution wurde auf dieser Fahrt erstmals unter Beweis gestellt.
Viel Ruhe gönnte man ihm nicht: er mußte unverzüglich an Bord eines "Orlogs=Schiffes", eines Kriegsschiffes also. Denn die Compagnie bereitete gerade die neunte Seeblockade der Portugiesen in Goa vor. Das Kommando hatte Jaen Maetsuycker (1606-1678) inne. Auf einem der Schiffe segelte der Leipziger Landsmann Johann von der Behr mit, der dieses Unternehmen ausführlich beschrieb. Vier Tage nach dem Aufstellen der Truppen ging es am 8. August 1644 an Bord. Am 10. lief die Flotte aus und traf am 28. August vor Goa ein. Maetsuijcker erreichte seine Ziele diese Mal ohne Kämpfe durch Verhandlungen.[15]
Schambergers Lebenslauf nennt dann als nächste Station Ceylon. Nach erfolgreichem Abschluß der Geschäfte vor Goa steuerte Mitte November ein Großteil der Flotte die Fortresse Negombo an der Westküste an, welche die Portugiesen am 4. Januar der VOC übergeben hatten.[16] Alsdann ging es nach Surata und Persien.[17] Vor Hormus am Persischen Golf versammelte sich unter Claes Cornelisz Blocq eine stattliche Flotte mit 507 Seeleuten und 452 Soldaten. Doch die diversen Attacken und Verhandlungen vor "Gamron" und "Kismis" zeitigten keine nennenswerten Erfolge. Aus den Ortsangaben Schambergers vermute ich, daß er auf der Schelvis eingesetzt war.[18] Das persische Abenteuer wurde Mitte August 1645 abgebrochen. Schambergers Schiff segelte danach zu den Molukken, namentlich nachTernate, und lief am 5. Januar 1646 wieder in die Bucht von Batavia ein.[19] Die Zeit bis zum nächsten Unternehmen verbrachte er wahrscheinlich im Krankenhaus der Stadt ('Gast Huys') oder im 'Chirurgijns-Winkel' des Kastells.
Am 23. August 1646 bekam Schamberger die Order "nach der Insul Formosa, ingleichen den Königreichen China, Japan" abzureisen. Das hieß, daß er sich inzwischen für weitere Dienstjahre verpflichtet hatte. Zur Dauer seines Aufenthaltes auf Formosa weiß ich nichts. Vermutlich lief ihr Schiff den Hauptstützpunkt Zeelandia an der Südwestküste an. Noch unklarer ist seine Reise nach China. Dort war im Jahre 1644 die Herrschaft der Ming zusammengebrochen. Gerade in den südlichen Landesteilen leisteten deren Anhänger noch beachtlichen Widerstand gegen die Qing-Armeen, so daß niederländische Schiffe, mit denen man in China ohnehin nichts zu tun haben wollte, ein erhebliches Risiko eingingen. Schambergers Aufenthalt in Japan ist gut erforscht. Hier möchte ich nur die Schilderung im "Lebens=Lauf" eingehen. Dort heißt es:[20]
"Als er nun hierauff den 23sten Augusti Ordre bekommen, mit der großen Ost=Indianischen Gesandtschafft nach der Insul Formosa, ingleichen den Königreichen China, Japan, und endlich gar nach Jedso, nebst andern Orthen, abzureisen, hat er nicht allein solcher Ordre gehorsamst nachgelebet, und sich alsobald zu Schiffe begeben, sondern auch als er an letzt=gedachten Orte von vier Japanischen Medicis seiner [S.72] Profession wegen examinirt, und seiner Chirurgischen Wissenschafft probat erfunden worden, die hohe Gnade erhalten, daß er wegen seiner Kunst und Operationum Chirurgicarum von dem Japanischen Käyserlichen Hofe selbsten, auch andern grossen Herren und vornehmen Standes=Personen, in manchen ereigneten Fällen zu rathe gezogen, auch wegen vieler glücklicher Curen mit hohen Privilegiis und Freyheiten, so wohl vor seine Person selbst, als die sämtliche Ost=Indianische Compagnie begnadiget, und endlich gar daselbst eine Zeitlang zu verbleiben genöthiget worden. Und wiewohl er auff sein inständiges suchen, endlich wiederum die Dimission [=Verabschiednung] und zu seiner vorigen Europæischen Compagnie zurücke zu kehren, Erlaubniß erhalten, ward er doch das andere Jahr darauff mit dem neuen Ober=Haupt wiederum an den Japanischen Käyserl. Hof auffs neue beruffen."
Aus dieser Schilderung folgt, daß er offensichtlich nicht mit dem Gesandten Andries Frisius, sondern zusammen mit dem künftigen Leiter der Faktorei Dejima, Anthonio van Brouckhorst, anreiste. Dessen Fluytschiff Maasland gelangte über 'Tayowan' nach Japan und lief am 7. Aug. 49 in der Bucht von Nagasaki ein. Die Episode der 'Examinierung' durch vier japanische Ärzte findet man auch im Daghregister des Faktoreileiters Anthonio van Brouckhorst unter dem Datum des 7. Nov. 49. Dort heißt es, daß die Dolmetscher Inomata Denpei und Namura Hachizaemon mit vier geschorenen Männern gekommen seien. Der Gouverneur von Nagasaki ließe ersuchen, daß man die vier täglich in der Chirurgie unterweise. Sie werden dem Chirurgen, also Schamberger, vorgestellt, der danach offenbar seinen Pflichten nachgekommen ist.[21] Der berühmte zehnmonatige Aufenthalt in Edo wird Schamberger gegen Ende doch ziemlich lang.
Was er in den verbliebenen Jahren in Ostindien machte, wird nicht sehr deutlich. Da der "Lebens=Lauf" etliche weitere Reisen nach Japan, Siam, Tongkin erwähnt, lief sein Schiff u.a. auch Nagasaki an.[22] Johann Gottlob Pfeiffer, der anläßlich der Beerdigungszeremonien eine "Abdanckung" hielt, Cochin und die Molukken.[23] Insgesamt habe Schamberger dreizehn Mal den Äquator passiert und in seinen 12 Reisejahren neunzehn- bis zwanzigtausend Meilen zurückgelegt. Im September 1655 trifft er wohlbehalten in Holland ein und kehrt nach einigen Wochen nach Leipzig zurück. Zu seiner besonderen Freude ist sein Großvater mütterlicherseits noch am Leben.[24] Im "Lebens=Lauf" heißt es weiter, er habe in der Ost=Indiischen Compagnie viel "im Handel gelernet und erfahren" und dadurch wie auch durch seine chirurgischen Fähigkeiten "einen ziemlichen Segen Gottes erlanget". Das heißt, Schamberger kehrte, wie ich bereits vermutete, als wohlhabender Mann zurück. Seine Mitbürger in Leipzig bekamen so manche Geschichte über "Glücks- und Unglücksfälle zu Land und zu Wasser" derart häufig zu hören, daß der Pfarrer auf sie bei der Beerdigung nicht mehr eingehen mag, weil sie "jedermann sattsam und zur Genüge" bekannt seien.[25]


Fig.3 Das Vorwerk Schambergers[26]

Die Leichenpredigt geht dann zu seinem Lebensende über. Schamberger zwar in den letzten beiden Jahren von "unterschiedlichen Leibes=Schwachheiten" geplagt, konnte aber noch immer "den öffentlichen Gottesdienst nach seiner Gewonheit besuchen, und das eintzige Vergnügen seines Alters, vornehmlich das fast einige Plaisir in seinem von ihm selbst wohlangelegten Vorwercke, Sommer= und Winters=Zeit, dennoch genießen".[27] Jenes Vorwerk tauchte mehrfach in den oben genannten Klageschriften auf, in einem Fall sogar mit einer Skizze versehen (Fig. 3). Am Sarg des Verstorbenen wird immer wieder dieser Garten gerühmt mit kostbaren, seltenen Blumen, dem auch "hohe Häupter und Standes=Personen" besucht hätten.[28] Vielleicht hatte er dort auch aus Japan mitgebrachten Samen ausgesät. Das Familienwappen zeigt sicher nicht zufällig in der unteren Hälfte drei Blumen. (Fig.4).

Fig.4 Das Wappen der Familie Schamberger[29]

Nur wenige Wochen vor Schambergers Tod stirbt sein "alter werther Freund" Pipping, und ahnungsvoll tut Schamberger auf der Leichenversammlung kund, daß er wohl der nächste sein werde. Die Umstände seines Ablebens werden in der Leichenpredigt wie folgt beschrieben:

"Allein nachdem er am verwichenen heiligen Oster=Feyertagen, als er am Palm=Sonntage vorher noch bey so guten Kräfften war, daß er bey öffentlicher Gemeine als ein würdiger Tisch=Gast seines JESU, bey seiner Tafel erscheinen können, [=am Abendmahl teilnehmen konnte] einiger maßen von seinem auch sonst bißweilen ihn incommodirenden Podagra, beunruhiget worden, überfiel ihn bey der Abend=Mahlzeit am dritten heiligen Oster=Tage unvermuthet und plötzlich ein Affectus Apoplecticus, [=Gehirnschlag] welcher sich auch Mittewochs darauff zwischen zehen und eilff Uhr Vormittags, noch hefftiger als vorher, wiederum einstellete, auch eine betrübte Würckung, nemlich die Lähmung der rechten Seite, und gäntzliche Prostationem omnium Virium [Erschöpfung aller Kräfte] nach sich ließ. Ob nun wohl mit den heilsamsten Medicamentis und guten Stärckungen diesem unvermutheten Anfall nach allen Vermögen begegnet wurde, so konte sich die einmahl allzusehr geschwächte Natur nicht wiederum recolligiren. [=wieder aufbauen]
Dannenhero, weil der Selige wohl merckte, daß sein Lebens=Ziel nunmehro da, und die Stunde seines Abschiedes und Himmels=Reise vorhanden, erwartete Derselbige dieses sein seliges Simeons=Stündlein[30] nicht nur mit Geduld, sondern bereitete sich auch noch zu denselbigen, Christ=gewöhnlicher maßen, mit andächtigen Singen und Beten, in welcher seligen Vorbereitungs=Pflicht ihm so wohl sein Herr Beicht=Vater, als auch seine nahe Anverwandten, und andre Christliche Freunde allen möglichsten Beystand leisteten; Welches ihr andächtiges und ernstlich Thränen=Gebet der gütige Gott auch gar bald in Gnaden erhöret, und nachdem der Selige kaum zwey Tage auff seinem Siech= und Sterbe=Bette in solcher heiligen Arbeit, wiewohl fast ohne allen Schmertzen, die Ankunfft seiner Erlösers erwartet, hat ihn dieser endlich am verwichenen Donnerstage Abends drey Viertheil auf neun Uhr, mitten unter andächtigen Gebet und Singen der Umstehenden, sanfft und selig von dem Leibe dieses Todtes erlöset, als er in demselbigen von seinem GOTT die sehr rare und nicht so gewöhliche Gnade erhalten, daß seine Lebens=Jahre noch über Mosis ordentlich gesetztes Ziel hinaus gerücket worden,[31] indem er sein Alter gebracht auff drey und achtzig Jahre, weniger fünff Monath."[32]
Bald nach der aufwendigen Beerdigungsetzen die Streitigkeiten um die beträchtliche Hinterlassenschaft ein, die durch den bald folgenden Tod des ältesten Sohnes Johann Christian (4.August1706) sicher noch verstärkt wurden. In den Akten des Leipziger Stadtarchivs überdecken die diversen "Widersprüche wegen Veräußerung seines Vorwerks, Gartens u. seiner Häuser" (II. Sektion S Nr. 721) den Zeitraum von 1706 bis 1750. Das Vermögen, um das es ging, war beträchtlich.


Literatur

  • Johann von der Behr (1669): Reise nach Java, Vorder-Indien, Persien und Ceylon 1641-1650. In: Reisebeschreibungen von deutschen Beamten und Kriegsleuten im Dienst der Niederländischen West- und Ost-Indischen Kompagnien 1602-1797. Herausgegeben von S.P. L'Honoré Naber. Band vier. Haag 1930.
  • Daghregister des Comptoire Nangasacqij zedert 9. December Ao 1648 tot 5e2 November Ao 1649 en 1650. (Het Algemeen Rijksarchief, Haag)
  • Daghregister des Comptoirs Nangasacquij zedert 5e November Ao 1649 tot 25e October Ao 1650. (Het Algemeen Rijksarchief, Haag)
  • Wolfgang Michel (1990a): Caspar Schambergers "Lebens=Lauff". In: Gengobunka ronkyû, No.1, Fukuoka 1990, S.41-51.
  • Wolfgang Michel (1990b):
  • Dirk Schoute: De geneeskunde in den dienst der Oost-Indische Compagnie in Nederlandsch-Indië. Amsterdam 1929.
  • Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: Katalog der fürstlich Stolberg-Stolbergschen Leichenpredigten-Sammlung Bd.1-4. Leipzig: Degener 1927-1935. Schambergers Leichenpredigt ist unter der Nr. 19803 registriert.


Anmerkungen

    [1] Michel (1990a), (1990b)
    [2] Stolberg-Stolbergschen Leichenpredigten-Sammlung, 19803
    [3] Stolberg-Stolbergschen Leichenpredigten-Sammlung, 19803
    [4] Michel (1990a)
    [5] Leichenpredigt, S.68f.
    [6] Christian Gottlieb Jöcher: Allgemeines Gelehrten=Lexicon 1750 (Nachdruck Hildesheim 1961)
    [7] [KANJI]
    [8] Hauptbestandteile dieses Pulvers waren Zinnober und Päonienwurzel. Dazu kamen kleinere Zutaten von Smaragd, Eldeklane, Menschenschädel, Rote Koralle, Hirschhorn, Perle und Bernstein.
    [9] Leichenpredigt, S.69f.
    [10] Leichenpredigt, S.70
    [11] Michel (1990b), S.205
    [12] Leichenpredigt, S.70
    [13] Diese wurde erst 1651 durch Jan Anthonisz van Riebeeck (1619-1677) gegründet.
    [14] Leichenpredigt, S.71
    [15] Behr, S.46ff.
    [16] Behr, S.51
    [17] Leichenpredigt, S.71
    [18] Behr, S.71 ff.
    [19] Leichenpredigt, S.71
    [20] Leichenpredigt, S.71f.
    [21] Daghregister, 7.11.1649
    [22] Leichenpredigt, S.72
    [23] Leichenpredigt, "Abdanckung", ohne Paginierung
    [24] Leichenpredigt, S.73
    [25] Leichenpredigt, S.76f.
    [26] [KANJI]

    [27] Leichenpredigt, S. 77
    [28] Leichenpredigt, "Abdanckung" Johann Gottlob Pfeiffers, ohne Paginierung
    [29] Leichepredigt, beigefügtes Blatt
    [30] Laut dem Evangelium nach Lukas (2, 25-33) war Simeon aus Jerusalem vom heiligen Geist bedeutet worden, "er solle den Todt nicht sehen, er habe denn zuvor den Christ des Herrn gesehen". Darauf begegnete er dem Kind Jesus und erkannte in ihm den Heiland. Mit 'Simeonsstündlein' dürfte daher das Erlebnis des Heilands und des nachfolgenden friedvollen Todes gemeint sein.
    [31] Dies bezieht sich auf eine Stelle im "Gebet des Mose" (Psalm 90), wo es heißt:" Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre".
    [32] Leichenpredigt, S. 77ff.


TOPTOP
inserted by FC2 system >