Cover: Engelbert Kaempfer, Werk und Wirkung

Wolfgang Michel: Engelbert Kaempfers Beschäftigung mit der japanischen Sprache. In: Detlef Haberland (ed.): Engelbert Kaempfer. Werk und Wirkung. Vortraege der Symposien in Lemgo (19.-22.9.1990) und in Tokyo (15.-18.12.1990). Boethius-Verlag, Stuttgart 1993. pp. 194 - 221.

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Wolfgang Michel

Engelbert Kaempfers Beschäftigung mit der japanischen Sprache



 

 Vorbemerkung

Nicht nur das strenge Reglement und die Staketen um Deshima (Dejima) schränkten die Erkundung von Land und Leuten empfindlich ein. Auch die Sprachbarriere vermochte Kaempfer angesichts seines kurz bemessenen Aufenthaltes nur indirekt zu nehmen. Schon bald nachdem er 1690 japanischen Boden betreten hatte, begann er, einem ihm zugeteilten, in der japanischen und chinesischen Schrift bewanderten jungen Mann die holländische Sprache 'grammatisch' beizubringen. Ob Imamura Gen'emon Eisei (1671-1736)[1] wirklich innerhalb eines Jahres alle Dolmetscher hinter sich ließ, wie Kaempfer behauptet, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall konnte der stolze Lehrmeister dank dieses Mittlers "die notitz einheimischer Sachen mit voller Erndte einnehmen."[2] Das Japanische stand neben der Landes- und Kulturkunde zweifellos im Brennpunkt der Kaempferschen Forschungen. Zum Catalogus Plantarum Japonicum schrieb er gar, er habe alle ihm zugänglichen Pflanzen "in der einzigen Absicht" aufgenommen, "ihre Namen und Schriftzeichen in der Sprache des Volkes zu lernen", unter dem er "eine Zeit lang" leben wollte.[3]

Auch schürzte Kaempfer gerne die Lippen zu japanischen Äußerungen, so während der Audienz des Shôguns Tokugawa Tsunayoshi im Dialog mit einem der herbeigerufenen Chirurgen:

Er deute auch unserer pflaster kundig zu seÿn, sagte die Nahmen davon mit krummer Zunge, worin ich ihm auf krum japonisch zurechte halfte. Und weilen die Nahmen zum theil Lateinisch, zum theil krum Japonisch waren was ich redete, so fragte der Kaÿser, was wir mit einander, und in was sprache der Holländer redete. Antwort Japanisch, aber schlecht.[4]

Wenn er das an solch hohem Orte wagte, wird er im Alltagsleben mit seinem Kauderjapanisch unter den Einheimischen viel Freude verbreitet haben. Wir dürfen ihm weiter eine gewisse Hörfähigkeit zutrauen, wenn er anläßlich der Hinrichtung zweier japanischer Missetäter sich mit seinem Diener "hinter den lezteren Sünder" stellt und "unter beiden einen artigen discurs" verfolgte.[5] Auch verspürte er 1692 während der Reise nach Edo die "unredlichkeit" des Dolmetschers (Motoki Shôdayu Ryôi),[6] als dieser die Ise Pilger auf dem Wege anrief und warnte, "sich nicht mit herannahung zu beflecken".[7] Gewiß, dies alles hebt Kaempfer nicht in den Rang eines João Rodriguez, Verfasser der Arte da Lingoa de Iapam (Nagasaki 1604), der ersten und für Jahrhunderte unübertroffenen westlichen Japanisch-Grammatik. Und es gab im siebzehnten Jahrhundert durchaus Niederländer, die dank längeren Aufenthaltes besser japanisch sprachen als er. Doch nur Kaempfer griff - mit erdrückendem Fleiß - zur Feder.

Forschungen hierüber existieren nicht. In allen mir bekannten Arbeiten zur Geschichte der europäischen Erkundung der japanischen Sprache erwähnt man bestenfalls die Titel seiner Publikationen, um dann zu Carl Peter Thunberg und Isaac Titsingh überzuleiten. Das so hingetuschte Bild einer hundertfünfzigjährigen Ruhephase zwischen den Werken der iberischen Missionare im 'christlichen Jahrhundert' Japans (1549-1639) und den den Studien aus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts bedarf einer Korrektur. Als ich vor vielen Jahren einen zaghaften Versuch unternahm,[8] war mir der Umfang der unveröffentlichten handschriftlichen Hinterlassenschaften Kaempfers nicht bewußt. Inzwischen fand ich eine Reihe von Materialien, welche die obige Lücke ein wenig verengen. Eine Einführung in die japanische Sprache und Schrift ist hier nicht möglich. Nötigenfalls verschaffe man sich einen Überblick in Nachschlagewerken wie z.B. dem Japan-Handbuch von Hammitzsch.[9]

 


 Kaempfers allgemeine Einschätzung der japanischen Sprache

In den gedruckten Schriften führte Kaempfer trotz seines bekundeten Interesses nur wenig zur Sprache aus. Erwähnenswert sind lediglich einige Gedanken im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Herkunft des japanischen Volkes im Heutigen Japan (Geschichte und Beschreibung Japans). Daß im Abendland zunächst die These einer Abstammung von den Chinesen umging, war eingedenk der oberflächlichen Ähnlichkeiten und diverser Legenden kaum vermeidbar. Nach und nach jedoch bemerkte man in der katholischen Mission auch Unterschiede, die eine vorsichtige Revision bewirkten, wie sie im "Appendix de regno Japoniae" des Novus Atlas Sinensis. A Martino Martinio descriptus (Amsterdam 1655) beispielhaft formuliert ist:

Von Iaponien aber komt vns zum ersten des Volckes vhrsprung vor: Welchen viele von den Sinesern abzehlen wollen / denen auch ich beypflichte; doch nicht so sehr / daß ich gläube sie von Sinesern allein hergekommen / sondern auch theils von Tartaren / fürauß den Morgenländischen / entsprossen seyn; welche / des ich nicht zweifle / in Iaponien gewohnt haben / vnd durch die benachbarte Länder Yedo herein gezogen seyn / über das zwischengelegene enge Meer mit Schiffen / oder vielleicht auff dem Eyse: dann es ist bekand / daß alhier offtmalen harter Frost vnd grosse kälte sey. Dessen belehren mich dreyerlei: Zu erst / weil die Iaponeser schir auff Tartarische weise ihr Haupt-Haar abschneiden / vnd weniges überlassen / das Haupt mehrentheils kahl bescheren / das Kin aber mit einem Rupf-eysen glat machen / welches beids bey den Sinesern niemals im brauch gewesen / zweites ist / weil die Iaponeser im sprechen vielmals die Buchstaben D und R gebrauchen / das vngewöhnlich ist für den Sinesern / weil sie deren beyder manglen / den R aber kaum vnd fast nimmer / auch mit grosser angewanter mühe vnd fleiß / nicht außbringen mögen. Drittes / daß die Iaponensische zung der Sinesischen sehr viel vngleich ist / vnd schir in nichtes verwant.[10]

Kaempfer verschärfte diesen Ansatz zur Behauptung, daß die Japaner kein Ableger Chinas, sondern eine eigene Nation seien. Seine Argumentation baut auf einem theologischen Fundament auf, das seinerzeit keiner Rechtfertigung bedurfte. Die gemeinsame Zunge der Kinder Noahs war zunächst das Hebräische.[11] Daß es zum noch heute andauernden Chaos kam, verdankte die Menschheit dem frevelhaften Turmbau zu Babel, auf welchen Gott mit der Verwirrung jener Ursprache und der Zerstreuung in alle Winde reagierte.[12] Zu den Wanderungsgeschwindigkeiten, den Entfernungen und Wegen sagt das Alte Testament nichts, was der Spekulation ein weites Feld eröffnete. Wenn die Japaner, die Kaempfer unter die babylonischen Urvölker einreiht, von fremden Einflüssen frei bleiben sollten, mußte er eine Route in den Fernen Osten finden, auf der sie nur wenig mit anderen, schneller vorangekommenen Völkern in Berührung gerieten. Ungeachtet der alttestamentarischen Prämisse und den phantasievollen Zügen durch die Tiefe des asiatischen Raumes sind seine Ausführungen zur japanischen Sprache erstaunlich hellsichtig. Unter der Devise "Sprachen weisen den uhrsprung der völker" setzte er die Sprachverwandtschaft als Hebel zur Aufdeckung ethnogenetischer Beziehungen ein:

Es ist ohn streitig daß die sprachen und derer Eigenschafften die gewißeste anweisungen thuen, deß uhrsprunges Uhrsprung der Völker und Uhrsprunglicher Zusammenfügung einer Jeglichen nation; wie dan solches in der historien mangerleÿ Völker, wan man die selbe biß Zu ihrer wurtzel nach siehet, befunden wird.[13]

Dies zeige die gemeinsame "slavonische" Sprache bei den Polen, Böhmen und Russen, das "Lateinische" bei Italienern, Spaniern und Franzosen, das "Gotische" für die Dänen, Schweden, Hoch- und Niederdeutschen. Der Anteil fremder Wörter spiegele proportional die Einwanderung bzw. Vereinleibung überwundener Völker wider. Auf die gleiche Weise könne man die Entstehung und Vermischung der Völker in anderen Teilen der Welt nachweisen. Alsdann faßte er den Unterschied zwischern der japonischen und sinesischen Sprache ins Auge:

wan man die Japonische sprache durch alle worter und Eigenschafften nach rigeur einer Spanischen inqvisition untersuchte, würde man sie von dergleichen Vermengung und Verwandschafft mit benachbahrten sprachen, woraus eine Abstammung der nation könte gemuht maßet werden, freÿ und sauber befinden. Jhre nachbahren nenne ich die selbe Sinesen, welche die, der See angelegene Landschafften bewohnen, und Japan mit Jhren schiffen besuchen. Es gebrauchen sich die selbe dreÿer Verschiedenen nach ihren haupt provintzen Nankin, Tsiakisju und Foktsju benanten sprachen, Von welchen dreÿen aber kein Japaner einig wort Verstehet, es wehre dan derer dinge, welche diese landes leüte Zu gleich mit dem Nahmen hatt ein gebracht; welcher gestalt auch die Portugisen die worter pan, palma, botan, cappa, frasco, bidoru, tante und wenig andere in Japan nachgelaßen haben. So ist auch niemahlen die Überkunfft derer Sinesen, welche sich alhier nieder gelaßen, also groß und mächtig gewesen, daß sie die Japonische ihre Mutter sprache verfälschen können; den noch capable gnug, ihnen kunste und wißen schafften, auch selbst die verstandniß ihrer gelehrten Bücher und Character sprache // mit zutheilen; welcher sie sich jetzo, sowol auch coreier Tungniner[14] und mehrere angrentzende Reiche, wie die Europæer der gemeinen lateinischen sprache bedienen. Es stelt sich auch gegen den vermeinten Uhrsprung der idiotismus japonischer sprache, und construction welche sich gantz anders füget wie in der Sineschen, es seÿ mit dem gelaut der characteren oder in ihrer gemeinen sprache befande, die worter nicht immer nach der reige, sondern etwaß Versetz[t] her vor bringen lesen, und zuweil einig wortlein an hefften oder Zwischen fügen müßen, damit der sinn nach der natürlichen construction ihrer Mutter sprache heraus komme. Daher sie auch die Sineschen bücher gemeinlich also nach drucken, das sie, Zu unverhinderter lesung, die Construction mit beÿ gefügten Zeichen anweisen.
Jch setze noch hin Zu die geschikligkeit ihrer Zungen und sprach instrumenten, welche ihnen die natur gahr anders wie den Sinesen beÿ gesetzet und formirt hatt. Daher die Einlandische sprache einen meist reinen und deütlichen gelaud hatt, undt die Sÿllaben selten mehr dan 2. oder 3. buch staben unsers Alphabets; hingegen in den Sinesen papulair sprachen hört man stets einen Vermengten klang Verschiedener consonanten, mit einem gleichsam singenden accent. Die Japaner können das H. nicht, als mit einem F, die Sinesen aber deütlich aus sprechen. Die Japaner sprechen die Buchstaben R. und D. rein aus, wie wol im anfang der Sillabe mit einem gutturalen gelaut; die Sinesen hingegen, besonders Nankiner, können durch aus kein R. noch D. her vor bringen noch beÿ erlernung frembder sprachen die selbe anders dan mit einem L. bedeuten. waß ich Von unter scheid der Japon und Sineschen sprache gesagt, solches kan man auch in den sprachen der benachbahrten Coreÿer und Jesoer[15] erweisen, welches aber unnötig, weil keiner der meinung ist, daß Jhr Uhrsprung von diesen Völkeren hehr Zu hohlen.[16]

Dieser kontrastive Sprachvergleich kann sich sehen lassen. Trotz des großen Lehnwortschatzes aus China ist das agglutinierende Japanische strukturell anders beschaffen als die isolierende chinesische Sprache. Beachtung verdient der Hinweis auf die portugiesischen Fremdwörter, die während des 'christlichen Jahrhunderts' eingebürgert wurden und teils bis heute die Zeitläufte überdauert haben. Da Kaempfer sich alle chinesischen Texte erklären lassen mußte, waren ihm die den Schriftzeichen beigefügten japanischen Interpunktions- bzw. Konversionsmarkierungen, Postpositionen usw. nicht entgangen. Denn die Japaner lernten nicht etwa Chinesisch. Sie transponierten lieber den syntaktisch-morphologisch völlig andersgearteten Text während des 'Lesens' über die Umstellung von Satzteilen und Ergänzung von Partikeln und Wortsuffixen in ihre Muttersprache. Allerdings verkannte Kaempfer die historische Beziehung der Schriftsysteme völlig, denn ein Stück weiter unten heißt es zum "Unterscheid alter Schrift":

Jch könnte auch beÿfügen daß Zeugniß uhr alter Buchstaben und Schrifft beÿder nationen, welcher unter sich nichts gemein haben, wie auß der alten groben Common Schrift17 der Japaner und den einfaltigen thier Bilderen der Sinesen Zu ersehen ist.

Dies stimmt nicht: die japanische Schrift ist aus China direkt übernommen bzw. im Falle der Silbenzeichen von chinesischen Charakteren her entwickelt.

 


 Beobachtungen zur Lautung

Wenn wir fremde Zungen hören, nehmen wir deren Laute geraume Zeit nicht 'objektiv' wahr, sondern filtern sie unbewußt durch das Phonemsystem unserer Muttersprache. Manche Laute, die hier nicht unterkommen, fallen sofort als ungewohnte, fremde Gebilde auf. Manche entwischen uns aber, sie werden einfach 'überhört'. Wiederum andere schlagen wir in Windeseile einem 'ähnlichen' deutschen Phonem zu, d.h. wir erkennen gar nicht ihre Andersartigkeit. So hatte Kaempfer zwar bemerkt, daß das Japanische keinen Laterallaut /l/ aufweist, zugleich aber das kurz geschlagene, postdentale japanische [΄] als europäisches [r] identifiziert:[18]

Ich merke bei dieser Gelegenheit an, daß, weil die Japaner den Buchstaben L nicht recht aussprechen können, sie dagegen ein R gebrauchen, und Horanda an stat Holanda schreiben. Fanrei Borowara ist der Name des Abgesandten Henrich Brouwers nach japanischer Art ausgesprochen.[19]

Im Deutschen sind die Phoneme /l/ und /r/ klar getrennt und differenzieren z.B. bei 'Lot' und 'rot' die Bedeutung. Auf ungeschulte Japaner wirken sie hingegen nur wie Varianten (Allophone) ein- und desselben Phonems, so daß ihnen die Unterscheidung wie auch Wiedergabe beiden Wörter schwerfällt. Zudem drückt die Lautstruktur der Silben, die im Japanischen überwiegend vokalisch enden,[20] der Perzeption ihren Stempel auf, wie das Namensbeispiel "Borowara" veranschaulicht.

Einen ganz anderen Hintergrund hat die Bemerkung Kaempfers zu einem Dorf, dessen Namen er als "Haddi oder Faddi" registrierte, weil man "aus dem Munde dieser leüte" das 'h' vom 'f' nicht unterscheiden könne.[21] Die 'ha'-Stufe des japanischen Silbenalphabets, deren Silben 'ha', 'hi', 'fu', 'he', 'ho' heute die Lautung [hA], [çi], [F¨], [hE] und [ho] haben, wurde seinerzeit noch als [FA], [Fi], [F¨], [FE], [Fo] artikuliert. Gelegentlich mag bei nachlässigen Sprechern durchaus ein [h] vorgekommen sein, doch das galt nur als lapsus linguae. Hätte Kaempfer dem Volk etwas genauer aufs Maul geschaut, so wäre ihm sicher der augenfällige Unterschied zwischen bilabialem [F] und dem labiodentalem [f] klar geworden. Indes, er schlug das [F] dem deutschen /f/ zu und konstatierte, daß die in seiner Muttersprache so wichtige Opposition zwischen /f/ und /h/ fehle.

Aber auch wenn es Kaempfer gelungen wäre, das Japanische korrekt zu 'hören', türmte sich vor ihm noch eine zweite Hürde, nämlich die der Transliteration in lateinischen Buchstaben. Schrift ist konservativ, folgt eigenen Konventionen und bildet in keiner Kultur die Sprachlaute vollständig und umkehrbar eindeutig ab. Im ersten Vergleich zu den alten Wörterbüchern der Jesuiten, deren System unter dem Einfluß der japanischen Silbenschrift steht, wirkt Kaempfers Transliteration nach dem Höreindruck ziemlich inkonsistent. Das Bild hellt sich ein wenig auf, wenn wir uns vor Augen halten, wie Deutsche vor dreihundert Jahren ihre Muttersprache schrieben. Ein ausführliche Analyse wird an anderer Stelle publiziert, hier kann ich nur einige Punkte anreißen. Die Beispiele stammen aus den Collectanea Japonica (Sloane 3062), einem an japanischen Vokabeln besonders reichen Manuskriptkonvolut.

Zunächst die von Kaempfer verwendeten graphematischen Mittel:

(click)

Auf die Lesung von 'ch', 'g', 's' und 'u', die er in den Amoenitates exoticae selbst definierte, komme ich weiter unten zurück. Das 'c' vor 'o', 'u', 'a' fungierte üblicherweise als 'k'. Das 'j' und 'i', aber auch 'ij', 'ÿ' und 'y' waren austauschbar. Ebenso wie bei der Wiedergabe von 'w' als 'vv' oder 'u' als 'v' werden wir hier an den Werdegang unseres Alphabetes erinnert. Handschriftliche Frakturformen oder Varianten von 'h', 'a' und 'z' zeigten keinerlei Besonderheiten der Aussprache an, weshalb man sie außer acht lassen darf.

Japanische Silben wie /ka/, /ge/, /to/, /pe/, /mi/ sind ziemlich stringent erfaßt. Wegen der gleichklingenden Lesung im Deutschen bleiben auch Schwankungen wie 'tsu' und 'tzu' für /tsu/ unproblematisch. Hör- und Schreibschwierigkeiten hatte Kaempfer hingegen im Bereich der Affrikaten und Frikativen, wo es zu einer erheblichen Variationsbreite kommt, für die Silbe /shi/ zum Beispiel: si, sj, ssi, sy, ssy, sji, szi, -s, zi, -z, -ss, -s, s-.

Mißlungen ist weiter die Scheidung von Lang- und Kurzvokalen, bei der die deutsche Orthographie noch heute jede Logik vermissen läßt. Man denke beispielsweise nur an das lange [o:], das mal als 'oh', mal als 'oo' oder gar als schlichtes 'o' geschrieben wird. Ähnlich wie der Engländer Richard Cocks, von 1615 bis 1622 Leiter einer Faktorei auf Hirado, oder die niederländischen Kontorvorsteher von Hirado bzw. Deshima setzte Kaempfer bei den Kurzvokalen das Mittel der Konsonantenverdopplung ein, welche den voranstehenden Selbstlaut als kurz markiert: "Arra ganni" (aragane), "Azenjákku"" (asenyaku), "Búrri" (buri), "Butta" (buta), "Fákkama" (hakama), "Fákko" (hako), "Gomma" (goma), "Forri" (hori) etc. Leider gibt es jedoch zahlreiche Fälle, in denen er den Konsonanten nicht verdoppelte. Hierzu gesellen sich weitere unliebsame Überschneidungen mit der Schreibung der dem Deutschen fremden 'Spannlaute'. Diese stimmlosen langen Konsonanten (soku'on) des Japanischen erkannte Kaempfer nicht immer. Und wenn er sie notierte, fügte er zwar oft ein 't' vor den betreffenden Konsonanten ein, bediente sich hier und dort aber auch der Verdoppelung: "GuaPi" (gappi), "mawa ta" (mawatta), "Jt kokf" (ikkoku), "Set-pukku" (seppuku), "Fotke sju" / "Hokke sju" / "Fókkisju" (Hokkeshû), "Fassakf" (hassaku) .

Spätestens auf der Reise nach Edo wurde ihm das Phänomen der Dia- und Soziolekte deutlich. Es spricht für sein Streben nach phonetischer Genauigkeit, wenn er die unterschiedlichen Lautungen ein und desselben Ortsnamens stehen läßt, anstatt sie zu vereinheitlichen, und den Leser hierauf sogar hinweist:

Es ist auch zu wißen, das alle Nahmen nicht auf eine Weise geschrieben und aus gesprochen werden, sondern wegen [...] wohl klanges öffter abgekürtzet, oder in dem selben ein buchstabe in einen andern verändert, auch der buchstabe n denen Syllaben nach gesetztet wird, nach eines jeden Mundart, und eigenschafft der Japanischen sprache, welche diese freÿheit zu läßet: also spricht und schreibt man öffters Fonda für Fon Tómida, Mattira für Matzí dira, Tagáwa für Takáwa, Firangána für Firakana, Nangasáki für Nagasáki[22] etc.[23]

Die Nasalierung des inlautenden /g/ zu [N] ist aus der Gegenwartssprache vertraut. Damals gab es zudem eine Tendenz zur Nasalierung der Vokale /a/ und /o/ vor stimmhaften Klusilen wie /g/, /d/, /b/, so daß man das 'an' in "Nangasáki" und "Firangána" als [A$] interpretieren darf. Letzteres Beispiel wie auch "Takáwa" erinnert uns an die noch heute beschränkt gültige Regel, daß 'reine Laute' (seion) wie /k/, /t/, /s/, /f/ im Anlaut zu 'getrübten Lauten' (dakuon), d.h. /g/, /d/, /z/, /b/, werden, falls das betreffende Wort zweiter Bestandteil einer Zusammensetzung ist.[24] Ein /tsu/ am Ende des Wortes bzw. einer Wortkomponente wie in 'Matsudera' kann phonologisch gesehen durchaus in einen gespannten Laut, hier 'Mattera', übergehen. Eine derart extreme Verkürzung wie die von 'Hontomida' zu 'Honda' läßt sich nicht glaubhaft nachvollziehen.

Die Amoenitates exoticae liefern weitere Hinweise Kaempfers zur Aussprache des Japanischen. Im Vorwort des Fasciculus V., der eine Fülle japanischer Pflanzen unter ihrem einheimischen Namen vorstellt, lesen wir:

Die Namen variieren oft durch Hinzufügen oder Ändern eines Buchstabens: So wird ab und zu, wie es der Zunge gerade paßt, der Buchstabe n eingefügt, so daß man Naga und Nanga, Tsus und Tsuns sagen kann. Ebenfalls wegen der Euphonie wird f in b, k in g, g in k, w in b etc. geändert, vor allem in den zusammengesetzten Namen: So sagt man Sibito banna für Sibito fanna, Kinari gaki für Kinari kaki, Koquan für Goquan und Kibi für Kiwi.[25] Wenn so ein Unterschied in der Schreibweise auftritt, darf man das nicht für einen Fehler halten.[26]

Die Nasalierung von Vokalen wie auch die Trübung des anlautenden /h/ und /k/ in Komposita zu /b/ und /g/ kennen wir bereits. Für den umgekehrten Wandel von /g/ nach /k/ bzw. von /w/ nach /b/ allerdings konnte ich keine Belege aufspüren. Am selben Ort verweist Kaempfer auf das dem Gesamtwerk vorangestellte Vorwort.[27] Dort versuchte er, da ihm hinsichtlich der Aussprache der exotischen Vokabeln das Deutsche am bequemsten sei, eine mehrfache Eingrenzung der Lesung bestimmter Buchstaben. Das 'u' habe man zu sprechen wie griechisches 'u', das 'g' wie ein französisches 'gu', das 'ch' wie ein griechisches 'X' bzw. ein polnisches 'ch' ohne gutturalen Kontakt ("attactu gutturis") bzw. wie ein italienisches 'g' vor einem 'a' usw. Hier begegnet uns weiter das stimmhafte 's', daß zuweilen mit einem Zischen, "cum sibilo", zuweilen sanft wie in polnisches 'z' ohne Akzentzeichen zu lesen sei. Das zur Wiedergabe japanischer, persischer und arabischer Wörter häufig verwendete 'sj' bezeichnet er als äquivalent zum französischen 'ch', zum englischen 'sh' und deutschen 'sch'. Im heute verbreiteten Hepburnschen System verwendet man an dieser Stelle ein 'sh'. Eine solche fürsorgliche Einführung wurde den Lesern des Heutigen Japan nicht zuteil. Weiter heißt es, daß die "japanischen Laute se"o, si"o, me"o, mi"o etc." "wie eine einzige Silbe ausgesprochen werden" müßten, "ein wenig sanft, als ob man sjo und mjo schreibe".

Dieser letztgenannte Fingerzeig ist in zweifacher Hinsicht interessant. Zum einen sehen wir, daß der Zirkumflex über Vokalen als Devokalisierungszeichen dient. Zum anderen schilderte Kaempfer hier die sogenannten 'gebrochenen Laute' (yo'on),[28] die mit palatalisiertem Konsonanten vor /a/, /o/, /u/ und mit labialisierten Velaren vor /a/ beginnen. Im Gegensatz zu den durch ein einziges japanisches Silbenschriftzeichen darstellbaren 'geraden Lauten' (choku'on) schreibt man solche, urspünglich durch Kontraktion zweier Silben entstandenen 'gebrochenen Laute' mit zwei Schriftzeichen, obwohl sie heute aussprachemäßig als einsilbig gelten. Daß man vor knapp dreihundert Jahren zuweilen noch schwache Reste der inzwischen verschwundenen 'Binnenvokale' hörte, legt noch eine Bemerkung in Kaempfers Moxatraktat nahe, wo er zu einer Brennstelle namens "Seo"mon" anfügt, daß er "Schomon oder Sjomon schreiben" würde, "wenn man nicht in der Japanischen Aussprache ein ganz kurzes e" hoerte".[29] Dieser Linie folgend notierte er die Silben [sa], [s¨], [so] erfreulicherweise ziemlich durchgängig als 'sia' oder 'sja', 'siu' oder 'sju' sowie 'sio', 'sjo' oder aber 'seo'. Doch geschah dies zuweilen auch bei der /sa/-Reihe sowie [dza], [dzu], [dzo], so daß die sichere Identifikation von Silben wie /sa/, /sha/, /ja/ oder /so/, /sho/ /jo/, bzw. /su/ /shu/ /ju/ ohne Kontextwissen unmöglich wird. Auch der Dresdener Georg Meister, der zweimal (1682-83 und 1685-86) auf Deshima lebte, kam in diesem Bereich zu keiner sauberen Trennung.[30]

Die Wörterbücher und Grammatiken der iberischen Missionare enthalten - mit der Ausnahme von Diego Collados Werken - keinerlei Markierung der Prosodie. Diakritische Zeichen unterscheiden dort die langen von den kurzen Vokalen. Kaempfer hingegen legte großen Wert auf den japanischen Akzent, der gelegentlich sogar eine Bedeutungsdifferenz signalisiert. "Ich habe mich bemüht", erklärte er in den Amoenitates, "die richtige Betonung durch Akzente oder durch eine Verdoppelung der Vokale auszudrücken, wie schon im Vorwort des Buches angemerkt."[31] Leider hielt er die Verdoppelung der Vokale ähnlich wie die der Konsonanten nicht durch. Sein accentus acutus markiert, den Gepflogenheiten folgend, den Hoch- und der accentus gravis den Tiefton. Der nach oben geöffnete accentus circumflexus hingegen schwächt den betreffenden Vokal, bisweilen sogar das 'n', ab. Nur die Amoenitates exoticae, deren Herausgabe Kaempfer selbst überwachte, geben die aufwendige Akzentuierung der Handschriften wieder. Für die Erforschung der japanischen Prosodie im siebzehnten Jahrhundert verspricht eine umfassende Auswertung der handschriftlichen Materialien so manche Einsicht.

Da Kaempfer nach dem Gehör, d.h. phonetisch notierte, werden viele Grundzüge der damaligen Lautung deutlich, welche die japanische Silbenschrift ebenso wie phonemisch-morphologische Transliterationen in vielen Fällen nicht wiedergeben. So die seit dem Ende der Muromachi-Zeit einsetzende Devokalisierung von /i/ und /u/ zwischen stimmlosen Konsonanten bzw. nach stimmlosen Sibilanten: "Karas" (karashi), "Mus" (mushi), "Us" (ushi), "U¨me bos" (umeboshi), "Kuss no ki" (kusu no ki), "Snairi" (sunairi), "Futz" (futsu), "Netzbjo" (netsubyô), "Tsta" (tsuta), "Fde" (fude). Beim devokalisierten /ku/ am Wortende erscheint bemerkenswerterweise gelegentlich ein 'f', das ich als bilabiale Luftreibung interpretieren möchte, die bei nachlässigem Sprechern durchaus vorkommt. Auch das stark aspirierte /k/ der folgenden Beispiele gehört meines Erachtens in diesen Kontext: "On Khago Ja" (on-kago ya), "Khiggo" (kigo), "Khumano" (Kumano), "Khuni" (kuni), "Khurágge" (kurage), "Khùro Goma" (kurogoma). Auf die Nasalierung der Vokale /u/, /a/ und gelegentlich auch /i/ "ob euphoniam" hatte Kaempfer mehrfach hingewiesen: "Assangauo" (Asagao), "Jétsingo" (Echigo), "firungáuo" (Hirugao), "Jangjù" (yagyû), "Tsíngkungo" (Chikugo). Die ursprünglich aus /ku/ und /wa/ hervorgegangenen Silben /kwa/ bzw. /gwa/ wurden im Laufe der EdôZeit weiter zu /ka/ und /ga/ kontraktiert, sind aber bei Kaempfer noch deutlich erkennbar: "Genqua ban" (genkan-ban), "Gekwa" (geka), "guan jakf" (gan'yaku), "Qua-quára" (Kakara), "Quadan" (Kadan), "Goguatz" (gogatsu), "GuaPi" (gappi). Auch die Silbe /je/, in der modernen Standardsprache zu /e/ reduziert, zeigt in Kaempfers Materialien den alten /i/-Anlaut: "Fikobaje" (Hikobae), "Fitó je mono" (hitoemono), "Jebi" (ebi), "Jékirè" (ekirei), "Jen no Gjosa" (En no gyôja), "Kojeas" (koeashi), "Máijè gàmi" (maegami). Weiter fällt die Ersetzung von /e/ durch /i/ auf, die nicht auf einem Hörfehler beruht, sondern bei den Missionaren des 'christlichen Jahrhunderts' ebenso belegt wurde[32] wie bei Montanus[33] und Meister:[34] "Ami" (ame), "Ara ganni"(aragane), "Dira" (tera), "Fanabatagi" (hanabatake), "Fotogi" (hotoke), "Kiczni" (kitsune), "Mami" (mame). Gleiches gilt für die Substitution von /o/ durch /u/:[35] "gusarimas" (gozarimasu), "Jabo" (yabu), "Jomu¨gi" (Yomogi), "Mokage" (Mukuge). Einige Beispiele demonstrieren die in der EdôZeit einsetzende Entdiphtongisierung von [Ei] zu [E:]: "Feeki mono gattári" (Heike monogatari), "Karée" (karei), "Níkke" (Nikkei), "Jékirè" (eikirei). In der Schreibung der Lautfolgen /nb/, /np/ und /nm/, bei denen das 'n' zum 'm' mutiert, blieb Kaempfer unentschieden: "Gonbu" (konbu), "Sanbio" (sanbyô), "Tenbin" (tenbin), "Namban Kassa" (Nanban-kasa), "Sumbáku" (sunbaku), "Temmon" (tenmon), "Momme" (monme).

 Kaempfers japanisches Glossar

Einer der für mich anregendsten Funde war der Rohentwurf eines japanischen Glossars im Konvolut Sloane 3062, das Dohm in seiner Einleitung zur Geschichte und Beschreibung Japans erwähnte und neben der Beschreibung Persiens und dem persischen Lexikon zu den wichtigsten Handschriften rechnete.[36] Der streckenweise chaotische Duktus Kaempfers wie auch die hier und dort von japanischer Hand eingepinselten Schriftzeichen bezeugen, daß diese Aufzeichnungen in Japan angefertigt wurden. Kaempfer hatte ein nach Sachgruppen geordnetes Vokabular im Auge, wohl in Anlehnung an das berühmte, im siebzehnten Jahrhundert immer wieder für verschiedene Sprachen aufgelegte Glossar Orbis sensualium pictus (1658) von Johann Amos Comenius (Komensky;). Nachfolgend die einzelnen Abschnitte und die Zahl der dort jeweils aufgeführten Einträge:

Welt, Elemente 29
Landwirtschaft, Gartenbau, Topographisches 50
Pflanzen im allgemeinen, Pflanzenteile 26
Bäume 32
Obstbäume, Nutzbäume 25
Kräuter, Blumen 63
Vermischtes 15
Blumen 12
Wurzeln, Knollen 8
Getreide 26
Früchte 8
Getränke, Speisen 7
Mineralien, Schmuck(steine) 17
Gewürze, Heilkräuter 13
Medikamente 20
Krankheiten 24
Vierfüßer 74 + 9937
Vögel 2
Fische 11
Muscheln 4
Insekten 18
Körperteile 0
buddhistische 'Fünf Verbote' 6
Kleidung, Accessoires 13
Schrift, Schreibzubehör 34
Astrologie, Wetter, Jahreszeiten 60
Religiöses102
Shintôistisches 29
Gottheiten, reliöse Lokalitäten 63
Provinzen, Ortsnamen 726
Würdenträger, Ämter 119
Familie, Verwandte 3838
Tugenden, Untugenden, Affekte 29
Farben 31
Sinne, Geschmack 12
fühlbare Qualitäten 35
menschliche Qualitäten, Zustände 123
Adverben, Präpositionen, Konjunktionen, Interjektionen 72
Lokalangaben 71
Zahl- und Häufigkeitsangaben 24
Fragen, Begründungen 17
(Wert-)Urteile 69
Verben / 'Konjugationsformen' 71
Diverses zum Gartenbau 17
vermischte Vokabeln 6
Verbkonjugationen, weitere Redeformeln 137
Verben und Wendungen 23
Etymologie einiger Schriftzeichen 3
portugiesische Fremdwörter 15
Wendungen 40[39]

Zu manchen Vokabeln lieferte Kaempfer nur ein knappes europäisches Äquivalent. Andere sind eingehend erklärt, teils mit japanischen Synonymen oder Beispielsätzen. Bisweilen borden die Erläuterungen derart über, daß man eher von einem Sachlexikon sprechen müßte. Latein, Deutsch und Niederländisch mischen sich mit japanischen Vokabeln oft in einem einzigen Satz. Kaempfers Entfremdung von seiner Muttersprache als Folge der langen Reisen wird hier sehr deutlich. Wohl um Gewicht und Volumen seiner Unterlagen klein zu halten (hundert Blatt Japanpapier geben ein hübsches Paket ab), schrieb er außerordentlich gedrängt, benutzte Symbole anstelle von Wörtern bzw. Wortkomponenten und kürzte nach Kräften ab.


Abb.1: Sloane No. 3062, fol.376r.

Nachfolgend nur einige inhaltliche Anmerkungen. Den meisten der aufgezählten Bäume, Blumen und Kräuter und anderen Pflanzen begegnet man in der Flora Japonica, dem fünften Buch der Ammoenitates exoticae, wieder. Manche Bezeichnungen wie 'futsu' (Beifuß) sind nur in Westjapan gebräuchlich. Kaempfer hatte sich zudem unter dem Einfluß des nach Europa mitgebrachten zwanzigbändigen Natur-Bildlexikons Kinmô zui,[40] bemüht, neben den rein japanischen auch die sinojapanischen Lesungen der betreffenden Schriftzeichen zu notieren. Medizingeschichtlich außerordentlich wichtig sind die Aufzeichnungen zu Heilkräutern, Medikamenten und Krankheiten, die in seinen Publikationen fast durchweg wegfielen. Auch der Arzt Thunberg, der von 1775 bis 1776 in Japan weilte und einiges zur Sprache und Medizin festhielt, erreicht diese Qualität nicht.[41] Gleichermaßen interessant ist die Aufzählung der diversen Papiersorten unter den "Instrumenta Scriptoria".[42] Die kleine Liste portugiesischer Fremdwörter verarbeitete er im Heutigen Japan.[43] In den hinteren Abschnitten mehren sich die Redewendungen und Beispielsätze. Das Glossar ist hier eher grammatisch orientiert, so daß ich weiter unten darauf zurückkomme.

In diesem Zusammenhang gilt es einige Texte desselben Manuskriptkonvoluts Sloane 3062 zu berücksichtigen, die zwar nicht Teil des Glossars, diesem von der Form her jedoch nahekommen. Kaempfer hatte dort wiederum zu diversen Sachgebieten japanische Stichworte aufgelistet und erklärt. Sie ergänzen den obigen Glossarentwurf aufs vorzüglichste und wären von Kaempfer bei der Ausarbeitung eines japanisch-deutschen Vokabulars mit Sicherheit eingearbeitet worden. Da finden wie einen "Extract ex Riori Con-dáte no bu", was etwa soviel wie 'Abteilung der Speisen' bedeutet.[44] Die lange Liste von in Gruppen geordneten Gerichten bietet mit ihren Übersetzungen, Erklärungen und hie und da eingestreuten Rezepten wohl die erste westliche Einführung in die japanische Küche und deren Vokabular. Bei der Lektüre der japanischen Bücher aus Kaempfers Nachlaß in London entdeckte ich dann das gleichnamige Kapitel im Kanai chôhôki ('Hausschatz'), einem Handbuch mit allerlei nützlichen Hilfen für den Hausgebrauch, das Kaempfer in der Ausgabe von 1689 besaß.[45]

Ähnlich umfassend ist die Übersicht über "Gelt, Gewicht, Abmaßung, Maasen", wo neben den Münzen und Gewichten die Längen- und Raummaße sowie deren Konversionen aufgelistet sind.[46] Mehr als sechzig Termini aus dem Bereich von Haartracht und Kleidung mit eingehenden Erläuterungen bieten einen reichen sprachlichen wie landeskundlichen Stoff.[47] Nahezu erdrückend ist die mehrere hundert Amts- und Berufsbezeichnungen umfassende Nomenklatur der "Kaiserl. Hof und Reichsbediensteten", die, über weite Strecken numeriert, von "Gotai ro"(gôtairô), dem Reichsältesten, und "Gorotsju"(gorôchû), dem Reichsrat, Schritt für Schritt die Hierarchie hinunterführt zu den verschiedensten Wächtern, Aufsehern, Bediensteten usw. bis hin zum "On abura ja", dem "Oelschlager", "On Tátámija", dem "Matten macher" oder "On Jsi" ja", dem "Stein houer".[48] Die Darstellung zeigt sich in Umfang und Inhalt dem Glossarteil "Personae variae Dignitatis, Professionis, Conditionis" bei weitem überlegen.[49] Wir lernen nicht nur die Bedeutung der jeweiligen Amtsbezeichnung kennen, sondern auch die Zahl der Personen dieses Ranges und die von ihnen ausgeübte Tätigkeit. Die Aufzeichnungen gehen auf den Edo Kagami ('EdôSpiegel') von 1692 zurück, einem ebenfalls in London aufbewahrten 'Hofkalender', der damals jährlich neu aufgelegt wurde.[50]

An anderer Stelle findet man die verschiedenen Rollen und Instrumente der Noˆ-Bühne samt Hinweisen auf "Mai", "Kiogen" und "Kabuki", was die Kritik ein wenig mildern mag, Kaempfer habe die schönen Künste seines Gastlandes ein wenig vernachlässigt.[51]

 Grammatische Eigenschaften des Japanischen aus der Sicht Kaempfers

Die Struktur der japanischen Sprache betrachtete Kaempfer so wie die christlichen Missionare vor ihm durch die Brille lateinischer Kategorien. Sein Glossar differenziert Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen, Interjektionen, Zahlwörter, Verba, aber auch Loci, Causae, und Qualitates. Wie die letzten drei Termini zeigen, wurden grammatische, semantische und rhetorische Aspekte vermischt. Die Zuordnung japanischer Wörter zu einer dieser Kategorien geschah nicht anhand einer Analyse ihrer grammatisch morphologischen Merkmale. So findet man unter seinen Adverbien überwiegend Temporal- und Lokalangaben. Numeri sind nicht nur Numerale, sondern auch Häufigkeitsangaben bzw. einige entsprechende Fragewörter. Unter Causae gar sammelte er Begründungs- und Frageformen.[52]

Als Verbmerkmal reichte ihm offenbar die Kombinationsfähigkeit mit dem Hilfsverb gozaru bzw. dem Suffix -masu. Nun stehen neben echten Verben hier auch Qualitativa (Keiyôshi) wie yowai (schwach) bzw. tsuyoi (stark) als yowô gozaru, tsuyô gozaru. Sein am Latein geschulter grammatischer Verstand weigerte sich, das Fehlen jeglicher Flexionsformen hinzunehmen. So 'konjungiert' er nach 'Singular' und 'Plural' im 'Präsens', 'Präteritum' und 'Futur', was z.B. für 'samû gozaru' (kalt sein, frieren) wie folgt aussieht:[53]

Kaempfer Transliteration
Praes.
Watakÿs samu gusarimas Ego frigeo watakushi samû gozarimasu
Konata sama samu gus. Tu konatasama samû gozarimasu
Ano fto samu gus. Ille ano hito samû goz.
Watt. domu samu gus. Nos frigemus watakushidomo samû goz.
Konata gatta samu gus. Vos konatagata samû goz.
Ano fto gatta samu gus. Illi ano hito gata samû goz.
Praet.
W. ssamu gusari masta Ego alsi w[atakushi] samû gozarimashita
Kon. sama samu gus. etc. Tu, Ille etc. kon[ata]sama samû goz[arimashita]
Fut.
W. ssamu gusari masjso Ego frigebo. etc. w[atakushi] samû gozarimashô

Die 'Konjugation' echter Verben verläuft sehr ähnlich mit Präsens ("mas"), Präteritum ("mas ta") und Futur ("mas särri" bzw. "mas serri"). Ansonsten war ihm eine kleine Zahl von Postpositionen (joshi) bekannt, die hier und da unter den verschiedensten Kategorien erscheinen: das fragende und das disjunktive ka, das anreihende mo, das lokale ni, das attributive no sowie das fragende wa.[54] Aus linguistischer Sicht ist keine seiner grammatischen Analyse- und Beschreibungskategorien der japanischen Sprache angemessen. Doch auch die so sprachkundigen Japan-Missionare des 'christlichen Jahrhunderts' vermochten sich nicht von ihren abendländischen Fesseln zu befreien.


 Redebeispiele und sprachpragmatische Beobachtungen

Nur selten gibt Kaempfer im Heutigen Japan sprachliche Wendungen zum Besten, wie etwa das "Toosin bay bay!" zur "bespottung der Sinesen", das man diesen so wie bei uns den Juden zurufe: "Sinese hastu nicht zu schacheren?"[55] Oder, daß die Herbergswirte beim Empfang ihres Geldes mit "neigung der stirne zu dem grunde" die Worte "ah, ah, ah!" ausstöhnten, wodurch sie ihre "Submission ausdrücken" wollten.[56] Im letzten Teil des oben vorgestellten Glossarmanuskriptes hingegen erscheinen gehäuft japanische Beispielsätze. Bei deren Aufzeichnung nahm Kaempfer die Funktion von Postpositionen wie no, ni etc. bewußt wahr. Diese sind mal durch einen Bindestrich, manchmal direkt an ihr Bezugswort angefügt, zuweilen unterstrichen und erklärt. Inhaltlich kreisen viele Konversationsmuster um die Eigenschaften und den Ankauf von Pflanzen. Einige der Dialoge wurden in geringfügiger Variation an verschiedenen Stellen mehrfach aufgeschrieben, und man spürt, wie engagiert Kaempfer seine botanischen Forschung anging:[57]

Kaempfer Transliteration
Kono Xa wa / Ki wa itz fanano sakimaskaDieses kraut / baum wannehr bluhet [...]kono kusa / ki wa itsu hana no sakimasu ka.
Koriwa faru ni nari masi"ti kara fana mootzi mas. aperit
dies, als fruhjar kompt, dan bluhmen tregt
kore wa haru ni narimashite kara hana mochimasu.
autumnus
Kori wa akini nari masiti kara, mi no nari massu"r
Er trecht im Herbst fruchte. kore wa aki ni narimashite kara, mi no narimasuru
Jtz mino nari masska wanner tregts fruchte itsu mi no narimasu ka
Jtz dzukus maska. geringer itz umi maska. quando maturat itsu jukushimasu ka
schon alle
Fa wa mo mina ôôtsimasta.
Mina fawa mo ootzi masta
folia deciderunt. ha wa mô mina ochimashita
mina ha wa ochimashita

Gegen Ende des Manuskriptes stößt man auf Floskeln, die anläßlich eines Besuches ausgetauscht werden. Gelegentlich qualifiziert Kaempfer eine Äußerung als "vulgo" oder als "hoch gesprochen". Im Falle von Pflanzennamen bezieht er sich auf den Unterschied zwischen der japanischen und der sinojapanischen Lesung bzw. Bezeichnung. In vielen Konversationsbeispielen jedoch meint er hingegen eine bestimmte Höflichkeitsstufe. Die Abhängigkeit des Sprechverhaltens vom sozialen Status der beteiligten Personen war damals auch Europäern von ihrer Muttersprache her zur Genüge vertraut. Sehr sorgfältig wurde daher bei Selbstbezeichnungen (ore, washi, watakushi) und Anreden (konata, konatasasama, are, ano hito, anata, omae, omaesama) indiziert, ob man sich "ad servum", "ad inferiorem" oder "ad superiorem" wende.[58]

Mit seinen mehr als einhundertsechzig Satzmustern stellt Kaempfer, sowohl was die sprachliche Korrektheit als auch den Umfang betrifft, Georg Meisters "zween Gespräche"[59] ebenso wie die sechsundzwanzig verballhornten Sätze bei Montanus60 weit in den Schatten. Vergleichbares findet sich vor ihm lediglich in den Schriften der Jesuiten, beispielsweise der Grammatik von João Rodriguez, und nach ihm erst wieder bei Thunberg. Es fehlt allerdings jeglicher Hinweis zur Syntax, und man fragt sich, wie deutlich er wohl die Endstellung des Verbs, das vorangestellte Objekt und andere Phänome wahrnahm.

 Zur japanischen Schrift

In den für ein internationales Publikum geschriebenen Ammoenitates exoticae sah Kaempfer sich genötigt, auf einige 'Merkwürdigkeiten' des Japanischen einzugehen. Besonders aufschlußreich ist hier die Einleitung zum "Catalogus Plantarum":

Die Namen, die wir zitieren, sind von zweierlei Art: die einen sind volkstümlich und von gewöhnlichem Gebrauch, die anderen sind die der gebildeten Japaner, welche auf diese Weise die chinesischen Charaktere der Pflanzen aussprechen. Denn die Schriftzeichen sind in Japan, China (das wir korrekt Tsina aussprechen) und den benachbarten Königreichen und Regionen bis Cambodia und Siam universal und gemein (sie sind nämlich wie Bilder und Beschreibungen der Dinge). Trotzdem sprechen sie die einzelnen Völker meistens unterschiedlich aus: so sehr, daß sie, obwohl sie die Schrift gemeinsam haben und sie lesen können, bei Zusammenkünften stumm sind.
Diese Charaktere werden mit einem Pinsel, nicht mit dem Rohr geschrieben, sie bestehen aus mehreren geraden, simplen Strichen, die elegant zusammengefügt ungefähr eine quadratische Form ergeben. Doch die eine solche Eleganz verachtende Natur und die leichte Hand der Japaner absolviert die gesamte Abfolge der Striche eines Charakters in einem oder in einigen wenigen Zügen: So entsteht alsdann ein anderes, häsliches Schriftzeichen, bei diesem Volke jedoch weitaus gebräuchlicher, das sie Ssò[61] nennen, im Gegensatz zu dem oben genannten, allgemein verbreiteten, das sie als Sìn[62] bezeichnen. Mein Bildstecher war nicht imstande, den konfusen Duktus nachzuahmen, weshalb wir diese Charaktere ausgelassen haben. Ich hätte auch gern die Namen in den Lettern des japanischen Alphabets hinzugefügt (davon besitzt dieses Volk zwei: das eine Fíro Canna genannt, das andere Catta Canna.[63] Beide bestehen nicht aus einzelnen Buchstaben wie bei uns, sondern aus ganzen Silben). Aber weil man sie, auf der rechten Seite anfangend, von oben nach unten schreibt, konnten sie nicht in den lateinschen Text eingefügt werden; anders die (chinesischen) Charaktere: obwohl sie ebenfalls in derselben Richtung zu schreiben sind, lassen sie sich trotzdem auch seitlich nebeneinander stellen.[64]

Wir sehen, daß der Autor mit der ideographischen Natur der chinesischen Schriftzeichen vertraut war. Unter den in Japan verbreiteten drei klassischen Schreibweisen, der Regelschrift, der Halbkursiven und der Kursiven nennt er hier den ersten und den letzten Typ, wenngleich ihm die Kursive nicht gefiel und die Anfertigung der seitenverkehrten Kupferplatten bzw. in Holz geschnittenen Charaktere manchen Schweißtropfen gekostet haben muß. Kaempfer unterschied weiter zwischen der sinojapanischen und der rein-japanischen Lesung dieser Zeichen. Und er kannte die beiden Silbenalphabete Hiragana und Katakana, welche die Japaner aus chinesischen Schriftzeichen abgeleitet und entwickelt hatten. Zur Veranschaulichung gab er ein Beispiel :

Um die Unterschiede der Bilderschriften als auch der Silbenschriften zu zeigen, stellen wir hier einige verhältnismäßig einfach zu schreibende Charaktere mit dem Umschriften in den Lettern der beiden Alphabete zusammen: als erstes die Schreibweise des Kampferbaumes, der von den Gebildeten mit dem Zeichen Ssjoo, volkstümlich jedoch Kus oder Kus no ki genannt wird;[65] zweitens die Alcacaea, gemein Kirì oder Kirì no kì, gelehrt Too:[66] drittens der Reis, gemein Wasi" & Urusji"ne, gelehrt Ko.[67] Erst steht bei jedem Beispiel das allgemein verbreitete chinesische Schriftzeichen Sìn, dann japanische Ssò, an dritter Stelle die Umschrift des Schriftzeichens in Firo, an vierter dieselbe Aussprache in Catta.68

Abb. 2: Ammoenitates exoticae, S.768

 

Die Illustration zeigt in der beschriebenen Weise die chinesischen Zeichen in der Quadratschrift und der Kursiven. Daneben erkennen wir die sinojapanische, d.h. seine "gelehrte" Lesung in den fließenden Silbenzeichen des Hiragana- und den kantigen Silbenzeichen des Katakana-Alphabets. Weiter zeigen diverse Notizen nebst einem fehlerhaften handschriftlichen Zusatz "Ssin Comon Faf Gjo Szo" in einem Lehrbuch für chinesische Schrift (Kakubiki senjimon),[69] daß er auch etwas über andere Schriftstile für chinesische Charaktere gehört hatte. Denn insgesamt kannte man die Alte Schrift (komon) bzw. Siegelschrift (tensho), die Amtsschreiberschrift (reisho), die Regelschrift (kaisho, bei Kaempfer shin), die Halbkursive (gyôsho) und die Kursivschrift (sôsho). Daß es sich bei der Alten Schrift um eine antike chinesische Form handelt, die gerne in Siegeln verwendet wird, war ihm klar.[70] Nicht erklären kann ich mir seine Bezeichnung "Faf" für den eckig ornamentalen, ebenfalls in Siegeln gebräuchlichen Typ.[71]
Weiter wußte er, daß es einfache und zusammengesetzte chinesische Zeichen gibt.[72] Beim Studium des Schriftzeichenlehrbuches Nanatsu iroha, das er in zwei Ausgaben besaß, wurde er auf wichtige Strukturelemente der komplexen Zeichen aufmerksam. Einige Namen fügte er direkt in die Ausgabe von 1688 ein, andere erwähnt er in seinen Unterlagen.[73] Resümiert man diese verstreuten Notizen, dann haben zusammengesetzte Zeichen einen kategorisierenden Teil, der in Kaempfers Verständnis das Genus anzeigt. Wenn es sich um die linke Hälfte des Zeichens handele, heiße er hen ("Fin") und die ergänzende rechte Komponente, welche die Zeichenbedeutung festlege, nenne man dann tsukuri ("Tsikúri", "Tsukúri"). Falls es sich aber um den obersten, krönenden Part handele, spräche man von kanmuri ("Camúri"). Das war durchaus gut beobachtet.

Der Glossarentwurf enthält sogar Fragmente einer Zeichensemantik. So finden wir dort eine Zerlegung des Schriftzeichens 'lachen' in 'Bambus' und 'Hund' samt der aus China stammenden Volksetymologie. Beim 'Berg' sei das "mittel ungleich höher, als was daneben", der 'Fluß' habe drei Striche, "weil waßer in der Mitte zweÿer üfer fließen" (s.Abb.1), und das Zeichen 'Reis' ergebe sich aus der Kombination der Zeichen für acht und zehn.[74]

Nahezu alles mit dem Pinsel Geschriebene in Kaempfers Hinterlassenschaft verrät eine japanische Hand. Nur gelegentlich griff er selbst zur Feder - mit mäßigem Erfolg. Einsichten in die Schreibrichtung, Strichabfolge wie auch die Struktur chinesischer Charaktere sind nicht zu erkennen. 'Sinologen' wie Alexandre de Rhodes, Athanasius Kircher, Christian Mentzel oder Andreas Müller waren ihm hier weit voraus.

Zu den oben erwähnten zwei japanischen Silbenalphabeten hatte Kaempfer eine stattliche Zahl von Schreibmustern gesammelt und oft in lateinischen Lettern die Lesungen beigefügt.75 Die meisten folgen dem 'Iroha-Lied' (iroha no uta), einem dem Mönchen Kûkai (8./9. Jh.) zugeschriebenen Merkreim über die Vergänglichkeit der Dinge, der alle siebenundvierzig Zeichen geschickt kombiniert. Das wegen der zahlreichen Anmerkungen ergiebigste Blatt im Anhang zum Manuskript des Heutigen Japan (s. Abb.3) diskutiere ich an anderer Stelle genauer. Daneben gibt es einige Beispiele für die heute vorherrschende Anordnung in Form der Fünfzig-Laute-Tafel (gojûon-zu), die zehn, nach dem Silbenanlaut geordneten Reihen (gyô) und fünf nach dem Auslaut geordneten Stufen (dan / retsu) umfaßt: a, i, u, e, o, ka, ki, ku, ke, ko, sa, shi, su, se, so usw.[76]


Abb. 3: Sloane 3060, fol.530


 Textmuster und -transliterationen

Die meisten japanischen Schriftstücke, die sich Kaempfer kopieren ließ, stammen aus dem Bereich von Politik und Verwaltung: Anschläge, Pässe, Freibriefe, Verträge. Sie waren für den streng reglementierten Handel und Wandel der VOC überaus bedeutsam, so daß er ihnen im Heutigen Japan ein eigenes Kapitel widmete,[77] welches heute leider aus dem Manuskript verschwunden ist.

Während der Durchsicht des Konvoluts Sloane 3062 stieß ich auf weitere unveröffentlichte Transkripte unterschiedlicher Länge, z.B. auf kurze Orakel aus dem IwashimizûSchrein ('Hachiman no takusen'), dem Ise-Schrein ('Ise no vel Tenshô daijin no gotakusen') und dem Kasuga-Schrein ('Kasuga no takusen').[78] Diesen Drei-Schrein-Orakeln ("Sansia Tákusen") sind deutsche Übertragungen beigefügt. Ob auch die japanischen Originale nach Europa kamen, bleibt unklar. Gleichermaßen fehlen die Unterlagen zu der Transkription einer 'Vollständigen Aufzählung berühmter Orte zur Beschwörung der Götter Japans ('Nippon kami oroshi meisho tsukushi').[79] Zwischen die Zeilen hatte Kaempfer zahlreichen Anmerkungen eingefügt und auf der rechten, freigelassenen Seitenhälfte teilweise übersetzt. Es werden nach den Fürstentümern des Reiches die berühmten Schreine und Tempel samt der dort verehrten Gottheiten aufgezählt. Längere japanische Texte in lateinischer Transliteration sind bislang nur von der Missionspresse der Jesuiten bekannt. Insofern verdient besonders dieses siebenseitige Manuskript Beachtung. Zu nennen ist schließlich noch ein kurzer Vers aus dem Heutigen Japan, durch den "der böse Einflus an den unglücklichen Tagen kraftlos gemacht werden kann".[80]

 

 Kaempfers Gewährsleute

Wann immer Kaempfer etwas zur Landessprache aufschrieb, standen Japaner im Hintergrund. Denn über einen Grundwortschatz und kurze Redewendungen und Formeln kam er selbst nicht hinaus, von einer Lese- oder Schreibfähigkeit ganz zu schweigen. Vieles geht wohl auf seinen Gehilfen, dem Dolmetscherlehrling Imamura Gen'emon.

Einen vertrauten Umgang pflegte er vermutlich auch mit Namura Gonpachi (? - 1725), der sich im Stammbuch verewigen durfte.[81] Gonpachi stammte in dritter Generation aus einer Dolmetscherfamilie. 1683 wurde ihm befohlen, Holländisch zu lernen, was gewöhnlich im Alter von etwa zwölf Jahren geschah. Seit 1684 war er offizieller Lerndolmetscher. Im Jahr nach Kaempfers Abreise avancierte er zum Unter- und 1696 zum Oberdolmetscher. Dieses Amt hatte er bis 1724 inne. Die Daten seiner Karriere legen nahe, daß er und Imamura derselben Generation angehörten. Die Niederländer schätzten ihn als höflichen Mann. Er und Imamura galten auf Deshima als die besten ihrer Profession.[82]

Auf der ersten Reise nach Edo hatte Kaempfer offenbar viel mit Tanaka Hei'emon zu tun, den er gleich nach der Ankunft um ein paar Verse für das Stammbuch bat. Wahrscheinlich ist dieser Beamte aus dem Nagasaki-Gouvernement identisch mit jenem im Dagregister 1689 und 1698 als nicht mehr so junger "geleider" nach Edo erwähnten "Fejemon". [83]

Stutzig machen schließlich einige Seiten im Glossar, wo in der mittleren Spalte durchweg niederländische Übersetzungen für die japanischen Stichworte gegeben werden, und zwar in einer Schrift, die man nur schwer mit der Kaempfers übereinbringen kann.[84] Der sichere Zug schließt ein japanische Hand aus. Sollte dies von Joost Visser stammen, der für seine guten Japanischkenntnisse bekannt war? Visser lebte von 1679 an sieben Jahre auf Deshima und kam im Turnus 1691/92 wieder als Assistent nach Japan. Während der Audienz am Hofe zu Edo gab er auf Wunsch japanische Komplimente zum besten und wünschte Ihro Majestät viel Glück und ein langes Leben, was Kaempfer in seiner ansonsten detailreichen Schilderung zu erwähnen vergaß.[85]

 

 Japanische Lehr- und Nachschlagewerke

Natürlich interessierte sich Kaempfer für einheimische Druckwerke, notierte sogar den Weg vom Manuskript bis zum fertigen Buch.[86] Durch seinen Sammelfleiß sind im siebzehnten Jahrhundert erstmals größere Mengen an japanischen Büchern nach Europa gelangt und dank Sloane bis heute erhalten - darunter einige Lehr- und Nachschlagewerke zur Sprache.[87]

Schon Scheuchzer wies in seiner leider vage gehaltenen Bücherliste[88] auf "Several Copy-books, shewing the various figures of their Characters, simple and compound" hin, worin wohl die beiden Titel Nanatsûiroha, d.h. 'Sieben Iroha-Alphabete', einbegriffen waren. Das eine, im Format von rund 17,5 x 10,5 cm, wurde 1688 von Honya Kyûbei gedruckt und zeigt auf dem ehemals schwarzblauen Umschlag neben dem eigentlichen japanischen Titeletikett einen nach Kaempfers Tod aufgeklebten Zettel ("Japanese Alphabets", "The Japanese E ro fa"). Das Büchlein enthält zunächst eine Anweisung, wie man Briefe faltet. Es folgt ein Iroha-Alphabet, bei dem unter jedem Zeichen in senkrechter Anordnung weitere sechs alternative Zeichen derselben Lautung aufgereiht sind. Der von Gardener erwähnte Chinese "Chetqua", welcher 1770 die ostasiatischen Bücher in London durchsah, kannte die japanischen Lautwerte nicht, von der 'alphabetischen' Anordnung ganz zu schweigen. Und so vermochte er mit diesem aus seiner Sicht willkürlich zusammengemischten Schriftzeichenwust nichts anzufangen. Am oberen Rand hielt Kaempfer über jeder Kolumne die betreffende Lesung fest:

"i, ro, fa, ni, fo, fe, to, tsji, ri, nu, ru, wo, wa, ka, jo, ta, re, so, tsu, ne, na, ra, nu, ui, no, o, ku, wia, ma, ke, fu, ko, Je, te, a, ssa, ki, Ju, me, mi, si, je, fi, mo, se, su".

Hierauf folgen die Zahlzeichen und danach ein fälschlicherweise als 'chinesisches Iroha' bezeichneter kurzer chinesischer Text, dessen Titel und ersten beiden Charaktere Kaempfer transkribierte. Leider sind seine winzigen Kritzeleien in der sich anschließenden Aufstellung der wichtigsten Klassenhäupter nicht zu entziffern. Ab Blatt 10r folgen die Fürstentümer des japanischen Reiches von Yamashiro bis Kagoshima und Kumamoto sowie zwei Seiten mit Personennamen. Auch hier wurde an vielen Stellen die Lesung handschriftlich beigefügt. Die Monatsnamen samt der Synonyme stellt ein Kapitel 'Tsuki no karana tsukushi' ab Blatt 15r vor. Das letzte, auf der Umschlaginnenseite angeklebte Blatt schließlich zeigt ein Katakana-Iroha mit den Lautungen aus Kaempfers Feder.

Das Erscheinungsjahr des zweiten, von Tsuruya Kizaeimon verlegten Nanatsu Iroha ist nicht eindeutig.[89] Inhaltlich gleicht das in einen rostbraunen Umschlag gebundene Büchlein dem oben vorgestellten Text bis auf den Abschnitt mit Personennamen 'Myôji shitsukushi', der hier fünf Seiten umfaßt. Die beiden letzten Seiten zeigen ein Hiragana-Iroha mit Bleistifteintragungen.

In seiner Beschreibung der Kaempferschen Büchersammlung erwähnte Scheuchzer weiter "A Dictionary, containing five thousand Ssin, Common, Taf, and Sso Characters". Einige davon seien in den letzten beiden Spalten seiner Abbildung japanischer Schriftzeichen zu sehen. Dies war das [Gotai] Kakubiki senjimon ('Nach Strichen geordneter Tausend-Zeichen-Text'),[90] ein blau eingebundendes Büchlein im Querformat von rund 19 x 13 cm. Der im sechsten Jahrhundert in China zusammengestellte Text, wurde auch in Japan als Übungsvorlage sehr beliebt. Unter einer knappen Erläuterung Kaempfers auf Blatt 2v finden wir schwarz gestempelt seinen Namen in chinesischen Schriftzeichen, die man japanisch 'kenpuru' liest.[91] Weitere Notizen stehen auf Blatt 10v. Auf der folgenden Seite beginnt der eigentliche Text mit den Charakteren Himmel, Erde, schwarz, gelb usw. in fünf Schriftstilen, deren Namen Kaempfer festhielt. Das Erscheinungsjahr 1686 sowie den Herausgeber Uemura Bihakushi finden wir auf Blatt 94v.

Im 1685 gedruckten Zôeki iroha zatsu in, ein ursprünglich aus drei Heften bestehendes Reimwörterbuch, das in London neu gebunden wurde und auf der Innenseite des Umschlages einen leider kaum noch zu lesenden Zettel zeigt, enthält keinerlei Gebrauchsspuren. Daß es Kaempfer gehörte, beweist ein weiterer Namensstempel mit nicht übermäßig einfallsreich gewählten chinesischen Schriftzeichen.

Das im Heutigen Japan kurz erwähnte Lexikon Iroha setsuyoˆshû besaß Kaempfer in einer Ausgabe von 1611.[92] Neben diesem "Setz Joo sju" nennt eine kleine Liste von neun Buchtiteln in den "Collectanea Japonica" vier sprachbezogene Lexika (Wagokuhen, Waji'i, Iroha'in und Sanjû'in), die er in Japan wohl nur gesehen hatte.[93]

 

 Kaempfers Platz in der Geschichte der Erforschung des Japanischen

Engelbert Kaempfer war nicht der erste Europäer, der sich mit der japanischen Sprache befaßte. Im siebzehnten Jahrhundert sind die großen Entdeckungen unbekannter Länder bereits abgeschlossen. Man weiß um die Fülle exotischer Kulturen und Sprachen. Doch zu deren Studium raffen sich meist nur Missionare auf, die erstaunliche Pioniertaten vollbrachten - so auch in Japan. Hier entstanden im sechzehnten und in den ersten Dekaden des folgenden Jahrhunderts hervorragende Wörterbücher und Grammatiken.

  • Dictionarium LatinôLusitanicum ac Iaponicum (Amakusa 1595),
  • Racuyoxu. In collegio Iaponico Societatis Iesu (Nagasaki 1598),
  • Vocabulario da Lingoa de Iapam (Nagasaki 1603-1604),
  • João Rodriguez (Tçuzu): Arte da Lingoa de Iapam (Nagasaki 1604-1608),
  • João Rodriguez (Tçuzu): Arte Breve da Lingoa Iapoa (Macao 1620),
  • Diego Collado: Ars Grammaticae Iaponicae Linguae (Rom 1632),
  • Diego Collado: Dictionarium sive Thesauri Linguae Iaponicae Compendium (Rom 1632).

Kaempfer selbst wußte um diese Anstrengungen, wenngleich er deren Ergebnisse nicht genauer studiert hatte. Hierin unterschied er sich nicht von der Mehrzahl der abendländischen Gelehrten.[94] Und die Kaufleute der VOC, welche Anfang des siebzehnten Jahrhunderts die Nachfolge der Iberer in Japan antraten, wurden sicher nicht von akademischem Ehrgeiz getrieben. Thunberg, der Japan nach über einhundertfünfzig Jahren niederländisch-japanischen Handels aufsuchte, klagte zu recht, daß es keinem der Holländer auf Deshima je eingefallen sei, "ein Wort aufzuschreiben, noch weniger, sich eine Art Wörter=Verzeichniß zu machen, oder über das Eigenthümliche der Sprache nachzudenken". Dies um so mehr, als verschiedene von ihnen doch einigermaßen japanisch sprächen, und man genug Zeit hatte, wenn schon nicht für die Sprachwissenschaftler, dann doch mindestens zum Nutzen derer, die sich in Japan aufhalten müssen, ein Wörterbuch zusammenzustellen. Ein wenig übertrieben war die Kritik schon, denn in den Schriftstücken der Faktorei wimmelt es von japanischen Produkten, Personen- und Ortsnamen, Rangbezeichnungen. Da sie auch den neuen Faktoreileitern glatt aus der Feder flossen und in Briefen nach Batavia erscheinen, muß das ein gemeinsamer Wortschatz aller mit Japan befaßten Personen gewesen sein.[95] Aber alles, was darüber hinausging, stammte in der Tat aus der Feder 'atypischer' Japanfahrer. Die frühesten, nach 1641 überlieferten Sprachbeispiele scheinen jene sechsundzwanzig nach dem Gehör aufgezeichneten Redewendungen zu sein, die Montanus den Gedenkwaerdige Gesantschappen (Amsterdam 1669) einverleibte. Offenbar in Kenntnis von Diego Collados Werk hatte sich der Thüringer Caspar Schmalkalden, einst Soldat und Landmesser in Ostasien, einige japanische Wörter aufgezeichnet.[96] Dem Wissensdurst des aus Kassel stammenden Faktoreileiters Andreas Cleyer verdanken wir eine lange Liste japanischer Pflanzen- und Vogelnamen in einer von ihm in Japan erworbenen Sammlung kolorierter Zeichnungen ("Flora Iapanica") sowie diverse Beschreibungen von Pflanzen in den Ephemeriden der Leopoldina.[97] Seinem 'Hofmeister', dem an Fremdsprachen überaus interessierten Dresdener Gärtner Georg Meister blieb es vorbehalten, im Orientalisch=Indianischen Kunst= und Lustgärtner (Dresden 1692) ein ansehnliches Glossar Japanisch-Deutsch sowie zwei längere 'Konversationsmuster' zu publizieren. Dies sind die einzigen nennenswerten Quellen für ein halbes Jahrhundert.

Kaempfer zählt zu jenem neuen Typ des Forschers, wie er sich in Georg Meister, Andreas Cleyer oder Georg Eberhard Rumpf schon andeutet. Religiösen oder kulturmissionarischen Eifer lassen diese Persönlichkeiten kaum erkennen. Zwar ist der Aufenthalt in fremden Weltgegenden mit dem Broterwerb verbunden, doch wird die Gelegenheit zur Erkundung bewußt und intensiv genutzt. Suchten die Sendbriefe der Missionare zu erbauen und die frühen Reisebücher - oft nur mit Angelesenem vermischte Sammelsurien zufälliger Begebenheiten - das Verlangen des 'curieusen' Lesepublikums nach exotischen Reizen zu befriedigen, so rückt nun das Streben nach Sachlichkeit und Vollständigkeit in den Vordergrund. Dies gilt auch für Kaempfers Bemühungen um die japanische Sprache. Wir verdanken ihm eindrucksvolle Wortlisten mit zahlreichen Vokabeln, die in den Wörterbüchern der Jesuiten fehlen, samt einer beachtlichen Sammlung von Konversationsmustern. Diese Materialien sind nicht nur zur Erforschung des japanischen Wortschatzes, sondern auch im Hinblick auf phonologische Untersuchungen interessant. Besonders die sogar in den Missionsschriften seltene Notierung der japanischen Akzente verdient Beachtung. Weiter sind die von ihm transkribierten japanischen Texte die einzigen ihrer Art für mindestens ein Jahrhundert eurôjapanischer Kulturkontakte. Zudem waren die meisten der durch Kaempfer nach Europa gebrachten japanischen Zeichenlehr- und Nachschlagewerke die ersten überhaupt, die ins Abendland gelangten. In der analytischen Durchdringung der japanischen Sprache konnte Kaempfer den Patres des 'christlichen Jahrhunderts' das Wasser nicht reichen. Doch was den Umfang und die Art der von ihm in nur zwei Jahren gesammelten und aufbereiteten Sprachdaten und -werke betrifft, übertrifft er alle Japanreisenden seit Beginn des Reichsabschlusses bis mindestens zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Die bisherigen Darstellungen zur Geschichte der europäischen Erforschung des Japanischen, die nach ausführlicher Abhandlung der 'Kirishitan'-Materialien die folgende Epoche bis Thunberg bestenfalls in wenigen Sätzen abhandeln, müssen im Hinblick auf Kaempfer umgeschrieben werden. Ich hoffe, daß die in Angriff genommene Edition der oben vorgestellten Materialien weitere Untersuchungen anregen und erleichtern wird.

 

Literaturliste

  • Deutsches Institut für Japanstudien (Hrsg.): Doitsujin no mita Genroku jidai. Kenperuten (Engelbert Kämpfer). Ausstellungskatalog Tokyo 1990.
  • Gardner, Kenneth B.: Engelbert Kaempfer's Japanese Library. Asia Major, Vol. VII, nos. 1/2, 1959.
  • Imai, Tadashi: Sprachliche und landeskundliche Anmerkungen zu Engelbert Kaempfers Geschichte und Beschreibung Japans. In: Hüls, H. und Hoppe, H. (Hrsg.) Engelbert Kaempfer zum 330. Geburtstag. Lippische Studien Band 9. Lemgo, 1982,, S. 83-131.
  • Imaizumi, Tadayoshi: Nippu jisho no kenkyû - on'in. Tokyo 1968.
  • Kapitza, Peter: Japan in Europa. Texte und Bilddokumente zur europäischen Japankenntnis von Marco Polo bis Wilhelm Humboldt. (2 Bände) München 1990.
  • Katagiri, Kazuo: Kenperu to Oranda tsûji Imamura Gen'emon (Engelbert Kämpfer and the Dutch Interpreter Imamura Gen'emon). In Yôgakushi kenkyû (Jounal of the History of Western Learning), No.8, Tokyo, April 1991, S. 1-14
  • Toyama, Eiji: Kindai no on'in. In: Kokugoshi-kôza 2 - on'inshi, mojishi. Tokyo 1972.
  • Meister, Georg: Der Orientalisch=Indianische Kunst= und Lust=Gärtner [...] entworffen und fürgestellet durch George Meistern / Dieser Zeit Churfl. Sächs. bestallten Indianischen Kunst= und Lust=Gärtner. [...] Dresden [...] Anno 1692.
  • Michel, Wolfgang (1986a): Die Japanisch-Studien des Georg Meister (1653-1713). Doku Futsu Bungaku Kenkyu 36, Fukuoka 1986, S. 1-50.
  • Michel, Wolfgang (1986b): Wataxyx gattinnakka - Japanisch in den Gedenkwaerdige Gesantschappen des Arnoldus Montanus. Linguistic Science 21, Fukuoka 1986, S.1-10.
  • Montanus, Arnoldus: Denckwürdige Gesandtschafften der Ost=Indischen Gesellschaft in den Vereinigten Niederländern an unterschiedliche Keyser von Japan [...] Aus den Schriften und Reyseverzeichniüssen gemelter Gesanten gezogen Durch Arnoldus Montanus. [...] Zu Amsterdam Bey Jacob Meurs [...] 1669.
  • Muntschek, Wolfgang: Engelbert Kaempfer Flora Japonica (1712). Reprint des Originals und Kommentar. Wiesbaden 1983.
  • Sugimoto, Tsutomu: Kindai Nihongo no shin-kenkyû. Tokyo, 1965.
  • Wenck, Günther: Japanische Phonetik. Band 1-4. Wiesbaden, 1954, 1954, 1957, 1959.

 

Kaempfersche Werkausgaben
  • Kaempfer, Engelbert: Amoenitatum exoticarum politicôphysicômedicarum fasciculi V, quibus continentur variae relationes, observationes & descriptiones rerum persicarum & ulterioris Asiae. Lemgo 1712.

  • Engelbert Kaempfer: The History of Japan. Faksimile-Ausgabe der Edition von 1727 in 150 Exemplaren. Kyôto 1929.
  • Engelbert Kaempfer: Geschichte und Beschreibung von Japan. Aus den Originalhandschriften herausgegeben von Ch. W. Dohm. Lemgo 1777-1779. Faksimile-Ausgabe, Stuttgart 1964. [GBJ]

 

Handschriften
  • British Library, Dep. of Western Manuscripts, MS Sloane 3060: "Heutiges Japan"

  • British Library, Dep. of Western Manuscripts, MS Sloane 3062: "Collectanea Japonica"
  • Algemeen Rijksarchief, Den Haag, 1.04.21, Nederlandse Faktorij in Japan 104: Dagregister 1690-1691
  • Algemeen Rijksarchief, Den Haag, 1.04.21, Nederlandse Faktorij in Japan 105: Dagregister 1691-1692

 Anmerkungen

  1. Zur Aufdeckung der Identität von Kaempfers Gehilfen siehe Yu Ying Brown: Daiei toshokan, S.103. Einen weiteren Beleg aus dem Dagregister der Faktorei Deshima stellte Paul van der Velde auf dem Kämpfer-Symposium in Tôkyô (1990) vor. Biographisches über Imamura bei Katagiri, Kenperu to Oranda.
  2. BL, Sl 3060, fol.4v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Vorrede, S.LXVII).
  3. Amoenitates exoticae, S.767.
  4. BL, Sl 3060, fol.404v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 14, S.353).
  5. BL, Sl 3060, fol.263r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, Kap. 8, S.121).
  6. dagregister 1691 - 92, 27. Januar 1692.
  7. BL, Sl 3060, fol.395v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 14, S.343). Auch beim Faktoreileiter Hendrick van Buijtenhem war der 'unanständige Dolmetscher' Motogi nicht sehr beliebt (dagregister 1691 - 92, 26. März 1692).
  8. Michel, Japanische Sprache.
  9. Hammitzsch, Sp.1491ff. sowie 788ff.
  10. Zitiert nach Kapitza, Japan in Europa, Bd.I, S.605. Eine stilistisch abweichende Übersetzung fertigte Christian Arnold an. Siehe Arnold, S.348f.
  11. Siehe z. B. Guichard.
  12. 1. Mose, 11.
  13. BL, Sl 3060, fol.73v, 74r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 1, Kap. 6, S.88).
  14. Einwohner des Reiches Tongking / Tonkin, heute der nördliche Teil Vietnams.
  15. Einwohner von Ezo, heute Hokkaidô.
  16. BL, Sl 3060, fol.74v ff. (Geschichte und Beschreibung von Japan, Bd. I, S.99 ff.).
  17. komon , wörtlich 'alte Schrift'.
  18. Gelegentlich kommt ein mehrfach geschlagenes [΄] in in der Vulgärsprache von Männern vor, wo es 'spanisch gerollt' wirkt.
  19. Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, Kapitel 10, S.130. Dieses Kapitel fehlt im Manuskript Sloane 3060.
  20. Der erst im Sinojapanisch der Heian-Zeit entstandene 'Silbenschlußnasal' /n/ nimmt eine Sonderstellung ein.
  21. BL, Sl 3060, fol.308r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kapitel 7, S.206). In Wirklichkeit handelt es sich, wie man anhand Kaempfers eigener Karte XXIII feststellt, um Tade ("Taddi") in der Nähe der Stadt Saga.
  22. Hontomida, Matsudera, Takawa.
  23. BL, Sl 3060, fol.281r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 3, S.164).
  24. Diese Lautregeln sind in allen einschlägigen Standardwerken aufgeführt, z.B. dem 'Lexikon für japanische Sprachwissenschaft' (Kokugogaku jiten ) der Gesellschaft für japanische Sprachwissenschaft (Kokugogakkai). Ich habe mich dazu auf die Arbeiten von Imaizumi, Toyama und Wenck gestützt.
  25. Shibitobanna, meist 'higanbana' genannt (Lycoris radiata Herb.); Kinari gaki, eine noch etwas grüne Kakifrucht (Diospyros Kaki Thunb.); Kibi , Hirse (Panicum miliaceum).
  26. Amoenitates exoticae, S.769; zitiert nach Flora Japonica, S.16
  27. Amoenitates exoticae, (c) 2 f.
  28. In der deutschsprachigen Literatur manchmal auch 'kontrahierte Laute' genannt.
  29. Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang IV, S.440. Die japanische Schreibung wurde an das lateinische Original in den Amoenitates exoticae (S.603) angeglichen.
  30. Michel, Georg Meister, S.30.
  31. Amoenitates exoticae, S.769.
  32. Kôno, S.9ff.; siehe auch Imaizumi, S.60f. und Toyama, S.82.
  33. Michel, Wataxyx.
  34. Michel, Georg Meister, S.37.
  35. Toyama, S.181f.; Imaizumi, S.63; für Meisters Japanisch siehe Michel, Georg Meister, S.37.
  36. Geschichte und Beschreibung von Japan, Einleitung des Herausgeber, S.LV.
  37.     Teils ohne Übersetzung.
  38. Nur die Bezeichnungen in japanischer Schrift, keine Übersetzungen usw.
  39. BL, Sl 3062, fol.313r - 379v.
  40. BL, Oriental Collections, Or.75.ff.1 und Or.75.ff.1*. Besonders der letztere Einzelband ist mit handschriftlichen Zusätzen übersät.
  41. BL, Sl 3062, fol.327 - 329.
  42. Ebenda, fol.339r.
  43. Ebenda, fol.376r.
  44. Ebenda, fol.101r - 111v.
  45. BL, Oriental Collections, Or.75.f.6.
  46. BL, Sl 3062, fol.60r - 63r.
  47. Ebenda, fol.113r - 116r.
  48. Ebenda, fol.200r - 219v.
  49. Ebenda, fol.357r - 358v.
  50. BL, Oriental Collections, Or.75.f.8.
  51. BL, Sl 3062, fol.217v - 218r.
  52. Ebenda, fol.367r.
  53. Ebenda, fol.372r.
  54. Ebenda, fol.366r - 367v.
  55. BL, Sl 3060, fol.300v; (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 6, S.194).
  56. Ebenda, fol.300r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 6, S.194).
  57. BL, Sl 3062, fol.372v.
  58. Ebenda, fol.372r.
  59. Meister, S.193 - 196; siehe auch Michel, Georg Meister.
  60. Montanus, Gesandtschafften, S.325; siehe auch Michel, Wataxyx.
  61. Eigentlich sô, die 'Grasschrift'.
  62. Shin, die 'wahre' Schrift, heute 'kaisho', 'gerade Schrift', 'Regelschrift'.
  63. Hiragana, wegen seiner weicheren Formen das 'glatte Kana' im Gegensatz zum Katakana, dem als 'Stück' von chinesischen Schriftzeichen entlehnten Kana.
  64. Amoenitates exoticae, S.767f.; geringfügig verändert zitiert nach Flora Japonica, S.15f.
  65. Kusu bzw. Kusu no ki, in sinojapanischer Lesung 'shô' (Cinamomum Camphora Sieb.)
  66. Kiri bzw. Kiri no ki, in sinojapanischer Lesung 'tô' (Paulownia tomentosa Stendel).
  67. Urushine / Uruchi, ein wenig klebender Reis, in sinojapanischer Lesung 'kô' (Oryza sativa L.).
  68. Amoenitates exoticae, S.768; geringfügig verändert zitiert nach Flora Japonica, S.16.
  69. BL, Oriental Collections, Or.75.h.1, fol.11r.
  70. BL, Sl 3060, fol.530.
  71. Ebenda, fol.47v, 530.
  72. BL, Sl 3062, fol.88r.
  73. Ebenda, fol.47v, 88r sowie Sl 3060, fol.530.
  74. Ebenda, fol.376r/v.
  75. BL, Sl 3060, fol.532, 536, 537v, 538v, 539v.
  76. Ebenda, fol.534, 546.
  77. Geschichte und Beschreibung von Japan, 4. Buch, Kap. 10, S.129ff.
  78. BL, Sl 3062, fol.4v.
  79. Ebenda, fol.252r - 255r.
  80. BL, Sl 3060, fol.302r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 6, S.197) .
  81. Abdruck im Katalog des Deutschen Instituts für Japanstudien, S.23.
  82. Alle Stellen, an denen die beiden erwähnt sind, findet man über die Register in Deshima Dagregisters.
  83. dagregister 1688-89, S.64; dagregister 1697-98, S.145.
  84. BL, Sl 3062, fol.365.
  85. dagregister 1691/92, S.135f.
  86. BL, Sl 3062, fol.47v.
  87. Zu Kaempfers Materialien in der British Library siehe Gardener.
  88. BL, Oriental Collections, Or.75 h 4 (1).
  89. BL, Oriental Collections, Or.75 h 4 (2) .
  90. BL, Oriental Collections, Or.75 h. 1.
  91. Die Auswahl der chinesischen Zeichen erfolgte nicht nur nach dem Lautwert, sie geben bei diesem Stempel zugleich auch in etwa Kaempfers Motto "Virtuti nihil invium" wieder.
  92. BL, Oriental Collections, Or.64. b. 2.
  93. BL, Sl 3062, fol.64r.
  94. Thunberg, Reisen, Band II, S.215
  95. Allein die Dagregister der Faktorei Hirado enthält nach meiner Zählung für die Jahre 1633 - 1641 über tausend japanische Vokabeln und Eigennamen.
  96. Michel, Glossar , S.1 - 26.
  97. Die Zeichnungen werden heute in der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Berlin) aufbewahrt: Libri picturati A 41 / 42.

 

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