Wolfgang Michel: Engelbert Kaempfer und die Medizin in Japan. In: Detlef Haberland (ed.): Engelbert Kaempfer. Werk und Wirkung. Vorträge der Symposien in Lemgo (19.-22.9.1990) und in Tokyo (15.-18.12.1990). Boethius-Verlag, Stuttgart 1993, pp.249 - 293.
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Engelbert Kaempfer Werk und Wirkung

 

 

Wolfgang Michel

Engelbert Kaempfer und die Medizin in Japan


 

 Vorbemerkung

Über die (sino)japanische Heilkunde konnte Kaempfer bereits in Batavia einiges erfahren. Zum Beispiel bei Andreas Cleyer (1634 - 1697/98), einem Lizentiaten der Medizin aus Kassel, der in der Verenigden Oostindischen Compagnie (VOC) eine große Karriere gemacht hatte. Cleyer war mit ostindischen Heilmitteln bestens vertraut und hatte zweimal (1682 - 83, 1685 - 86) als Leiter der Faktorei Deshima allerlei Beobachtungen gemacht und Materialien gesammelt, die er nach Europa weitergab.[1] Wichtig wurde ferner die Bekanntschaft mit Willem ten Rhijne (1647 - 1700), einem promovierten Arzt aus den Niederlanden, der von der VOC 1673 eigens für den Dienst in Japan eingestellt worden war.[2] Dank ten Rhijne lernte er wesentliche Züge der Akupunktur und Moxibustion kennen.

Die Identität seines jungen japanischen Gehilfen wurde erst in jüngster Zeit geklärt.[3] Imamura Gen’emon Eisei (1671-1736), der sich später Imamura Ichibei nannte, ist als einer der berühmten Faktorei-Dolmetscher - mit Ausnahme der bislang unbekannten Beziehung zu Kaempfer - gut erforscht. Er war ein Sohn des ‘Kleinen Hauptes der inneren Dolmetscher’ (naitsûji kogashira) Imamura Ichizaemon. Im Jahre 1695, d.h. drei Jahre nach Kaempfers Abreise, bestand er seine Holländisch-Prüfung und stieg dann Schritt für Schritt in der beamteten Dolmetscherhierarchie Deshimas auf. Insgesamt neun Mal amtierte er als hauptverantwortlicher ‘Jahresdolmetscher’ (nenban-tsûji) und auf acht Hofreisen als ‘Edo-Dolmetscher’ (Edoban-tsûji). Weiter war er bei den Vernehmungen des heimlich eingereisten Missionars Giovanni Battista Sidotti beteiligt. Auch verfaßte er im Auftrag der Shôgunatsverwaltung anhand der Instruktionen des Hamburgers Hans Jürgen Keyserling das erste japanische Buch zur westlichen Reitkunst. Er wurde so sehr geschätzt, daß man sein 1736 eingereichtes, mit einer (wohl chronischen) Krankheit begründetes Entlassungsgesuch nur in Teilen akzeptierte. Noch im selben Jahr, in dem die beiden ältesten Söhne zu Dolmetschern avancierten, starb er im Alter von sechsundsechzig Jahren.[4] Als Kaempfer 1690 in Japan ankam, begegnete er einem begabten, wißbegierigen, aber noch sehr jungen Mann, der ihm im Laufe zweier Jahre vielerlei Materialien besorgte, übersetzte und dolmetschte. Doch Imamura war beleibe kein Arzt, und sein Lebensweg zeigt im Gegensatz zur Biographie mancher Kollegen keinerlei medizinische Ambitionen. Auch das zählt zu den Rahmenbedingungen der Kaempferschen Forschungen.

Nicht alle Beobachtungen zur Medizin der Japaner wurden publiziert. Im Heutigen Japan, 1727 als History of Japan herausgegeben, begnügt sich Kaempfer mit Bemerkungen zu zwei, drei Heilmitteln und den wohltuenden Wirkungen der Thermalbäder. In den Amoenitates exoticae präsentiert er dem Fachpublikum zwei Traktate zur Akupunktur und Moxibustion, die auf den Paragraphen neun und zehn der Leidener Inauguraldissertation (1694) aufbauen und seinerzeit häufig zitiert wurden, sowie eine Abhandlung über den als Heil- und Anregungsmittel geschätzten Tee. Die Breite seiner Kenntnisse wird erst deutlich, wenn man die bislang ignorierten handschriftlichen Notizen in der Sloane Collection der British Library, besonders die sogenannten “Collectanea Japonica” (Sl 3062) berücksichtigt. Ich möchte nachfolgend zugleich deutlich machen, was Kaempfer nicht wußte bzw. wo er hinter den Wissensstand seiner Zeit zurückfiel. Die in dieser Gesamtschau nicht druckbaren zahlreichen Manuskriptteile werden an anderer Stelle vorgestellt und philologisch kommentiert. Mehr zur chinesischen Medizin findet man z.B. bei Porkert oder Unschuld.

 

Diagnostik

Ein Arzt, der chinesische Medizin praktiziert, beginnt mit ‘Vier Untersuchungen’: 1. dem Anschauen der äußerlichen Erscheinung einschließlich der Zunge, 2. dem Hören der Stimme, Atmung und Riechen, 3. dem Fragen nach Beschwerden und 4. dem Befühlen der Haut einschließlich des Pulses. Die Pulsdiagnose gilt als das wichtigste Instrument, durch das man den Zustand der Blut-Qi-Zirkulation und der Organe erfaßt. In Europa, wo der menschliche Blutkreislauf erst anfangs des siebzehnten Jahrhunderts durch William Harvey (1578 - 1657) entdeckt wurde, glaubte man, daß ihn die Chinesen seit alters her kannten. Entsprechend lebhaft war daher das Interesse an deren Pulsdiagnostik. Schon vor Kaempfers Japanfahrt erschienen hierzu Bücher aus der Feder von Chinamissionaren: Les Secrets de la Médecine des Chinois, consistant en la parfaite Connoissance du Pouls (Grenoble 1671), das Specimen Medicinae Sinicae (Frankfurt 1682) und Michael Boyms Clavis Medica ad Chinarum Doctrinam de Pulsibus (Nürnberg 1685). Cleyer, dem wir die Herausgabe der beiden letzten Titel verdanken, hatte sich mit der Pulslehre befaßt und bestimmt mit Kaempfer darüber gesprochen. Auch Willem ten Rhijne studierte die Materie.[5] Kaempfer, dem zwei japanische Hofärzte vor Augen des Shôguns den Puls fühlten,[6] wußte um die Unterschiede, doch schien ihn das Thema (wegen der schwierigen Konzeption?) kaum zu interessieren. Seine publizierten Schriften enthalten nichts in dieser Richtung. Im Manuskriptkonvolut Sl 3062 findet sich nur eine Notiz, daß man an sechs Pulsstellen Aufschluß über das calidum nativum der Innereien gewinne, wobei man mit drei Fingern jeweils die Organe Milz, Lunge, Pankreas, Herz, Leber und Niere diagnostiziere. Bei Frauen entspreche der rechte Puls dem linken der Männer und der linke deren rechten Puls. Abgesehen davon, daß ihm die Abfolge der Organe ein wenig durcheinander geraten war, folgen diese Fragmente der traditionellen Lehre. Dazu hatte er eine winzige Skizze beider Arme mit den jeweiligen drei Pulsstellen angefertigt (Abb. 1a/b).



Fig. 1 Pulsnahmestellen bei Kaempfer (BL, Sloane 3062, fol. 47r) und Hongô (o. S.)

 

 

Krankheiten

Zu Krankheiten kommt es der chinesischen Ätiologie zufolge durch Störungen in der (mikro)kosmischen Harmonie. Der Arzt stellt fest, ob das Leiden Yin- oder Yang-Charakter hat, ob die Disharmonien innerer oder äußerer Natur sind, ob es sich um Kälte- oder Hitze-Symptome handelt bzw. ob ein Überschußoder aber ein Mangel an dem pneumaähnlichen Qi (jap. ki), an Blut oder anderen Körperflüssigkeiten vorliegt. Die Gewichtung der einzelnen Faktoren variiert nach Zeitalter und Autor. Hinter jedem Leiden steht ein Geflecht von Ursachen, meist in Kategorien formuliert, die eine Übertragung in westliche Äquivalente sehr schwer machen.

Kaempfer sammelte fleißig Informationen über Krankheiten, deren Charakteristika und gelegentlich auch Therapie. Er ging in seinen Aufzeichnung stets von japanischen Stichworten in lateinischer Schreibung aus, die er bunt gemischt auf deutsch, lateinisch und niederländisch erklärt. In einem handschriftlichen Entwurf eines nach Sachgruppen angelegten japanisch-deutschen Glossars fand ich einen Abschnitt “Morbi”,[7] der allgemein gefürchtete Krankheiten auflistet. Nachfolgend die Stichworte, deren heutige Transliteration und eine kurze Angabe zur Deutung Kaempfers:


Kaempfer
Transliteration
Deutung
Namban Kassa, Sodok nanban-kasa, sodoku Pocken, portugiesische Blattern
Fooso hôsô Kinderpocken
Fasika hashika Masern
Karè karei schwache Masern
Nitz, Neki netsu, nekki Fieber
Okori okori intermittierendes Fieber
Jekeri ekirei hitziges Fieber
Fiburi hiburui Schüttelfrost
Furu furui Frösteln
Tan tan Phlegma
Katamarri katamari Verhärtung
Jékirè, Jakubjo, Netzbjo ekirei, yakubyô, Pest, Fieberkrankheit
netsubyô
Kosíkki, Sambjo, Reiso kojiki, sanbyô, raisô Lepra
Tórime torime Nachtblindheit
Kojeas, Kajas koeashi Fettfuß, St. Thomas-Fuß[8]
Ten kan tenkan Epilepsie

 

Die Pest hat es in Japan nachweislich nie gegeben. Bei den fiebrigen Leiden, mit deren Deutung und Scheidung man sich in Europa gleichermaßen schwer tat, darf man Kaempfer nicht beim Wort nehmen. Sequenzen wie hiburui und furui und manche direkte Übersetzung, z.B. nanban-kasa als Portugiesische Blattern oder koeashi als Fettfuß, zeigen, daß er auf die japanische Wortsemantik achtete. Hervorzuheben ist die erstmalige westliche Erwähnung der in China und Japan vorkommenden ‘Rattenpest’ (rat bite fever). Der japanische Terminus sodoku steht noch heute in der internationalen Fachliteratur.[9] Der in Kyûshû verbreitete Beiname ‘Bettler’ (kojiki) deutet die Lebensumstände der aus den Siedlungen verbannten Leprösen an.

Die ebenfalls mit “Morbi” übertitelten Aufzeichnungen an anderer Stelle derselben Manuskriptsammlung[10] verarbeitete Kaempfer im Akupunktur- bzw. Moxateil der Dissertation bzw. den Amoenitates exoticae. Jôki (“Sióki”), das ‘Aufsteigende Qi’, wird hier wie dort als Phlegmone des Kopfes erklärt. Sunbaku (“sumbáku”), wörtlich Zollweiß, sei ein langer, weißer Wurm, der an den persischen Medina-Wurm pijûk erinnere. Man ziehe ihn aus dem Anus, in seltenen Fällen auch aus der Harnröhre. Senki (“Senki”), eine in Japan und China ziemlich diffuse Bezeichnung für allerlei Bauchleiden und ‑schmerzen, wird als endemische Kolik interpretiert, als ein Spasmus, der sich aus der Leiste oder dem Unterbauch quer oder senkrecht aufziehe und zuweilen in Beulen an Armen, Leib und Kopf resolviere. Wer an zôhi (“Sóbe”) leide, sei ein zôhimochi (“Sóbe motz”), in Kaempfers Worten ein “Sobe halter”, also jemand, der eine ‘Elefantenhaut’ hat. Die Geschwüre brächen oft durch und würden sich zur Fistel entwickeln. Hier wie bei dem damals auf japanisch ‘Dickbein’ (“Koje“jas vulgo Kó jassi*”)[11] genannten Sankt Thomasbein handelte es sich um Filariosen. Der Begriff Dreikrankheit, japanisch sanbyô (“Sanbio”), wurde seinerzeit synonym zu raisô oder raibyô, also Lepra, verwandt. Ebenso wie in seinem Glossar differenziert Kaempfer zwischen der Weißen Lepra, japanisch byakurai (“Biakurai”), und der Schwarzen Lepra, kokurai (“Kokurai“), was wohl auf die Hautverfärbungen zurückgeht. Erstere fresse in zehn oder zwölf Jahren erst Zehen und Finger weg, letztere sei weitaus bösartiger und benötige dazu nur halb so viel Zeit oder noch weniger.

Medizingeschichtlich und volkskundlich bemerkenswert sind Kaempfers Aufzeichnungen zu einigen “Kinderkrankheiten”.[12] Da findet man zunächst die Masern, japanisch hashika (“Faska”), an der nur wenige sterben würden, sofern nicht andere Symptomata auftreten oder man sich mit kaltem Wasser wasche bzw. verbotene Kost esse. Bevor sie ausschlagen, bekomme man es erst in der Kehle. Trotz langer Suche konnte ich in keiner japanischen Quelle die Bezeichnung karei (“Karé”) aufspüren, welche Kaempfer als eine leichte Sorte von Kinderpocken oder kleinen Wasserpocken definiert. Man sterbe nicht daran, es blieben aber Narben. Vermutlich glich die Haut der des karei genannten fleckigen Flunders.

Die Pocken seien sehr bösartig und meist mit Raserei verbunden. Wenn jemand von O—mura und Amakusa (Kyûshû) aus einer Gegend zurückkehre, wo diese Seuche grassiere, werde er außerhalb des Wohnplatzes “weit entfernt ins feld oder [den] wald gebracht”, wo er hundert Tage lang warten müsse, bevor man ihn als “nun gesaubert” wieder annehme. Auch die folgende Untergliederung dokumentiert nur Kaempfer, der fünf Sorten unterscheidet, welche die “nahmen einiger gleichen dinge” tragen:

1. Azuki (“Adsuki”), nach der Form der roten bzw. braunen Roßwicken, sei die ungefährlichste Art, etwa so wie hashika, also Masern.

2. Mame (“Mamé”) hätten ihren Namen nach den runden und weißen Bohnen.

3. Tako oder tako no te (“Tako seú táko no te”) sei eine Art Seekatze. Gemeint ist der Oktopus, dessen Saugnäpfe den tief eingefallenen Ausschlägen offenbar glichen.

4. Bei Tsuta (“Tsta’ sive Tßu*tá”) erinnere die Gestalt an die Blätter der Pflanze tsuta, d.h. Jungfernrebe, die denen des Wein oder momiji (Ahorn) glichen. Diese Sorte sei schlimmer als Tako no te, und viele stürben daran.

5. Die schlimmste und meistens tödliche Art nenne man budô (“Budo”), d.h. Trauben, wegen ihrer dunkelblauen Farbe und Häufung.

Die beiden letztgenannten Leiden seien so schlimm, daß man im Falle der Genesung die Haut geradezu wie eine Maske abnehmen könne und der Betreffende eine ganz andere Physiognomie zeige.

Auf der folgenden Seite stehen Ausführungen zum Umgang mit Pockenkranken.[13] Man lasse ein besonderes altes Weib holen, welche feststelle, ob es sich um eine schwere Sorte handele oder nicht. Schwangere, Frauen mit Monatsblutungen, Trauernde, Lepröse, Blinde, Lahme, Pfaffen und Betrunkene sollten nicht zu dem Kranken gehen, weil ihnen dies schade. Wenn sich betrunkene Leute dem Patienten näherten, fange es ihnen allenthalben zu jucken an. Wer bei ihm wache, dürfe nach der Sitte des Volkes sein Haupthaar nicht mit Fett einschmieren. Alte Leute würden gewöhnlich sterben. Zur Vertreibung der bösen Geister, der kami (“Came”), setze man den Patienten einen weißen Hut auf, tunke einen Bambuszweig in warmes Wasser und lasse es über das bedeckte Haupt ablaufen. Dies werde ichiban-yu (“itziban ju”) genannt, also soviel wie das ‘erste Wasser’. Sieben Tage darauf erfolge das niban-yu (“niban ju”). Beim dritten Wasser, dem sanban-yu (“sanbanju”), wasche man warm mit einem sachten Tuche. Falls die Pocken gutartig seien, geschehe diese Abwaschung schon beim ichiban-yu. Ein ähnliches Verfahren steht in einem 1703 gedruckten ‘Kinderpflegebuch’ (Shôni hitsuyô sodategusa) von Katsuki Gyûzan (1652-1736). Bei dessen ichiban-yu wird jedoch ein Tuch in heißes Wasser oder Reisbrühe getaucht, leicht ausgewrungen und auf die Pocken gelegt.[14]

Alsdann beschreibt Kaempfer die “VII Foso no Cámi i. e. 7 Pock Geister”.[15] Den in Analogie zu den Sieben Glücksgöttern (Shichi fukujin) geprägten Terminus konnte ich in japanischen Quellen nicht nachweisen. Diese “Came, oder kinderpocken geister, derer die meisten böse” seien, würden den Kranken als Omen des weiteren Krankheitsverlaufes erscheinen. Wenn sich der nach den ‘Bergasketen’ benannte yamabushi kami (“Jammabos Cami”) zeige, so sei das im allgemeinen ein sehr schlechtes Zeichen. Der mekura gami (“Mékura gami, blinder Geist”), von Gestalt wie ein Blinder, wäre noch bösartiger. Es folgen der bôzu (“Boos , pfaffen”), eigentlich ein buddhistischer Mönch, der jii (“dsii , alt man”) und ein “Baba, alt weib”, alle drei fatale Anzeichen des bevorstehenden Todes. Demgegenüber verheiße das Erscheinen des wakashi (“wakas, Jungling”) oder der musume (“Mus me, Junge tochter”) eine baldige Genesung.

Solche Aufzeichnungen entstanden wohl kaum unter Anleitung eines japanischen Arztes. Vieles ist volkstümlich, aber gerade deshalb heute interessant. Kaempfer war zudem der erste Europäer, der solche japanischen Krankheitsbilder studierte.

 

 

Prophylaxe und Hygiene

Die chinesische Medizin und alle von ihr beeinflußten Heilkunden legen großen Wert auf Vorbeugung und Gesundheitserhaltung. Hierzu dienen neben einer sinnvollen Ernährung spezielle Atemübungen, Bewegungsübungen und Massagen, die bei Kaempfer nicht vorkommen. Daß die Japaner die Rolle der Ernährung beachteten, lernte er spätestens, als er in einem Handbuch für den Hausgebrauch von 1689, dem “Hausschatz” (Kanai chôhôki) eine Kapitelunterschrift transliterierte und den Inhalt festhielt: “Sachen aller siekt diaet gut oder quaed”.[16] Doch das schlug sich nicht in den Publikationen nieder. Nur das Brennen mit Moxakegeln ist erwähnt, das man sogar den gefangenen japanischen Christen zweimal im Jahr gestatte, um sich dadurch “vor Qualen zu präserviren” zu lassen.[17] Wie die Jesuiten und andere Japanbesucher vor ihm zeigte er sich sehr beeindruckt von den Thermalbädern. Seine Aufzeichnungen zu den heißen Quellen Kyûshûs fanden in der Geschichte und Beschreibung von Japan ausführlichen Niederschlag. Das feuerheiße Bad bei Shimabara habe die Kraft, das Ferment des spanischen Giftes anzunehmen, wenn man sich wenige Tage nach einander kurz hineinsetze. Beginnen müsse man die Kur aber im linderen Wasser von Obama, das viele äußerliche und innerliche Gebrechen heile, unter anderem, allerdings nur vorübergehend, die “Franzosen”.[18] Auch durch die tägliche Reinigung ihres Körpers im Hause, heißt es in Kaempfers Rechtfertigung der Isolationspolitik Japans, würden die Japaner “eine unzählige Menge Krankheiten” vertreiben, “ohne gerade die Absicht zu haben”.[19] So segensreich aus das Baden auch war, für übertrieben hielt er es offenbar doch, wenn er an anderer Stelle den “sinnlichen Holländern” die “superstitieus reinlichen” Japaner gegenüberstellt.[20]

 

 

Heilkräuter, Medikamente[21]

Die Erforschung ostasiatischer Heilmittel lag im Interesse der VOC, die sich dadurch den teuren Bezug europäischer Medikamente ersparen bzw. eventuell sogar einen Export nach Europa beginnen konnte. Besonders Andreas Cleyer aus Kassel hatte als Leiter der Apotheke in Batavia solche Untersuchungen energisch vorangetrieben.[22] Auch Kaempfer ließ die japanischen Mittel nicht unbeachtet, wie die Abteilung “Aromata et Simplicia” in seinem Glossarentwurf zeigt. Nachfolgend die Stichworte und deren pharmazeutische bzw. botanische Spezifikation:[23]


Kaempfer Transliteration Spezifikation
Sukku*sà shukusha Cardamomi Fructus
Tzoose chôji Caryophylli Flos
Níkke nikkei Cinnamomi Cortex
Niko dzukko nikuzuku Myristicae Semen
Niko dzukko no ganne nikuzuku no hana Myristicae Flos
Kusira nofùn kujira no fun Ambra Grisea
Kusira no in kujira no in Sperma Ceti
Fu no ri funori (Gloiopeltis furcata Post. et Rupr.)
Kommo konbu Laminariae Thallus
Fisik hijiki (Hizikia fusiforme Okamura)
Azenjákku asenyaku Catechu, Terra Japonica
Szák}o jakô Moschus

 

Manche der Mittel liegen nicht nur in Heilmittelhandlungen aus. Man schätzt sie auch in der Küche als alltägliche Nahrungsmittel (funori, konbu, hijiki) oder Gewürze (nikkei, chôji, shukusha, nikuzuku). Zur Ambra verfaßte Kaempfer, sicher in Kenntnis des Cleyerschen Artikels in den Ephemeriden der Leopoldina,[24] eine Abhandlung in den Amoenitates exoticae.[25] Sie ist allgemeiner Natur und berührt Japan nur an drei kurzen Stellen, so daß man sich wundert, warum sie dem Anhang der History of Japan bzw. der Dohmschen Ausgabe beigefügt wurde. Mag sein, daß man dem Publikum jenen “geheimen kräftigen Gebrauch” als Aphrodisiakum nicht vorenthalten wollte, den ein “sehr erfahrener japanischer Arzt” Kaempfer anvertraut hatte.[26] Ausführlicher sind dagegen die Anmerkungen zur japanischen Ambra im ersten Buch der Geschichte und Beschreibung von Japan.[27]

Die im Glossarentwurf auf die “Aromata et Simplicia” folgende Rubrik “Medicamenta”[28] ist in einem chaotischen Zustand. Termini wie ‘Blutstillmittel’ (chitome), ‘Abführmittel’ (kudashi) , ‘Arznei’ (yaku, kusuri), ‘Pflaster’ (kôyaku), ‘Medikament’ (yakushu), ‘Apotheke’ (kusuriya), ‘Heilkraut’ (yakusô), ‘Arzt’ (i, isha), ‘Chirurg’ (geka), ‘Schlagnadel’ (uchibari) und ‘Drehnadel’ (fineribari) stehen eindeutig am falschen Platz.[29] Dies gilt gleichermaßen für den Crocus sativus oder Safran, japanisch bankôka (“Ban koqua”), weiter die Algenart miru (“Myr”), deren Asche man bei Angina mit einem Röhrchen in den Hals blase und schließlich das gohachishimo (“Gawásso”). Letzteres war ein aus der in Kyûshû hirakuchi (“Firakutz”) genannten Giftschlange Agkistrodon halys Pallas durch Rösten und Zerstoßen hergestelltes weißgraues Pulver, welches, laut Kaempfer, unter die Dachrinne gestreut, binnen kurzem Schlangen wachsen lasse und gegen verschiedene innerliche Leiden genommen werde. Diese Notiz verwandte er im Heutigen Japan bei der Beschreibung der Schlangen des Landes wieder.[30] Zum “Gummi Lacca”, japanisch Kinmotsu yaku (“Kimmótzu Jákku”) heißt es nur, daß er von den Chinesen erfunden wurde. Die Schreibung des als “Gutta Gambir” erklärten Stichwortes “Kimmàh” ist total verdorben.

Es bleiben als echte Medikamente das Mankintan (“Mankintan”) und das Uirô (“Wuiro”). Ersteres war ein beliebtes Mitbringsel von Pilgerfahrten zu den Ise-Schreinen, wurde aber auch von umherreisenden Yamabushi verkauft. Es zählte zu den bekanntesten Mitteln, für das man allerdings sehr verschiedene Rezepturen kannte, was Kaempfer wußte. Das von ihm angegebene Catechu (jap. Asenyaku) gehört fast immer dazu, wenngleich nicht unbedingt als Hauptbestandteil.[31] Zum Uirô, auch Tôchinkô genannt, weiß er indessen nichts zu sagen, obwohl es nicht minder berühmt war und ihm in einer der beiden berühmten Uirô-Handlungen (Kyôto bzw. Odawara) begegnet sein muß. Kaempfer beschreibt es als “Cachu”. Dies war zwar die Basis, doch kamen z.B. beim Odawara-Uirô noch elf weiter Zutaten hinzu. Die Rezeptur hatte ein um 1368 nach Japan emigrierter Beamter der Yuan-Dynastie mitgebracht. Dessen Rangbezeichnung yuan wailang überdauerte, auf wailang verkürzt in der sinojapanischen Lesung uirô die Zeiten. 1718 erschien sogar ein Kabuki-Stück ‘Uirô-Verkäufer’.[32]

An anderer Stelle entdeckte ich weitere “Medicamenta”, geschieden in Boli, Pillen, Pulver und Varia.[33] Diese Aufzeichnungen gedachte Kaempfer systematisch auszubauen. Denn man findet nach jedem Stichwort eine kurze Beschreibung und dann die Abschnitte “Basis” und “Usus”, wo Platz für spätere Ergänzungen freigelassen wurde. So sei Shikinjô (“Si kin sio”) ein aus verschiedenen Ingredienzien komponierter blutroter bolus, wie bolus armenus, aber härter, und nicht so irdisch”, mit verschiedenen eingedruckten Figuren von Blumen oder Vögeln. Bei Kopfschmerzen infolge eines Rausches, auch nach dem Genuß verdorbener oder giftiger Fische wie dem fugu schabe man davon ein wenig ab. Kaempfer bezieht sich unter den existierenden mehreren Rezepturen auf die auch als ‘Giftbeseitiger’ (kaidokudan) bezeichnete spagyrische Version gegen Magenvergiftung, Magenschmerzen, Blutspucken, Herzschmerzen usw.[34] Kintaishi (“Kintaisi”), ein roter Bolus, in den der Name eingepreßt sei, rieche stark nach Moschus und helfe gegen Kolik. Das Mittel wurde seinerzeit aus achtzehn Zutaten komponiert und mit Reiskleister zu einer Kugel gerollt, die allgemein gegen Gifte wirken sollte.[35]

Zu dem wegen seines Giftes berüchtigten Fisch fugu weiß er eine nette Geschichte. Dem Nachbarn seines Dieners Imamura schlugen allenthalben die spanischen Pocken aus, und es begann ihm schon die Nase einzufallen. Um seinem Leben ein Ende zu setzen, bereitete er sich von dem ungewaschen in Stücke geschnittenen Fleisch eine letztes Gericht. Um das Gift formidabler zu machen, fügte er vom Strohdach abgekratzten Ruß hinzu und legte sich nach eingenommener Mahlzeit auf sein Sterbebett. Worauf er sich kontinuierlich erbrach, eine Menge zähen Schleims von sich gab und unvermutet so seine Gesundheit wiedererlangte.[36]

Unter den “Pilulae”[37] steht an erster Stelle ein mushigusuri (“Musji Gu“súri”), dessen Name von schwarzgrauen, Schmerzen verursachenden Eingeweidewürmern rühre. Nach “ungesunder kost”, “in Colica oder bauch pein” nehme man drei bis sechs der kleinen Pillen, die wie “Mause drek” aussähen. Würmer galten in der Tat als häufige Krankheitsursache, doch der Name mushigusuri, wörtlich ‘Wurmmedikament’, reicht als Gattungsbezeichnung für die Identifikation nicht aus. Es folgt das Daikyôji ganyaku (“Dai kiosi guanjakf”), wörtlich übersetzt ‘Pillen des Großen Meisters’. Diese seien so groß wie Erbsen oder Pfefferkörner und rot wie Mennige. Letzteres kam vom Überzug. Sie hätten ihren Namen von dem Tempel “beÿ dem Daibuts in Nara s[ive] 10. m[eilen] à mìaco, woselbst sie à pfaffen gemacht” würden. Zwei bis drei Pillen zerstoßen und mit Wasser getrunken würden bei Kolik, epileptischen Spasmen und Kopfschmerzen helfen. In der Tat sitzt im Tôdai-Tempel von Nara ein gewaltiger ‘Großbuddha’. Wahrscheinlich meint Kaempfer aber das Mittel Hôshindan, das älteste aller japanischen Handelspräparate, welches im sechs Kilometer entfernten Tempel Saidai-Tempel hergestellt wurde. Die Buddhastatue des Tôdai-Tempels war infolge kriegerischer Auseinandersetzungen seit 1567 schwer beschädigt. Anläßlich der Wiederherstellung des Kopfteils und anderer erfolgreicher Reparaturen fand Anfang 1692 eine ‘Augenöffnungszeremonie’ (kaigankuyôkai) statt, zu der die Gläubigen aus dem ganzen Lande zusammenströmten. Die Herbergen faßten die Scharen nicht, und die Herstellung des Hôshindan konnte mit der rasanten Nachfrage nicht mehr Schritt halten.[38]

Als “Pulver”[39] ist nur das damals verbreitete rote Anjinsan (“An sin san”), etwa ‘Beruhigungspulver’ notiert - für Frauen gegen “Lypathym.” (?), als Stärkung nach der Geburt.[40] Die Farbe geht auf den Zinnober zurück, den die meisten der zahlreichen Rezepturen aufführen.[41] Die Rubrik “Varia” schließlich skizziert gleichermaßen knapp die ‘Teufelsbohnen’ onimame (“Oni mamì”), laut Kaempfer gebratene daizu (“daids”). Das sind kleine, runde Bohnen der Glycine max Merrill, die als Amulett gegen Blitzschlag helfen sollten. Bohnen dienten in China wie Japan zur Abwehr böser Einflüsse, besonders am zweiten Tag des zweiten Monats nach dem Mondkalender, an dem man die Teufel durch das Werfen von Bohnen vertrieb.[42]

Einige der oben erwähnten Mittel brachte Kaempfer mit nach Lemgo. Sie gingen später dann mit nach London. Denn im Catalogue of Miscellanea des Department of Ethnography, das heute als Museum of Mankind organisatorisch selbständig ist, findet man folgende Einträge:

  • Kin-tai-si a trochisc. J[apanne]d.
  • Musii-Gusuri, pilula obscure cinerea concolor a vintris. Jd.
  • An sin san, pulvis russe[us] incarnatus contra Lypathym. post partum. Jd.
  • Si-kin-dsioo purper-Gold-gluts Character. From Dr. Kempfer
  • Trippotan black pills heavy one quater gilded. Jd.
  • Gray pouder. Jd. [wahrscheinlich gohachisô]
  • Gray trochisc. Guta Jamber. Jd.[43]

Trotz zweimaliger Suche in den Magazinen sind diese Mittel, wohl die ersten japanischen in Europa überhaupt, bisher leider noch nicht aufgetaucht.

Zu den wenigen japankundlichen Beschäftigungen, die man den Niederländern gestattete, gehörten botanische Studien. Ein- oder zweimal im Jahr durften sie draußen spazierengehen, Tempel besichtigen und Kräuter rupfen.[44] Und auf den Reisen nach Edo bemühten sich Kaempfers japanische Gefährten, ihm vielerlei Pflanzen zu bringen und seine Meinung einzuholen. Am allermeisten der Nagasaki-Gouverneur, der diese botanischen Studien mit sonderem Gefallen zur Kenntnis nahm.[45] Kein Wunder, daß Kaempfer einschlägige Redewendungen beherrschte. Er vermochte zu fragen, wann Bäume bzw. Kräuter blühen, Früchte bilden, wann diese reiften, wie hoch der Preis sei. Er konnte darum bitten, ihm ein bestimmtes Kraut zu reichen oder einen Zweig mit Blüten abzubrechen. Und er fragte nach Kräutern (kusa) und Heilmitteln (yakushu):[46]

Kaempfer
Transliteration
Xa
Kono Jaku*siú wa nani
wozu braucht man das kusa
kono yakushu nani ni
moziimas
ni tskai maska
Kraut (: mótzii gebreuch lich :) mochimasu
tsukaimasu ka
Dono Ksade gusarka was Kraut dono kusa de gozaru ka
surri surri it. sono xa das das sore sore / sono kusa

Solche Dialoge fanden vielleicht im Dorf Kiyomi (“Kijomitz”) bei Okitsu statt, wo man ein berühmtes Pflaster von Tannenharz in Rinde oder Schilfblättern eingewickelt verkaufte.[47] Dies war das Kiyomi-Tempel-Pflaster (Kiyomidera kôyaku) aus der Handlung Fujinomaru nahe bei diesem Tempel, auch Fujinomaru-Pflaster genannt.[48]

Ferner setzte Kaempfer seinen Fuß über die Schwelle der berühmten Arzneihandlung in Umenoki (“Minoki”), die das als Tee aufzubrühende Pulver Wachûsan (“wadsusan”) vertrieb. Dieses Allheilmittel, das nirgendwo anders hergestellt werden könne, helfe “wieder viele leibsgebrechen, insonderheit wieder die einheimische colike” und bestehe aus “putsju[k]” (Radix Saussurea) und verschiedenen einheimischen Wurzeln und bitteren Kräutern, welche in den nahen Bergen wüchsen.[49] Ausführlich beschreibt er die von Menschenkraft bewegte gewaltige Tretmühle und die Herstellung. Denn Kaempfer passierte die bekannte Arzneihandlung am Beginn des Hauptverkehrsweges von Kyôto nach Edo insgesamt vier Mal.[50] Sie steht heute als wichtiges Kulturgut unter Denkmalschutz. Ihr gegenüber befindet sich noch immer, wie von Kaempfer beschrieben, ein kleines Tempelchen.[51]

Am Ende des Akupunkturtraktates liest man, daß dieses Mittel auch Josai (“Dsjosei”) heiße und gegen Kolik (senki), chronische Bauchschmerzen (saku), ja alle Arten von Bauchschmerzen schlechthin helfe.[52] Es sei nur in Umenoki erhältlich, was nicht stimmte, denn es gab noch andere Bezugsmöglichkeiten.[53] Wir erfahren weiter, daß er das gallenbittere Pulver deutschen Patienten verabreichte, aber keine größere Wirkung auf die Därme erzielte als mit herkömmlichen Arzneien. Thunberg und Siebold kannten diese Zeilen. Letzterer glaubte, den Bestandteilen auf die Spur gekommen zu sein, als er am 26. März 1826 im Hause des berühmten Arzneihändlers zu “Wumine komura” “einige der berüchtigten Medikamente” kaufte. Das “Geheimnis des Watz-jun-zan, dieses berühmten Universalmittels” habe er zufällig “entdeckt”, als er “im Hinterhause eine zum Feinmahlen der Medikamente eingerichtete Tretmühle besah, einige grosse Strohsäcke öffnete und getrocknete Kräuter von Swertia rotata und Cort[ex] aurant[ii]” fand. Die Swertia sei ihm “früher schon als ein vortreffliches bitteres Heilmittel bekannt” gewesen. Sie bilde mit der Pomeranzenschale die beiden Hauptbestandteile.[54] Doch machen die japanischen Rezeptbücher sehr unterschiedliche Angaben hinsichtlich der bis zu siebzehn Zutaten des als Tee aufgegossenen Pulvergemisches, so daß wir die Varianten bei Kaempfer und Siebold nicht genau definieren können.



Abb. 2 Wachûsan-Handlung in Umeki (Akisato)

Am elften März 1691 auf dem Weg nach Odawara vermerkte Kaempfer unter andern “ein Adiantum oder Venus haar”, das man dort häufig finde, und das weit höher an Tugend als das gemeine aus andern Orten geschätzt werde. Deshalb reise niemand über dieses Gebirge, ohne davon etwas Vorrat für die Hausapotheke mit sich zu nehmen.[55] Es werde “Fackona Ksa, das ist Kraut von Fackona” (Hakonekusa) genannt. Den Namen Hakonesô oder Hakoneshida (Hakonekraut, Hakonefarn) trägt das Adiantum monochlamys Eaton noch heute. Angesichts der zahlreichen Krambuden Odawaras notierte er dann am selben Tag:

Die leere buden zeügten von schlechter handlung u. manufacturen, wovon dieser Ort ohngeachtet der ohnweit angelegen See entblöset ist. doch bereitet man allhier den parfumirten Catechu, formiret darauß pillen, bilder, blumen, v. vielerleÿ figuren, v. schließet sie in zarte schachteln zum verkauff u. täglichem gebrauch, sonderlich des Frauen zimmers, weil es die zähne befestiget, u. guten athem macht. Holländer u. Sinesen bringen dießen inspissierten safft rauh in Japan, u. wenn er zu Miaco oder Odowara gereiniget u. mit Ambra, boreeischen Campfer u. andern sachen angesetzt worden, kauffen Sie selbigen wieder ein, u. führen ihn auß dem lande.[56]

Das Catechu hatte Kaempfer, wie seine Vorlesungsnachschriften aus der Königsberger Zeit zeigen, schon im Abendland studiert.[57] Es handelt sich entweder um den eingedickten Extrakt aus dem Kernholz der Acacia catechu Willdenow bzw. der Acacia suma Kurz (Leguminosae), zur Unterscheidung gelegentlich als Pegu Catechu bezeichnet, oder aber um den Extrakt aus den Blättern und Zweigen der Uncaria gambir Roxburgh (Rubiaceae), auch Gambir genannt.[58] Ersterer wurde in Japan, wie wir schon sahen, unter dem Namen asenyaku vielen Mitteln beigefügt.[59] Die Bezeichnung Terra japonica war insofern irreführend, als es keine Erde war, überdies der Produktionsschwerpunkt in Südostasien lag und der Rohstoff in Japan nur veredelt bzw. verarbeitet wurde.

Über den Tee, der etwa in der ersten Hälfte jenes Jahrhunderts nach Europa gelangte, gab es schon reichlich Literatur.[60] Kaempfer führt allerdings in seiner Geschichte des Japanischen Thees [61] nur die von Jakob Breyn publizierte Arbeit ten Rhijnes an,[62] mit der er unzufrieden war. Noch galt der Tee als Heilmittel. Die Blätter hätten eine “betäubende und die Lebensgeister in unordentliche Bewegung setzende Kraft”, weshalb man sie rösten müsse. Dann aber regten sie “auf eine höchst angenehme Art” an, machten die Organe geschmeidig und erheiterten die Seele. Am besten seien die einjährigen Blätter; zu frisch verwandter Tee könne im Übermaßgenossen den Kopf verwirren und Gliederweh hervorrufen. Er zerteile die Verstopfungen in den Därmen, reinige das Blut, und löse besonders die “gichtische und Steinmaterie” auf. In Japan habe er unter den Teetrinkern “niemals einen mit Podagra oder Steinschmerzen behafteten gefunden”, was in direktem Widerspruch zu ten Rhijne steht, demzufolge die Chinesen und Japaner der Arthritis unterworfen waren.[63] Die sich nun folgende Kritik am Alkohol und an schlechten Ernährungsgewohnheiten klingt vernünftig. Weniger einsichtig ist die Mitteilung, daß der Genuß des Tees die Wirkung von Arzneimitteln schwäche. Bei endemischen Koliken sei er besonders schädlich und sehr zu vermeiden. “Ganz junger Tee” beunruhige und verletzte allemal das Gehirn, und sei “nach gewisser Erfahrung” besonders bei Augenkrankheiten höchst schädlich.[64] War die gewisse Erfahrung seine eigene? Denn er kam nach seiner Rückkehr von diesem Getränk nicht mehr los, was zahlreiche Bestellungen und Bemerkungen in seiner Korrespondenz belegen.[65] Hinsichtlich der medizinischen Wirkungen geht Kaempfer nicht über den allgemeinen Wissensstand hinaus. Daß die Abhandlung laut Dohm “lange von den Kennern für die beste gehalten”[66] und in den Anhang der History of Japan usw. aufgenommen wurde, verdankt sie eher der hervorragenden Qualität der botanischen Beschreibung und der Schilderung der kulturellen Rolle des Tees in Japan.

Nicht zu vergessen ist schließlich der Kampfer, eines der Exportprodukte Kyushus. Man unterschied seinerzeit bereits den japanischen Kampferbaum (Cinnamomum camphora L.) vom Baros- oder Borneo-Kampfer (Dryobalanops aromatica Gaertn.). Letzterer lieferte ein qualitativ besseres und damit kostbareres Produkt. Zum japanischen Kampferbaum (kusu no ki) gab es bereits eine Cleyersche Observatio De Arbore Camphorifera Japonensium Kusnoky dicta [67] in den Ephemeriden der Leopoldina. Die Abbildung des Baumes und eines japanischen Sublimationsgefäßes übernahm Valentini (1704).[68] Kaempfer beschreibt ein hiervon geringfügig abweichendes Gefäß:

Die Extraktion des Kampfers ist die Aufgabe der Bauern in der Provinz Satsuma und auf den Gotô-Inseln, die die Wurzeln und das Holz in halmdicke Stücke Schlagen und mit hinzugegossenem Wasser in einem eisernen Kessel kochen; von dem oben aufliegenden, großen, tönernen und geschnäbelten (damit er nicht durch den Dampfdruck zerbricht) Deckel gewinnen sie das Harz, das sich daran niedergeschlagen hat und an dem Stroh haftet, das den Deckel ausfüllte.[69]

Japanischen Kampfer (shônô) aus dem Fürstentum Satsuma in Südkyûshû kaufte die VOC seit langem ein, in Mengen, die Anfang der dreißiger Jahre sogar dazu führten, daß das Herrscherhaus des Fürstentums Satsuma (Südkyûshû) vorübergehend ein Brennverbot erließ, weil “de beste ende grootste boomen daer toe gebruijckt” wurden.[70] Hinsichtlich der Eigenschaften gab es im Abendland viel Streit. Einige, so Valentini im Museum museorum, hielten ihn für kalter Natur, zumahl er, “wie andere frigida”, “die Manns= Leute gar entkräffte”, nach dem alten Vers “Camphora per nares castrat odore mares”, auf deutsch “Der Campfer ists / der Wunder kan, Sein riechen nur entmant den Mann”. Doch Gegenstimmen wiesen darauf hin, daß die Kampfer-Raffinierer in Venedig “geil gnug sind / auch viele Kinder zeugen”. Kampfer verhindere und zerteile die Entzündungen der Augen und anderer Teile, kühle bei hitzigen Fiebern, stille Kopf- und andere Schmerzen, auch Nasenbluten, werde auch in Umschlägen usw. gebraucht. Man verwende ihn überdies zu Feuerwerk und Wasserkugeln, da er unter Wasser brenne.[71]

 

 

Nach Japan eingeführte Heilmittel

Welche Heilmittel zu Kaempfers Zeiten nach Deshima gebracht wurden, ist aus den Faktorei‑Tagebüchern, wo man zwar gelegentlich Quecksilber, Radix China (Rhizoma Smilacis Glabrae), Terpenthin- oder Nelkenöl nennt, meist aber nur als ‘medicijnen’, ‘medikamenten’ oder ‘droogen’ zusammenfaßt, nicht zu erkennen. Auch Kaempfer ging hier nicht übermäßig ins Detail. Ihm zufolge bezogen die Japaner Borax und sublimiertes Quecksilber von den Chinesen. Besonders letzteres sei sehr teuer. Es werde “zum Merkurialwasser in fressenden Schaden” verwendet und von Selbstmördern geschätzt. Ebenfalls aus China führe man Zinnober ein, den natürlichen zum Arzneigebrauch, den künstlichen zum Färben. Er dürfe aber nur an die juza (”Tsjusa”), das heißt an lizenzierte Zinnoberkrämer verkauft werden und sei manchmal teurer als Silber.[72] An anderer Stelle erscheinen erneut Quecksilber, Zinnober und Safran, jedoch aus Bengalen, des weiteren Zinn, Blei, Salpeter, Borax und Alaun aus Bengalen und Siam, ferner “tunkinscher Muscus, Gummi Benjoin von Atsijen; Gummi Lacca aus Siam; Rosmale oder St[y]rax liquida und Catechu, gemeiniglich terra Japonica genant, aus Mocha in Arabien, die Wurzel Putsjuk oder Costus amara aus Suratte und Siam”. Weniger von Bedeutung seien die “Masang de Vaca”, kleine Kugeln aus der Galle mozambiquischer Kühe, die zur Arznei gebraucht würden. Vieles davon kauften die Japaner vom ankommenden Schiffsvolk unter der Hand ein, weshalb sie bei diesen Waren oft ungemein betrogen würden.[73] Die in Nagasaki einlaufenden chinesischen Dschunken hätten Terpentin aus wilden Pistazienbäumen, Gummi Lacca, Myrrhen, Kampher aus Baros (Borneo) an Bord, auch die “kostbahre Coreische Wurtzel Nisin, oder die wilde Zucker wurtzel” (!), desgleichen vielerlei Drogen und Komposita für den täglichen Bedarf.[74] Die Simplicia wurden, so eine Notiz im Glossar unter dem Stichwort “kusúria”, von etwa zehn, durch den Gouverneur entlohnte Apotheker “censuriert”.[75]

Wohl um Papier zu sparen, verwandte Kaempfer für seine persönlichen Aufzeichnungen eine nicht mehr benötigte Bestellung. Derartige Unterlagen wurden gewöhnlich weggeworfen, und nur durch diesen glücklichen Umstand kommen wir dem Bestand der Deshima-Apotheke ein wenig auf die Spur. Nachfolgend die Liste mit einer Rekonstruktion des gemeinten Mittels:

Eysch Van Medicamenten Voon Het Comptoir Japan

lb [=libra]
Empt. Diapalm. 6 [Emplastrum Diapalmae]
Defensiv. 6 [Emplastrum Defensivum]
Diach. c. g. 4 [Emplastrum Diachylon cum Gummi]
Mucilag. 4 [Emplastrum Mucilaginis]
Melilot. 3 [Emplastrum de Meliloto]
d. ran. c. M. 5 [Emplastrum de ranis cum Mercurio]
Stipt. Par. 5 [Emplastrum Stipticum Paracelsi]
Oxycroc. 4 [Emplastrum Oxcroceum]
Ungt. alb. Camph. 3 [Unguentum album Camphoratum]
Digestiv. 2 [Unguentum Digestivum]
Basil. 4 [Unguentum Basilicum]
Diapomph. 3 [Unguentum Diapompholigos]
ad ust. 3 [?]
Aq. Rosar. 4 [Aqua Rosarum]
Cinam. [Aqua Cinnamomi]
Theriac [Aqua Theriacae]
Camphor.
[Aqua Camphorae]
Card. ben. 4 [Aqua Cardui benedecti][76]

Interessanterweise findet man im Nachlaß ein Blatt mit einer kurzen japanischen Beschreibung des Diapalma-Pflasters, hier japanisiert als ‘deyaparuma’, die wohl anläßlich einer Erklärung Kaempfers angefertigt wurde.[77]

 

 

Magische Praktiken

Für die magisch-religiösen Praktiken der “Bonzos” fanden die Missionare des ‘christlichen Jahrhunderts’ (1549 - 1641) kein gutes Wort. Auch Scheuchzer und in dessen Gefolge Dohm legten Kaempfer die Äußerung in den Mund, daß die Japaner “abergläubisch” seien. Doch der blieb im Gegensatz zu seinen eifernden Herausgebern auf diesem konfliktträchtigen Felde ziemlich nüchtern.[78] Die yamabushi hatten es ihm erkennbar angetan. Man begegnet ihnen noch heute, diesen Bergasketen auf dem ‘Weg der Erübung von Wunderkräften’ (Shugendô). Ihre aus der esoterischen Richtung des Shingon-Buddhismus rührenden magischen Exerzitien zeigen nicht wenige Ähnlichkeiten zum Taoismus.[79] Daß Kaempfer viel, ja mehr als die Jesuiten vor ihm erfuhr, verdanken wir einem jungen Schüler der Chirurgie, was nicht nicht nach seinem Gehilfen Imamura klingt. Besagter Mann war “unter diesen professoren zur Schule gegangen” und mußte, ehe er zu den Geheimnissen zugelassen wurde, eine sechstägige Probe “ausstehen”.[80] Zur Geheimhaltung seines Wissens fühlte er sich nicht verpflichtet, und so konnte Kaempfer den “Jammabos oder Berg Pfaffen” ein eigenes Kapitel widmen. Dort liest man, daß die “Sintoistischen Eremiten” mittlerweile vom asketischen Weg ihres Stiftervaters abgewichen seien und sich auf magische Künste eingelassen hätten. Sie gäben vor, kraft gewisser Zeremonien und Worte Geister zu beschwören, zu verjagen, verborgene Dinge zu erforschen. Sie wiesen Diebe und gestohlene Güter an, legten Träume aus, entdeckten Schuld oder Unschuld eines Beschuldigten und kurierten “desperate Kranckheiten”.[81] “Einige dieser stücken nahe zu beschauen” achtete Kaempfer “der mühe nicht unwürdig”:

Der Krancke erzehlet den bergpfaffen die historia seiner Kranckheit, nach welchen Er ein Zettel mit characteren nach constitution der schwachheit beschreibt, selbiges vor den abgott setzet und seine ceremonien machet, derer Krafft alßdan der brieff an sich zeucht. aus diesem Zettel formiret er pillen, wovon alle Morgen der patient eines niederschlucken muß, mit wasser, welches gegen die oder die seite der weld, so der Pfaff befiehlt muß geschöpffet werden. Diese characterische pillen werden Goof genandt. diese höllen Zuflucht geschiehet aber nuhr in denen aller gefährlichsten Kranckheiten, da es bald auf die letzt kommen ist. Jn ider Kranckheit wird auf verschiedene andere manier procediret.[82]

Die Zahl solcher Beschwörungen (majinai) der Yamabushi schwankt je nach Quelle zwischen hundertundvierzig und über vierhundert.[83] In den unveröffentlichten Materialien findet man ein weiteres Beispiel, von Kaempfer als ige no majinai (“Jgeno mássina id est fischgraten ceremonien”)[84] bezeichnet. Sie werde bei in der Kehle steckenden Fischgräten angewandt. Hierbei pinsele der Patient Schriftzeichen auf die Hand, ziehe ein Messer aus der Scheide, lasse dieses dreimal um den Leib gehen, spüle die Lettern, d.h. die Tusche, in ein “kopgen” und trinke es “zu 3 mahlen” auf, wobei er jedes Mal das Messer in die Scheide stoße.[85] Murakami beschreibt ein ähnliches Verfahren für Kinder, bei dem man in eine Schale mit Tusche den Spruch ‘abiraunken’ schreibe, ihn mit Wasser abwasche und dieses dann trinke.[86] Möglicherweise handelt es sich bei dem von Kaempfer genannten Messer um ein magisches Schutz-Schwert (mamori-gatana).

In diesem Kontext beschreibt er auf der folgenden Seite ein Rochenschwert, ei no ken (“Jeí no kenj vel Jeí no uvó no kenj”), ein “klein braun bleiches plattes schwertlein”, das man dem Rochen lebendig abnehme, worauf dieser wieder ins Wasser gelassen werde. Damit werde bei Schlangenbissen die betreffende Stelle langsam und sachte bestrichen.[87]

“Jhr vornehmstes und mÿsterieusestes in der beschwerung” sei, wenn sie “mit beÿden händen und zusammen flechtung der fingeren” bestimmte Götter “presentiren”, mit “einer figur, worinn je zween an einander fassende fingern an vier seiten einen der besagten Götter bezeichen” und “zween grad empor stehende Mittelfinger ihnen zu einem perspectiv dienen, wodurch sie die Geister und Kranckheiten untersuchen, und den Kitz [kitsune] das ist fuchs, oder den Ma, das ist bösen Geist oder teüffel in des Menschen leibe sehen und unterscheiden” und danach “durch andere kräfftige ceremonien und worte, nach erforderung ausjagen” könnten.[88] Von diesen, auch im Shingon-Buddhismus üblichen Fingerstellungen und ‑bewegungen (mudra–) gibt es eine ganze Reihe. Kaempfer hat von seiner, es handelt sich wahrscheinlich um Hikôgoshin, eine Skizze angefertigt, aber nicht in das Heutige Japan aufgenommen (Abb. 3).



Abb. 3 Mudra (Sl 3062, fol. 68v.)

Im selben Manuskriptkonvolut schildert er einen herumreisenden ‘Heiligen’, den er in Nagasaki sah. Auf allen Grenzgassen stehe er still. Zwei Knechte trügen je einen Kasten mit Medikamenten. Sein Plakat erläutere, wie ihm in Kashima der Kashima daimyôsennin im Traum erschienen sei und ein Kraut gewiesen habe. Einer der Diener habe eine Schlange um Arm und Hals sowie das Portät des besagten Götzen mit eben solchen, um den Körper gewundenen Schlangen. Ein Attestat auf besagtem Plakat garantiere die Wirksamkeit seines Mittels, welches, um Mißbrauch vorzubeugen, nur er selbst verkaufe. Wer kein Geld habe, aber ein reines Herz, dem sei es umsonst feil. Er solle das Geld nach der Heilung dem ujigami (Sippengott, Schutzgott des Stadtviertels) verehren. So es nicht wahr sei, verpfände er seine Seele an das “schlechteste Logis” der Hölle, das Hachiman jigoku (“fatzman dsi gokf”). Ja, er würde die Schwarze und die Weiße Lepra bekommen und ewig “Guren guren dai guren”[89] die “finstere finstere grose finsternis blindheit”. Das Schreiben ende mit der geistlichen “formula juramenti” Bonden taishaku,[90] dem Kumano no goô oder “schw[arzen] vogelzeichen”. Er beschließe seine gleichlautende Rede mit dieser Versicherung, lasse sich Blut aus dem Arm und drucke auf diesen Kumano no gôô sein “Tsjap”.[91]

Das goô-hôin bzw. kurz goô genannte ‘Schatzsiegel des Rindsköpfigen Himmelskönigs’ ist ein Talisman, der seinen Ursprung im Kumano-Nimasu-Schrein (Präfektur Wakayama) hat. Fünfundsiebzig Krähen sind so arrangiert, daßsie die Schriftzeichen für ‘Kumano goô hôin’ bilden. Nachdem man auf die Rückseite die persönliche Bitte geschrieben hat, wird es aufgestellt, an Pfosten, Balken etc. geklebt oder aber geschluckt. Man mußte nicht eigens nach Kumano pilgern, im Lande reisten Verkäufer umher. Heute vertreiben mehrere Tempel und Schreine unter diesem Namen ähnliche Papiere, Spantäfelchen usw.[92] Den besagten “Ochsenköpfigen Himmelsfürsten”, japanisch Gozu-ten’ô(“Godsu Ten Oo”) stellte Kaempfer übrigens im Japanbuch einschließlich einer (ziemlich deformierten) Abbildung vor. Ein Papier mit seinem Bildnis klebe an Türen und Pfosten der gemeinen Häuser und solle die “Hausgenossen vor Krankheiten, und insonderheit die Kinder vor den Blattern, die in dem Lande sehr bösartig” seien, bewahren.[93] Im Reisetagebuch erwähnte Kaempfer unter dem vierten März 1690 den Verkauf “kleiner dünner Bretter” in Sakanoshita, welche mit “heiligen und magischen Charakteren gegen vielerlei Krankheiten und Unglük” zu gebrauchen seien.[94]



Fig. 4 ‘Schatzsiegel des Rindsköpfigen Himmelskönigs’ aus Kumano

Mitte Juni 1692 brach in Nagasaki eine ansteckende Fieberseuche aus. Die Tage um den sechzehnten seien erfüllt mit Schreien von nenbutsu (“Nembutz”), also Anrufungen Buddhas durch die Formel Namu-amida (“Namanda”), etwa soviel wie: ‘Erbarme dich, Amida-Buddha’. Man fahre in der Bucht umher mit einem vollgepfropften Fahrzeug, daß von der Gasse ausgerüstet sei, in der die “pestilentzialische heisse rasende seuche zu grassiren” begann. Hierdurch würde man den bösen Geist (“Jekire”), das seien “anfällige land Kranckheiten oder Geister”, wegbannen. Tatsächlich glaubte man seinerzeit, daß aus fremden Ländern gekommene Krankheitsgötter (ekijin) die epidemischen Krankheiten (ekirei) verusachten, und versuchte, diese durch Umzüge, Lärmen und Tanzen zu vertreiben. Zum selben Zweck, schreibt Kaempfer weiter, gebe es das hyakuman-ben (“Fiak man ben”) oder “Hundert tausend herumb”,[95] einen ungeheuer großen Rosenkranz mit einhundertacht Kugeln, welchen Alt und Jung im Sitzen durch die Hände kreisen ließen und jedesmal “Namanda” schrien und jauchzten Namanda”. Dies würde man, wenn die Krankheit überhand nehme, in den Tempeln tun. Am vierundzwanzigsten Juni kommentiert er: “Es war ein schrecklich gerase sonder Andacht, ein jeder schrie was er wolte.”[96]

 

 

Akupunktur

Alle mir bekannten Autoren datieren die ersten westlichen Beobachtungen der Akupunktur auf die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, wobei gewöhnlich auf eine kurze Bemerkung des Dänen Jakob de Bondt verwiesen wird, der für die VOC auf Java arbeitete und einen ‘Stylus’ erwähnte, mit dem man bei ‘chronischen Kopfschmerzen, bei Obstruktionen der Leber und Milz, auch bei Brustfellentzündung’ die ‘Innereien’ durchbohre.[97] Doch in Japan beispielsweise missionierten schon seit 1549 iberische Jesuiten, die zusammen mit konvertierten einheimischen Ärzten Spitäler und Leprastationen aufbauten und dabei gängige japanische Therapien kennenlernten.[98] In den Missionsquellen fand ich einen Brief des Paters Lourenço Mexica aus Maçao vom sechsten Januar 1584, der an den Abt des Collegio in Coimbra, Padre Miguel de Sousa, gerichtet war. Unter allerlei japanischen Besonderheiten hebt der Absender den allgemein guten Gesundheitszustand der Japaner hervor, der vom gemäßigten Klima, der zurückhaltenden Ernährung komme sowie daher, daß sie kein kaltes Wasser tränken. Falls sie erkrankten, würden sie in kurzer Zeit fast ohne Medizin genesen. Sie hätten die Gewohnheit, “bei allen Krankheiten den Bauch, die Arme, den Rücken etc. mit silbernen Nadeln zu stechen”. Zugleich verwendeten sie “aus Kraut gefertigte Feuerknöpfe”, im Original “botões de fogo com eruas”.[99]

Diese Zeilen wurden sechzig Jahre vor der Bondtschen Bemerkung geschrieben und 1595 in den Cartas, der berühmten Korrespondenzsammlung der Japanmission, abgedruckt. Auch enthalten die von den Jesuiten herausgegebenen Wörterbücher nicht wenige japanische Termini zur Akupunktur. Im Zeichenlexikon Rakuyôshû von 1598 finden wir die z.B. die Feuernadel (kashin)[100] und die Silbernadel (ginshin).[101] Im Vocabulario de lingoa de Iapam von 1603/4 stehen Stichwörter wie ‘Nadel’ (hari), ‘Silbernadel’ (ginshin), ‘Goldnadel’ (kinshin), ‘Schlagnadel’ (uchibari), die ‘Haltenadel’ (tomebari), ‘Breitnadel’ (hirabari), ‘Nadelschleifer’ (harisuri), ‘Nadeldreher’ (harihineri) oder ‘Nadelsetzer’ (haritate), unter denen man immer wieder auf die Behandlung von Krankheiten hinweist. Die Japanmissionare wußten weitaus mehr als de Bondt.

Die Ehre, eine erste umfassende Abhandlung verfaßt zu haben, gebührt dennoch dem niederländischen VOC-Arzt Willem ten Rhijne mit seiner Dissertatio de Arthritide: Mantissa Schematica: De Acupunctura: Et Orationes Tres (London 1683). Ten Rhijne, der zwei Jahre (1674 - 1676) in der Faktorei Deshima verbrachte, beschreibt dort nicht nur seine Erfahrungen mit der Moxibustion in Japan, sondern auch eingehend die Kunst des Nadelstechens, der er den Namen “Acupunctura” verlieh. Das Buch stand in Kaempfers Bibliothek, wie dem Versteigerungskatalog von 1773 zu entnehmen ist.[102] Hüls und Müller-König wiesen 1982 darauf hin, daß nicht untersucht sei, ob Kaempfer von ten Rhine zehrte.[103] In der Tat erwähnt er den in der Geschichte des japanischen Thees als “verehrungswürdigen Freund”[104] apostrophierten ten Rhijne ausgerechnet in den medizinischen Abhandlungen mit keiner Silbe. Doch schon der Begriff “acu punctura” in Kaempfers Dissertation von 1694, Decas Observationum Exoticarum, belegt die Lektüre der ten Rhijneschen Arbeit. Die der Akupunktur gewidmete neunte Beobachtung, De Curatione Colicae per Acu puncturam, Japonensibus usitatâ, wurde überarbeitet und um eine Illustration ergänzt in den Amoenitates exoticae erneut abgedruckt, später dann der History of Japan bzw. der Geschichte und Beschreibung von Japan beigefügt.

Ten Rhijne umreißt einen vergleichsweisen großen Therapiebereich: Kopfschmerz, Schwindel, grauer Star, Schlagfluß, Tollwut, Spannungen auf der Brust und im Rücken, Nervenzuckungen, Epilepsie, Schnupfen und Rheuma, intermittierende und Continua-Fieber, Hypochondrie, Melancholie, Ruhr, Cholera, Kolik und andere Leiden, die aus Winden der Eingeweide herkommen, Hodenschwellung, Arthritis und Tripper.[105] Bei Kaempfer hingegen findet man eigentlich nur die Kranheit ‘senki’, die er als ‘Kolik’ zu verstehen sucht.[106] Die Korrelation beider Begriffe machte ihm zu schaffen. Es handele sich nur um diejenige Art von Leibschmerzen, “die zugleich die Därme angreift und auch in den Weichen unsers Körpers convulsivische Bewegung “errege, auch” die Muskeln und Häute des Unterleibes” angreife. Doch dann heißt es, daß man “die heftige und schmerzhafte Empfindung der Ausdehnung” “im Lateinischen gemeiniglich mit Unrecht Colik” nenne, “weil der Darm, wovon diese Benennung herkömt, sehr oft unschuldig an dem Übel” sei. Dazu gesellten sich in Japan einige zufällige Begleiterscheinungen wie “Geschwulste, die hin und wieder am Köper hervorgehen.” Oft ende sie auf eine schreckliche Art, indem bei den Männern einer der Hoden sehr stark anschwelle und daraus ein “Fistelgeschwür” entstünde, bei Frauen sich “eine Menge heslicher Klumpen am Hintern und der Schaam” bildeten. Am Schluß wundert man sich, warum Kaempfer überhaupt den Terminus Kolik wählte.

Die “Ursache und Materie dieses Schmerzes so wie aller Bauchkrankheiten” suchten die Japaner “nicht in der Höhle der Därme, welchen sie wenigstens nur die geringern Grade” beimäßen. Sie sei vielmehr “in der häutigen Substanz irgend eines Theils des Bauchs zu finden, als in den Muskeln, der Haut, die die Gedärme umgiebt, (peritoneo) dem Netz, dem Gekröse und den Därmen selbst.” “Wenn diese Materie sich an einem der Orte etwas aufgehalten” habe, werde sie “in einen Dunst, oder vielmehr, wie die Japaner sagen, in einen sehr scharfen Geist verwandelt, der dann jene Häute” ausdehne, durchstoße und zerreibe. In seiner Dissertation bezeichnete er die Materie auch als ‘scharfen Wind’. Sobald man nun den “Kerker dieses Geistes” durch die Nadelung zerbreche, würde “er aus dem engen Behältnisse, in dem er verschlossen war, befreyet”.

Kaempfer wie ten Rhijne wußten nichts über die klassischen Neun Nadeln Chinas, doch unterschieden sie die drei Nadelungstechniken uchibari (“Uuts Barri”), hineribari (“Fineri Barri”) und kudabari (“Fuda Barri”), d.h. die ‘Schlagnadel’, die ‘Drehnadel’ und die ‘Röhrennadel’. Hier zunächst die Schlagnadelung:

Man nimmt die Spitze der Nadel in die linke Hand zwischen dem Mittel= und Zeigefinger, der auf dem Daumen ruhet, und nähert sie alsdenn dem Orte, in den gestochen werden sol, und der vorher wohl ausgewählt ist, damit er von keinen Nerven berührt werde. Alsden nimmt der Arzt den kleinen Hammer in die rechte Hand, und bringt die Nadel mit einem oder zwei Schlägen durch die äußere, harte Haut, legt dan den Hammer weg, und dreht die Handhabe der Nadel zwischen den Spitzen der vordern Finger, um sie bis zu der erforderlichen Tiefe in den Körper zu bringen, welche gemeiniglich einen halben, zuweilen, aber selten, einen ganzen Zol betragen, und in jedem Fal die Materie des Schmerzes berühren muß. Der Arzt hält die Nadel hier feste, bis der Patient ein oder zweimal Athem geschöpft hat, alsdenn zieht er sie aus, prest den Ort mit seinen Fingern, als wolte er den bösen Geist herausdrücken.[107]



Abb. 5 Schlagnadelung (Hongô, o.S.)

Diese Schlagnadeltechnik (dashinhô), die er auf der zweiten Reise nach Edo nachweislich sah,[108] gab es in China nicht. Sie wurde erst in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts durch den Japaner Mubun entwickelt, über den man nicht viel weiß. Mubun ignorierte weitgehend die herkömmlichen ‘Meridiane’ und entwarf ein Diagnose- und Therapie-Konzept, in dem die Bauchoberfläche als verkleinertes Abbild des Organismus fungiert. Dort legte er Bereiche für die einzelnen Körperorgane fest. Seine mündlich erteilten Lehren sind in der “Sammlung der Geheimnisse der Nadelung” (Shindô hiketsu-shû, 1685) zusammengefaßt. Der Akupunkteur soll sich ihm zufolge mit einem reinen, leeren Herzen (Einfluß des Zen!) ans Werk machen. Die Fingerkuppen der linken Hand mit Ausnahme des Daumens sitzen leicht auf der Haut, wobei die Nadel zwischen dem Zeige- und Mittelfinger gehalten wird. Mittels eines kleinen Hämmerchens treibt man diese - wie von Kaempfer beschrieben - sehr flach, aber entschlossen ein. Mubun unterschied je nach Behandlungsziel eine Reihe von Varianten. Die Schlagnadelungen Mubuns wurden durch Misono Isai (1557 - 1616),[109] von dem manche Autoren annehmen, er sei ein Sohn Mubuns, weiter verbreitet. Sie müssen sich sehr rasch durchgesetzt haben. Misono propagierte überdies die Verwendung von Gold- und Silbernadeln - nicht um der Hygiene willen, vielmehr schienen ihm die Weichheit und der ‘Wärmecharakter’ dieser Metalle für die Stoßtechnik geeigneter als die bis dato gängigen Eisennadeln.[110]

Demgegenüber kam die Drehnadeltechnik, die Kaempfer gleichermaßen genau beobachtete, aus China. Hierbei werde die Nadel durch das Herumdrehen “hineingebracht”, indem sie der Arzt zwischen den Spitzen des Daumens und Mittelfingers halte. Geübte Ärzte könnten durch einen Schlag des Zeigefingers, den sie über den Mittelfinger legte und auf die Nadel drückten, die Haut eher durchstoßen als die Nadel umdrehen.[111]



Fig. 6 Drehnadelung (Shinkyû-chôhôki, 1718)

Die ‘Röhrennadel’ (kudabari) stammt wiederum aus Japan und geht auf Sugiyama Wa’ichi (1610 - 1694) zurück. Das Röhrchen sei “etwa ein Dritttheil eines Fingerbreits” kürzer als die Nadel und werde gebraucht, um “genau in den bestimmten Ort des Körpers ohne allen Fehler zu stechen.” Die Röhre verhindere, “daß die Nadel durch einen starken Schlag nicht zu tief in die Haut eindringe” (Fig.7).[112] Sugiyama, als Kind infolge einer Krankheit erblindet, hatte nach anfänglichem Scheitern seiner Akupunktur-Ausbildung dieses Verfahren im Verlaufe einer siebentägigen (anderen Quellen zufolge einundzwanzigtägigen) Meditation gefunden und damit den Weg aus seiner Lebenskrise. In der Folge reifte er zu einem erstaunlichen Akupunkturarzt heran. 1681 erlangte er in Edo den höchsten Beamtenrang für Blinde (kengyô) und richtete eine ‘Lehr- und Übungsstätte für Akupunktur und Moxibustion’ (harikyû-kôshûsho) ein.[113] Kaempfer hatte, wahrscheinlich ohne es zu ahnen, ein ziemlich neues Verfahren studiert. Während die Schlagnadelung nicht überlebte, ist die Röhrennadelung heute international verbreitet.



Fig. 7 Röhrennadelung (Hongô, o.S.)

Kaempfer hatte wie ten Rhijne beobachtet, daß die “Kentnis, welche Orte des Körpers gebrant und gestochen werden müssen”, einen “ganz besonderen Theil der Japanischen Chirurgie ausmacht”. Die “Meister in derselben” hießen tensashi (“Tensasj”), “die Berührer, welche die besten Orte auswählen,” der “Nadelstechende” hingegen haritate (“Faritatte”). Die Regeln der Punktierkunst seien ausnehmend mannigfaltig und hätten “besonders Beziehung auf die Blähungen als die Ursache des Übels, nach welchen die berührenden Ärzte sowohl die Tiefe als den Ort des Stichs sehr genau bestimmen” müßten. Dieses erstaunliche Phänomen, daß man nicht direkt am Ort des Leidens behandelt, greift er im Moxatraktat erneut auf. Im Falle der senki beschreibt er neun Stellen auf dem Unterbauch in der Form eines Quadrates mit einem Punktabstand von zwei Daumesbreiten. Die obere Reihe hieße jôkan (“Sjoquan”), die mittlere chûkan (“Tsjuquan”) und die untere gekan (“Gecquan”). Wenn in diesen drei Reihen “nach der Ordnung und den Vorschriften des Meisters der Kunst in gehöriger Tiefe gestochen” würde, hörten die Schmerzen der senki “sogleich und oft in einem Augenblick auf, als wenn sie weggezaubert wäre”. Er selbst habe das sehr oft gesehen.[114] In der Tat existieren in der Mitte der Oberbauchregion senkrecht untereinander auf dem ‘Herrscher-Meridian’ (chin. Dumo) drei Punkte Jôkan, Chûkan und Gekan - chinesischer Shangwan (JM13), Zhongwan (JM12), Xiawan (JM10) gelesen. Und in der angegebenen Entfernung jeweils spiegelbildlich rechts und links davon liegen Shôman, Ryômon und Tai’itsu, auf chinesisch Chengman (G20), Liangmen (G21), Taiyi (G23), die wie die ersten drei bei Magen- und Darmbeschwerden empfohlen werden. Das in der orthodoxen, ‘meridianorientierten’ Therapie unbekannte Neunpunkte-Stechen dürfte aus einer pragmatischen Schulrichtung wie der von Mubun oder Nagata Tokuhon stammen. Kaempfer stellte auch hier eine japanische Sonderentwicklung vor. Völlig atypisch ist die eingefügte Illustration einer barock-üppigen Japanerin mit offenem Langärmel-Kimono ohne Unterkleid, die wohl einem abendländischen Hirn entsprang. Zwischen ihr und Kaempfers winziger Skizze aus Japan liegen Welten (Abb.8). Die Abbildungen der Akupunkturnadeln wurden nach den mitgebrachten Originalen angefertigt. Die Schlagnadel mit dem Hämmerchen kannte man bereits aus ten Rhijnes Buch.



Abb. 8 Akupunkturkonstellation bei senki (BL, Sl 3062, fol. 94r)

 

 

Moxibustion

Als älteste europäische Quelle zur Moxibustion gilt gemeinhin eine Schrift des in Batavia wirkenden Predigers Hermann Buschof, der sich in den sechziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts nach langem Gichtleiden von einer quinamesische Ärztin mit der Moxa behandeln ließ und - angespornt durch die überraschende Wirkung - ein Büchlein verfaßte über Het Podagra, Nader als oyt nagevorst en uytgevonden, Midsgaders Des selfs sekere Genesingh of ontlastend Hulp-Mittel (Amsterdam 1675). Der heute in allen europäischen Sprachen verbreitete Begriff ‘Moxa’ geht auf diesen Text zurück. Doch wie im Falle der Akupunktur gibt es auch hier noch ältere westliche Hinweise, z.B. im bereits vorgestellten Brief des Lourenço Mexica vom sechsten Januar 1584. Ein Jahr darauf fühlte sich Luis Frois (1532 - 1597), einer der führenden Köpfe der Japanmission, in seiner Einleitung für die Historia do Japão zu einigen klärenden Worten bemüßigt. Wenn man geschrieben habe, man würde einem an den Augen oder an Rheumatismus erkrankten Menschen drei- bis viertausend Feuerknöpfe (“botões de fogo”) anlegen, dann sei dies sehr cum grano salis zu verstehen. Denn diese mache man hier aus trockenen Blättern in Kügelchen, so groß wie eine Bohne oder ein großer Granatapfelkern. Man bringe sie auf das Fleisch auf und zünde sie an. Das sei eine sehr leichte Sache, und wenn man fünfzehn oder zwanzig am selben Ort genommen habe, verursachen die übrigen wenig Schmerz, da das Fleisch dort schon abgetötet sei. Er selbst habe gegen verschiedene Schmerzen und Krankheiten der Augen auf dem Rücken und den Knien über dreitausend gesetzt.[115]

Und in einem 1601 in Barcelona publizierten Werk schrieb der spanische Franziskaner Marcello de Ribadeneira, welcher in Japan von 1595 bis 1597 missioniert hatte:

Sie nutzen auch kleine Feuerknöpfe und wenden diese auf die Stellen des Körpers an, wo sie Schmerzen fühlen - zum Beispiel auf den Bauch und den Rücken, um Würmer zu vertreiben, die mit dem Reis zusammen gedeihen. Bei diesem Verfahren brennen sie das Fleisch mit kleinen Kügelchen, die wie Flaum aussehen, bis eine Blase entstanden ist. Sie erlangen bei vielen Leiden Erleichterung durch dieses Mittel, weil sie sagen, daß alle Krankheiten durch Kühle verursacht werden.[116]

Auch im Vocabulario da lingoa de Iapam (1603/4) stehen einige Stichwörter wie ‘mogusa’, die Wurzel unseres Fremdwortes Moxa, weiter ‘yomogi’ / ‘futsu’ (Artemisia, der Rohstoff der Moxa) und ‘kawakiri’ (Hautschneider, der erste Moxakegel).[117] Auf eine Bitte Buschofs hin ging ten Rhijne der Moxa in Japan nach, allerdings wie der batavische Prediger primär mit Blick auf die Behandlung der Gicht. Ten Rhijnes Dissertatio de Arthritide (1683) wurde von Kaempfer eingehend gelesen und bereits in der letzten der ‘Zehn fremdländischen Beobachtungen’ seiner Dissertation von 1694 unter dem Titel De Moxa, Materia Cauteriorum apud Chinenses Japonisque usitata genutzt. Diese Observatio wurde dann ebenso wie die Akupunkturabhandlung ausgearbeitet und erweitert den Amoenitates exoticae beigefügt.[118] Übersetzungen in die Landessprachen stehen im Anhang der diversen Editionen des Japanbuches.

Die Abhandlung beginnt mit dem Brennen bei den Arabern, Indern und Chinesen. Sie seien “durch Klima, Sprache, Sitten und Religion” unterschieden, was auch auf die Medizin zutreffe. Indes, wenn man nach den Ursachen der Krankheit frage, stimmten sie alle darüber ein, “Blähungen und Dünste (“flatus & vapores”) als die Hauptursachen anzugeben”, so daß sie mit Hippokrates alle mögliche Schmerzen und Leiden den Winden zuschreiben”. Als Heilmittel zögen sie ein “sanft brennendes Feuer” dem “glühenden Eisen” vor, hielten die Vereinigung von Vulkan und Mars für “überflüssig und unnütz” und “eines nach Grundsätzen handelnden Arztes unwürdig”. Dieser dürfe keine andre Absicht haben, “als entweder die eingeschlossene Materie des Schmerzes (“materia doloris”) zu befreien, oder die schon befreite aus dem Körper ganz heraus in die freie Luft zu bringen”. Das Moxa genannte Mittel sei allgemein bekannt, sowohl in China “als unter allen durch die sinesische Weisheit aufgeklärte Nationen”. Der Leser möge ihm, Kaempfer, erlauben, sich der japanischen Benennungen zu bedienen statt der chinesischen, weil er sich da besser auskenne. Es folgt eine Beschreibung der Artemisia, in Japan als Jungpflanze futsu (“Futz”),[119] später yomogi (“Jamoggi”) genannt. Einen gepreßten japanischen Beifuß (Artemisia vulgaris L. var. indica Maxim.) hatte er nach Europa mitgebracht.[120] Wir finden yomogi nebst der sinojapanischen Lesung gai auch im Katalog japanischer Pflanzen der Amoenitates exoticae aufgenommen.[121] Der Beifuß würde am gogatsu no gonichi (“Gonguatz go nitz”), d.h. dem fünften Tag des fünften Mondes, gesammelt, an der Luft getrocknet und nach langjähriger Lagerung “mit einem Mörser geschlagen”. Durch Drehen und Reiben mit beiden Händen gewinne man dann eine “sehr zarte und weiche faserigte Materie”. Das Brennen selbst lasse sich auf keine Weise so “fürchterlich” an wie beim abendländischen Brenneisen. Lediglich die ersten Kegel, welche die Japaner “Kawa Kiri oder Hautschneider” nännten, seien schmerzhaft. Man pflege die Moxa anzuwenden, entweder um sich vor Krankheiten zu verwahren, oder die, welche man sich schon zugezogen hat, zu heilen.

Im kalten Europa allerdings schlage die Brennkur im allgemeinen nicht so an. Überhaupt würde der Schmerz mehr gestillt als gänzlich ausgerottet. So sei denn “Bushofius, ein Geistlicher in Batavia” wohl etwas zu weit gegangen, als er die Moxa als ein “ganz unfehlbares Mittel wider das Podagra” anpries. Man solle dieser Empfehlung nicht zu viel trauen. Auch der berühmte Gießener Professor Michael Bernhard Valentini habe sich in einem Schreiben an den berühmten Cleyer darüber beklagt. Kaempfer kannte also Valentinis Historia Moxae Cum Adjunctis in fine Meditationibus De Podagra Ad Eminentissimum Virum DN. Andream Cleyerum M.D. Indiae Orientalis Proto-Medicum (Leiden 1686). An dieser Stelle folgt der Hinweis, daß sich die “benachbarten schwarzen Nationen” bei “epileptischen Zufällen und chronischen Hauptbeschwerden” mehr als die Chinesen der Moxa bedienten. Sie pflegten die ganze obere Kopfhaut mit sehr langer und breit aufgelegter Moxa auszubrennen. Da seien Fälle geheilt worden, welche die Ärzte schon aufgegeben hätten. Diese Bemerkungen gehen auf die Behandlung einer rasenden Sklavin zurück, die Buschof am Schluß seines Buches kurz vorstellte. Die Beschreibung fand ihren graphischen Niederschlag im Museum Museorum Valentinis (Abb. 9).



Abb. 9 Moxibustion im Verständnis Valentinis (Museum Museorum, S. 229)

Allerdings seien die “Lehrer dieser Feuerchirurgie sehr uneins”, welche Orte des Körpers nun nach der Beschaffenheit der Krankheiten gebrannt werden sollten. Die angeführten Gründe bestünden meistens in Aberglauben und Einbildung. Die Hauptsache sei es, den Ort zu finden, “wo die Dünste am bequemsten abgelokt, oder die Materia der Krankheit vom leidenden Theile abgeleitet werden.” Er habe beobachtet, daß man besonders “beide Seiten des Rükgrads bis zu den Lenden herab” bevorzuge. Damit beschrieb er, ohne es zu wissen, den Mittelteil den Vesica-Urinaria-Trakt, auch ‘Blasen-Meridian’ genannt.

Bei der Behandlung werden die mit den Vorderfingern gedrehten, ein Zoll hohen Kegel, mit etwas Speichel angefeuchtet, auf die entsprechende Stelle gesetzt und mit einem senkô(“Senko”) genannten “brennenden kleinen sehr zarten Stäbchen” entzündet. Die Wundärzte hießen tensashi (“Tensasi”), was soviel wie “Berührer” bedeute, weil sie mit dem Finger denjenigen Ort ausforschen, auf den die Moxa gelegt werde. Im Gegensatz zu Buschof, der gewisse Geschäftsinteressen hegte, war es Kaempfer ziemlich gleichgültig, womit man den Kegel entzündet. Das eigentliche Geheimnis der Kunst bestehe “in der zuverlässigen und genauen Kentnis des Orts, der nach Beschaffenheit jeder Art Krankheit gebrant werden” müsse. Nach abendländischen, schon bei Hippokrates zu findenden Grundsätzen sei der dem leidenden Teile am nächsten gelegene Ort der günstigste zur Austreibung der Dünste. Damit folgte er voll und ganz ten Rhijne. Die japanischen Kunstverständigen aber wählten “oft einen ganz entfernten Ort, und der mit dem leidenden auf gar keine in der Anatomie bekante Art, sondern nur durch das algemeine Band des Körpers” zusammenhänge. Wie bei ten Rhijne und in sehr ähnlichen Wendungen[122] bricht hier die Hilflosigkeit des Interpreten durch, wenn er nach einem scharfsichtigen Anatomen ruft, der hier “die besondre Verbindung der Gefäße angeben” könne.[123]



Abb. 10 Moxibustionspunkt hegu (BL, Sl 3062, fol. 94r)

Eine Skizze jener Stelle am Daumen, wo man “Vor Zahnweh” brenne, wahrscheinlich der Punkt hegu (LI 4), steht in den Handschriften Kaempfers (Abb. 10) Die Regeln und Erfordernisse beim Brennen seien sehr verschieden, man solle auf den “Ort des Körpers, die Zeit, die Zahl der aufzusetzenden Kegel, die Lage des Körpers, die Diät des Patienten und viele andre Umstände mehr” achten. Vor allem aber müsse man “Sehnen und Adern unverlezt lassen, die mehrerer Sicherheit wegen vom Brenner nicht blos durch das Gesicht, sondern das Gefühl genau erforscht” würden.

 Die besonderen Regeln aber enthielten in chinesischen und japanischen Schriftzeichen gedruckten Tafeln, wovon er eine nebst einem Kupferstich beifügte. Darauf seien die zu brennenden Orte angegeben und mit besonderen Namen bezeichnet. Den Text habe er übersetzt, “so gut es die sinesischen Verse und Philosophie erlauben wolten”. Man könne sie in den Buchläden wie auch bei herumreisenden Ärzten kaufen, welche sie auf den Landstraßen und Märkten absängen, um “die Unwissenden anzulocken, für wenig Geld die so kurz gefassten Grundsätze einer so weitläuftigen Kunst zu kaufen”. Kaempfer hatte wohl die kyûshi oder kyûtenshi gerufenen 'Moxa-Meister' gesehen, die meist auch Horoskope u.ä. anboten und ohne eine ärztliche Ausbildung praktizierten.

Hierauf folgt die kommentierte Übersetzung des ‘Moxaspiegels’ (Kyûshokagami), der eine stattliche Zahl von Beschwerden etc. aufzählt und die jeweiligen Behandlungspunkte gemäß der traditionellen Lehre. Zwar ist das japanische Original offenbar verschollen, doch findet man in einer der Miscellaneen-Sammlungen des Kaempferschen Nachlasses eine vorwiegend deutsche Übersetzung, die allem Anschein nach in Japan angefertigt worden war und in einer Reihe von Details von der späteren lateinischen Version der Ammoenitates exoticae abweicht. Besonders die Bezeichnungen der Krankheiten sind hier noch auf japanisch angegeben. Nachfolgend eine Zusammenfassung der dort angegebenen Leiden und die zur Moxibustion empfohlenen Brennpunkte sowie deren Bestimmung:[124]


Leiden nach Kaempfer
Brennstelle nach
Kaempfer
jap. Name / chines. Name
(internationale Nr.)
haupt pein (dsudsu), Schwindel der augen (memei), verfinsterung der Augen (tátsiguráme), Phlegmone vultus (Dseoki), schulter pein, schwere brust [125] Koko kôkô / gaohuang
(BL43)
kinder krankheit (Kodómono Kanke), aufschwellung des bauchs (farra far), dünner leib (fara kudari), verlohren appetit (fusókv), ausschlagen oder verschwehrung der naaslocher (fana tadari), Nyctalopia (Tórime)[126] Siu itz, Sjúitzi no dsù [127] jûichi / pishu
(BL20)
doloris abdominis (Sakv, Senki), dunne lange spuelwurm (Súbaku, Sunbáku)[128] Ténsu tensu / tianshu
(ST25)
weisblut (sji radsi), alzu lange mondstunden (Nágads), ars lende siecht (Koske), gros haupt pein, cephalalgia chronica (Takágami), mensium suppressione (Guassui Tsûsen)[129] Ki sôôno kitz kishô no ketsu / qichong
(ST30)
schwere kraam (Nansan)[130] euserste spitze des kleinsten zehen des linken fußes shi’in / zhiyin
(BL67)
gebrech der milch zwischen beiden brusten danchû / danzhong
(CV17)
Arthritis Japanorum (Káké), pein der Füße, stranguria [131]
drei Sun über die Enklen inshi / yinshi
(ST33)
bucks opspannung (fára no far), bauch schmertzen (fára itami), brust pein (muné itámi), morbus cholerico febrilis (quaquran), inappetentia (fu sókku)[132] gleich über den nabel 4 Sun chûkan / zhongwan
(CV12)
henpen en knie pein (momo itami / fisá itami), schwach oder ermüdung der beinen), trägheit des gantzen leibes[133] Fúsi fûshi / fengshi
(GB31)
harte hypochondria), chronika fieber (okori), heise siekte quaed (Nitz bio)[134] Seômon shômon / zhangmen (LR13)
Gonorrhoea (Rimbio)[135] Jokomon sekimon / shimeng
(CV5)
vento afflatus homo (Káse fiku fi to), mit verkoutheyt stets beladen, naas blut auflauff (fana dsi no tar), dreÿung der augen (memai) [136] Fumòn / Fuumon fûmon / fengmen
aushangenden ficus haemorrhoidalibus (Dakko)[137] drei sun über die Kameno ó[138] yôyu / yaoshu
(GV2)
ausdarm (dsí)[139] Kameno ó chôkyô / changqiang (GV1)
vor kinder zeugen praeservieren recht auf dem nabel shinketsu / shenque
(CV8)
wil kinder haben 21ste vertebram beider seiten (Nisju itz no dsu)[140] jinyu / shenshu
(BL23)

Mit der Illustration (Abb. 11), besonders den ihm strukturell unklaren Schriftzeichen, hatte Kaempfers Kupferstecher Brandshagen zu kämpfen, was die Identifikation ziemlich mühselig macht. Eigenartigerweise gibt es in der Abbildung keinen einzigen Punkt, der im Text des Moxaspiegels zur Sprache käme, obwohl sie diesen illustrieren sollte. Geht man den Punkten der Tafel in klassischen japanischen und chinesischen Quellen nach, so stößt man allenthalben auf Warnungen, daß man diese Stelle ‘nicht brennen solle’ oder ‘nicht brennen könne’, daß sie sich dazu ‘nicht eigne’ oder daß das ‘Brennen verboten’ beziehungsweise ‘tabu’ sei.[141] Zwar waren sich die ostasiatischen Ärzte, Kaempfer wies darauf hin, über die Jahrhunderte hinweg keineswegs einig, doch ist an diesen Stellen zumindest Vorsicht geboten. Und obwohl es über dreihundert andere Moxa-Punkte gibt, die in keinem zu Rate gezogenen Werk als problematisch bezeichnet wurden, findet man zu jeder Stelle der Kaempferschen Illustration mindestens einen derartigen Hinweis. Die Ähnlichkeit mit den Tafeln für verbotene Punkte z.B. in Manase Gensakus “Moxibustionsmethode für den täglichen Gebrauch” (Nichiyôkyûhô) (1633),[142] oder dem Shinkyû chôhôki (1718) von Hongô Masatoyo, ist frappierend. Aus Kaempfers Angaben wissen wir, daß es sich um ein loses Einzelblatt handelt. Auf diesen allerorts verkauften Bögen waren in knapper Form wichtige Behandlungspunkte und Techniken, aber oft auch die verbotenen Punkte dargestellt. Möglicherweise hatte Kaempfer unter den Abbildungen die falsche ausgewählt, doch solange die Originalvorlage nicht auftaucht, muß der Schluß offen bleiben. Im Anhang zum Manuskript des Heutigen Japan fand ich lediglich zwei Umrißzeichnungen eines Mannes, die jenem im Moxa-Spiegel gleichen.[143]

Inhaltlich neu an Kaempfers Abhandlung über die Moxa war nur der Moxaspiegel als erste Übersetzung einer japanischen Therapieanweisung. Alles andere findet man schon bei Buschof und besonders bei ten Rhijne angesprochen, wenngleich Kaempfers Text weitaus systematischer aufgebaut und klarer formuliert ist. Keiner seiner Amtsnachfolger auf der Insel Deshima kam weiter. Sogar Siebold, der unter unvergleichlich günstigeren Bedingungen arbeitete, von dem Akupunkturhofarzt Ishizaka Sôtetsu Aufzeichnungen zu diesem Sujet erhielt und seinen japanischen Schülern auf holländisch verfaßte diesbezügliche Arbeiten abnötigte, schämte sich nicht, in seinem Monumentalwerk Nippon, Kapitel “Über die Anwendung der Moxa”, nahezu den vollständigen Text des mittlerweile rund eineinhalb Jahrhunderte alten Kaempferschen Moxaspiegels zu zitieren.[144] Dabei erlebte gerade zu seiner Zeit, ausgehend von Frankreich, die Feuertherapie und mit ihr die Moxa eine beachtliche Renaissance.[145]



Fig. 11 Kaempfers Illustration zum Moxaspiegel (Amoenitates exoticae, S. 601; Nummern 1 - 34 von mir, W.M.)[146]

 

 

Begegnungen mit einheimischen Ärzten

Zu Kaempfers Zeiten kam in Japan eine westlich orientierte Medizin auf, die der traditionellen Heilkunde besonders auf dem Felde der Chirurgie Konkurrenz machte. Da gewöhnlichen Japanern der Zutritt zur Faktorei Deshima verwehrt war, erfreuten sich die Dolmetscher eines Informationsmonopols, und mancher errang im Laufe der Jahre als Arzt Ansehen und eine neue Stellung. So wurden just im Juni 1691 drei Nagasaki-Chirurgen, nämlich Yoshida Jian, Kurisaki Dôyû und Murayama Jihaku, nach Edo berufen und zu Shôgunatsärzten ernannt.[147] Die folgenden Redewendungen aus Kaempfers Unterlagen dürften ihm oft zu Ohren gekommen sein:[148]

Kaempfer

Transliteration
Gekwa wa oczin de /ni gusarrimas ka ist der M[eiste]r zuhauß? geka wa ôuchi de / ni gozarimasu ka
A Uczi de gusarrimas Ja er ist zuhaus. a, uchi degozarimas
Oczin gusarrimas
uchi ni gozarimasu
Jo gusarrimasta. Oide na wilkom. Seid ihr da? F. in y gozarimashita, oide
sarimasta ka. adventu. Dom[...] qs. Salve nasarimashita ka
Ofisá zu gusarrimas lange nicht gesehen. o hizashû gozarimasu
Gobuzi de gusarrimaska Wie stets umb Eu. gesundheit gobuji degozarimasu ka
Ai' buz de imas Ja ich bin gesund. hai, buji de imasu

Sicher hatte er Umgang mit dem amtierenden Hauptdolmetscher (nenbantsûji) für das Jahr 1691, Motoki Shôdayû Ryôi (1628 - 1697). Motoki war seit 1664 Unterdolmetscher, 1668 Oberdolmetscher, 1686 Cleyers Reisedolmetscher. Für den Turnus 1691 trug er die Hauptverantwortung für eine reibungslose Verständigung zwischen dem Nagasaki-Gouvernat und der Faktorei Deshima. Zugleich begleitete er die Niederländer als zweiter Edo-Dolmetscher (Edobantsûji) zum Hofe, im folgenden Jahr dann gar als erster Dolmetscher.[149] Ten Rhijne, dem er bei der Übersetzung eines Moxatextes half, bemängelte zwar seine sprachlichen Fähigkeiten, hob jedoch hervor, das er unter allen Dolmetschern in medizinischen Angelegenheiten am besten bewandert sei.[150] Die japanische Medizin verdankt ihm die erste Übertragung bzw. Bearbeitung eines europäischen Fachwerkes, Johann Remmlins Pinax microcosmographicus.[151] Motoki hat u.a. jene Audienz gedolmetscht, die am siebzehnten März 1692 beim Gouverneur zu Osaka stattfand. Im Laufe eines angeregten Gesprächs wandte sich der Gouverneur auch an Kaempfer, dem er eröffnete, daßeiner aus seiner Familie bereits zehn Jahre mit einem Leibesgebrechen an einem schamhaften Orte behaftet sei und bat um Hilfe. Kaempfer, der vermutete, daß es sich um Haarwürmer handelte, konnte den Patienten zwar nicht in Augenschein nehmen, ließ jedoch nachmittags ein Mittel überbringen.[152]

Während des Aufenthaltes in Edo wurden die Faktoreiärzte gelegentlich zur Behandlung hochrangiger Personen gerufen und von wißbegierigen Hofärzten in ihrer Herberge, dem ‘Nagasakihaus’ (Nagasakiya), aufgesucht. Leider hat Kaempfer nur die Aufwartung von Hirano Sôsatsu (“Firanno Sosats”) vermerkt, eines alten dicken Mannes, der wegen einiger Krankheiten medizinischen Rat einholte.[153] Aufschlußreich ist eine Liste der “Kaiserl. Hof und Reichsbedienten”, in der er die Beamtenränge und Aufgabe der Ärzte, teils auch deren Namen notierte: die Leibärzte ersten Ranges, go-kinjuishi (“Go Kin dsiu Js”), des “Jnneren Hofes Keiserl. Doctores und leib medici 2te range”, die on-okuishi nami (“On Oku Is nami”), dann siebenundfünzig sô on-ishi (“soo on is”) oder “Gemeine Hoff Medici”, achtzehn Chirurgen, on-geka (“On Gékwa”), zwei Kinderärzte, ‘shônigata’ (“se–ô ni gatta”), “Kaiserl. bauch nadel stecher”, on-haritate (“On fári taté”), sechs Augenärzte, on-mei’shi (“On Méis”), fünf kaiserliche “Zahne Doctors v. auszieher”, on-haishi (“On Fa is”) und Ärzte für das “Frauen Zimmer”, fujingata (“Fudzin gátta”).[154] Sogar die “Pferde Docters”, on-ma’ishi (“Omma is”) mit ihren Aderlässen, den Brenneisen und Schlagnadeln waren ihm nicht entgangen.[155] An anderer Stelle finden sich die Namen des gesamten chirurgischen Stabes am Hofe.[156] Die durchnummerierte lange Aufstellung beruht auf dem alljährlich neu aufgelegten “Edo-Spiegel” (Edo kagami) in der Ausgabe für das Jahr 1692, die heute in der British Library steht.[157]

Höhepunkt und Ziel der den Niederländern auferlegten Hof-Reise war die Audienz beim Kaiser. Der amtierende fünfte Shôgun der Tokugawa-Dynastie, Tokugawa Tsunayoshi, zeigte bei seinen Begegnungen mit den Fremden viel Neugierde. Nach den bis ins Kleinste festgelegten Ehrbezeugungen der ersten Audienz vom neunundzwanzigsten März 1691 folgte ein zweiter, geselliger Akt, in dessen Verlauf man eine Reihe “leppischer fragen” stellte, darunter auch medizinische.[158] Kaempfer gab nach bestem Vermögen Antwort, mogelte in einem Falle ein wenig. Sein lebensverlängerndes Mittel war nichts als ein “sal volatile oleosum Sylvii”,[159] das auf Verlangen des Shôguns im folgenden Jahr aus Batavia gebracht wurde, “ein unlieblicher Spiritus Salis Ammoniaci mit Gewürznelken abgezogen”.[160] Die folgenden “Pickelherings reigen” und “andere ohnzehlbare affenstreiche” riefen in Europa heftige Reaktionen hervor, waren jedoch wohl nur Ausdruck einer großen Neugierde des ‘Kaisers’.[161] Auch 1692 nahm die interkulturelle Begegnung einen lebhaften Verlauf. Bei der ersten Audienz am einundzwanzigsten April fragte man Kaempfer nach seiner Profession und ob er “wohl schwere Kranckheiten je curiret” habe. Die Antwort kam ein wenig unwirsch: Hier in Nagasaki, wo sie gefangen gehalten würden, nicht, außer Japan aber wohl. Ein wenig später mußte er “viele pflaster nennen und eines tantzen”.[162] Im Gefolge der zweiten Audienz am vierundzwanzigsten April kam es zur Gegenüberstellung mit Hofärzten und einer listigen Demonstration seiner diagnostischen Künste.[163]

Der glückliche Siebold durfte im Stadtteil Narutaki außerhalb Deshimas eine ärztliche Ausbildungsstätte einrichten. Doch den Faktoreiärzten des siebzehnten Jahrhunderts blieben solche Wirkungsmöglichkeiten versagt. Als Ausnahme wäre nur der Leipziger Barbier Caspar Schamberger zu nennen, der 1649 für zehn Monate in Edo wundchirurgische Instruktionen erteilte und ohne sein Wissen zum Begründer einer ‘Caspar-Chirurgie’ (kasuparuryû-geka) avancierte.[164] Kaempfer hingegen hatte nicht einmal die Gelegenheit zu Hausbesuchen in Nagasaki, die sich zuweilen bei Erkrankungen hochgestellter Japaner ergab. Es ist auch kein ärztliches Diplom für Imamura oder einen anderen Japaner nachweisbar, wie es mancher Faktoreiarzt qualifizierten Schülern ausstellte. Die Resonanz, die er in Edo hervorrief, war bescheiden. Von ten Rhijne wurden in Japan Antworten auf medizinische Fragen überliefert,[165] für Kaempfer kennt man keinerlei derartige Belege.

 

Medizinische Materialien aus Japan

Kaempfer brachte eine ansehnliche Sammlung in die Heimat, darunter einige medizinisch interessante Objekte. Daß er den Tee und das Catechu deutschen Patienten verabreichte, wissen wir, doch wurden beide bereits in Europa gehandelt. Mit dem Wachûsan hatte er nach eigenen Aussagen wenig Erfolg. Einen Zweig der Thea sinensis aus seinem Herbarium bewahrt das British Museum auf,[166] wo sich auch zwei Lackbehälter für die leider verschollenen Akupunkturnadeln finden. Einer davon ist in der History of Japan abgebildet.[167] Geht man die Liste der von Sloane erworbenen ‘indischen und japanischen Kuriositäten’[168] durch, so findet man weiter “A Japonese Surgeon or Barbers Case japanned” und “Two Japonese Physick Boxes for Powders and Pills, with gold and Silver Labels and two silver Bodkins”, deren Identifikation noch aussteht. Möglicherweise gelangte auch eine ‘Kammerkiste’, also ein Schränkchen mit zahlreichen Schubladen, nach Europa, deren Inhalt auf einem der vielen Notizblättern aufgezählt ist: in Papierbriefchen eingepackte Arzneien wie Catechu- und Jôzai-Pulver, Karmesin, ein Medikamentenbeutel, mehrere Medizindosen (inrô), Dreh- und Schlagnadeln usw.[169] Weiter erwähnt Scheuchzer unter den japanischen Büchern aus Kaempfers Bibliothek einen “Anatomical Treatise, containing the figures of several external and internal parts of the human body, not very different from those of the Chinese, engraved in Dr. Cleyer’s Medicina Sinensis.”[170] Dies ist ein Band aus jener zwanzigteiligen Bildenzyklopädie Kinmô zui von Nakamura Tekisai (1629 - 1702), die Kaempfer herausschmuggeln konnte.[171] Nicht wieder aufgetaucht ist die Vorlage zum Moxa-Spiegel (Kyûsho-kagami), eine “in sinesischen und japanischen Charaktern gedrukte Tafel”, die man “sowohl in den Buchläden, als auch bei den herumreisenden Aerzten kaufen” könne.[172] Schließlich enthält das Kanai chôhôki, ein Handbuch für den Hausgebrauch von 1689, unter anderem ein Kapitel zur Ernährung im Krankheitsfall (manbyô tabemono yoshiashi no koto) bzw. zu Arzneimitteln (manbyô no myôyaku).[173]

 

Annäherungen an fremdes Denken

Es klingt paradox, doch fast alles, was im siebzehnten Jahrhundert in westlichen Arbeiten über die Akupunktur und Moxibustion geschrieben wurde, stammte nicht aus China, dem medizinischen Helikon des Ostens, sondern aus Japan.[174] Doch die japanischen Ärzte nahmen gegenüber der chinesischen Medizin einen sehr selbständigen Standpunkt ein, so daß vieles, was ten Rhijne und Kaempfer vermittelten, in China gar nicht bekannt war. Überdies war die japanische Medizin genauso wenig monolithisch wie die chinesische. Hier wie dort gab es eine Reihe von Richtungen, die miteinander heftig konkurrierten.

Nichts in Kaempfers Aufzeichnungen läßt erkennen, daß er auch nur eine vage Vorstellung von den medizinischen Schulen Japans und ihrer theoretischen Konzepte gewonnen hätte. Alle seine Materialien und Ausführungen bleiben auf Allgemeines, teils Volkstümliches beschränkt. Ten Rhijne besaßimmerhin eine japanische Ausgabe des “Illustrierten Handbuchs für das Nadeln und Brennen der Behandlungspunkte, gezeigt an der Bronzefigur” (Tongren shuxue zhenjiu jing) von Wang Weiyi, dem großen chinesischen Systematiker des elften Jahrhunderts. Leider reichten dann aber die Sprachfähigkeit seiner Dolmetscher nicht aus, und auch er selbst zog manch vorschnellen Schluß. Kaempfers sprachgewandter Gehilfe Imamura verstand wenig oder nichts von Medizin. Hermann Buschof, der mit den chinesischen Ärztenin Batavia sicher besser kommunizieren konnte, war Pfarrer. Ihm lag daran, die Moxa den Europäern nahezubringen, und dazu bedurfte es keiner tiefschürfenden Studien der chinesischen Ätiologie. Wegen seines großen Einflusses auf ten Rhijne und Kaempfer dürfen wir ihn dennoch nicht aus dem Auge verlieren.

Versuchen wir hier, kurz anzureißen, was auf Deshima geschah. Yin und Yang (jap. in, yô), die beiden fundamentalen, polar aufeinander bezogene Aspekte, unter denen man in der chinesischen Naturphilosophie die Dinge dieser Welt ordnet, werden bei ten Rhijne zwar als humidum radicale und calidum innatum behandelt, kommen in Kaempfers medizinischen Aufzeichnungen jedoch nicht vor. Gleiches gilt für die von ten Rhijne als Elemente oder Prinzipien mißverstandenen ‘Fünf Wandlungsphasen’ (wuxing, jap. gogyô). Wenn beide Autoren über ‘Winde’, ‘Dünste’, ‘Dämpfe’ schrieben, dann hatten Japaner versucht, ihnen die Konzeption des Qi (jap. ki) nahezubringen, einer Art kosmischer Atem, Wind, Dunst, Dampf von extrem feiner Stofflichkeit ist. Ursprünglich stellte das Schriftzeichen den aus gekochtem Reis aufsteigenden Dampf dar. Er ist zwar sichtbar, doch läßt er sich nicht durch den Tastsinn ‘begreifen’ wie andere, stofflichere Objekte.[175] Ob die im menschlichen Körper vorhandenen vielfältigen Formen dieses Qi zur Sprache kamen, ist nicht erkennbar. Lediglich eine Notiz Kaempfers über den Zusammenhang zwischen dem “calidum nativum” und dem Puls läßt das sogenannte Organ-Qi (chin. zangfu zhiqi) erahnen.[176] Beide Autoren erklären weiter, daß es einen Zusammenhang zwischen Puls und Organen gebe. Bei ten Rhijne zeigt er deren Mischung und Temperatur an, bei Kaempfer deren calidum innatum.

Hinsichtlich der Krankheitsursachen ist man gesprächiger. ‘Bösartige Winde’ und Dünste brächten das Blut durcheinander, ‘stauten sich auf’, würden ‘eingeschlossen’. Man erkennt deutlich das ‘bösartigen Qi’ (xieqi, jap. jaki) der chinesischen Lehre sowie die Qi-Stagnation (qi-zhi), welche neben dem Qi-Mangel (qi-xu) zu den Hauptmustern der Disharmonien des Qi zählt. Durch Ableitung des aufgestauten Qi wird die Harmonie im Organismus wiederhergestellt, was beide Autoren in Termini wie “liberare”, “evocare”, “resolvere” fassen. Daß es der chinesischen Lehre zufolge im Körper ein System von ‘Trakten und Kanälen’ gab - heute dominiert die mißverständliche Bezeichnung ‘Meridiane’ - ist bei Kaempfer nicht zu erkennen. Wahrscheinlich war ihm die verwirrende Mantissa Schematica ten Rhijnes ein Warnung, die von Arterien und Venen spricht und sich dadurch in viele Widersprüche zum anatomischen Wissen im Westen brachte. Die Behandlungsstellen, ten Rhijne nennt sie “foramina” bzw. “signa”, liegen nicht am Ort des Leidens, was auch späteren Beobachtern schwer zu schaffen machte.

Die Integration neuer Vorstellungen gelingt um so leichter, je mehr vertraute Eigenschaften sie zeigen. Unbewußt bearbeitet man oft den Gegenstand der Betrachtung so lange, bis er sich an das herkömmliche Wissen anschließen läßt. Genau das geschah bei ten Rhijne und Kaempfer, welche die ostasiatischen Termini in passende Begriffe des Pneumatismus und der Humoralpathologie transformierten.[177] Sieht man davon ab, daß das Abendland unter dem Einfluß der pythagoreischen Schule ein Vierer- und China ein Fünferschema der kosmischen Bezüge entwickelt hatte, so gab es in den diversen medizinischen Konzepten hier wie dort neben konkret faßbaren Körpersubstanzen substanzlose bzw. extrem feinstoffliche Flüsse in Mikro- und Makrokosmos. Störungen im Fluß oder in den Interaktionen mit bzw. unter diversen Substanzen lösten Verwerfungen, Ungleichgewichtigkeiten aus, die sich als Krankheiten manifestierten. Die natürliche Harmonie trat erst dann wieder ein, wenn der Überfluß abgeschöpft, Mängel ausgeglichen, Stockungen beseitigt waren. In Ost und West griff der Arzt zu ‘Gegenmaßnahmen’ (contraria contrariis): Trockenes gegen Nasses, Kaltes gegen Warmes, Abführungen gegen Überschuß, Zuführungen gegen Mangel, Erweichung gegen Verhärtung usw.

Die Folgen dieser Transformation bekamen der Rezeption der Moxa und Akupunktur nicht sonderlich. Denn nun stand die (sino)japanische Heilkunde bestenfalls auf dem Niveau Galens, von dem man sich doch zu emanzipieren trachtete. Bis ins neunzehnte Jahrhundert waren in der Faktorei zu Nagasaki VOC-Ärzte stationiert, unter denen lediglich der Schwede Carl Peter Thunberg und der Niederländer Isaac Titsingh ein ernsthafteres Interesse an der japanischen Medizin entwickelten. Vielleicht wäre die Auseinandersetzung mit den fernöstlichen Konzepten vorsichtiger verlaufen, wenn sie auf ten Rhijne und Kaempfer ‘fremdartiger’ gewirkt und somit eine leichte Anpassung verhindert hätten.

Im Falle Kaempfers wurde zudem die weitere Rezeption durch die europäische Fachwelt infolge seiner provokativen Gesamteinschätzung der japanischen Medizin sehr erschwert. Seiner Ansicht nach ermüdeten die japanischen Ärzte ihre Patienten nicht mit einer großen Menge von Arzneien. Sie suchten vielmehr die Wurzel des Übels, d.h. die aufgestauten ‘Winde’ durch die äußeren Mittel Nadel und Moxa zu beseitigen.[178] Noch kräftiger in dieses Horn stieß er in der Akupunkturabhandlung, wo er zu den zwei “Haupt- und Universalmitteln” der Japaner, nämlich dem “Feuer und Metall” bemerkt, daß sie zwar dem Namen nach fürchterlich seien. Doch dürfe man darunter nicht den “grausamen verwundenden Stahl, noch das Feuer eines glühenden Eisens verstehen, mit denen die unmenschliche Chirurgie unsers westlichen Erdtheils die armen sterblichen auf eine Art” martere, die von allen verabscheut werden müsse, welche noch Menschlichkeit und Mitleid zu fühlen fähig seien.[179] Wenn ihm wirklich daran gelegen war, die Verbreitung der beiden therapeutischen Mittel in Europa zu fördern, dieses Fanal klang zu schrill. Die heftigen Reaktionen der Schulmediziner in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts waren fast unvermeidlich. So schrieb 1747 der berühmte Anatom und Chirurg Lorenz Heister (1683 - 1758) in einem Kapitel “Vom Nadelstechen der Chineser und Japoneser”:

Mit dem Schröpffen hat einige Gleichheit das so berühmte Nadelstechen der Chineser und Japoneser; da sie mit besondern güldenen oder silbernen Nadeln Tab. XII. fig. 6. allerley Theyle des Leibes entweder stechen, oder mit einem besondern Hämmergen fig. 7. solche einzuschlagen pflegen a), und dadurch allerley Kranckheiten zu curieren trachten: insbesonderheit, da sie sowohl das Aderlassen als Schröpffen nicht im Gebrauche haben, sondern selbige vielmehr verachten; hergegen aber auf dieses Nadelstechen und das Brennen mit der moxa mehr halten, als auf alle andere Operationes oder Medicamente, aber solche als die vornehmsten und nützlichsten Operationes der Chirurgie ausgeben, womit man fast alle Kranckheiten bezwingen könne. Sie stechen selbige in den Kopff, Brust, Bauch und andere Theile des Leibes, um dadurch allerley Kranckheiten zu vertreiben: und ist zu bewundern, wie solche kluge Nationen so viel auf diese wunderliche Remedia halten können. Dieweilen aber diese Operation bey den Europäern gar nicht gebräuchlich, und vor undienlich geachtet wird, halten wir nicht nöthig selbige weitläufftiger zu beschreiben: sondern wer mehr davon wissen will, kan solches bey dem ten Rhyne de arthritide pag. 145. und insbesonderheit pag. 183 und 190. auch bey dem Kämpffer in seinen amœnitatibus exoticis pag. 582. mit Verwunderung nachlesen.[180]

Sein nicht minder berühmter Kollege Georg Ernst Stahl (1660 - 1734) machte sich 1733 über das Nadelstechen her. Die ‘aufgestauten Winde’ läßt man hier durch das Einstechen in die Intestina heraus. So interpretiert, war das Nadelstechen natürlich höchst gefährlich: “Da sehen wir, was die Phantasie thut. Wem es gefällt, kan dergleichen anwenden: es stehet jederman frey, der es versuchen will.”[181] Sprachliches Unvermögen und voreilige Analogieschlüsse der Beobachter in Ostasien wie auch mangelndes Interesse in Europa an einem korrekten Verständnis dieser Berichte drängten die beiden Therapien rasch in die Ecke völkerkundlicher Kuriositäten. Schon 1722 hieß es in Johann Junkers Chirurgie, daß die Moxibustion aus der Mode gekommen sei.[182] Johann Christian Kundmann, Arzt, zugleich Mitglied der Leopoldina, schloßsie 1737 in sein Raritätenkabinett ein, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kuren durch Anrühren und Segnungsworte.[183] Bis zur Revitalisierung sollte geraume Zeit verstreichen.

 

 

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Handschriften

British Library, Dep. of Western Manuscripts, MS Sloane 3060: “Heutiges Japan”

British Library, Dep. of Western Manuscripts, MS Sloane 3062: “Collectanea Japonica”

Algemeen Rijksarchief, Den Haag (ARA), 01.04.21 NFJ 53: Dagregister der Faktorei Hirado (6.9.1633 - 3.2.1639).

Algemeen Rijksarchief, Den Haag, 1.04.21, Nederlandse Faktorij in Japan 104: Dagregister 1690-1691

Algemeen Rijksarchief, Den Haag, 1.04.21, Nederlandse Faktorij in Japan 105: Dagregister 1691-1692


Anmerkungen
[1]   Vgl. Kraft.
[2]   Vgl. Michel (1989), und Michel (1990).
[3]   Zur Aufdeckung der Identität von Kaempfers ‘Gehilfen’ vgl. Yu-Ying Brown, Daiei toshokan. Einen weiteren Beleg aus dem Dagregister der Faktorei Japan stellte P. van der Velde (Leiden) auf dem Kaempfer-Symposium in Tôkyô vor.
[4]   Yôgakushi jiten, S. 67; Katagiri, Kenperu. to joshu
[5]   Ten Rhijne, Dissertatio, S. 149; vgl. auch Michel, Ostindianisches Sendschreiben.
[6]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 352f.
[7]   BL, Sl 3062, fol. 329r.
[8]   Vgl. auch Cleyers Abhandlung in den Miscellanea Curiosa, Decuria 2, Annus 3, Observatio 13.
[9]   Vgl. z.B. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. Berlin, New York 1986, S. 1414 und 1560.
[10]   BL, Sl 3062, fol. 81v.
[11]   Koeashi
[12]   BL, Sl 3062, fol. 82r.
[13]   BL, Sl 3062, fol. 82v.
[14]   Fujikawa, S. 99 ff.
[15]   BL, Sl 3062, fol. 82v.
[16]   Kanai chôhôki, fol. 54 v (Manbyô tabemono yoshiashi no koto); vgl. auch fol. 67r.
[17]   BL, Sl 3060, fol. 207r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, S. 11).
[18]   BL, Sl 3062, fol. 77 r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 1, S. 121f.).
[19]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang S. 404.
[20]   BL, Sl 3060, f. 62v.
[21]   Für die Hilfe bei der Suche nach japanischen Belegmaterialien danke ich Aoki Nobuo und Itô Kyôko, Naito Museum of Pharmaceutical Science and Industry, Kawashima.
[22]   Kraft, S. 34ff.
[23]   BL, Sl 3062, fol. 327r, v.
[24]   Miscellanea Curiosa, Decuria 2, Annus 8, Observatio 21.
[25]   Amoenitates exoticae, S. 632ff.
[26]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 470.
[27]   BL, Sl 3060, fol. 91v, 92r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 1, S. 127).
[28]   BL, Sl 3062, fol. 328r.
[29]   In Kaempfers Schreibung “Zi*tómmi”, “Ku*das”, “Jáku*, Ksssúri”, “Kójaku”, “JakusjüŸ”, “Ksúria”, “Jaku*ssò”, “J, Jsà”, “Gekwa”, “Utsi* barri”, “Finéri barri”.
[30]   BL, Sl 3060, fol. 101v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 1, S. 144).
[31]   Sôda, meiyaku, S. 37 ff/., besonders S. 40, 45.
[32]   Ebenda, S. 30 ff.;Okazaki, S. 124 f.; Shimizu, S. 178ff.; Hanasaki, baiyakushi, S. 2ff.
[33]   BL, Sl 3062, fol. 96r - 98r.
[34]   Hanasaki, baiyakushi, S. 42f.; Yoshioka, S. 25.
[35]   Yoshioka, S. 18.
[36]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 1, S. 153.
[37]   BL, Sl 3062, fol. 97r/v.
[38]   Tôdaiji-ten, S. 15;Sôda, meiyaku, S. 26f.;Okazaki, S. 123ff.; Shimizu, S. 176ff.
[39]   BL, Sl 3062, fol. 99r.
[40]   Sôda, meiyaku, S. 22.
[41]   Yoshioka, S. 7.
[42]   Suzuki, S. 318, 321ff.
[43]   Nr. 45.c.BM, S. 115ff.;s.a. Bonn, S. 113.
[44]   BL, Sl 3060, fol. 245r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, S. 85).
[45]   BL, Sl 3060, fol. 272r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 149).
[46]   BL, Sl 3062, fol. 372v.
[47]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 257.
[48]   Hanasaki, Baiyakushi, S. 372.
[49]   BL, Sl 3060, fol. 327v, 328r (auch Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 242).
[50]   BL, Sl 3060, fol. 368r, 395r, 413r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 304, 342, 364.
[51]   Jetzige Lage in Rittô, Präfektur Shiga.
[52]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang III, S. 428.
[53]   Die pharmaziegeschichtlichen Fragen um Wachûsan, Zesai und Josai sind bei Sôda, meiyaku, S. 67ff. eingehend beschrieben. Siehe weiter Okazaki, S. 130f.; Hanasaki, Baiyakushi, S. 20ff.; Hanasaki, Meibutsu zue, S. 386.
[54]   Siebold, Abteilung I, S. 165.
[55]   BL, Sl 3060 fol. 341v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 263).
[56]   BL, Sl 3060 fol. 342v - 343r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 265).
[57]   Siehe “Physiologia specialis [...] ab Engelb. Kaempfero”, datiert 14. Juli 1679 (Universitätsbibliothek Göttingen), fol.18v: “Terra Japonica”. Für den Hinweis danke ich Lothar Weiß, Lemgo.
[58]   Nihon yakkyokuhô, S. 19; Chen, Bd. IV, S. 208; Kôdansha, S. 33; Porkert, S. 377; Gorkom, Bd. 3, 679ff.
[59]   Auch Andreas Cleyer wußte einiges darüber; vgl. Michel, Ostindianisches Sendschreiben.
[60]   Vgl. ebenda.
[61]   Ammoenitates exoticae, S. 605ff.
[62]   ten Rhyne, Excerpta.
[63]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 457; ten Rhijne, Dissertatio, “Postscripta” zur Buschofs Traktat, ohne Paginierung (S. 72).
[64]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 458.
[65]   BL, Sl 3063, fol. 38r, 40r, fol. 45r. (Für diese Belegstellen danke ich Detlef Haberland, Bonn). Weiter in Briefe, S. 299, 306, 307, 308, 311.
[66]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 457.
[67]   Miscellanea Curiosa, Decuria 2, Annus 10, Observatio 37.
[68]   Zum Kampfer im Schrifttum jener Zeit siehe Michel, Ostindianisches Sendschreiben.
[69]   Amoenitates exoticae, S. 772; Übersetzung zitiert nach Muntschik, Flora Japonica, S. 43. Zur Kampfergewinnung in Japan siehe Sôda, seiyaku gijutsushi, S. 24ff.
[70]   Dagregister 1633/39, 15.9.1633.
[71]   Valentini, S. 361.
[72]   BL, Sl 3060, fol. 92v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 1, S. 128f.).
[73]   BL, Sl 3060, fol. 252r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, S. 100).
[74]   BL, Sl 3060, fol. 266r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, S. 126).
[75]   BL, Sl 3062, fol. 328r.
[76]   BL, Sl 3062, fol. 239r.
[77]   BL, Oriental Collections, Or. 14480/4.
[78]   Vgl. hierzu BL, Sl 3060, fol. 180r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 3, S. 285).
[79]   Vgl. hierzu Rotermund.
[80]   BL, Sl 3060, fol. 186r (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 3, S. 291).
[81]   BL, Sl 3060, fol. 183r.
[82]   BL, Sl 3060, fol. 183vff. (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 3, S. 288f.).
[83]   Murakami, S. 335.
[84]   ‘ige’, westjapanische Form von ‘igi’, einer inzwischen verschwundenen Bezeichnung für ‘Dorn’, ‘Stachel’. Siehe Vocabulario unter ‘igue’, ‘igui’.
[85]   BL, Sl 3062, fol. 99r.
[86]   Murakami, S. 374.
[87]   BL, Sl 3062, fol. 99v.
[88]   BL, Sl 3060, fol. 195r/v (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 3, S. 290).
[89]   (dunkelrote) ‘Lotosblume, Lotosblume, große Lotosblume’.
[90]   Diese Formel steht samt Abbildung in der Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 4, Kapitel 10.
[91]   BL, Sl 3062, fol. 83r.
[92]   Suzuki, S. 145ff.
[93]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 3, S. 167, Abb. zwischen S. 158/159.
[94]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 10, S. 245;auch erwähnt in Kap. 13, S. 302.
[95]   Da hyaku hundert, ben aber zehntausend bedeutet, war ihm ein Rechenfehler unterlaufen
[96]   BL, Sl 3060, fol. 424 r f. (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 377f.)
[97]   Übersetzt nach de Bondt, S. 85.
[98]   Siehe hierzu Schilling, Schulwesen und Schilling, Portugueses.
[99]   Übersetzt nach Cartas, Segunda parte, lib. 1, fol. 123v.
[100]   Rakuyôshû, fol. 26v.
[101]   Ebenda, fol. 44v.
[102]   Catalogus, S. 216: “Ten Rhyne Dissert. de Arthritide, London 1683. it. de Acu punctura”.
[103]   Dissertation, S. 60.
[104]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 442.
[105]   Ten Rhijne, Dissertatio, S. 186.
[106]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 423 ff.
[107]   Ebenda, Anhang, S. 426.
[108]   Ebenda, Buch 5, S. 362.
[109]   Verfasser von Shinkyû hiketsu (“Wichtiges beim Nadeln und Brennen”) sowie Shinkyûzenron (“Gesamtdebatte des Nadeln und Brennens”).
[110]   Maruyama, S. 46ff.
[111]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 426.
[112]   Ebenda, Anhang, S. 426.
[113]   Maruyama, S. 181ff.
[114]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 427.
[115]   Siehe Schurhammer, S. 9. Das zugrundeliegende Manuskript von 1585 befindet sich in der Biblioteca da Ajuda. Lissabon.
[116]   Übersetzt aus dem Nachdruck: Ribadeneira, S. 324f.
[117]   “Mogusa”, “Yomogui”, “Futçu”, “Cauaquiri”
[118]   Amoenitates exoticae, S. 589ff.
[119]   Westjapanisches Dialektwort für ‘yomogi’.
[120]   British Museum, Natural History Ms 211 fol. 28.
[121]   Amoenitates exoticae, S. 897.
[122]   Ten Rhijne, Dissertatio ( Postscripta zur Seite 71 von Buschofs Podagra-Traktat): “Si stomachus doleat, vel prostratus ejus sit appetitus, inustio super scapulas prodest; si vasa spermatica debilia sint & involuntaria adsit seminis effusio, lumbaris regio & os sacrum cum commodo inuritur à Sinis atque Japonibus, qui adeoque singulares regulas de locorum cognitione composure.”
[123]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 436f.
[124]   BL, Sl 2910, fol. 275r/v.
[125]   Zutsû, memai, tachigurame, jôki.
[126]   Kodomo no kanke, hara haru, harakudari, fusoku, hanatadari, torime
[127]   Jûichi no tsui.
[128]   Shaku, senki, sunbaku.
[129]   Shiraji, nagazuki, koshike, takagami, gassui tsû.
[130]   Nanzan.
[131]   Kake.
[132]   Hara ga haru, haraitami, muneitami, kakuran, fusoku.
[133]   Momoitami, hizaitami.
[134]   Okori, netsubyô.
[135]   Rinbyô.
[136]   Kaze hiku hito, hanaji ga taru, memai.
[137]   Dakkô.
[138]   Kame no o (Steißbein).
[139]   Ji.
[140]   Nijûichi no tsui.
[141]   Eingehend diskutiert in Michel, Moxa-Spiegel, S. 216ff.
[142]   Manase.
[143]   BL, Sl 3060, fol. 461r ff.
[144]   Siebold, Band II, S. 82 - 86.
[145]   Feucht, S.10ff.
[146]   1. jingei (renying, ST9);2. shûei (zhourong, SP20); 3. tenpu (tianfu, LU3); 4. nyûchû(ruzhong, ST17); 5. keikyo (jingqu, LU8); 6. gyosai (yuji, LU10); 7. shôshô(shaoshang, LU11); 8. chûshô (zhongchong, PC9); 9. eneki (yuanye, GB22); 10. kyûbi (jiuwei, JM15); 11. kufuai (fuai, SP16); 12. hikan (biguan, ST31); 13. fukuto (futu, ST32); 14. inshi (yinshi, ST33); 15. inryôsen (yinlingquan, SP9); 16. tokubi (dubi ST35); 17. rokoku (lougu, SP7); 18. inpaku (yinbai, SP1); 19. amon (yamen, GV15); 20. fûfu (fengfu, GV16); 21. tenyô(tianyou, TE16); 22. tenchû (tienzhu, BL10); 23. kentei (jianzhen, SI9);24. shinyu (xinshu, BL15); 25. sekichû (jizhong, GV6); 26. hakkan (baihuanshu, BL30); 27. yôchi (yangchi, TE4); 28. inmon (yinmen, BL37);29. yôkan (xiyangguang, GB33); 30. ichû (weizhong, BL40); 31. jôkô(tiaokou, ST38); 32. shinmyaku (shenmai, BL62); 33. jigoe (diwuhui, GB42); 34. shôfu (chengfu, BL36).
[147]   Dagregister 1690/1691, S. 103; Nihon Yôgaku nenshi. Tôkyô 1965, S. 132.
[148]   BL, Sl 3062, fol. 373r.
[149]   Katakiri, Orandatsûji, S. 130, 214.
[150]   Ten Rhijne, Dissertatio, S. 153.
[151]   Yôgakushi jiten, S. 705.
[152]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 14, S. 337. Der Vorgang wird auch im Dagregister der Faktorei beschrieben.
[153]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, Kap. 12, S. 278;vgl. auch Dagregister 1690/91, S. 63.
[154]   BL, Sl 3062, fol. 212r.
[155]   BL, Sl 3062, fol. 210r.
[156]   BL, Sl 3062, fol. 181r.
[157]   BL, Or. 75. fol. 8.
[158]   BL, Sl 3060, fol. 356v ff.;vgl. auch Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 284ff.
[159]   François Deleboe (1614 - 1672), seit 1658 Professor der praktischen Medizin in Leiden, galt seinerzeit als Hauptvertreter der sogenannten Iatrochemie, die im menschlichen Organismus vor allem chemische Wirkkräfte ins Auge faßte und in der Fermentation den Grundvorgang alles Lebendigen sah.
[160]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 285. Kaempfer vermutete sogar, daß die Schiffsdurchsuchungen in Nagasaki am 22. November und den folgenden Tagen unter anderem dem “Sylviusschen Panacee” galten. (Ebenda, Buch 5, S. 324)
[161]   BL, Sl 3060, fol. 358v.;vgl. auch Dagregister 1690/91, S. 66ff.
[162]   BL, Sl 3060, fol. 399r/v. (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 348).
[163]   BL, Sl 3060, fol. 403 vff. (Geschichte und Beschreibung von Japan, Buch 5, S. 352f.); vgl. auch Dagregister 1690/91, S. 66ff.
[164]   Vgl. hierzu Michel, Schamberger.
[165]   Michel, Willem ten Rhijne (I), S. 80ff.
[166]   British Museum, Natural History, Ms 211, fol. 27.
[167]   Museum of Mankind, As 1753 D10 1077.
[168]   BL, Sl 4019, fol. 54ff., als Reinschrift in Sl 3329, fol. 20ff.
[169]   BL, Sl 2910, fol. 291r.
[170]   History of Japan, Kyôto, Introduction l.
[171]   Vermutlich die 2. Auflage von 1668; BL Or. 75. ff. 1 sowie ff. 1*.
[172]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Bd. II, S. 438.

[173]   BL, Or.75.f.6

[174]   Vgl. hierzu Michel, Japans Rolle
[175]   Moderne ‘energetische’ Deutungen mögen vielleicht dem Phänomen selbst gerecht werden, doch entspricht das nicht den Begriffen jener Zeit. Zwischen historischer Rekonstruktion und moderner Interpretation ist daher genau zu unterscheiden. Mehr zum Qi bei Unschuld, S. 72f.
[176]   BL, Sl 3062, fol. 47r.
[177]   Genaueres hierzu bei Michel, Willem ten Rhijne (II), S. 90ff.
[178]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang S. 404.
[179]   Geschichte und Beschreibung von Japan, Anhang, S. 424.
[180]   Heister, S. 428 f.
[181]   Stahl, S. 76.
[182]   Junker, S. 624.
[183]   Kundmann, S. 932

 

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