Wolfgang Michel: Zacharias Wagner and Japan (I) — The Autobiography of a eThundermanf. Dokufutsu Bungaku Kenkyû, No.37 (Kyushu University, Fukoka, July 1987), pp. 53 - 102.
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Wolfgang Michel

Zacharias Wagner und Japan (I)  - Ein Auszug aus dem Journal des eDonnermannsf

1. Vorbemerkung

In dieser mehrteiligen Studie möchte ich das Leben und Wirken des Dresdeners Zacharias Wagner (1614-1668), besonders im Hinblick auf die Jahre in Japan nachzeichnen, um auf einen in der Geschichte der deutsch-japanischen Kontakte fast völlig ignorierten,[1] doch verdienst- und wirkungsvollen Mann aufmerksam zu machen.

 2. Zur Quellenlage

Wagners Name tauchte schon kurz nach seinem Tode in der Asien-Literatur auf. 1669 beschrieb Arnoldus Montanus in den gDenkwürdige Gesandtschafften der Ost=Indischen Gesellschaft in den Vereinigten Niederländern an unterschiedliche Keyser von Japanh ausführlich Wagners Reise von Nagasaki nach Edo, (1) wo er 1656 für die Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) [2] wichtige Verhandlungen führte und unfreiwilliger Augenzeuge einer gewaltigen Brandkatastrophe wurde, der er mit seiner Gefolgschaft nur knapp entkam. In Nieuhofs [3] Schilderung der gGesantschaft der Ost=Indischen Geselschaft in den Vereinigten Niederländern an den Tartarischen Cham[4] und Sinischen [5] Keyser [6] Verrichtet durch die Herren Peter de Gojern und Jacob Keisern"[7] begegnen wir wiederum Wagner an der Spitze einer in diesem Fall etwas kläglich verlaufenden kleineren Mission nach Kanton.[8] Doch während er dort als ängstlicher Haderer[9] dargestellt wird, muß sich sein Auftreten in Japan nachhaltig ins Gedächtnis der Einheimischen eingegraben haben. Denn 1692 erzählt der Dresdener Landsmann Georg Meister,[10] der von 1682-83 und 1685-86 in Nagasaki weilte, daß die Japaner dort Wagner gnoch kennten, und ihn den Donnermann heissen, weil er allezeit ernsthafft und scharff sich gegen sie gezeiget hätte".[11] Auf jeden Fall war er ein angesehener Mann, und nach seinem Tode 1668 hielt man es der Mühe wert, einen Auszug aus seinem Tagebuch anzufertigen. Dieser erschien 1704 in englischer Übersetzung unter dem Titel gA Short account of the voyages of Mr. Zachary Wagenerh im zweiten Band der gCollections of Voyages and Travels some now first Printed from Original Manuscripts In Four Volumes". [12] Heinrich Zedler, der Georg Meisters eOrientalischen Kunst- und Lustgärtnerf sehr genau gelesen und ausgewertet hatte, nimmt Wagner in sein gGrosses vollständiges Universal Lexikonh (1732-54) auf[13] Francois Valentijn nennt gWagenaarh in gOud en Nieuw Oost-Indienh (1724-26) als 25. und 27. Oberhaupt ('opperhooft') der niederländischen Faktorei in Nagasaki und gibt einen knappen Abriß der wichtigsten Begebenheiten damals in Japan.[14] Dazu kommen einige Bemerkungen im Zusammenhang mit der Kapkolonie.[15] Während Valentijn sich um die Herkunft seiner Akteure nicht kümmerte, weist das Biografisch woordenboek der Nederlanden im 20. Band von 1877 auf den Geburtsort Dresden hin, skizziert aber erstaunlicherweise nur den ostindischen Teil seines Lebens.[16] Elf Jahre später stellt Paul Emil Richter den oben erwähnten Auszug aus Wagners Autobiographie in der gFestschrift zur Jubelfeier des 25jährigen Bestehens des Vereins für Erdkunde zu Dresdenh vor.[17] Dank dieser Veröffentlichung gelangt Wagner 1896 schließlich als gsächsischer Reisenderh in die Ergänzungen der Allgemeinen Deutschen Biographie.[18] Danach läßt das Interesse an diesem weitgereisten Dresdener für geraume Zeit nach. Erst während der sechziger Jahre dieses Jahrhunderts erscheinen weitere Publikationen in Brasilien und Südafrika. Die Reihe Brasiliensia Documenta, Moderatore et Auctore Edgard de Cerqueira Falcao, enthält von Enrico Schaeffer als vierten Beitrag gZacharias Wagener: Zoobiblion, Livro de Animais Do Brasilh (1964). Neben dem unten genauer beschriebenen sogenannten gThier-Buchh findet man dort einen Nachdruck des Richterschen Auszuges als gAutobiografia de Zacharias Wagenerh.[19] Einige Jahre später erschien in Cape Town und Amsterdam ein Buch über gZacharias Wagner, Second Commander of the Capeh (1967) von O. H. Spohr und A .A. Balkema, unter anderem wieder mit Auszügen aus dem gThier-Buchh und einer englischen Version der eAutobiographie'. 1973 gibt A.J. Boeseken in Pretoria die gDagregister en briewe van Zacharias Wagenaer, 1662-1666h (Suid-Afrikaanse Argiefstukke; belangrike Kaapse Dokumente no. 2) heraus. In den Niederlanden wird 1979/80 sogar eines der Wagnerschen Aquarelle aus Südamerika ausgestellt.[20] Von mangelnder Aktualität kann daher keine Rede sein.

Weiter hütet das niederländische Rijksarchief eine Reihe dienstlicher Papiere Wagners, da die Ostindische Compagnie von allen wichtigen Dokumenten Abschriften anzufertigen pflegte, die weitgehend erhalten geblieben sind. Im Kontext Japans sind hier vor allem die offiziellen Tagebücher (edaghregisterf) der Faktorei auf Dejima[21] zu nennen, wo er zwei Mal (1656-57 und 1658-59) als Oberhaupt für geordnete Geschäfte sowie die eHofreisenf nach Edo[22] zuständig war:

Daghregister des Comptoirs Nangasackij in Japan sedert [23] primo November 1656 tot 27. October des jaers 1657,[24] Nangasackij Dagh-register sedert 22. October anno 1658 tot 4. November 1659. [25] Außerdem existiert noch eine stattliche Reihe von Briefen Wagners, [26] die er aus dem japanischen Comptoir an den Generalgouverneur in Batavia sowie die Leiter der Außenstationen in Siam, Formosa, Kormandel und Bengalen verschickt hatte.[27] Die meisten der Schreiben, auf die sich Wagener in seiner Korrespondenz bezog, und die Antworten darauf sind zugänglich.[28] Als überaus aufschlußreich erweisen sich schließlich noch verschiedene emissivenf und Berichte.[29] Daß die Schilderungen von Montanus wie auch die dienstlichen Korrespondenz nur eine Seite Wagners beleuchten, wird bei einem Besuch des Dresdener Kupferstich-Kabinetts klar. Dort hütet man das bereits genannte

gThier Buch / darinnen / viel unterschiedlicher Arter der Fische vögel vierfüssigen Thiere Gewürm, Erd= und / Baumfrüchte, so hin undt wieder in Brasilischen bezirck, und gebiethe, Der Westin- dischen Com / pagnie[30] zu schauwen undt anzutreffen [...] Alles selbst [...] bezeiget / In / Brasilien / Unter hochlöblicher Regierung des hochgebornen / Herren Johand Moritz Graffen von Nassau / Gubernator Capitain, und Admiral General /[31] von / Zacharias Wagenern / von Dresdenh. [32]

Das ledergebundene Buch mit Goldschnitt im Format 36 x 21, 5 cm zählt insgesamt 111 durchnummerierte Blätter. Es enthält eigenhändige, überwiegend aquarellierte Zeichnungen, die Wagner in Brasilien angefertigt und mit Erläuterungen versehen hatte.[33] Als Beobachter war Wagner nicht unbegabt, und man darf annehmen, daß er während seiner einjährigen Tätigkeit bei dem Amsterdamer Verleger Blaeu auch eine gewisse Ausbildung seiner zeichnerischen Talente erfahren hatte. [34] Papier und Tinte standen ihm, dem bestallten Schreiber, ohnehin zur Verfügung, und an den Kämpfen jener unruhigen brasilianischen Jahre brauchte er nicht teilzunehmen. Angeregt zu solchen zeichnerischen Aktivitäten wurde er ganz sicher durch Künstler und Gelehrte wie Frans Post, [35] Georg Markgraf, [36] und Wilhelm Piso, [37] welche der Gouverneur Johann Moritz von Nassau-Siegen[38] aus Europa hatte kommen lassen, um die Schätze und Schönheiten der jungen Kolonie bekannt zu machen. Wahrscheinlich hatte Wagner einigen Anteil an Marggrafs gAtlas Brasiliensis", den Abbildungen der gHistoria rerum naturalium Brasiliae", eventuell auch an den Karten, die Caspar Barlaeus [39] in sein Werk gRerum per octennium in Brasilia et alibi nuper gestarum historiah einschloß.

Es war sicher kein Zufall, daß auch der gemeine Soldat Caspar Schmalkalden aus Thüringen, der von 1642 bis 46 in Brasilien (also kurz nach der Rückkehr Wagners) und von 1646 bis 1652 in Ostasien diente, in Südamerika sein zeichnerisches Talent entdeckte.[40] Die Beschreibungen und Abbildungen des Schmalkaldenschen eReisebuchesf geben eine wertvolle Ergänzung zu Wagners gThier=Buch", ein Vergleich beider Werke ist nicht ohne Reiz.


Im Kupferstich-Kabinett findet man weiter die bereits genannte eAutobiographief, eine gKurtze Beschreibung / Der 35. Jährigen Reisen und Verrich= / tungen, welche Weyland / Herr / Zacharias Wagner / in Europa, Asia, Africa und America, / meistentheils zu Dienst der ost= und West= / Indianischen Compagnie in Holland, / rühmlichst gethan und abgeleget, / gezogen aus des seelig= gehalte=nen eigenhändigen Journalh.[41]

Das ebenfalls ledergebundene und goldgeschnittene Bändchen im Format von 15 x 19 Zentimetern umfaßt fünfundzwanzig, nicht paginierte Blätter: ein Titelblatt, sechzehn Blätter Text, der Rest unbeschrieben. über den Verbleib des zugrundliegenden Tagebuchs vermochte ich keine Klarheit zu gewinnen. Sein Nachlaß gelangte teils nach Dresden, teils wohl auch in die Hände von niederländischen Freunden bzw. der in Bezug auf Handelsgeheimnisse sehr restriktiven Compagnie. Besagtes Journal wurde, hält man sich die langen Jahre im Dienste der VOC vor Augen, möglicherweise in holländischer Sprache geführt. Bei dem Dresdener Manuskript, das ebenso wie das eThierbuchf bereits im ersten, Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Heinrich Heucher [42] kompilierten Katalog der Dresdener Sammlung verzeichnet ist, handelt es sich daher eventuell um eine eingedeutschte Version.

Angesichts der doch beachtlich umfangreichen Primär- und Sekundärliteratur nimmt es sich verwunderlich aus, daß man in der Geschichte der deutsch-japanischen Kontakte einen Mann wie Wagner übersehen konnte. Doch erstreckten sich dessen Unternehmungen über vier Kontinente, und die meisten Quellen beleuchten jeweils nur einen geographischen Raum. Sehr leicht läßt man sich zudem durch die niederländische Namensschreibung irreführen.[43] Erst bei einer Anfrage im Kupferstich-Kabinett wurde mir klar, daß der Zacharias Wagenaer / Wagener, den ich ich aus den Tagebüchern der Faktorei in Japan und dem Werk von Montanus kannte, mit jenem Wagener / Wagner in Südamerika identisch ist, auf den ich bei der Beschäftigung mit Caspar Schmalkalden zufällig aufmerksam wurde.[44]

3. WagnerseAutobiographief

Nachfolgend möchte ich zunächst den oben beschriebenen posthumen Auszug aus seinem gJournalh wiedergeben, da die vor rund hundert Jahren durch Paul Emil Richter editierte und sehr spärlich kommentierte Ausgabe auch im Schaefferschen Nachdruck von 1964 in Text wie Anmerkungen nicht nur hinsichtlich Ostasiens einige Wünsche offen läßt, aber auch, weil der allgemeine biographische Hintergrund wichtig wird, wenn wir eine Beurteilung der Person und Leistung Zacharias Wagners in Japan versuchen. In der Schreibung richte ich mich nach der Dresdener Handschrift.

[f.2r] Kurze Beschreibung der 35-jährigen Reisen und Verrichtungen, welche Weyland Herr Zacharias Wagner in Europa, Asia, Africa und America, meistentheils zu Dienst der Ost- und West-Indianischen Compagnie in Holland, rühmlichst gethan und abgeleget, gezogen aus des seelig gehaltenen eigenhändigen Journal. [f.3r]

Anno 1633.

Den 3.ten Junij, bin Ich zum Ersten mahl mit einwilligung und Belieben meiner lieben Eltern, als [45] Herrn Zacharias Wagners, wohlverdienten Stadt Richters und Religion-Ambts-Verwesers in Alt Dreßden, [46] mit einem Schifflein, von daraus, längst den Elbstrohm nacher[47] Hamburg abgefahren, unterm Gleidte [48] eines Alten Chur-Sächß. [49] Cammer Dieners, nahmens Friedrich Lebzelters; Nachdehm Ich aber in gedachter [50] Stadt zu meinem Vorsatz nicht wohl gelangen konte,[51] habe Ich mich alleine mit einem Schmack Schiffe[52] über die Watten nacher Amsterdam sezen laßen, daselbsten ich mich bey einem berühmbten Buchhändler, Herrn Wilhelm Janson Blauen, [53] fast Ein Jahr auffgehalten. Als Ich aber resolviret[54] war ferner zu reisen, bin Ich mit Einrathen gedachtes Herrn Blauens von Amsterdam

Anno 1634.

den 18. Julij, weiter fortgangen in einem großen Schiffe von Zwey Lagen Canonen, [55] genannt Amsterdam, worauff Ich vor einen GemeinenSoldatengedienet,[56] und nacher Brasilien [f.3v] mit abgefahren, Woselbst Wir, nach einer müheseeligen Reise von 16. Wochen, vor das Recif [57] zu Anckern kommen sind. Kurtze Zeit aber darauff ward ich von meinem Soldaten Dienste erledigt, [58] und zum Muster Schreiber[59] gemacht, unter der Compagnie des Herrn Major Bajarts, in der Fortresse Ernestus, [60] allwo mich nachmahls der General Feldherr, Ihre Excell: Graff-Johann Moritz von Naßau [61] mit dem Küchen Schreiber Ambt beneficirte.[62]

Anno 1638.

Den 20.sten April, bin Ich mit hochgedachter Ihr: Excell: verreiset, [63] nebst einer ansehnlichen Flotten von 47. Schiffen starck, vor das Recif nacher Baija de Todos los Santos,[64] die Stadt Salvator [65] zu belägern, und seind wir starck gewesen in Lager 8000 weiße Köpffe [66] und 3000 Brasilianer.

Nachdem aber gemelte [67] Stadt zu Lande unserm Vorhaben nach, nicht wohl kunte geschloßen werden, [68] haben Wir unß nach Zweyen Monathen unverrichteter Sachen, wieder von dar auffgemacht, und nacher Hause reteriret. [69]

Anno 1639.

Bin Ich ferner weit mit gemelten Herrn Graffens Excellz. [f.4r] von Antonius Vas[70] über die Caep St. Augustin[71] und Serinhain [72] nacher Porto Calvo, [73] über Land verreiset; und alß Wir zurück gekommen, sind Wir mitten durch das Land über Bonovegid [74] nach der Stadt Pariba[75] gangen, umb allenthalben die Guarnisonen und Fortressen[76] zu visitiren, [77] wormit Wir fast 3. ganzer Monat[78] zubrachten. Nachdem Ich nun also in die Sieben Jahr in diesen Landen, 4. Jahr aber am Hoffe, [79] mich meistentheils auffgehalten, thäte Ich umb Licenz Ansuchung,[80] in willens, mich wiedrumb nach dem Vaterlande zu wenden, welches Ich auch von mehr hochgedachter Ihr: Excell: erhalten, und mit einem großgeschriebenen Attestato und Pasport [81] versehen worden; Bin also

Anno 1641

primo Aprilis, [82] wiedrumb aus Brasilien mit abgefahren, auff einem Schiffe der Große Tieger [83] genannt, und waren bey Unß in Compagnie noch andere 12. Schiffe, so ingesambt mit Zucker, Brasilien Holz[84] und Taback beladen, unter dem Commando des Herrn Wilhelm Honten,[85] worauf ich sofort den 17.den Juny in Texel [86] glück [f.4v] lich angelanget, und selbigen Tag noch, auff einem Kriegs=Schiffe mit nacher Enckhuisen[87] gefahren, woselbst ich bey meinem Cameraden über Nacht logiret bin; ferner den 18.den dito, habe Ich mich mit aller früher auffgemacht, und von dar auf einen Wagen über Horn[88] nacher Pürmerent[89] gefahren, von dar weiter durch die Beemster,[90]und zwar anfänglich auff einem Fähr Schifflein so mit der Hand gezogen wurde, nachmals aber vollents auff einem Ordinar Schiffgen[91] biß nacher Amsterdam kommen.

Nachdehm es aber bereits späth und Abend war, haben Wir auff der Wesopper Backerey[92] bey einem, nahmens David von der Pud, [93] unser Quartier genommen.

Den 20.sten dito, bin Ich bey guter Zeit verreiset, über Harlem nach dem Haegh, [94] Delfft, Rotterdam und Leyden, umb in gesagten Städten dasjenige zu überantwortten, was mir vom Herrn Graffen [95] war mitgegeben worden, welches in Schreiben, Mahlereyen und Papegoyen[96] bestunde.

Anno 1641.

[f.5r] Den 14.den Augusti, habe Ich mir fernerweit vorgesetzet,[97] vollends nach meinem Vaterlande zu reisen, und meinen Weg über Harlingen [98] durch Frießland genommen; Bin also darauff den 23st. dito, nach Hamburg glücklich angelanget.

Nachdem es aber damahls daherumb gar gefährlich zu reisen war, weil hin und wieder starcke Partheyen streiffeten, [99] bin ich die Elbe langes wieder hinauff biß nacher Magdeburg, gezogen, und ferner auf einer Kuzsche[100] bis Leipzig kommen; von dar aus aber mich vollents nach meiner Geburths Stadt Dreßden verfüget, allwo ich den 12.ten Oktobris glücklich ankommen, und meine liebe Eltern in guten Zustande gefunden, welches beyderseits große Freude veruhrsachete.

Als ich nun derer angenehmen Gegenwarth fast bey 4. Monathen genoßen, erfunde Ich mich [101] mit neüen Reisen zu erlustigen, und wiedrumb nacher Holland zu gehen, von dar aber in Ost Indien zu schiffen; Dann ich nicht gesonnen, Mir auch unmöglich war, in einer solchen stillen Stadt, wie meine Tugendliebende Eltern gewohnet waren, mich nach Bürgerlicher Arth auffzuhalten. Bin derohalben zum andern mahl mit dero Belieben[102] fortgangen: Welchesgeschahe: [f.5v]

Anno 1642.

Den 10.den February, zu Schiffe, in Compagnie[103] Herrn Johann Dilichy, und des Herrn Hoff Marschall Heinrichs von Tauben, Sohne, welcher beyderseits gesinnet waren, in Franckreich zu gehen; da Wir dann langs den Elbstrohm wiederum abfuhren bis nacher Wittemberg; alß aber meine Gefehrden [104] von dar aus zu Lande nacher Holland reiseten, habe ich aus Mangel eines Fahr Zeüges in gemelter Stadt bleiben müßen. Und ob Ich wohl mit einer andern Gesellschafft fortzugehen genötiget wurde, haben Wir doch /: weiln die Elbe an unterschiedlichen Ohrten zu frieren anfinge, :/ bey Tangermünde anlegen und daselbst 10 Tage stille liegen müßen, eher wir haben weg kommen können.

Den 2.en Martij, [105] sind Wir wiedrumb von gedachter Stadt, wiewohl nicht ohne große Gefahr, weiln die Elbe starck mit Eyß ginge, [106] auffgebrochen, kahmen aber doch.

Den 6.ten Martij, in der Stadt Hamburg glücklich an, woselbst Ich mich nachmahls bey einem Schiffer vorsprach, nahmens Menne Mennes, mit demselben nach Amster [f.6r] dam zu seegeln, Worauff Wir auch also zu Schiff gangen, und den 11.ten dito, an das Seegeln gerathen,[107] den andern Tag hierauff gelangeten Wir nach Zell[108] auff Ancker, allda bin Ich ausgestiegen, und in der Güldenen Krone logirete; An diesem Orthe fand ich einen nahen Bluts Freund, welchen ich zu vorn niemahln gesehen hatte; und dieser war meiner leiblichen Mutter Schwester Sohn, mit Nahmen Herrmann, Seiner Kunst ein Mineur oder Bergmeister, in Königl. Dennemärkischen Diensten; [109] Alß mich nun dieser neuerfundener [110] Freund herrlich tractiret[111] hatte, ist Er gegen Abend mit mir nach Schiffe gangen, da Wir einander den lezten Adjeu geben, und also beyde mit naßen Augen von einander geschieden seind. Nachdem aber unser obgedachter Schiffer[112] auff der Cüste von Friesland auff einem großen Dorffe, genannt Maccon, [113] allwo er gezogen [114] und gebohren war, sich etwas lange auffhalten thäte, seind Wir zum andern mahl von großer Kälte angegriffen worden, darbey Unß auch ein großes Sturm Wetter überfiele, habe mich dahero wieder meinen Willen, in die 13. Tage bey diesem Blau Müze [f.6v] gen[115] Bauer in Frießland /: den ich nicht verstehen konte :/ auffhalten, und allda viel Geldt verzehren müßen.

Unterdeßen aber machete ich mich auff, die berühmbte Stad Franecker, umb die daselbst befindliche hohe Schuhle[116] zu besehen. Alß nun das ungestümme Wetter vorbey, seind Wir den 26.sten Martij, wiedrum ans Seegeln kommen, und

den 28.sten dito, zu Enckhuysen angelanget, daselbst Ich am Abend in ein Ordinar-Schiff getreten, und des andern Tages, den 29.sten dito, frühe Morgens zu Amsterdam glücklich eingelauffen, woselbst ich nachmahls einlogiret bin, bey dem alten Johann de Fries, im Graffen von Oldenburg; Weiln aber die Schiffe, mit welchen ich Vorhabens war, nacher Ost-Indien zu gehen, bereits vor etzlichen Tagen abgegangen waren, und auff andere /: welche nicht eher als im Augusto sollten abfahren :/ zu wartten, mir nicht thunlich fallen wolten, zumahlen ich erfahren muste, wie der Münzmeister anfing, mir forthin seine Freundschafft zu versagen,[117] resolvirete mich derohalben unter deßen eine kleine Reise nach der Nordt See zu thun, umb die daselbst ankommende Retour [f.7r] Schiffe[118] zu erwartten, mit welchen Ich auch nachmahls wieder zurückegangen bin. Anno 1642. den 10.den May, sind Wir mit 9. Schiffen vor den Texel gangen, und aldar nach Verlauff zweyer Monathe, nahe bey Holland 10. köstliche vollgeladene Schiffe, /: derer Werth auff 60. Tonnen Goldes aestimiret[119] wurde :/ unterm Commando des Herrn Francois Caron[120] zu sehen, bekommen, wormit Wir nachmahls im Augusto vollents in Holland glücklich einkommen seynd. Hiernechst nun folget die Reise nach Ost-Indien, und was anfänglich meine Dienste gewesen.

Alldieweiln Ich demnach bey denen Herren Bewinntthebern [121] zu Amsterdam der gesagten Qualität von adsistenz[122] zu einiger sonderbaren Condition[123] nicht gelangen kunte, indem zu der Zeit neben mir wohl 40 bis 50. andere mehr, umb dergleichen sollicitirten, [124] aber ebenfalls nichts schaffen konten, [f.7v] Als habe Ich mich endlich bequemen undt mit einer Charge, die Adelporst[125] genannt, a 10 fl. [126] den Monath, benebst einer schrifftlichen Recommendation[127] an die Herren Regierende auff Batavia, [128] vorlieb nehmen müßen, worauff Ich also

Den 29.sten Septembr: 1642. die lang gewünzschte Reise mit Gott habe angefangen, segelnde zu solchen Vorhaben mit einem schönen neuen Fluyt Schiff,[129] der Schwan genannt, aus dem Texel, in Compagnia zweyer andern Schiffe, nehmlich der Vogel Strauß und das Fluyt Schiff [130] genannt; Und nachdehm Wir nunmehro der Insel Wicht,[131] unter Engelland gehörig, und hernacher der Insel St. Vincent zu unsern Verfrischplätzen [132] gebrauchet hatten, eyleten Wir soviel nur möglich, mit unserer Reise, und kahmen mit unsern Schiff

Anno 1643.

Den 17.den April, alle, Gott sey Danck, in salvo, [133] und zwar zur Rhede vor Batavia auff Ancker, weile Wir mit segeln geschwinder waren, denn die andern beyde. Alß Wir nun eine Zeitlang Unß alda auffgehalten, bin Ich nachmahls von [f.8r] dem Herrn Gouverneur, General Antonio von Diemen,[134] von der Miliz gezogen,[135] und Assistent worden, mit 20 fl. per Monath, auch wurde mir zur selbigen Zeit ein Copisten Dienst[136] auffgetragen.

Anno 1647.

den 20.sten Maij, hat mich der Nachfolger gedachtes Herrn von Diemen, nehmlich der Edle Herr General Cornelius von der Lijn, [137] als ersten Schreiber, über alles gemacht, undt per Monath mit 28 fl.-, Salario [138] und 6. Realen [139] Costgeldt, begabet.

Anno 1648.

Habe Ich mich nach Batavia begeben; Und weiln Ich nicht gesinnet war, ein alter Junger Geselle länger zu verbleiben, indehm ich bereits das 35.ste Jahr erreichet, habe ich mich demnach im Nahmen Gottes verheyrathet, mit einer Tugendbegabten Witt Frau, aus der Stadt Wesel in Holland gebürtig, nahmens Frauen Marien, Herrn Aux Brebis seel. hinterlassener Witbe, welche sich damahls bey dem Ober Kauffmann, Herrn Jacob Schweren [140] befunde. [141] [f.8v]

Anno 1649.

den 29.sten Septembr: ist Mir von wohlgedachten Herrn General de Lijn, eine neue Bestallung auff 5. Jahr, nebenst meinem ersten Schreiber Dienste, nahmlich die Bedienung vor Kauffmann,[142] mit Versprechung 56 fl. Salariss und 13. Realen Kostgeldt per Monath, gegeben worden.

Anno 1650.

Bin Ich mit der Equipage Meisters[143] Thys Crab, [144] mit einer offenen Chalouppe[145] von Batavia nach der Straß Sunda geschicket worden, umb ezliche Schreiben von des Herrn Maximilian le Maire [146] /: welcher mit dem Schiffe der Wallfisch, [147] aus dem Vaterlande daselbst angelanget ware :/ abzuholen; Alß Wir nun auff halben Wege, kahm Unß das Schiff Naßau[148] genannt entgegen, welches von der Sumatraschen West Küste mit Pfeffer beladen war.

Indem Wir aber willens, demselben zuzusprechen, trug sichs zu, daßaus Unvorsichtigkeit des Quartiermeisters,[149] Wir mit unser Chaloupp forne an die Schärffe[150] des Großen Schiffes anlieffen, dahero Ich mein Leben zu salviren auff [f.9r] der sinckenden Chaloupp forteylete, und annoch des ausgeschnitzten Löwens Haare,[151] forne am Schiffe zu faßen bekahme; Alleine aber, ehe ich sie kaum ergriffen, muste ich selbige wiedrum fahren laßen, und mich mit Ach und Wehe! von oben herab ins Meer stürzen; Und weiln das Schiff in vollen seegeln, geriethe ich alsobald unter dem Boden, daß das Schiff über mich weg gieng, worvon ich hinter der Masse, [152] weiln an des Schiffs Boden viel große Muscheln sich feste angeleget hatten, ziehmlichen Schaden bekommen, und habe ich, alß ich endlich wiedrum hervorkommen, fast eine halbe Stunde auff den Wasser liegen, und sehr große Gewalt [153] brauchen müßen, ehe man mich wieder heraus ziehen können.

Nach diesem haben Sie vor gut befunden, daß ich mit dem Herrn Wilhelm Verstegen, [154] als Extra ordinar-Rath von India(99) und auserwehlter Commissarius,[155] nach der Nordt von Toncquin[156] nacher Tayowan [157] zu verreisen geruhen möchte, dahero mein Contract auff 54 fl. mir erhöhet, und biß auff 66 fl. per Monath gekommen.


[f.9v] den 20.sten Aprilis, haben Wir diese gefährliche Reise mit dem Jagt[158] Delft Haven [159] von Batavia angefangen, auch glücklich ausgeführet, und alß Wir zurück kommen, sind Wir im Reich Quinam[160] angelanget, woselbst Wir mit dem Könige selbiger Lande in der Stadt Tingelay [161] einenFrieden getroffen, und unsere Gefangene wiedrumb erlöset.

Nachdem Wir nun unser Vorhaben so weit volbracht hatten, seind Wir ferner gezogen, und Ultimo Decembr:[162] auff die Rhede oder Ufer vor Batavia kommen, daselbst Mir nach Verlauff weniger Tagen, von dem Edlen Herrn Carl Reiniersen[163] /: welchem anstat des verreiseten Herrn von der Lijen, das General Guverno anbefohlen war :/ eine stelle in den achtbaren Justitien Raht[164] gegeben worden.

Anno 1653.

den 14. Julij, habe Ich mich, nach dem die conditionirte [165] Zeit verfloßen, fernerweit an die Edle Compagnie auff 3. Jahr lang versprochen, und mit mir der Contract per Monath auff 85 fl. gemacht worden. Bin derowegen mit 2. Jagten, nehmlich dem Schel: und Braunfisch,[166] als Commis [f.10r] sarius und Ambassadeur nachm Kanton in Siena[167] verschicket worden, woselbst ich bey dem Tartarischen Pro Rege[168] eine offene Handlung[169] vor die Edle Compagnie, procuriren mußte;[170] Weiln aber diese Tartarische Creis Völcker[171] ohne erlegung einer großen Summa Geldes, zu keinem gewißen Zweck zu bringen waren, [172] sondern man sich, wenn gleich das Geldt erleget worden, dennoch eines Wiedrigen befahren müßen,[173] Alß habe Ich mich nach vielen ausgestandenen Travallien[174] von diesen Geldtsichtigen Sinesern [175] mit meinen 2. Schiffen aus ihren Hafen wiedrumb auffgemachet, und meine Reise über Tonquin fortgestellet, auch sofort mit dem Schiffe Schelfisch allein /: weiln das andere, der Braunfisch genant, liegen bleiben und in etwas repariret werden muste :/ ungeachtet ich mit einer hefftigen Kranckheit befället war, also daß ich auch an meiner Auffkunfft fast Zweiffel trug, [176] dennoch Gott Lob! den 9ten Decembr: zu Hause glücklich arriviret bin. Nachdem es nun durch Gottes Güthe sich mit mir ziehmlichen wiedrum gebeßert, undt Ich von meinem auffhabenden Angelegenheiten Bericht gethan [f.10v] hatte, bin ich nochmahls zu einer Stimme in Justitien Raht gezogen worden. Ferner aber

Anno 1656.

den 12. Julij, bin Ich alß Obrister,[177] mit dem Jagt Schiff, das Kalb[178] genannt, nacher Japan verschicket worden, auff daß Ich den Edlen Herrn Johann Buchlion [179] nach Jährlicher Gewohnheit von dar ablösen solte. Bin also darauff den 18.ten Augusti daselbst glücklich arriviret.[180]

Alß Ich nun solches verrichtet, und meine von der Edlen Compagnie mitgegebenen Geschencke in des Keysers von Jedo[181] Hoffe, an Ihr: Majt:[182] überliefert hatte, erhub sich, als ich 3. tage alda zu gegen gewesen, in des Nordts Ende der gedachten Stadt Jedo eine erschreckliche Feuers Brunst, [183] mit einem großen Sturm Winde, welche in die 48. Stunden wärete, und nicht allein diese gantz Stadt /: Die alß ein Land groß war :/ [184] meist auffgefreßen, sondern auch des Keysers Pallast und über 160. Tausend Menschen im Feuer umkommen sind: Unß aber thäte der liebe Gott dennoch behütten, vor der Großen Todes Gefahr, wiewohl Wir gar genau[185] [f.11r] durchbrechen und Unß salviren [186] konten; haben also nicht mehr als billich, [187] vor diese sonderbare gnädige Errettung dem Allerhöchsten zu dancken gehabt.

Anno 1657.

Den 27.sten Octobr: bin Ich mit dem Jagt Schiff Blumenthal, [188] wiedrumb aus Japan, mit dem Kauffmann Herrn Johann Detgens, verreiset, indehm Selbigen auffgetragen worden, daß Er hinführo in Tayowan des Gouverneurs Coyet [189] andere Persohn vertretten solte. Wir haben aber den Anfurth[190]selbigen Ohrts, mit großen Bedacht suchen müßen, und alß Wir endlich nach vieler Mühe daselbst angeländet, bin ich 6. Tage alda stille gelegen. Nach diesem bin Ich von Tayowan in Compagnia des Schiffs, der Hercules [191] genannt, ingleichen des Fluyt Schiffleins Der Wächter, wiedrumb abgefahren, und nach dem Wir an das seegeln gerathen, sind Wir darauff

Den 18ten Decembr: vor Batavia zurückkommen, daselbst Wir die Vaterländischen Retour Schiffe /: welche nachmahls am 31.sten hujus,[192] unterm Commando des Herrn Joam [f.11v] Canaeus [193] von dar auffbrachen :/ auf Ancker angetroffen. Und weiln ich dieses Jahr Anno 1658. zum andern mahl auff meiner Reise alß Obrister ferttig stunde, der Edlen Compagnia vortreffliche Negotia [194] in Japan fortzustellen,[195] seind mir von dem Edlen Herrn Joan Maat Zuchern[196] als Nachfolgern des Verstorbenen Herrn Reyners, und denen Herren Räthen [197] 100 fl.- per Monath ohne Contract zu geleget worden. Worauff Ich alsoforth auff den Fluyth Schiff Venenburg, von Batavia wiedrumb abgereiset, auch anfänglich gar glücklich fortgeseegelt; Alß Wir aber in dem Monath Augusto, bey die Maccause Insulen [198] auff die Sienesische Cüste geriethen, sind Wir von einem grausamen und ganz gefährlichen Sturm[199] überstürzet worden, wie Wir dann nicht anders vermeynten, es wirde das Schiff und alles zu trümmern gehen müßen, wie denn das unsere gröste Noth war, daß Wir unß stets zu versehen hatten, wann Wir würden anlauffen und zu Grunde gehen. Alß Wir aber den Aller [f.12r] höchsten umb seine Göttliche Hülffe anrieffen, fing dieses große Ungewitter, nachdem es ungefehr in die 12. Stunden grassiret, [200] an, sich wiedrumb zu legen und stille zu werden, also, daß wir ferner segeln und unsere Reise fortsetzen konten: Maßen[201] Wir auch solche den 7.den Septembr: unter unsern versprochenen[202] Insulen, Schisima [203] biß in die Baya[204] vor Nangasacki, glücklich vollezogen haben

Anno 1658.

Nachdem nun die Handlung[205] in Japan auff dieses Jahr, glücklich und mit guten Avance[206] zu Wercke gerichtet,[207] auch alles was Unß sonst befohlen war, zum effect gebracht,[208] habe Ich mir vorgenommen, meine Reise von dar recte[209] nach Batavia zu nehmen, maßen denn auch zu solchem ende, das Fluyt Schiff Haversen [210] seegelferttig stunde, Bin also

Anno 1659.

wiedrumb von Nangasacki, nach Baij[211] verreiset; Weiln aber der Verordnete Schiffer(**) auf gedachten Schiff ganz unerfahren, und Selbiger Quartire[212] nicht kundig war, führete Er mich einmahls in der Nacht unter die gefährlichen Klippen de Parcelles[213] genannt, Als nun [f.12v] Morgens begunte der Tag anzubrechen, befunden Wir Unß rund herumb von selbigen umbgeben, welches denn sehr grausam anzusehen war, auch fast bey nahe alle ersoffen wären, weiln die dumme Schiff Leuthe die gantz Straße Bance[214] genannt, verfehlet hatten; Jedoch geriethen Wir endlich den 20.sten Decembr: nach vielen Arbeiten, mit schönen Wetter unter Paulo lingen[215] daselbsten Wir nachmahls 4. Tage in Hafen wartten musten, ehe Wir wiedrumb von dar in der gesezten Straße fortkommen konten. Seind also darauff Gott lob! gar glücklich zu Hause angelanget.

Anno 1660.

Den 22.sten Augusti, bin Ich abermahls nebst dem Edlen Herrn Jacob Carack [216] mit dem Fluyt Schifft, der Postillion genannt, als Commissarien nacher Macasser [217] verschicket, daß Wir mit selbigen Könige, laut unserer mitgegebenen Instruction einen gewißen Frieden treffen solten.[218]

Den 12.ten Novembr: bin Ich mit gesagten Fluyt Schiffe alleine wieder zurücke gangen, umb von allen, was Unß begegnet, und Wir ausgerichtet, ausführlichen Rapport zu [f.13r] thun, indehm wohlgedachter Herr Carack wegen ezlicher importanter Sachen[219] in unserer Fortresse Panno Kolla[220] zurücke bleiben muste.

Anno 1661.

Habe Ich im Anfange dieses Jahres, damit ich auser Geschäfften nicht seyn dürffe, das Ober Bau Meister Ambt[221] angetretten, indehme solches durch Absterben Herrn Johann Listingen damahls vacant wurde; Ist mir dannenhero zum 3.ten Mahl eine Stelle im Justitien Rathe gegeben worden.

Nachdem ich aber befande, daß Mir dieses Ober Bau Meister Ambt zuviel Lauffens und Reisens veruhrsachete, auch meine Gichtige Beine solches nicht wohl vertragen konten, habe ich selbiges wiedrumb fahren laßen, und um das Commandeur Ambt an Caapo de Bona Esperance[222] mich beworben, welches ich auch erhalten; Und bin kurz darauff, als

Anno 1662.

Den 30. Januarij, von Batavia mit meiner Haußhaltung auffgebrochen, und auff den Jagt Schiffe der Angelier,[223] ingleichen dem Fluyt Schiffe der Starcke genannt, mich dahin be [f.13v] geben, umb den Herrn Commandeur Johann von Riebeck [224] daselbst abzulösen, /: welches Zwart [225] von Herrn Gent von Horn[226] geschehen sollen, weiln aber Selbiger, alß Er auff der Reise begriffen gewesen, verstorben, bin ich an seine statt zu solchem Ambte erkieset[227] worden, :/ Seind also ganz geschwindt und fast in 16. Tagen, mit gedachten beyden Schiffen auff der Caapo, oder Burgk Eck[228] von Affrica ankommen.[229]

Alß Wir nun in der Bay daselbst fortschiffeten, [230] erfuhren Wir, daß von Denen 7. kostbaren Retour Schiffen, welche Wir in vergangenen Monath, unterm Commando des Edlen Herrn Arnold de Flamminus von Outshorn [231] ehe dann Wir verreiset, gesehen, Viere davon wegen eines zugestoßenen schrecklichen Ungewitters untergegangen wären, welches auff der Höhe der Mauritius Insel geschehen.

Anno 1663.

Im Monath Februarij, habe Ich von den Edlen Herrn Bewintthebern aus Holland Brieffe erhalten, und daraus mit Freuden verstanden, daßwohlgedachte Herren nicht allein [f.14r] die Beförderung meines Commandeur Ambts approbiret[232], sondern auch resolviret, daß ich eben das Tractament,[233] so mein Antecessor gehabt,[234] genüßen solte.

Anno 1664.

Ist Mir über Landt ein Schreiben aus der Bay St. Helena [235] überbracht worden, geschrieben von Herr Heinrichen von Müllern, welcher mich berichtet, daß in dem Schiffe, das Wappen Horn[236] genannt, unter dem Volcke deßelben, eine große Conspiration entstanden; Dahero Er seinen Schiffer und Officirer in Arrest nehmen lassen. Bin Dahero des andern Tages darauff mit 3. Pferden in das Fluyt Schiff, das Wasserhuhn [237] genannt, getretten, umb dahin zu fahren; habe aber den andern Tag hierauff weiter nicht alß bis in Santanhia Bay [238] kommen können, dahero ich gezwungen worden, nachmahls mit 2. Reuthern [239] über Land zu gehen; Allein, alß wir daselbst angelanget, seind Wir von ezlichen Hottentoten[240] berichtet worden, daß gedachtes Schiff den vorigen Tag wiedrumb abgangen, und nach der Caap seegeln wollen. Musten derowegen unverrichteter Sache wiedrum zurück [f.14v] nacher Santanhia Bay gehen; Maßen Wir auch sofort den 3.ten tag daselbst wieder angelanget seind. Weiln aber unterdeßen unser Schiffer die ersten Ancker quittiret, [241] und wohl 2. Meilen tieffer in die Bay geseegelt ware, haben Wir Unß selbige Nacht ganz abgemattet und müde, an dem Strande alda niederlegen und zur Ruhe begeben müßen; am Morgen frühe aber erfuhren Wir mit Schrecken, daß nur etliche wenige Schritt von Unß, ein Löwe vorbey gangan; daß offenbahrete sich des großen Menschen Beschirmers [242] sonderbahre Absicht, daß keiner von Unß Dreyen in seine grimmige Klauen gefallen war. Alß Wir nun endlich glücklich wiedrumb zu Hause angelanget, trug sichs zu, daß

Anno 1666.[243]

Der Allerhöchste meine geliebte Hauß Frau /: nachdem dieselbe ohngefähr einen Monat kranck darnieder gelegen, und viel Schmerzen ausgestanden :/ durch den zeitlichen Todt abgefordert, habe mit Ihr 18. Jahr und 4. Monath, eine recht Christliche und friedliche Ehe, jedoch ohne Kinder, beseßen, und Sie nachmahls in eine kleine Capelle, die Ich selbst an der Caap [f.15 r] erbauen, darein beysezen, und begraben laßen; Welcher der Allerhöchste eine sanffte Ruhe, und dermahleinsten das Ewige Leben verleihen wolle. Nach diesen und zwar den 26.sten Septembr: Ist endlich mein lang erwüntschter Erlöser, der Edle Herr Cornelius von Qualbergen,[244] auff dem Schiffe Dordrecht genannt, angelanget, welcher anhero zu reisen, ganzer 8. Monath müheseelig zugebracht, und in die 190. Persohnen durch den Schaarbock [245] und andere Kranckheiten verlohren hatte. Nachdem ich nun auff Anordnung der Edlen Herren Sieben Zehender, [246] gedachten Herrn Qualbergen gebührliche Instruction gegeben, wie auch alle meine unterhabende Sachen transportiret, und das völlige Commando überreichet hatte, Bin Ich den 1.sten Octobr: auff obengemelten Schiffe Dortrecht, nebenst meiner Stiff Tochter,[247] so meine Seelige Frau hinterlaßen, Marien de Bucquoij[248] genannt, eine Witbe, des seel: Ober Kauffmanns, Herrn Cornelij Vorburgs, [249] nacher Batavia auffgebrochen, auch daselbst, ob es schon vielfältig sehr stille [250] war, dennoch glücklich angelanget, [f.15v] und unsern Eintritt in eines Vornehmen Bürgers Hauß alda, nahmens Herrn Jacquas Bolan, genommen, allwo ich mich nachmahls mit meiner Frau Stieff Tochter, in beyseyn Zweyer Schiedts Leute verglichen, und meine Güther getheilet, worauff alßdann ein jedes nach seinen eigenen Wohnplaze gekehret.

Anno 1667.

Den 1.sten Septembr: Bin Ich von daraus, auff dem Schiffe der Erasmus genannt, an dem Keyser von Groß Javan oder Mataram, [251] nebenst 2. schönen Persianischen Pferden und zwey andern ansehnlichen Praesenten verschicket worden, umb dadurch die alte Freundt: und Nachbarschafft zu verneuern; Und ist unser erster Ancker Plaz auff der Refier[252] von Samaranus [253] gewesen, woselbst Ich des andern Tages mit allen und jeden an das Land gefahren, in 6. oder 7. Tagen darauff unsere Reise über Landt in die Stadt Mataram genommen. Alß Ich nun daselbst verrichtet, was mir befohlen worden, seind Wir mit einem großen Comitat [254] wiedrumb zurücke nacher [f.16r] Samaranus gangen, und von dar über das Meer nacher Japan, allwo Ich mich nach ezlichen Tagen Auffhaltung mit meiner Suite [255] wiedrumb zu Schiff begeben, und Ultimo Novembris mit gesagten Jagt Schiffe auff die Rhede vor Batavia glücklich ankommen bin. Worauff Ich nachmahls denen Edlen Herren, von allen, was mir befohlen, und was ich ausgerichtet, gründlich rapport gethan.

Alldieweiln Ich nun der Zeit der General=Ost=Indischen Compagnie schon über 25. Jahr nacheinander gedienet, und nun gesinnet war, mich nach dem Vater Lande zu wenden, habe Ich im Rathe von India umb meinen Abschied Ansuchung gethan, selbigen auch erlanget. Wiewohln der Herr General Maat Zucker gerne gesehen, daß Ich resolviret gewesen, länger alda zu vorbleiben, maßen Er Mir Denn sein lustiges[256] Garthen Hauß vorm Thore praesentiren thäte, umb nahe bey der Refier meinen Wohnplatz auffzuschlagen; Allein aber, weiln ich mir solches fest vorgenommen hatte, thät Ich mich höfflich bedancken, und bin darauff in Nahmen Gottes [f.16v]

Anno 1667.

Den 8.ten Decembr: mit 6. Schiffen von Batavia unter den Herrn Admiral Johann von der Lahn [257] abgangen, da mir die andere, als Vice-Admiral Flagge übergeben worden, das Schiff, das Wappen von Mittelburg [258] genannt, vor die Cammer in Seeland gehörig;[259] Alß Wir nun auß der Enge Meer Straße Sunda in See kommen, sind Wir alle Sechße

Anno 1668.

Den 22.sten Februarij, bey schönen Wetter in der Taffel Bay [260] wohl angelanget, woselbst Wir von Caap de Bona Experance mit großen Freuden vernommen, wie nunmehr der lang gewüntschte Friede, zwischen unsern Herren Staaden und den Könige in Engelland zu Breda gemacht wäre. [261] Alß Wir nun daselbst stille lagen, seind bey Unß den 10.den Martij, die übrigen 4. Schiffe, welche zu Batavia /: weiln sie noch ein und das andere einzuladen hatten :/ zurück geblieben waren, ebenfalls in gedachter Bay glücklich arriviret. Ingleichen ist allda auch zu [f.17r] Unß auff Ancker kommen, das Schiff Thuys de Felsen, [262] genannt, welches von der Cammer zu Amsterdam ausgesand worden und 14. Gefangene Verräther /: so meistentheils Nordt Leüthe[263] waren :/ auffhatte, welche zu gewißen Zeiten ihre Officirer in der Cajut [264] am Tisch angreiffen und ermordten wollen, umb sich nachmahls des Schiffs zu bemeistern; [265] diese seind, nach dem über sie gebührliches Urtheil eingeholet, Fünffe der Vornehmsten, so zu dieser bösen intention Anleitung geben, [266] vor das Furth [267] an einen Galgen gehencket, Sieben andere gegeißelt, gebrannt, gezeichnet, und ezliche in Ketten geschlagen, welche nachmahls andern zum Abscheu und Exempel, an der Compagnie Gemeinen Wercke arbeiten musten.

Anno 1668.

Den 26.ten Martij, Sind Wir mit der gantzen Flotte, nehmlich 10. köstlichen Retour Schiffen, aus obgedachter Taffel Bay, oder Taffel: auch Leuenberg[268] genannt, wiedrumb abgefahren, und waren diese Schiffe benahmet:[269]

Der holländische Hayn, [f.17v]

das Wappen von Mittelburg,


Die Freyheit,



Die Sprecan,

Das Outshorn

Der Tieger und

Der junge Printz

seegelnde also damit zwischen der festen Cüst und rothen Eyland [270] durch und geriethen gegen Abend ins geräume Meer. Worauff Wir so fort unsern Currs beschleinigten,[271] undt im Monat Julio allesambt in Holland glücklich und wohl arriviret [272] seindt. [f.18r]

Tit: [274]

Herr Zacharias Wagner ist in obgemelten[275] Monat Julio mit Zehen Retour Schiffen, als Vice Admiral in See Land[276] zwart wohl dem Leibe nach, aber ziehmlich matt und schwach ankommen, nachdem er sich zu Mittelburg[277] wenige Zeit auffgehalten, ist Er, umb sich der Medicin beßer zu gebrauchen, nacher Amsterdam gereiset, und sein Logier daselbst in der sogenannten Warmstraße,[278] allwo die Stadt Prag zum Zeichen aushängt,[279] genommen, der Herren Medicorum[280] Rath und Hülffe sich gebrauchet, aber dieselbe hat allerdings nicht anschlagen wollen, also daß Er daselbst am 1sten Octobr: Anno 1668 in dem Herrn sanfft und seelig als ein guter Evangelischer Christ gestorben, und den 6.ten dieses darauff christlich und ansehnlich durch Begleitung vieler hohen und andern Persohnen in die reformirte Kirche [281] genannt, beygesetzet und begraben worden, Nachdem Er, nach vielen ausgestandenen großen, schweren, weiten und gefährlichen Reisen, so wohl zu Waßer alß zu [f.18v] Lande, sein ganzes Alter auff Vier und Fünffzig Jahr 5. Monath, alß Sieben Jahr in Braßilien oder West=Indien und Acht und Zwanzig Jahr in Ost=Indien, rühmlichst zugebracht und abgeleget hat.


  • BARL: Brasilianische Geschicht / Bey Achtjähriger in selbigen Landen geführter Regierung Seiner Fürstlichen Gnaden Herrn Johann Moritz / Fürstens zu Nassau ec. Erstlich in Latein durch Casparem Barlaeum beschrieben / Und jetzo in Teutsche Sprach ubergesetzt. Cleve / Gedruckt bey Tobias Silberling Im Jahr 1659.
  • BOXR: C.R. Boxer (Hrsg.): A true description of the mighty Kingdoms of Japan & Siam by Francois Caron & Joost Schouten. Reprinted from the English edition of 1663. London 1935.
  • MEIS: Der Orientalisch=Indianische Kunst= und Lust=Gärtner [...] Dresden, In Verlegung des Autoris, druckts Johan Riedel Anno 1692.
  • MERK: Journal, oder Beschreibung alles desjenigen, was sich auf währender, unserer neunjährigen Reise, im Dienst der Vereinigten, geoctroyrten, Niederländischen Ost=Indischen Compagnie, besonders in denselbigen Ländern täglich begeben, und zugetragen [...] Durch Johann Jacob Merklein, von Winsheim, vorbemeldter Compagnie dazumal Chirurgum, und Barbirern. [...] Nürnberg 1663 / 1672. Neudruck in S. P. L'Honore Nabers Reisebeschreibungen von deutschen Beamten und Kriegsleuten im Dienst der Niederländischen West- und Ost-Indischen Kompagnie. Dritter Band. Haag 1930.
  • MONT:@ Denkwürdige Gesandtschafften der Ost=Indischen Gesellschaft in den Vereinigten Niederländernan unterschiedliche Keyser von Japan [...] Aus den Schriften und Reyseverzeichnüssen gemelter Gesanten gezogenDurch Arnoldus Montanus. [...] Zu Amsterdam Bey Jacob Meurs [..] 1669.
    Dies ist die deutsche Ausgabe der im selben Jahr erschienen Gedenkwaerdige Gesantschappen der Oost-Indische Maetschappy in't Vereenigde Nederland, aen de Kaisaren van Japan [...] Getrokken uit de Geschriften en Reiseaentekeninge der zelver Gesanten, door Arnoldus Montanus, tf Amsterdam, By Jacob Meurs [...] 1669.
  • NACH: O. Nachod: Die Beziehungen der Niederländischen Ost-Indischen Kompagnie zu Japan im siebzehnten Jahrhundert. Leipzig 1897.
  • NEUH: Die Gesantschaft der Ost=Indischen Geselschaft in den Vereinigten Niederländern an den Tartarischen Cham und Sinischen Keyser Verrichtet durch die Herren Peter do Gojern und Jacob Keisern. [...] Sämptlich durch den Herrn Johan Neuhof, damahligen der Gesandtschaft Hofmeistern und jetzund Statthaltern in Koiland. Jetzund zum zweiten mahle hier und dar verbessert und üm ein guhtes theil vermehret heraus gegeben. In Amsterdam Gedruckt und verlegt durch Jacob Mörs [...] Anno 1669.
    Dies ist die 2. deutsche Ausgabe [1. Ausg. 1666] von: Het Gezantschap Der Neerlandtsche Oost-Indische Compagnie, Aan Den Grooten Gesandtschap der Neerlandtsche Oost-Indische Compagnie aan den Grooten Tartarischen Cham [...], Beneffens Een Naukeurige Beschrijving der Sineesche Steden, Dorpen, Regeeringh, Wetenschappen, Hantwercken, Zeden, Godsdiensten, Gebouwen, Drachten, Schepen, Bergen, Gewassen, Dieren &c. en Oorlogen tegen de Tarters. Door Johan Nieuhof; Toen eerste Hofmeester des Gezantschaps, tegenwoordig Opperhooft in COYLAN. t'Amsterdam, By Jacob van Meurs, Boekverkooper en Plaetsnijder, op de Keyzers-graft, schuyn over de Wester-marct, in de Stadt Meurs. Anno 1670. [...] T'Amsterdam By Jacob van Meurs [...] Anno 1665.
  • SCHM: Die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden nach West- und Ostindien 1642-1652. Nach einer bisher unveröffentlichten Handschrift bearbeitet und herausgegeben von Wolfgang Joost. Weinheim 1983.
  • VALE: F. Valentyn: Oud en Nieuw Oost-Indien. Dordrecht 1724-26. [5 Teile in 8 Bänden]
  • WAG1: Thier Buch / darinnen / viel unterschiedener Arter der Fische vögel vierfüssigen Thiere Gewürm, Erd= und / Baumfrüchte, so hin undt wieder in Brasilischen bezirck, und gebiethe, Der Westindischen Com / pagnie zu schauwen undt anzutreffen [...] Alles selbst [...] bezeiget / In / Brasilien / Unter hochlöblicher Regierung des hochgebornen / Herren Johand Moritz Graffen von Nassau / Gubernator Capitain, und Admiral General / von / Zacharias Wagenern / von Dresden. [Kupferstich-Kabinett Ca. 226 a. M. [a] 7a]
  • WAG2: Kurtze Beschreibung / Der 35. Jährigen Reisen und Verrich= / tungen, welche Weyland / Herr / Zacharias Wagner / in Europa, Asia, Africa und America, / meistentheils zu Dienst der Ost= und West= / Indianischen Compagnie in Holland, / rühmlichst gethan und abgeleget, / gezogen aus des seelig= gehalte=nen eigenhändigen Journal". [Kupferstich-Kabinett Ca. 226 b. M.(a) 7b]


  • ADB: Allgemeine deutsche Biographie. 1875-1910.
  • BWN: A. J. van der Aa. Biographisch woordenboek der Nederlanden. Haarlem 1852-1878.
  • DBF: M. Prevot, R. D'Amat. Dictionnaire de Biographie Française. Paris 1933-
  • ENI: Enzyklopaedie van Nederlandsch-Indië. eS-Gravenhage, Leiden 1919.
  • GRI: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, 1838-1960, München 1984.
  • MGK: Meyers Großes Konversationslexikon, Leipzig und Wien 1905-1908.
  • NNB: P.C. Molhuysen, P.J. Blok. Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek. Leiden 1911-1937.
  • TOK: Historical Documents Relating to Japan in Foreign Countries. An Inventory of Microfilm Acquisitions in the Library of The Historiographical Institute [Shiryo Hensan-jo], The University of Tokyo. Vol. I - IV. The Netherlands, Tokyo 1963-65.
  • ZED: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschafften und Künste [...] Leipzig und Halle, verlegts Johann Heinrich Zedler. 1732-1750.

[1] Montanus, S. 358-395
[2] Seit 1595 stießen die Niederländer nach Ostindien vor, nachdem Philipp II. sie vom portugiesischen Gewürzhandel abgeschnitten hatte. In der ersten Phase finden wir konkurrierende kleine Gesellschaften in vielen Häfen, die sich 1602 zu einer von den Generalstaaten lizenzierten Vereenigde Oost-Indischen Compagnie (VOC, auch OIC) mit einem Stammkapital von rund sechs Millionen Gulden zusammenschließen. Diese Compagnie steht unter dem Schutz der Staaten von Holland und ist mit Hoheitsrechten ausgestattet. Sie besteht aus den sechs Kammern Amsterdam, Rotterdam, Zeeland, Delft, Hoorn und Enckhuyzen, die je nach ihrem Kapitalanteil aus dem Kreis ihrer Bewindhebber genannten Befehlshabern nach einem festen Schlüssel einen bis acht Vertreter in den siebzehnköpfigen leitenden Ausschuß, die Heeren seventienen, entsenden. Viele Aufgaben werden zwar an Kommissionen delegiert, doch die letzte Entscheidungsgewalt hat dieses Direktorium, das sich zwei- bis dreimal jährlich in Amsterdam oder Middelburg versammelt.
In Ostasien liegt die Entscheidungsgewalt bei einem Rat von Indien (Raad van Indie) mit dem Generalgouverneur an der Spitze. Im Mutterland interessiert man sich für die Vorgänge in den eKolonienf nur unter dem Aspekt der Gewinnmaximierung. Die Wahl der Mittel ist weitgehend freigestellt. Auch die Rechtssprechung dort verselbständigt sich. Seit 1620 ist die oberste Instanz der Raad van Justitie in Batavia, dessen Vorsitz einer der Räte von Indien innehat. Zur weiteren Expansion und zur Sicherung unterhielt die VOC eine eigene Armee, zur Verwaltung einen großen Verwaltungsapparat und zum Transport in Ostasien und für den Verkehr mit den Niederlanden eine umfangreiche Flotte. Die geographischen Dimensionen Südostasiens machten Außenstationen notwendig, an deren Spitze ein Gouverneur stand. Zur Zeit der größten Expansion zählten hierzu: Amboina, Banda, Ceylon, Coromandel, die Kapkolonie, Malakka, Makassar, Ostjava, Ternate. Überdies gab es noch eine Reihe kleiner Faktoreien, darunter die in Nagasaki, welche in der Regel von Oberkaufleuten verwaltet wurden.
[3] Jan Nieuhof (Nijhof, Nijhov), geb. 22. Juli 1618 in Uelzen (Grafschaft Bentheim), ging zunächst für die Westindische Compagnie als Kaufmann nach Brasilien. Eine Beschreibung dieser gBrasiliaensche Zee- en Landreizeh gab sein Bruder Hendrik 1682 bei Jacob van Meurs heraus. Danach war er für die VOC in Ostindien tätig, wo er 1655 die Gesandtschaftsreise nach Peking als Hofmeister mitmachte.
[4] Cham: Khan
[5] Sinisch: chinesisch
[6] Unter den tungusischen Stämmen der Mandschurei hatte sich der Dschurdschen-Führer Nurhaci 1616 zum Khan einer Dynastie Hou Jin (in Anlehnung an den alten Dynastienamen der Dschurdschen) erklärt und eine Expansionspolitik entwickelt, die sein Sohn und Nachfolger Abahai seit 1626 fortsetzte und im Zusammenspiel mit Naturkatastrophen und inneren Schwächen des chinesischen Reiches zum Zusammenbruch der Ming-Dynastie führte. 1635 gab Abahai seiner Nation den Namen Mandschu und 1636 seiner Dynastie die Bezeichnung Da Qing (etwas eGroße Klare'), abgekürzt Qing. Im Jahre 1644 schließlich bestieg der Nachfolger Abahais, Fu lin, unter der Regierungsdevis Shun zi den chinesischen Kaiserthron und begründete die letzte Fremddynastie in China, welche bis 1911 überdauern sollte.
Auf diesen Fremdherrscher Shun zi weist Nieuhof mit seiner Formulierung gTartarischen Cham und Sinischen Keyserh hin.
[7] Jan Nieuhof: Het Gezantschap Der Neelandtsche Oost=Indische Compagnie aan den Grooten Tartarischen Cham, Den tegenwoordigen Keizer van China [...] Amsterdam 1665. (deutsche Ausgabe siehe Neuhof).
Dieses Buch schildert im wesentlichen eine von Joan Maetsuyker, dem Generalgouverneur der VOC zu Batavia, 1655 zum chinesischen Hof entsandten Delegation, an deren Spitze Pieter van Goijer und Jacob Keijser standen. Sie sollten versuchen, für die Niederländer einen freien Handel mit China zu erreichen. Jan Nieuhof hatte unterwegs zahlreiche Skizzen und Notizen angefertigt, so daß er sein Buch mit mehr als 150 Kupferstichen illustrieren konnte. Am Hofe in Peking wirkten europäische Jesuiten in hohen Positionen, Übersetzer der chinesischen Seite war der deutsche Jesuit Johann Adam Schall von Bell. Nicht zuletzt diesen Einflüssen zufolge spiegelten sich die Niederländer in den Augen der chinesischen Behörden als eine Art Seenomaden wider. Das auch für Auswärtiges zuständige Riten-Ministerium gewährte der VOC schließlich das Recht, alle fünf Jahre Tributgeschenke darzubringen, was der Kaiser Shunzi dann auf acht Jahre verlängerte.
[8] Neuhof, S. 27-29. Als Primärquelle findet sich hierzu in der Collectie Sweers, van Vliet, Specx, e.a. Eerste Afdeling. No. 4 des Amsterdamer K.A. unter den Oost-Indische brieven, extracten en acten sedert 1623-1655 auf den Blättern 252-268 die Abschrift einer gInstructie voor Zacharias Wagenaar afgesant aan de Tartarische regeringe tot nader ondersoeck van acces in China vervolg van den nieuwen Chinesen handel. Casteel Batavia, 28. Julij 1653.h (s. TOK Bd.IV, S. 355)
[9] Neuhof, S. 28
[10] Zur Biographie Meisters siehe Zedler, auch W. Michel: Die Japanisch-Studien des Georg Meister (1653-1713). Dokufutsu Bungaku Kenkyu Nr. 36, Kyushu University, Fukuoka 1987.
[11]@ MEIS, S. 199f.: gweil bey den großen und schrecklichen Brand zu Jedo Anno 1656. eben zu der Zeit als der Herr Zacharias Wagner von Dreßden aus Sachsen bürtig / daselbsten Ober=Haupt und Holländischer Abgesanter zu Jedo war / so die Japonner zu meiner Zeit noch kennten / und ihn den Donnermann heissen, weil er allezeit ernsthafft und scharff sich gegen sie erzeiget hätte / in welchen schrecklichen Brande aber nicht allein über die Hundert Tausend Häuser in wenig Zeit oder Tagen verbrennet / sondern auch über Hundert Tausend Menschen jämmerlich verunglücket / maaßen die große Käyserliche Residentz und viele kostbare Palläste derer Unter=Könige auch nicht davon befreyet gewesen.h
Im Japanischen gibt es ein Verb edonaruf , das soviel wie wütend brüllen bedeutet und dem deutschen edonnernf semantisch wie auch phonetisch nicht unähnlich ist!
[12]@ London, printed for Awsham and John Churchill, at the Black Swan in Pater-Noster-Row MDCCIV, S. 552-556. Dieser eshort account e ist auch in den folgenden Auflagen von 1732, 1744/46 und 1752 enthalten.
[13] Zedler kannte offensichtlich nur Meisters Buch als Informationsquelle.
[14] (Valentijn, Teil 5) Beschryvinge van den Handel en Vaart der Nederlanderen op Japan. Negende Boek. S.43, 96f.
[15] (Valentijn, Teil 5) Beschryvinge van de Kaap der Goede Hoope. Thiende Boek. S. 40, 127.
[16] Im BWN (Band 20) findet man weiter ein paar Literaturangaben, die - mit Ausnahme Nieuhofs - von geringer Bedeutung sind.
[17] Kommissionsverlag von A. Huhle, Dresden 1888, S. 59-78
[18] ADB, Bd. 40 (1896)
[19] a.a.O. S. 395-414. Schaeffer hat die Richtersche Ausgabe samt den Anmerkungen übernommen und um ein paar eigene Zusätze erweitert.
[20] Zo wijd de wereld strekt. Tentoonstelling naar aanleiding van de 300ste sterfdag van Johan Maurits van Nassau-Siegen op december 1975. Koningklijk Kabinet van Schilderijen. 21.12.1979-1.3.1980. Siehe Ausstellungskatalog S. 134, Abb. 101.
[21] Seit 1641 war die künstliche in der Bucht von Nagasaki aufgeschüttete Insel Dejima (Deshima) der Sitz der Faktorei. Hier lebten die Niederländer unter Bewachung der japanischen Behörden. Auch Inhalt und Form des Handels unterlagen strenger Kontrolle. Das offizielle Tagebuch des Faktoreileiters verzeichnete alle den Umgang mit den lokalen Behörden betreffende Ereignisse, ein- und auslaufende Schiffe samt ihren Ladungen, wichtige Beobachtungen, die Ereignisse während der alljährlichen Reise nach Edo u.a.m.
[22] Höhepunkt dieser dem jeweiligen Leiter der Faktorei auferlegten eHofreisef war eine Audienz beim Sho–gun (ekeijserf) in der Hauptstadt Edo, dem man seine Reverenz zu erweisen hatte. Außerdem wurden diverse Pflichtgeschenke überreicht und Wünsche für das folgende Jahr entgegengenommen. Montanus wertete die Hofreise Wagners zur Gesandtschaftsreise auf, weil dieser für die Niederländer wichtige Verhandlungen führen sollte. Aus japanischer Sicht handelte es jedoch nur um eine Routineaudienz.
[23] sedert: seit, von
[24] s. TOK Bd. I, S. 22f. Hiervon gibt es eine weitere gCopie dagregister door Z. Wagenaer, enz. van 2. Nov. 1656 tot 21. Oct. 1657h (s. TOK Bd.IV, S. 101)
[25] s. TOK Bd. I, S. 23.
[26] An dieser Stelle sei nur darauf hingewiesen, daß neben den auf Japan bezogenen Materialien noch zahlreiche andere Dokumente aus Batavia im Amsterdamer Koloniaal Archief lagern, welche Wagners Tätigkeit in Südostasien und Südafrika beleuchten.
[27] s. TOK, Bd.I, S.95, 96
[28] s. TOK, Bd.I, S.95f., 97, 176
[29] TOK Bd.IV, S.100f.
[30] Im Gegensatz zur Ostindischen Compagnie war die West-Indische Compagnie (WIC) der Niederländer nicht von langer Dauer. Sie umfaßte die fünf Kammern Amsterdam (4/9 der Einlagen), Zeeland (2/9), de Maas (1/9), Noordholland (1/9) und Friesland mit Groningen (1/9). Es gab insgesamt 74 eBewindhebbersf und ein Direktorium von 17 Köpfen ('Heren Negentien'). Bei ihrer Gründung 1621 erhielt sie das Handelsmonopol für die westafrikanische Küste, die amerikanische Küste und die Inseln des Pazifik. Sie übernahm die Besitzungen der gCompagnie van Nieuw=Nederlandh einschließlich Nieuw Amsterdams (heute New York). Auch in Südamerika dehnten die Niederländer ihren Einfluß aus, der sich im Zenith über Essequibo (dann mit Demerary vereint), Verbice, Brasilien, Curacao, St. Eustatius, Saba, S. Martin und Surinam erstreckte. An Afrikas Westküste wurde St. Geroge d'Elmina erobert. Zu den rasch wachsenden Defiziten gesellten sich schon bald territoriale Verluste. Brasilien mußte 1661 an Portugal abgetreten werden, 1664/74 ging Nieuw=Nederland an England. Zwar folgte nach der Aufhebung der Gesellschaft 1674 unmittelbar eine neue Westindische Compagnie mit begrenztem Monopol, die aber ebenfalls finanziell wenig erfolgreich war, so daß gegen Ende des 18. Jh. der gesamte westindische Besitz vom Staat übernommen wurde.
[31] s. Anm. 17 des Abschn. 3
[32] s. WAG1
[33] Das Buch zeigt Fische, einige Krustazeen (S.1-27), Vögel (S.28-44), Früchte, Pflanzen (S.45-63), Vierfüßer (S. 64-83), Insekten (S.84-90), Schlangen, Eidechsen (S.91f.), Einheimische (S.93-100), Ethnographisches samt einem Plan von Recife (S.101-110), darunter eine Zuckermühle (S.108) und ein Kesselhaus (S.109). Die besagte Karte findet sich auf S.110.
[34] s. die eAutobiographief im Abschnitt 3 dieser Arbeit, 1633
[35] Frans Post wurde ca. 1612 in Haarlem als Sohn eines Malers geboren und starb dort am 16. Febr. 1680. Er war der Bruder des berühmten Architekten Pieter Jansz Post, dem Erbauer des eMoritzhausesf in Den Haag. Er selbst lernte die Malerei und Gravur und ging dann durch Vermittlung seines Bruders von 1633 bis 44 nach Brasilien. 1646 kehrte er nach Haarlem zurück, wo er sich besonders durch seine Gemälde von tropischen Landschaften und den dortigen Volksbräuchen einen Ruf erwarb. Eine Reihe seiner wichtigsten Werke zeigt der Katalog der erwähnten Ausstellung im Mauritshuis 1979 (s. Anm. 20).
[36] Georg Markgraf (Marcgraf) wurde am 20. Sept. 1610 in Liebstadt geboren und starb im Jan. 1644 bei der Exploration der Küstenregion Guineas. Nach medizinischen und naturkundlichen Studien und Reisen in Europa ging er in Begleitung W. Pisos 1638 nach Brasilien und erkundete den gesamten niederländischen Einflußbereich. Nach seinem frühen Tod durch ein Fieber blieb der Plan einer großen Beschreibung Brasiliens unvollendet. Seine Beobachtungen Tier- und Vergetationswelt Südamerikas wurden mit denen Pisos zusammen publiziert: G. Pisonis de medicina Brasiliensi libri IV; G. Marggravie historiae rerum naturalium Brasiliae libri VIII (Amsterdam 1648).
[37] Willelm Piso (1611-?) studierte in Leyden Medizin und ging als Leibarzt Moritz von Nassaus 1638 nach Brasilien. Neben dem 1648 erschienen Werk (s. Marcgraf) gab er 1658 einen stark überarbeiteten Titel De India utriusque re naturali et medical libri XIV (Amsterdam) heraus, der als dritten Teil einen berühmten gewordenen Beitrag von Jacobus Bontius enthält: Historiae naturalis et medicae Indiae Orientalis. In Cleve erschien 1660 außerdem ein Werk über De aeribus, locis, & aquis in Brasilia. Nach Piso wurde die tropische Pflanzenfamilie der Pisonia benannt.
[38] s. Anm. 17 des Abschn. 3
[39] deutsche Ausgabe 1659 s. BARL
[40] s. Schmalkalden, S. 9-86
[41] s. WAG2
[42] Johann Heinrich Heucher, geb. 1677 in Wien, gest. 23.Febr.1747 in Dresden, war Arzt und Naturforscher. 1709 zum Professor in Wittenberg ernannt, wurde er 1713 von König August II. von Polen als Leibmedicus und Hofrath nach Dresden berufen und u.a. mit der Ordnung und Aufstellung der Naturalien- und Kunstkammer betraut. Diese Stellung hatte er bis zu seinem Tode inne.
[43] Im Taufbuch schreibt man 1614 gWagner", dieselbe Schreibung benutzt auch der Auszug aus der Autobiographie, so daß ich mich dieser Form anschloß. Der gWagenerh des eTierbuchsf ist in den Quellen der VOC meist als gWagenaer", manchmal auch als gWagenaarh notiert.
[44] Wolfgang Joost erwähnt in seinem Nachwort (Schmalkalden, 173f.) Wagners Aufenthalt in Brasilien und die Manuskripte in Dresden. Für weitere freundliche Auskünfte und Hilfe bin ich dem Kustos des Kupferstich-Kabinetts in Dresden, Herrn Glaubrecht Friedrich, zu Dank verpflichtet.
[45] als (da sind): nämlich
[46] Alt Dreßden: heute Dresden-Neustadt
[47] nacher: nach
[48] Gleidte: Geleite, d.h. in Begleitung
[49] Chur-Sächß.: kursächsischen
[50] in gedachter: in genannter, besagter Stadt
[51] zu meinem Vorsatz nicht gelangen konnte: meinen Vorsatz, mein Vorhaben nicht verwirklichen konnte
[52] Schmack Schiff: Schmack, Schmacke, Schmackschiff nannte man ein hinten und vorne gleich breites holländisches Schiff mit einem Haupt- und einem Besanmast, das auf Binnengewässern und zum Leichten von großen Schiffen benutzt wurde.
[53] Buchhändler Blauen: Die Familie Blaeu in Amsterdam hatte sich unter Willem Janszoon Blaeu zu einem der führenden Verlage entwickelt. 1633 war Blaeu zum offiziellen Kartenhersteller der VOC ernannt worden. In dieser Funktion erhielt er alle einlaufenden kartographisch wichtigen Informationen, die unverzüglich in die handgezeichneten Karten eingetragen wurden. Alle auslaufenden Schiffe erhielten so stets die neuesten Unterlagen. Diese neue arbeitsintensive Aufgabe erforderte mehr Personal, einer dieser Mitarbeiter wurde Wagner. Nach dem Tode von Willem Janszoon Blaeu im Jahre 1635 setzte Joan Blaeu (23. Sept. 1596 - 28. Dez. 1673) das Werk seines Vaters fort, anfangs zusammen mit seinem jüngeren Bruder Cornelis. Als größte Leistung des Verlages gilt der Atlas Major in elf Teilen, der zwischen 1648 und 1664 in drei Editionen erschien und alles Dagewesene übertraf. Der Niedergang dieses Verlags wurde durch ein Großbrand im Jahre 1672 eingeleitet.
[54]@ resolviret: fest entschlossen (von frz. resolu)
[55] Zwey Lagen Canonen: ein Schiff mit zwei Reihen Kanonen auf übereinander liegenden Decks
[56] vor einen Gemeinen Soldaten gedienet: als gemeiner Soldat diente
[57] Recif: Recife (port. eRiff') de Pernambuco hieß (und heißt) das 20 bis 60m breite, 4 km lange Korallenriff 200 m vor der Mündung des Flüsse Rio Capiberibe und Rio Beberibe. An der Spitze der Landzunge, die den Rio Beberibe vom Meer trennt, gründeten 1526 die Portugiesen eine Versorgungsstation, welche die Niederländer weiter ausbauten. Die Einfahrt zu diesem durch das Riff geschützten Hafen von etwa 5, 5 m Tiefe wurde durch je eine Festung auf dem Riff (Seekastell) und auf der Landzunge (Fort Bruno) kontrolliert. Auf der im Westen mitten im Mündungsgebiet liegenden Insel Antonio Vaaz (Sao Antonio) errichteten die Holländer Mauritiopolis (Moritzstadt), die mit ihren Kanälen und Brücken an niederländische Städte erinnerte. An der Nordspitze befand sich außerdem das Fort Ernestus, vormals ein portugiesisches Kloster. Gegenüber von Moritzstadt auf dem Festland lag Boa Vista (ndl. Schoozigt) mit einem portugiesischen Palast. Von 1629 bis 1654 war Recife das Zentrum Niederländisch-Brasiliens.
Eine Beschreibung des damaligen Recife samt Karte findet man bei Schmalkalden, S. 26ff. Vgl. dazu auch die Karten bei BARL, S. 422/23 sowie 352/353.
[58] erledigt: wurde ich vom Soldaten-Dienst befreit, abgelöst
[59] Muster Schreiber: Schreiber für die Musterrollen etc.
[60] Fortresse Ernestus: Das Fort Ernestus war ehemals ein portugiesisches Kloster an der Nordspitze der Insel Antonio Vaaz (s. Anm. 13) das die Niederländer in eine Festung umgewandelt hatten.
[61] Johann Moritz von Nassau-Siegen (der eBrasilianer') wurde am 17.6.1604 in Dillenburg geboren. Er studierte zunächst an den Universitäten Basel und Genf, dann die militärischen Künste bei seinem Onkel Graf, Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg. 1621 trat er in das Heer der Generalstaaten ein und erwarb sich unter Heinrich von Oranien im Kampf gegen die Spanier so große Verdienste, daß er 1636 von der Westindischen Compagnie mit Genehmigung der Generalstaaten nach Brasilien geschickt wurde, um dort als Statthalter die sehr instabilen Verhältnisse der jungen Kolonie zu ordnen. Seit sechs Jahren leisteten dort die Portugiesen mit Unterstützung vieler Eingeborener heftigen Widerstand. Mit schwachen militärischen Mitteln eroberte er schnell einen Großteil des Landes. Unter seiner Führung wurden die holländischen Festungen und Niederlassungen ausgebaut. Zu den bemerkenswertesten Gründungen zählen die Festung Moritzschloß an der Mündung des Sao Francisco sowie die Stadt Moritzstadt bei Recife. Er ordnete die Verwaltung und setzte eine bessere Behandlung der Indios und Negersklaven durch. Sein Konzept des entstehenden Kolonialreiches sah eine Aussöhung zwischen den im Lande ansässigen Portugiesen und Niederländern sowie die Freiheit der Religion vor. Aus Europa ließ er Künstler und Wissenschaftler kommen, um die Resourcen und Schönheiten Brasiliens bekannt zu machen. 1637 nahm eine von ihm ausgeschickte Expedition die Hauptfestung von Guinea an der afrikanischen Küste in Besitz. Im Frühjahr 1638 drang er an der brasilianischen Küste nach Süden vor, wo er vergeblich Bahia belagerte. Trotz der 1640 der spanisch-portugiesischen Flotte bei Itamarica zugefügten Niederlage kam es immer wieder zu heftigen Kämpfen. Wohl auch, um die zahlreichen Desperados in seiner Truppe zu beschäftigen, unternahm er 1643 eine Expedition über die Anden nach Chile. An dieser Unternehmung nahm auch unser Soldat Caspar Schmalkalden teil, der davon einen ausführlichen Bericht gab (Schmalkalden S.35-49). Trotz aller Erfolge kam es zwischen dem vergleichsweise eaufgeklärten', weitblickenden Moritz von Nassau und der ausschließlich am schnellen Profit interessierten Westindischen Compagnie erhebliche Spannungen, so daß er im Mai 1644 nach Europa zurückkehrte, wo er mit kurzen Unterbrechungen im Dienste des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg stand und vielfältige Aufgaben glanzvoll bewältigte. 1676 zog er sich schließlich ins eMauritshausf im Haag zurück, baute eine große Kunstsammlung auf und erwarb sich als Förderer der Künste ebenso großen Ruhm wie zuvor als Feldherr und Politiker. Er starb am 1679 in Bergenthal bei Cleve und wurde in Siegen beigesetzt.
Die Lage in Brasilien verschlechterte sich nach seinem Weggang rapide, teils durch die verschärfte Ausbeutung seitens der Compagnie, teils durch das direkte und indirekte Eingreifen der Portugiesen. Eine von dem Großgrundbesitzer Joao Fernandez Vieira angezettelte Rebellion zeigte schnell die Brüchigkeit der Politik seiner Nachfolger. 1645 hielten die Niederländer nur noch die Provinz Grande do Norte, Pernambuco sowie einige Festungen und vermochten trotz Entsatzes aus Europa nicht mehr, das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten zu wenden. Die Kapitulation Recifes am 28. Januar 1654 signalisierte das Ende ihrer Herrschaft in Brasilien, 1661 verzichteten sie schließlich auf alle ihre dortigen Ansprüche.
[62] mich mit ... beneficirte: mir das Amt eines Küchenschreibers zukommen ließ. Als Küchenschreiber hatte Wagner etwa die Funktion eines Buchhalters der ohne Zweifel sehr aufwendigen Küche am Hofe des Gouverneurs. Die Bestallung dürfte im Jahrer 1636 erfolgt sein, als J.M. von Nassau-Siegen sein Amt in Brasilien antrat. (von frz. beneficier, Vorteil ziehen aus)
[63] Eine eingehende Schilderung dieses Feldzuges findet man bei Barlaeus (BARL, S. 230ff.)
[64] Baija de Todos los Santos: Bucht (Bahia) der Allerheiligen (port.)
[65] Salvator: Ciudad de Sao Salvador da Bahia de Todos os Santos (Stadt des Erlösers an der Bucht der Allerheiligen) wurde 1549 von Thoma de Souza, dem ersten portugiesischen Generalgouverneur Brasiliens als eine der ältesten Städte Brasiliens gegründet. 1624 war sie für kurze Zeit von den Niederländern besetzt worden.
[66] weiße Köpfe: Europäer
[67] gemelte: gemeldete, d.h. besagte Stadt
[68] geschloßen: Die Stadt konnte nicht eeingeschlossen', d.h. abgeriegelt werden. Salvador liegt an einer 60-80 m hohen Steilküste, was die Einnahme sicher sehr schwierig machte.
[69] reteriret: sich zurückziehen (von frz. retirer)
[70] Antonius Vas: Antonio Vaaz, Insel hinter dem Riff von Recife (s. Anm. 13)
[71] Caep St. Augustin: Cabo de S. Agostinho im Süden von Recife
[72] Serinhain: Serinhaem im Süden vom Cabo de S. Agostinho
[73] Porto Calvo: im Süden von Serinhaem
[74] Bonovegid: wahrscheinlich Bonito, landeinwärts im Nordwesten von Serinhaem auch auf der Karte Schmalkaldens erkennbar (Schmalkalden, 25)
[75] Pariba: Parahyba, Parayba (bras. großer Fluß) ist eine Stadt im Norden von Recife 17 km oberhalb der Mündung des gleichnamigen Flusses sowie die dortige Küstenprovinz. Die Inspektionsreise führte also zunächst nach Süden bis Serinhaem, dann landeinwärts über Bonito in einem Bogen nach Parayba und von dort die Küste entlang zurück nach Recife.
Eine Beschreibung der damaligen Provinz eParaibaf findet man bei Schmalkalden, S.31 f.
[76] Guarnisonen und Forteressen: Garnisonen und Forts
[77] visitiren: besuchen (von frz. visiter)
[78] fast 3. ganzer Monat: fast ganze, volle drei Monate
[79] am Hoffe: am Hofe Moritz von Nassaus
[80] thäte ich umb Licenz Ansuchung: ersuchte, bat ich um die Lizenz, um die Erlaubnis (von frz. licence)
[81] Attestato und Pasport: eine Bescheinigung über den geleisteten Dienst (von frz. attestation) sowie einen Geleitbrief
[82] primo Aprilis: am 1. April
[83] De Grote Tyger
[84] Brasilien Holz und Taback: Das Brasilienholz (portugies. Pao do Brazil) stammte von dem Baum Caesalpina echinata. Aus dessen Kernholz gewann man den roten Farbstoff Brasilin, der zur Herstellung von Tinten, Lacken und in der Färberei verwendet wurde. Der Name Brasiliens leitet sich von dem einheimischen Namen dieses Baumes ab.
[85] Willem Houten (?)
[86] Texel: größte niederländische Insel im Wattenmeer
[87] Enckhuisen: Enckhuizen, niederl. Stadt an der Zuiderzee (Ijsselmeer)
[88] Horn: Hoorn, südwestlich von Enckhuizen
[89] Pürmerent: Purmerend, Stadt und Polder nördlich von Amsterdam
[90] Beemster: ein 1608-12 durch Eindeichung und Trockenlegung mithilfe von Windmühlen entstandener Polder
[91] Ordinar Schiffgen: auf einem eordinären', gewöhnlichen Schiff(?)
[92] Wesopper Backerey: Weesper Packerei, Packhaus in Amsterdam
[93] Poel(?)
[94] Haegh: Haag
[95] Herrn Graffen: Graf Johann Moritz von Nassau
[96] Mahlereyen und Papegoyen: Malereien und Papageien. Moritz von Nassau zeigte ein großes Interesse daran, das Wissen über die neuerworbenen Territorien zu verbreiten.
[97] fernerweit vorgesetzet: habe ich mir dann vorgenommen
[98] Harlingen: Stadt an der niederländischen Küste im Osten von Leeuwarden
[99] starcke Partheyen streiffeten: starke kriegsführende Parteien. Wir befinden uns 1641 noch im 30jährigen Krieg.
[100] Kuzsche: Kutsche
[101] erfunde ich mich: kam ich auf den Gedanken, ...
[102] mit dero Belieben: mit deren Zustimmung
[103] in Compagnie: in Begleitung von
[104] Gefehrden: Gefährten
[105] 2.en Martij: den 2. März
[106] mit Eyß ginge: weil die Elbe stark mit Eis ging, einen starken Eisgang hatte
[107] an das Seegeln gerathen: die Segel setzen
[108] Zell: Dieses Wort hat im Niederländischen die Form zijl und bedeutet soviel wie Siel. Es kommt nur als zweite Komponente in vielen Ortsnamen vor (Harke-, Kiester-, Ropta-, Tako-Zijl usw.), so daß sich der gemeinte Ankerplatz nicht festlegen läßt.
[109] seiner Kunst ein Mineur: seinem Beruf nach ein Bergbaumeister (von frz. mineur)
[110] neuerfunden: neugefunden
[111] traktiret: traktiert, behandelt (von lat. tractare)
[112] Schiffer: Schiffskapitän(ndl.schipper) Auf den VOC-Schiffen unterstanden die Kapitäne während der Fahrt prinzipiell einem höheren Beamten der Compagnie, meist Oberkaufleuten oder Kaufleuten. Im Falle eines Flottenverbandes übernahm ebenfalls ein Beamter in angemessenem Rang die Gesamtleitung als Kommandeur.
[113] Maccon: Makkum, südlich von Harlingen
[114] allwo er gezogen: wo er aufgezogen worden war
[115] Blau Müzegen Bauer: bei diesem blaumützigen Bauer, den ich (wegen seines Dialekts) nicht verstehen konnte
[116] Franeker ist kleine niederländische Stadt im Osten von Leeuwarden (Provinz Friesland), die einst durch ihre 1585 gestiftete, 1811 von Napoleon jedoch wieder aufgehobene Universität, Wageners ghohe Schule", sehr berühmt war.
[117] Münzmeister anfing, mir forthin seine Freundschaft zu versagen: nochzumal ich erfahren mußte, daß mir das Geld langsam ausging
[118] Retour-Schiffe: die von Batavia nach Europa heimkehrenden Schiffe. Jeweils im Juli, Oktober sowie Dezember/Januar brachen von Batavia aus die Retourflotten (ndl. retourvloot) zur rund sechsmonatigen Heimreise auf. Die Schiffe in die entgegengesetzte Richtung nach Batavia verließen die Niederlande im Dezember/Januar, April/Mai und September.
[119] aestimiret wurde: veranschlagt wurde (von frz. estimer). Valentijn kam in seiner Übersicht der eingelaufenen Retourflotten für die Caronsche Flottilie von 1642 nur auf neun Schiffe, von denen sechs am 13. Dezember eingetroffen seien. (Valentijn, Bevattende Een Naauwkeurige en Uitvoerige Verhandeling van Nederlands Mogentheit [...]. Eerste Boek, S. 212 und 226.)
[120] Francois Caron (ca. 1600 - 1673) kam 1629 als Küchenjunge auf einem niederländischen Schiff nach Japan und entwickelte sich zu einem der wenigen Kaufleute mit vorzüglichen Sprach- und Landeskenntnissen. Vom 4.Februar 1939 bis 13. Februar 1641 leitete er als Oberkaufmann (oppercoopman) die Faktorei in Hirado, welche dann aber im Zuge der japanischen Abschließungspolitik zwangsweise auf die Insel Deshima in der Bucht von Nagasaki verlegt wurde. Nach über 20 Jahren verließ Caron Japan. In Batavia wurde er für seine Dienste mit einem temporären Sitz im Rat von Indien geehrt und am 8. November 1641 zum Admiral der jährlichen Retourflotte ernannt, die am 13. Dezember Batavia verließ. Alle zehn Schiffe trafen mit Kargo im Werte von fast vier Millionen Florin wohlbehalten in Texel ein, wo Wagner ihr Einlaufen beobachtete. Auch in den Niederlanden wurde Carons Bericht mit großen Wohlwollen aufgenommen, er selbst aufs Neue mit Aufgaben betraut, so daß er am 25. Januar 1643, also rund acht Monate vor Wagners Ostindienreise, wieder nach Batavia aufbrach. Dort leitete er zunächst eine Expedition nach Ceylon, 1644 bis 1646 war er Gouverneur in Taiwan, 1647 bis 1650/1 Generaldirektor (die zweithöchste Position in Ostindien) in Batavia. In dieser Funktion hatte er mit Wagner oft zu tun und dürfte einer jerjenigen gewesen sein, die dessen Karriere wohlwollend förderten. Infolge heftiger Auseinandersetzungen und Mißverständnisse wurde Caron jedoch 1651 ebenso wie sein Vorgesetzter, der Generalgouverneur van der Lijn, zurück nach Europa beordert. Van der Lijn erreichte eine vergleichsweise ehrenvolle Verabschiedung, Caron erging es nicht ganz so gut. Als die Franzosen 1664 eine Ostindische Compagnie gründeten, bot ihm Jean Baptiste Colbert den Direktorenposten an. In französischen Diensten (1665-73) erstreckte sich Carons Wirkungsbereich erneut von Madagaskar bis hin nach Suratte, Malabar, Bantam u.a.m.
Eine sehr lebendige Beschreibung Japans aus seiner Hand findet man in: Fr. Carons, und Jod. Schoutens Wahrhaftige Beschreibungen zweyer mächtigen Königreiche Japan und Siam. [...] Alles aus dem Niederländischen übersetzt und mit Kupferblättern gezieret. [...] Nürnberg In Verlegung Michael und Joh. Friederich Endters. Im Jahr 1663. Die wohl beste Neuausgabe ist die von C.R. Boxer (s. Boxer)
[121] Bewinntthebern (von ndl. bewindhebbers): Zwar umfaßte die Compagnie eine große Zahl von Teilhabern, doch das Wort führten diese Großaktionäre, deren Zahl zwischen 60 und 70 schwankte. Unter ihrer Kontrolle hatten die einzelnen Kammern (Comptoirs) in den Niederlanden für die Ausrüstung der Schiffe, die Verwaltung und den Verkauf der Waren zu sorgen. Aus den Reihen der Bewindhebbers wurden die Vertreter für das 17köpfige Generaldirektorium, die Heeren Zeventien, gewählt.
[122] adsistenz: Assistenz, also soviel wie ebei der beschriebenen Art von Beistandf (von lat. assistens, dabeistehend)
[123] sonderbaren Condition nicht gelangen kunte: zu keinen besonders guten Vertragskonditionen gelangen konnte
[124] sollicitirten: eindringlich baten (von frz. solliciter)
[125] Charge, die Adelporst genannt: mit dem Rang eines Adelborst (ndl. borst = junger Mann). Adelborst war die zweitletzte Rangstufe der VOC, die etwa einem Seekadett, Fähnrich entsprach. Während der Überfahrt wurden die Eingestellten von der Compagnie als Soldaten bzw. Offiziere behandelt und entlohnt.
[126] fl.: Abkürzung für Gulden (von Florin, der frz. Bezeichnung für Gulden)
[127] Recommendation: Vermutlich stammte diese Empfehlung (von frz. recommendation) von dem Amsterdamer Verleger Joan Blaeu, denn Wagner wurde, wie man weiter unten sieht, in Batavia als Kartenzeichner beschäftigt.
[128] die Herren Regierenden auf Batavia: 1610 gründete der niederländische Generalgouverneur Pieter Both bei Jakatra, der Hauptstadt eines muslimischen Fürstentums, einen Handesstützpunkt, den Jan Pietersz Coen 1618/19 an der Stelle von Amboinas zur Residenz machte. Zwar versuchten die Fürsten von Bantam und Jakatra mit englischer Unterstützung, die Besatzer zu vertreiben, doch im Mai 1619 zerschlug Coen Jakatra. Die sich rasch ausbreitende niederländische Siedlung Batavia wurde durch ein Fort geschützt, das allen Angriffen des Susuhunan von Mataram (des damaligen Herrschers über Zentral- und Ostjava) widerstand. Bis in die Neuzeit blieb sie der zentrale Stützpunkt der Niederländer in Ostasien.
[129] Fluyt-Schiff: Name eines im 17. und 18. Jahrhundert einen mittelgroßen, vorne und hinten breit gebauten Dreimaster ohne Kastellaufbauten mit niedriger Takelage und geringem Tiefgang. Er diente Hamburg dem Transport von Schwergut sowie dem Walfischfang. Im Deutschen auch Flütschiff, Fleute, Pinke.
[130] Vogel Struis. Bei dem nachfolgenden gFluyt Schiffh fehlt der Name des Schiffes im Manuskript.
[131] Insel Wicht: Isle of Wight vor der Südküste Englands
[132] St. Vinzent, zu unsern Verfrischplätzen: Sao Vincente, eine der Kapverdischen Inseln vor der Küste Westafrikas, wo die Schiffe Station machten, um frischen Proviant und Wasser aufzunehmen, gegebenenfalls auch Kranke von Bord brachten und die Schiffe ausbesserten. Von dort aus segelten sie, um die widrigen Passatwinde der Küstenregionen zu vermeiden, in einem weiten Bogen nach Westen zur Südspitze Afrikas, der nächsten und größten Versorgungsstation entland der Route nach Ostindien. Wagners eVerfrischplatzf ist eine Übersetzung des niederländischen verversingplatsen.
[133] in salvo: in Sicherheit
[134] Antonio van Diemen: geb. 1593 in Culemborg, gest. 19. April 1645 in Batavia. Zog nach einem Bankrott in Amsterdam nach Ostindien, wo er die Aufmerksamkeit von J.P. Coen erregte, der ihm eine Stelle in seinem Sekretariat gab, von wo aus er sich langsam emporarbeitete zum Assistenten, Kaufmann und Oberkaufmann (1623). 1625 wurde er zum Rat von Indien ernannt, danach Generaldirektor des Handels, 1631 Befehlshaber der Retourflotte und schließlich ab 1635 General-Gouverneur in Batavia. Er organisierte unter anderem 1639 eine Expedition zur Erkundung der Gewässer um Japan und schickte 1642 Abel Tasman auf eine Fahrt nach Süden schickte, bei der man eNeu-Hollandf entdeckte, das anfänglich Van Diemensland genannt wurde. Auch stellte auf seine Initiative hin der Rechtsgelehrte Joan Maetsuyker die Batavischen Statuten zusammen, die bis 1848 als Basis der niederländischen Rechtssprechung in Niederländisch Indien galten.
[135] von der Miliz gezogen: vom militärischen Dienst abgezogen worden
[136] Copisten-Dienst: Arbeit als Kopist von Karten (ndl. kopiist)
[137] Cornelius van der Lijn, geb. in Alkmaar 1608, gest. daselbst am 27. Juli 1679. Nachfolger Diemens als Generalgouverneur in Batavia (1645-1650). Kehrte 1651 auf Anordnung der Bewindhebber in Amsterdam als Befehlshaber der Retourflotte mit elf Schiffen zurück und mußte zusammen mit Caron die Amtsführung in Batavia rechtfertige, wobei er eine einigermaßen ehrenvolle Entlassung erreichte.
[138] Salario: Lohn, Besoldung (von lat. salarium)
[139] Realen: Real (von lat. Regalis, königlich) eine bis 1870 verwendete spanische Silbermünze, bis 1835 auch eine Rechnungsstufe in Portugal (2 Vintems von 20 Reis). In Niederländisch-Ostinden benutzte man Real als Gewichtseinheit für Edelmetalle: 27, 343 g entsprechend dem Gewicht des altspanischen Piasters (Rei).
[140] Jacob Schweren: Maria Aux Brebis / Auxbrebis lebte offenbar im Hause von Jacob Sweers, einem der gewichtigen Kaufleute der VOC in Ostindien.
[141] Die Heirat Wagners hatte zudem noch den erfreulichen Effekt, daß er dadurch Zugang zu den höheren Kaufmannskreisen Batavias fand, was seiner weiteren Karriere sicher förderlich war.
[142] die Bedienung vor Kauffmann: den Dienst als Kaufmann
[143] Valentijn gibt im 4. Teil, S. 118 eine Aufstellung der gDienaaren der E. Maatschappyh von 1722, von der hier nur der obere Teil wiedergegeben wird:
Gouverneur Generaal 1Ordinaris Raaden 6Dito in de Bank van Justitie 1Extra Ordinaris Raaden 3Secretaris der hooge Regeering 1Oud Gouverneur 1Raaden van Justitie 8Advocaat Fiscaals 1Water Fiscaals 1Secretaris van Justitie 1Ontsauger Generaal 1Opper Kooplieden des Kasteels 2Major 1Directeur der Fortificatie 1Equipagiemeester 1Boekhouder Generaal 1Visitateur Generaal 1Opperhoofd van Japan 1
[144] Thys Crab: Der Equipagiemeester gMatthys Craph oder gThys Crabh taucht bei Valentijn im 1. Teil (Bevattende Een Naauwleurige en Uitvoerige Verhandeling van Nederlands Mogentheit [...] Eerste Boek), S. 212 und 234 als Befehlshaber der Retourflotte von 1657 auf.
[145] Chalouppe: Schaluppe (von frz. Chaloupe) nannte man leichte Ruderboote, Beiboote, die eine Länge um die 10 m und etwa 12 Ruder hatten und bis zu 60 Leuten aufnahmen.
[146] Maximiliaen le Maire war 1633 als Kaufmann nach Ostindien gekommen. Er leitete die Faktorei in Japan in der schwierigen Zeit unmittelbar nach ihrer Zwangsverlegung von Hirado auf die Insel Deshima als Nachfolger F. Carons (14.2.1641 bis 31.10.1641). Danach übernahm er von 1643 bis 1644 das Gouvernat in Zeelandia (Formosa), wo er dann durch Caron abgelöst wurde. Schließlich kehrte er als Admiral der Retourflotte 1645/46 mit neun Schiffen in die Niederlande zurück.
[147] Wallfisch: De Walvisch
[148] Nassau: Nassau, Nassauw, Nassouw
[149] Quartiermeister, Quartermeister (von engl. quartermaster) hieß derjenige, der unter Aufsicht des verantwortlichen Offiziers das Schiff steuerte und sich während der Liegezeit in den Häfen um die Ordnung auf dem Quarterdeck (daher der Name) kümmerte. Für diese assistierende, doch verantwortungsvolle Position wählte man möglichst erfahrene Leute aus der Mannschaft.
[150] an die Schärffe des ... Schiffes: an den (scharfen) Bug des Schiffs
[151] des ausgeschnitzten Löwens Haare: wahrscheinlich die Haare der ausgeschnitzten Gallionsfigur, jenes Löwen, der sich im Wappen von Nassau findet
[152] hinter der Masse:
[153] Gewalt: großer Mühe und Anstrengung
[154] Willem Verstegen stammte aus Vlissingen. Auf Anordnung aus Batavia nahm er 1635 als Unterkaufmann seinen Wohnsitz in Nagasaki, noch vor der Verlegung der niederländischen Faktorei von Hirado nach Dejima, und wirkte dort für die VOC. Auf der Rückreise am 7. Dez. schrieb er an den Generalgouverneur van Diemen eine Remonstration über eine Silberinsel, die diesen zur Ausrüstung einer Expedition veranlaßte. 1636 weilte er erneut in Japan, 1647 fungierte er als Oberhaupt der Faktorei (nunmehr in Dejima), 1651 Commissaris in Tonkin, danach Formosa. Er erreichte die Position eines außerordentlichen Rats von Indien, wurde 1652 jedoch in die Niederlande zurückgerufen.
[155] Commissarius: der mit der Besorgung eines Geschäftes Betraute (mittellat.)
[156] Toncquin: Tonkin, Tongking (Verballhornung des Annamitischen Dong-Kinh, d.h. €stliche Hauptstadt ), war der Name eines Reiches an der Ostküste von Indochina. Dort kauften die Niederländer ihre Seide für den Handel mit Japan ein. Nun befand sich dieses Land gerade im Kriegszustand mit dem benachbarten Quinam, zu dem man ebenfalls gerne die Geschäftsbeziehungen wieder anknüpfen wollte, was die Mission Verstegens ziemlich prekär machte. Die Versuche in Quinam sollten denn auch scheitern.
[157] Tayowan: Bucht an der Südwestseite Formosas, wo es ein niederländisches Kastell und die eStadtf Zeelandia gab - heute Teil von Anping. Im Zuge von Auseinandersetzungen zwischen den chinesischen Behördern und der VOC (1622-24) hatten die Niederländer die Pescadoren in der Straße von Formosa besetzt und wiederholt die chinesische Küste im Raume Fujian angegriffen. Nach Verhandlungen mit der chinesischen Seite wurden die Pescadoren geräumt und dafür die Niederlassung auf Formosa errichtet, das außerhalb des chinesischen Hoheitsgebietes lag. Nur dort war (mit der Ausnahme Macaos) war den chinesischen Kaufleuten der Handel mit den Niederländern gestattet. Nach dem Zusammenbruch der Ming-Dynastie vertrieb der auf der Seite der Ming stehende eSeeräuberf Koxinga 1662 die Niederländer von Formosa und setzte sich dort fest. Schließlich eroberte eine Armee des Qing-Kaisers Kangxi 1683 die Insel und gliederte sie in das chinesische Reich ein.
Eine Karte 1640 gezeichnete Karte von Tayovan ist bei Boxer (Boxer, lxxxvi) abgedruckt. Bei Schmalkalden findet man eine Skizze der Stadt und Festung (Schmalkalden, 143).
[158] Jagt: Jachten waren kleine, schnelle Segelschiffe mit nur einem Mast.
[159] Delft Haven: Delftshaven
[160] Quinam: eHauptstadtf eines gleichnamigen Reiches an der Ostküste von Indochina
[161] Tingelay: Dong hai (vietnam. Dong hoi) (?)
[162] Ultimo Decembr: Ende Dezember
[163] Karel Reiniersz, geb. 1602 in Amsterdam, 1634 glandvoogdh der Küste von Coromandel, 1639 gordinair raadh von Indien, 1646 Vorsitzender der Schöffen. Mit der Rückberufung van Lijns, der sich zusammen mit Caron in den Niederlanden verantworten mußte, war der Karriereweg für Reniersz und auch Joan Maetsuyker frei. Reniersz fungierte von 1650 bis 1653 als Generalgouverneur. Er galt als christlicher Eiferer, der entgegen der niederländischen Gepflogenheiten 1652 in Batavia sogar chinesische Tempel abbrechen ließ. Wurde 1653 dann durch Maetsuyker abgelöst, der das Generalgouvernat für 25 Jahre ausübte.
[164] Justitien Raht: Die Leitung aller Aktivitäten in Ostasien sowie die Verbindung mit Holland lag in Batavia bei einem Kollegium, dem Rat von Indien oder Justien-Rat, an dessen Spitze der General-Gouverneur stand. Wagner hatte damit eine der höchsten Positionen erklommen, welche in Ostindien zu vergeben war. (s. Anm. 99)
[165] conditionirte Zeit : die in den Vertragsbedingungen festgelegte Zeit
[166] Schel: und Braunfisch: Schellfisch und Braunfisch
[167] Durch den Jesuiten Martinus Martini gelangte 1652 die Nachricht nach Batavia, daß gder Tartersche Großherr sich des Reichs Sina bemächtigeth hatte und allen fremden Nationen erlaubt hätte, in Kanton Handel zu treiben. Darauf hin wurde der Kaufmann Friedrich Schedel von Taiwan aus mit dem Braunfisch nach Kanton geschickt, doch alles was er in verwickelten Verhandlungen erlangte, war die Empfehlung, eine Gesandtschaft mit reichen Geschenken an den Kaiser selbst zu entsenden. Darauf schickte man einen Bericht an die Bewindhebber in den Niederlanden, wollte aber die lange Wartezeit nicht ungenutzt verstreichen lassen und setzte wiederum Schedel mit dem Braunfisch sowie Wagner auf dem Schellfisch nach Kanton in Fahrt. Schedel ließ sich an Land setzen und nahm Kontakt mit den chinesischen Behörden auf. gMitlerweile ward Wagener, welcher den ausschlag der verrichtung seines Mitgefährten mit großer ungeduld zu erfahren verlangte, durch zwei oder drei schiflein mit kriegsknechten plötzlich ümringet, und so genau bewahret, daß niemand aus oder an sein schif zu gelangen vermochte. Dieses gewalttäthige verfahren trieb seinen geist, gleich als eine unversehens aufgestoßene wasserwälle, bald in die höhe, bald in den abgrund; da er ihm, eh er sich recht besinnen konte, schon den letzten streich empfangen zu haben, einbildete. Die bekümmernüsse und ängstliche bewägungen seiner seele stürtzten ihn in die allertiefste betrübnus; er beklagte schon mit oft wiederhohlten und halb abgebrochnen seuftzen seine unschuld, die man so unverdient übel handelte, und die boßhaftigeen ränke seiner feinde zu einem bluhtopfer bestimmet. Er bildete ihm ein, daß Schedel auch in die klauen dieser Leuen gerahten, ja wohl gar durch ihren bluhtdürstigen rachen schon verschlungen worden. Aber eben in dem augenblikke, da er in seinen gedanken alle die häslichen abscheuligkeiten, die ihm ein mensch, der in der fremde gefangen lieget, ein zu bilden pfleget, entwarf; sahe er Schedeln wieder aus der Stadt kommen: welcher ihm, durch die erzehlung seiner glüksfälle, ein guhtes teil seiner furcht benahmh (Neuhof, 28). Am folgenden Tage geht Schedel wieder an Land, auch Wagner wird mit großem Aufwand abgeholt. Doch die Niederländer mögen sich den Geschenk-Gepflogenheit der chinesischen Seite nicht fügen, so daß es zu keiner direkten Verhandlung kommt. Wagner gder sich bisher vor eines tauben tühre gantz heisch gesungen", muß erkennen, gdaß er, mit allen seinen bemühungen in liebkosung der Mandarinen, nur wasser drosch, und nicht das geringste aus zu richten vermochte". Er zieht nach Batavia zurück. gSeine verkümmerung, und sein langes aufhalten hatte ihn bei weitem so viel nicht bekümmert, als es ihn verdros, daß die geldsüchtigen Geitzhälse sich nicht geschämet so eine große anzahl geldes zu fordern, nur allein eine wohlgefällige und gnädige annehmung des mitgebrachten Briefes und Geschenkes bei dem Unterkönige aus zu würken, ehe man einmahl gelegenheit und vergünstigung bekommen von einiger unterhandlung zu sprechenh (Neuhof, 29). Wagners [rger über die Geldsucht der Chinesen kommt auch in der eAutobiographief deutlich zum Ausdruck.
Trotz dieser mißglückten Episode rüstete man auf Weisung aus Amsterdam eine Gesandtschaft nach Peking unter Pieter van Goijer und Jacob Keijser aus, zu der Wagner und Schedel den Prolog geliefert hatten. (s. Neuhof).
[168] Tartarische Pro Rege: der tartarische Statthalter
[169] offene Handlung: freien Handel
[170] procurieren: besorgen (von frz. procurer, lat. procurare, für etwas Sorge tragen)
[171] Tartarische Creis Völcker: die Völker im tartarischen Bereich
[172] zu keinem gewißen Zweck zu bringen waren: nicht dazu zu bringen waren, etwas Bestimmtes zu tun
[173] sich eines Wiedrigen befahren müssen:*
[174] Travallien: Arbeit, Mühe (von frz. travail)
[175] Geldtsichtigen Sinesern: geldsüchtigen Chinesen
[176] Zweiffel trug: daß ich fast Zweifel hatte, ob ich lebend ankommen würde
[177] Obrister: Ableitung von obrist, dem niederdeutschen Superlativ von ober: der an der Spitze stehende (vgl. auch Oberst).
[178] Kalb: et Kalf
[179] Joan Bochelijon war insgesamt drei Mal als Oberkaufmann Leiter der Faktorei in Deshima: 23.Okt.1655 - 1. Nov. 1656; 27. Okt.1657-23.Okt.1658; 4.Nov.1659 - 26.Okt.1660. Zwischen 1656 und 57 sowie 1658 und 59 lag die Leitung bei Wagner.
[180] arriviret: angekommen (von frz. arriver)
[181] Keyser von Jedo: Gemeint ist der Shôgun in Edo (heute Tokyo), den die Niederländer als eweltlichesf Oberhaupt den Keijser zu nennen pflegten. Die Schreibung eJef zeigt noch den heute verschwundenden i-Vokal im Anlaut der Silbe.
Bereits 1649/50 hatte Andries Frisius als Nachfolger des aus Holland entsandten, doch unterwegs verstorbenen Pieter Blockhuys in Edo versucht, bessere Handels- und Aufenthaltsbedingungen für die VOC zu erreichen. Wagner, der vom 2. November 1656 bis 26. Oktober 1657 als Kontorleiter in Dejima stationiert wurde, sollte bei seiner Hofreise einen zweiten Versuch machen. Unglücklicherweise wurde gerade 1657 das Land von Pogromen und Katastrophen aller Art heimgesucht, was die Haltung gegenüber diesen Ausländern nicht gerade günstig beeinflußte.
[182] Ihr: Majt: Ihre Majestät
[183] Feuers Brunst: Diese Feuersbrunst ist auch heute noch in allen japanischen Enzyklopädien als eMeireki-Großbrandf (Meireki no taika ) für den 18.1. des 3. Jahres der Regierungsdevise Meireki (= 2.3.1657) enthalten. Das Feuer brach im Honmyô-Tempel aus und verwüstete innerhalb von zwei Tagen den größten Teil der Stadt und des Schlosses zu Edo. Die Zahl der Toten wird auf 108 000 geschätzt. Nach dieser Katastrophe entwickelte sich dann eine neue Stadtplanung unter dem Aspekt des Brandschutzes. (s. K. Kodama: Nihon no rekishi. Vol. 16, Tokyo 1966, S. 37ff.) Die aufgrund der Wagnerschen Aufzeichnungen von Montanus verfaßte ausführliche Schilderung erregte samt ihrer Illustration nur elf Jahre später die Aufmerksamkeit des europäischen Lesepublikums (s. Montanus, 368 ff.)
[184] die alß ein Land groß war: die so groß wie ein ganzes Land war. Edo hatte sich als Sitz der Militürregierung sehr rasch zu einer Großstadt mit mehr als einer Million Einwohnern entfaltet.
[185] gar genau: nur mit knapper Not, um Haarebreite
[186] salviren: retten (von lat. salvare)
[187] nicht mehr als billich zu dancken gehabt: war es nicht mehr als recht und billig, dafür zu danken
[188] Blumenthal: Bloomendael
[189] Coyet: Frederik Coyet (geb. ca. 1615, gest. nach 1675) stammte aus einer vornehmen Stockholmer Familie und hatte bei der VOC in der kaufmännischen Laufbahn Karriere gemacht. Zweimal (3. Nov. 1647 - 9. Dez. 1648; 4. Nov. 1652 - 10. Nov. 1653) wurde er als Oberkaufmann zum Leiter der Faktorei in Nagasaki bestimmt. Danach versetzte man ihn nach Zeelandia auf Formosa, wo er zunächst als Vizegouverneur, dann von 1657 als Gouverneur fungierte. Angesichts der drohenden chinesischen Überfälle durch den eSeeräuberf Koxinga (jap. Koku Senya, chin. Guo xing ye) bedrängte er die Regierung in Batavia um Verstärkung der Garnison. Doch die Hilfsflotte kam erst, als Koxinga mit 25 000 Mann bereits gelandet war. Nach neunmonatiger Belagerung mußten die Niederländer am 1. Febr. 1662 kapitulieren und verloren damit nach 38 Jahren wieder die Herrschaft über Formosa. Die Gründe für diese Niederlage sind auch in heftigen internen Intrigen der VOC zu suchen, in deren Folge Coijet verhaftet, zunächst zum Tode verurteilt, dann 1666 nach Pulo Ai (Banda) verbannt und erst 1675 auf Betreiben von Verwandten und Freunden, sogar des Prinzen von Oranien wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Rehabilitiert kehrte er in die Niederlande zurück.
[190] Anfurth: die Anfahrt. Wegen der Untiefen und Klippen vor Zeelandia war das Einlaufen in den Hafen sehr schwierig.
[191] Hercules: Auch die Hercules war auf der Rückfahrt von Nagasaki.
[192] hujus mensis: dieses Monats
[193] Johan, Joan Cunaeus, geb. 1617 in Leiden, gest. am 12. Mai 1673 daselbst, wurde bereits 1626 honoris causa als Student der Rechte eingeschrieben. Er trat 1644 in den Dienst der VOC als gadvocaat fiscalh (s. Anm. 99) und machte in Ostindien schnelle Karriere: 1645-48 Sekretär des Generalgouvernats, 1647-50 Amtsmann in Batavia, 1648-50 außerorderntlicher graad van Indie", 1650-58 ordentlicher Rat von Indien, 1653-57 Kolonel der Bürgerwacht, 1656 President des graad van justitie". Er nahm u.a. auch an der Gesandtschaftsreise der VOC nach Persien teil. Im Rang eines Rats von Indien kehrte er 1658 als Oberbefehlshaber der Retourflotte 1658 in die Niederlande zurück und ließ sich in Leiden nieder, wo er 1667 den Doktortitel der Rechte erwarb und viele [mter ausübte.
[194] Negotia: Handel, Geschäfte (von lat. negotium)
[196] Joan Maetsuyker, geb. 14. Okt. 1606 in Amsterdam, gest. 4. Jan. 1678 in Batavia, studierte Jura und ging 1635 für die VOC nach Batavia. 1642 war er mit der Aufstellung der Batavischen Statuten betraut, 1644 wurde er Ordinar Rat und Gesandter zu Goa, 1646-51 Gouverneur von Ceylon. Auf die fünfährige Amtszeit von Cornelis van der Lijn (1645-50) und Carel Reijniersz (1650-53) übernahm er 1653 das Generalgouvernat. Maetsuyker erwies sich für die VOC neben Jan Pietersz Coen (1619-23/1627-29) und Antonio van Diemen (1635-45) als einer der erfolgreichsten Generalgouverneure Batavias mit einer 25jährigen Amtsdauer bis zu seinem Tode (1653-78). Die von seinen großen Vorgängern entwickelte und von ihm fortgeführte Politik der Verbindung von Handels- und militärischen Aktionen brachte den Niederländern eine erhebliche Ausweitung ihres Machtbereiches ein. Unter seiner Herrschaft wurde Spanien und Portugal faktisch aus Ostindien verdrängt und der Untergang des Reiches Mataram eingeleitet. Maetsuyker förderte auch die Erforschung Südostasien und unterstützte zum Beispiel Georg Eberhard Rumph (Rumphius), der neben seiner kaufmännischen Tätigkeit die Pflanzenwelt des Archipels systematisch erkundete.
[197] Herren Räthen: die Herren Räte von Indien
[198] Maccause Insulen: Macaoschen Inseln, die Inseln bei Macao
[199] gefährlichen Sturm: Hier handelt es sich offensichtlich um die Beschreibung eines Taifuns, dessen Natur als Wirbelsturm seinerzeit noch nicht bekannt war.
[200] grassiret: grassierte, wütete (von lat. grassari, umhergehen)
[201] maßen: so daß
[202] versprochenen Insulen: die verabredeten, ausgemachten Inseln
[203] Schisima: Gemeint ist die kleine, in der Bucht von Nagasaki aufgeschüttete Insel Tsukishima (= egebaute Insel'), für welche sich der Name Deshima, Dejima (= eherausragende Insel') einbürgerte.
[204] Baya: Bai, hier die Bucht von Nagasaki
[205] die Handlung: der jährliche Handel. Der Handel zwischen den Niederländern und Japanern fand auf Anordnung der japanischen Behörden zweimal jährlich zu jeweils festgesetzten Terminen und Konditionen statt.
[206] Avance: Vorteil (von frz. avance)
[207] zu Wercke gerichtet: vollbracht, erledigt
[208] zum effect gebracht: ausgeführt. Während dieses zweiten Aufenthaltes in Deshima vom 23. Oktober 1658 bis 3. November 1659 mußte Wagner die Verantwortlichen in Edo ein weiteres Mal um günstigere Bedingungen angehen. Wieder blieben alle Bemühungen vergebens.
[209] recte: direkt
[210] Haverson: Hilverson
[211] nach Baij: zur Bai, hier die Bucht von Batavia
[212] Quartier: Revier, Gegend
[213] Parcelles: Paracellen, Inselgruppe bei Annam
[214] Straße Bance: Straße von Banca bei Celebes
[215] Paulo lingen: Insel Peling nördlich von Celebes
[216] Jacob Carack: Jacob Ca(a)uw (s. Anm. 174)
[217] Macasser: Ma(n)kassar war ein Sultanat an der Südwestküste von Celebes, wo die Gewürze der Region umgeschlagen wurden. Die Niederländer, seit geraumer Zeit auf die Errichtung eines Gewürzmonopols aus, hatten nur auf einen Vorwand gewartet. Als der Sultan ihre Forderung, den Handel mit den Portugiesen fortan zu unterlassen, abschlug, begann der Krieg (ndl. oorlog) mit Makassar.
[218] Valentijn beschreibt im 3. Teil unter der Naaukeurige Verhandeling van Banda [...] ausführlich diesen gOorlog met Macassar 1660h (S. 147ff.), bei dem auch die Portugiesen eine gewisse Rolle im Hintergrund spielten. Nach dem Bruch des Friedens eroberte die entsandte niederländische Flotte die Festung gPannakokeh und schlägt die Macassaren in die Flucht. Die Gesandten des Königs bitten um einen Waffenstillstand, der nach einigem Zögern zugestanden wird. Ein Teil der Flotte setzt sich auf die Spuren der Portugiesen, ein Teil kehrt nach Batavia zurück. Van Dam, der Sieger, dem man in Batavia einen großen Empfang bereitet hatte, möchte zum formellen Abschluß des Friedensvertrags alleine nach Macassar ziehen, doch wird ihm dies nicht zugestanden, worauf er seinen Dienst als Major niederlegt. An seiner Stelle entsendet man gde Heer Caauw met de Heer Wagenaar". Die endgültige Unterwerfung Macassars sollte sich jedoch noch bis 1669 hinziehen.
[219] ezlicher importanter Sachen: wegen etlicher wichtiger Angelegenheiten
[220] Fort Panno Kolla: Pannekoke (s. Anm. 174)
[221] Bau Meister Ambt: In diesem Amt des Baumeisters (ndl. efabriek') war Wagner für sämtliche öffentliche Bauarbeiten in Batavia zuständig und hatte eine beträchtliche Zahl von Handwerkern sowie Sklaven unter sich. Allerdings gab es zu seiner Zeit keine besonderen Meriten mehr zu erwerben, da die großen Projekte der Aufbauphase alle bereits abgeschlossen waren.
[222] Caapo de Bona Esperance: Cabo da Bona Esperanza hatte der portugiesische König Joao II. die afrikanische Südspitze nach der erfolgreichen Umrundung (1487/88) genannt, um seiner Hoffnung auf den sich abzeichnenden Seeweg nach Indien Ausdruck zu verleihen. Dem Führer jener Expediton, Bartolomeu Diaz, schwebte eigentlich die Bezeichnung Cabo tormentoso vor. Auf Befehl der Compagnie richteten die Niederländer im April 1652 unter dem ehemaligen Schiffsarzt Jan van Riebeeck am Kap eine Versorgungsstation ein, die bald befestigt wurde. Die hier entstandene Kolonie entwickelte sich rasch zum wichtigesten Verfrischplatz (ndl. verversingplatsen) auf der Ostindien-Route.
[223] Angelier: De Anjelier
[224] Jan Anthonisz van Riebeeck (geb. 21. April 1619 in Culemborg, gest. 18. Jan. 1677 in Batavia) war 1639 als Onder-Chirurgijn, also eine Art Bader, in den Dienst der Compagnie getreten und wirkte auf Dejima, in Tonkin und Formosa. 1641 wechselte er in den kaufmännischen Sektor. Nach einer Entlassung 1648 stellt man ihn 1651 erneut als Oberkaufmann mit dem Auftrag ein, am Kap eine Verfrischstation zu gründen. Bis zur Ablösung durch Wagner 1662 hatte er dort das Kommandeursamt inne und schuf die Grundlagen für eine dauerhafte Kolonisation, indem er Land an verdiente Freibürger verteilte. Zurück in Batavia wurde er Justizienrat, Befehlshaber zu Malakka (bis 1665) und Sekretär der Regierung (s. Anm. 99), ein Amt, das er bis zu seinem Tode innehatte.
Den Anstoß für das Gesuch um Versetzung ans Kap gab wahrscheinlich sein schlechter Gesundheitszustand, doch bleibt es verwunderlich, daß er danach erneut nach Batavia ging.
[225] zwart: zwar
[226] von Horn: wahrscheinlich Herr Gent aus Hoorn
[227] erkieset: erwählt
[228] Caapo oder Burgk Eck: Bei der Fahrzeit von g16h Tagen bis zum Kap bzw. der Burgecke von Afrika muß es sich um einen Schreibfehler handeln.
[229] Eine eingehende gBeschryvinge van de Kaap der Goede Hoopeh gibt Valentijn im 5. Teil (Thiende Boek) einschließlich einer Liste der Kommandeure. Zu Wagners Wirken wird lediglich vermerkt, daß er enach vier Jahren Regierens sehr wenig von Belang hier verrichtetf habe (S. 127). Tatsächlich entstand jedoch während dieser Jahre ein noch heute existierendes neues Fort, da man sich seit 1664 mit England im Kriegzustand befand und stärkere Angriffe zu befürchten hatte.
[230] fortschiffen: absegelten
[231] Flamminus von Outshorn: Arnold de Vlaming van Outshoorn, 1647-49 gLandvoogth der VOC, 1649 gExtraordinaris Raad", ab 1650 Ordinarrat, Superintendent, Commissar, Seevogt. Er traf laut Valentijn (1. Teil, Bevattende Een Naaukeurig en Uitvoerige Verhandeling van Nederlands Mogentheit. Eerste Boek, S.234) im Rang eines Ordinar Rats als Oberbefehlshaber der Retourflotte 1662 mit neun Schiffen in den Niederlanden ein.
[232] approbieret: bewilligen, billigen (von lat. approbare)
[233] Tractament: Behandlung, auch Löhnung von Soldaten (von frz. traitement, lat. tractare)
[234] Antecessor: Vorgänger, Vorläufer (von lat. antecessor)
[235] Bay St. Helena: etwa 200 km von der Kapsiedlung entfernt
[236] Wappen Horn: et Wapen van Hoorn
[237] Wasserhuhn: Waterhoen
[238] Santanhia Bay: Saldanha Bay, nach dem Portugiesen Antonio Saldanha, die diese Bucht 1503 entdeckte
[239] Reuthern: Reitern
[240] Bei den Hottentotten in der Gegend des Kaps handelte es sich um die Korana, die besonders von der Zucht von Langhornrindern und Fettschwanzschafen lebten. Unter den frühen Berichten sind die der Deutschen Caspar Schmalkalden (s. Schmalkalden, 94f.), Johann Jacob Merklein (s. MERK, 107f.) und Georg Meister (s. MEIS, 25ff., 244ff.) besonders hervorzuheben.
[241] die Ancker quittieret: Anker gelichtet (von frz. quitter)
[242] Menschen Beschirmer: Gott
[243] Ich habe den im Manuskript fortlaufenden Text in Anpassung an die vorangegangenen Jahreseinteilung eingerückt.
[244] Qualbergen: Cornelis van Quaelbergen, Oberhaupt von Masoelipatam (1652-57), Oberbefehlshaber der Retourflotte 1658, dritter Kommandant des Kaps von 1666-68, abgesetzt, nach Batavia zurückberufen, dort aber rehabilitiert. Gouverneur von Banda (1677-80), von Malakka (1680-84), Extraordinarrat (1682-87), Ordinarrat (1687). Auf seine Anordnung hin unternahm Joh. Keyts eine Expedition nach Neu Guinea, wo er einer Bucht im Südwesten den Namen gQualberghs-baaih gab.
[245] Schaarbock: Scharbock, alte Bezeichnung für Skorbut (ndl. scheurbuik)
[246] Herren Sieben Zehender: Das 17köpfige Direktorium der VOC in den Niederlanden, die gHeeren XVIIh oder gHeeren seventienen", woher sich Wagners eingedeutschte Form ableitet.
[247] Stiff Tochter: Stieftochter
[248] Marien de Bucquoij: Möglicherweise eine Tochter von Daniel de Bucquoy und Schwester des N. de Bucquoy, der 1677 als Gesandter an den Kaiser von gCandiah geschickt wurde, sowie des Jacques de B., der in den 70er Jahren als Allgemeiner Buchhalter erwähnt wird (Valentijn, Teil IV, St.I, S. 377, 392, 399, 410; Teil V, St. II, S. 246)
[249] Cornelij Vorburg: möglicherweise Vater von Nicolaas Verburg, der bei Valentijn (4. Teil, S.395) als Rat von Indien bezeichnet wird.
[250] stille: windstill
[251] Groß Javan oder Mataram: Gemeint ist Ost-Java. Damals gab es dort ein Sultanat, das die Städte Mataram und Surakarta umfaßte, welches die Niederländer erst 1683 endgültig unterwerfen konnten. Die VOC bezog von hier einen großen Teil ihrer Nahrungsmittel, besonders Reis, mit dem sie wiederum Gewürze einzuhandeln pflegte.
[252] Refier: Batavia lag an der Mündung eines Flusses, den die Niederländer de groote Rivier nannten. Refier ist daher wahrscheinlich eine mißlungene Eindeutschung von rivier (=Fluß). Siehe z.B. die Karte von Batavia bei Montanus, S. 26/27.
[253] Samaranus: Samarang heißt heute Semarang und liegt östlich von Djakarta auf Java.
[254] Comitat: feierliches Geleit (von lat. comitatus)
[255] Suite: Gefolge (von frz. suite)
[256] lustiges Garthen Hauß: Diese Angebot eines eLusthausesf vor den Toren der Stadt als Altersruhesitz zeigt, wie sehr Wagner sich der Wertschätzung Maetsuijkers erfreute.
[257] Johann von der Lahn: Jan van der Laan, eSchreck der Portugiesenf zeichnete sich 1655 in Colombo aus und erwarb sich große Verdienste bei der Eroberung Ceylons. Oberbefehlshaber der Retourflotte 1667/68 im Range eines Sergeant Majors von Ceylon.
[258] Wappen von Mittelburg: et Wappen van Middelburg
[259] Die Kammer von Zeeland war eine der sechs Kammern, aus denen sich die VOC konstituierte. Die Schiffe wurden jeweils von den einzelnen Kammern gebaut, ausgerüstet und unterhalten.
[260] Taffel Bay: Bucht am Tafelberg, Kapstadt
[261] Breda ist eine Stadt in der niederl. Provinz Nordbrabant. Am 31. Juli 1667 wurde hier nach einem zweijährigen Seekrieg zwischen England und den niederländischen Generalstaaten der eFriedensvertrag zu Bredaf geschlossen, demzufolge Nieuw Amsterdam (New York) bei England blieb und Surinam wieder an Holland zurückging. Außerdem willigte England in eine Milderung der Navigationsakte ein.
[262] Thuys de Felsen: et Huis te Velzen
[263] Nord Leüthe: Skandinavier (?)
[264] Cajut: Kajüte
[265] bemeistern: um sich des Schiffes zu bemächtigen
[266] so zu dieser intention Anleitung geben: welche für diesen bösen Plan verantwortlich waren
[267] vor das Furth: vor das Fort (?)
[268] Leuenberg: Der Tafelberg wird flankiert durch den Duivelspiek und den Leeuwekop (Löwenkopf).
[269] Auch hier stimmen die Angaben von Valentijn nicht mit denen Wagners überein (Valentijn 1. Teil, Bevatt. Een Naauwk. en Uitv. Verhand. van Nederlands Mogentheit. Eerste Boek, S. 240). Die in den Niederlanden 1667/68 eingetroffene Retourflotte unter Jan van der Laan zählt folgende Schiffe auf: et Wapen van Hoorn (6. Okt. 1667), Alphen (dto.), De Hollandze Thuin (dto.), Kattenburg (dto.), De Vryheid (dto.), Amerongen (23. Okt.), De Waffende Maan (aus Ceylon, 24. Jan. 1668), Vlaardingen (aus Ceylon, dto.), Loosduinen (aus Ceylon, dto.), et Wappen van Middelburg (6. Dez. 1667), Oudshoorn (dto.), De Tyger (dto.), Dordrecht (dto.), De Spreeuw (31. Dez.), De jonge Prins (23. Dez.), Constantia (6. Dez).
[270] rothen Eyland: auch Robben-Insel genannte Insel in der Tafel-Bai
[271] unsern Currs beschleunigten: unsere Fahrt beschleunigten
[272] arriviret seindt: angekommen sind (von frz. arriver)
[273] Nota: eZusatzf
[274] Tit: titulus, ursprünglich ein an die Schriftrolle angehängter Zettel
[275] obgemelten: oben genannten
[276] See Land: Insel Zeeland
[277] Middelburg: Stadt auf Zeeland
[278] Warmstraße: die Warmoesstraat in Amsterdam
[279] wo die Stadt Prag zum Zeichen aushängt: Gemeint ist die Herberge eIn de stad Pragf.
[280] der Herren Medicorum Rath: Rat und Hilfe der Ärzte
[281] reformirte Kirche: Dies war die sogenannte Oude Kerk, die in unmittelbarer Nähe von Wagners Herberge lag.


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