Ein 'Ostindianisches Sendschreiben'. Andreas Cleyers Brief an Sebastian Scheffer vom 20. Dezember 1683. In: Dokufutsu Bungaku Kenkyû, no.41, p. 15 - 98, 1991, Kyushu University.

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Wolfgang Michel

Ein Ostindianisches Sendschreiben – Andreas Cleyers Brief an Sebastian Scheffer vom 20. Dezember 1683 –


 

Vorbemerkungen

[S. 15] Einer der wenigen Deutschen in der Vereenigden Oostindischen Compagnie, die es nicht nur beruflich weit brachten, sondern auch zum besseren Verständnis des Fernen Ostens beitrugen, war der Kasselaner Andreas Cleyer (1634-1697/1698). Sein Leben ist durch Eva Kraft eingehend beschrieben, hier mögen einige Bemerkungen genügen. Cleyer absolvierte zunächst ein Medizinstudium, wahrscheinlich in Marburg, das er mit dem Grad eines Lizentiaten (utriusque medicinae licentiatus) abschloß.

1661 trat er in die Dienste der VOC und lebte seit 1662 in Batavia. Wenige Jahre später, d.h. von 1665 bis 1667, wurde er Laborant und Schulrektor. Anschließend führte er bis 1676 die Festungsapotheke und trieb die Erkundung der einheimischen Heilpflanzen voran, durch die er die kostspieligen Lieferungen aus Amsterdam zu ersetzen suchte. Von 1676 bis 1682 führte er als Pächter neben der Festungs- auch die Stadtapotheke, was solche Bemühungen weiter verstärkte. Zugleich betrieb er ein pharmazeutisches Labor und einen Kräutergarten. Seit 1680 hatte er zudem das ehrenvolle Amt eines Justizienrates inne. Diverse Reibereien und grundlose Verdächtigungen führten dazu, daß er 1682 alle Unternehmungen wieder aus der Hand gab und im Range eines Oberkaufmanns zwei Mal die Leitung der Faktorei in Nagasaki (1682-1683 / 1685-1686) übernahm. Danach zog er sich, inzwischen zu beträchtlichem Vermögen gelangt, aus dem Geschäftsleben zurück. Sein in niederländischer Sprache geführtes Daghregister des Japan-Kontors für den ersten Turnus ist dank der Edition Krafts (1985) zugänglich. Im Anhang dieser sehr interessanten Arbeit findet man dienstliche Schreiben aus Cleyers Feder sowie Dokumente der Compagnie im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit.

Die Verdienste Cleyers um eine bessere Kenntnis Ostindiens sind [S. 16] beachtlich. Durch Briefe, Materialproben, Zeichnungen, Samen und andere Raritäten, die er nach Europa schickte, beeinflußte er direkt wie indirekt viele Gelehrte von Rang. Unter seinen Korrespondenzpartnern finden wir Mitglieder des 1652 gegründeten Collegium naturae curiosorum, seit 1687 durch Leopold I. als Sacri Romani Imperii Academia Caesarea Leopoldino Carolina Naturae Curiosorum mit allerlei Privilegien ausgestattet. Zu nennen sind Paul Amman (Arzt in Leipzig), Jakob Breyn (Botaniker in Danzig), Johan Michael Fehr (Arzt in Schweinfurt), Christian Mentzel (Leibarzt in Berlin), Sebastian Scheffer (Stadtarzt in Frankfurt), Johann Georg Volkamer (Arzt in Nürnberg und Präsident der Leopoldina), Heinrich Vollgnad (Arzt in Breslau). Wir stoßen weiter auf bekannte Gelehrte im europäischen Ausland wie Simon Paulli (Leibarzt in Kopenhagen) oder Nikolaas Witsen (Bürgermeister von Amsterdam). Zugleich pflegte Cleyer einen engen Austausch mit Beobachtern und Forschern in Ostindien, so dem Orientalisten Herbert de Jager, dem Jesuitenpater Philippe Couplet, mit Cornelis Speelman, dem Botaniker Georg Eberhardt Rumpf, mit dem Theologen und Mathematiker Melchior Leydecker, dem Theologen Servatius Clavius u.a. Einigen half er auf dem dornigen Weg zur Publikation ihrer Schriften, unter denen das Specimen Medicinae Sinicae (1682), weitgehend von dem Chinamissionar Philippe Couplet, und die ldquo;Clavis Medica (1685) des Paters Michael Boym hervorzuheben sind.[1]

Manches aus Cleyers Briefen und Materialsendungen fand seinen sublimierten Niederschlag in den Schriften des jeweiligen Empfängers. Anderes wurde über den Leibarzt am Hofe zu Berlin, Christian Mentzel (1622-1701), auf lateinisch unter Cleyers Namen in den seit 1670 erscheinenden Miscellanea curiosa medico-physica Academiae naturae curiosorum sive Ephemerides Germanicae veröffentlicht. Deren Numerierung erfolgte nach Decurien, die sich im Laufe der Zeit ein wenig verschieben: Decuria prima, 1670-1680 (sieben Bände), Decuria secunda, 1683-1692 (zehn Bände), Decuria tertia, 1694-1706 (sieben Bände).[2] Zwischen dem Eingang der Beiträge und dem Druck verstrich daher jeweils eine gewisse Zeit. Für die Zeit von 1685 bis zu Cleyers Ableben fand ich dreiundvierzig Kurzartikel, meistens Beobachtungen zu japanischen Pflanzen , über [S. 17] die seinerzeit wenig oder nichts bekannt war.

 

1683: Decuria II, Annus I:
Obs. 16 De Ovo gallinaceo, cum serpentis imagine in testâ.
Obs. 17 De Ovo gallinaceo praegnante & epate gallinarum insigni.
Obs. 18 De Corporibus sphaericis permultis in ventriculo humano inventis.
1684: Decuria II, Annus II:
Obs. 5 De Elephantia Javae novae.
Obs. 7 De Serpente magno Indiae Orientalis, Urobubalum deglutiente.
Obs. 8 De Nube pyramidali in Oceano attractiva.
1685: Decuria II, Annus III:
Obs. 13 De S.Thomae Christianis Indiae Or. pedibus strumosis.
1686: Decuria II, Annus IV:
Obs. 1 De Moxa.
Obs. 2 De Radice Gensingh.
Obs. 3 De Catechu.
Obs. 4 De Herba Thee.
Obs. 5 De Fructu Ananas.
Obs. 6 De Cinnamomo & Cassia lignea.
Obs. 92 De Japanensium arbusculis Tzudzinsic dictis.
1687: Decuria II, Annus V:
Obs. 40 De Arbore laccifera Japanensi Fasnoky sive Namra.
Obs. 41 De Arbore Mami Itabo Japonensium.
1688: Decuria II, Annus VI:
Obs. 49 De Cicadis Indicis.
Obs. 52 De Planta Japanica Vinganfana.
Obs. 53 De Duabus plantis aquaticis Japanensibus Koëbe & Fasnofana.
Obs. 54 De Canschy & Fiewa Japanensium arboribus.
1689: Decuria II, Annus VII:
Obs. 70 De Plantis Japanensibus Isnoacky, Germ. Eyserholz / & Tsumacky
[S. 18] Obs. 71 De Plantis Japanensibus Cumi Gummi & Miaco Bana
Obs. 72 De Plantis Japanensibus Kyrama & Fickofax.
Obs. 73 De Plantis Japanensibus Nifum Schin 'Srogat, Mominoky & Feggo
1690: Decuria II, Annus VIII:
Obs. 21 De Ceto minore ambrophago.
Obs. 22 De Monstrosa animalia.
Obs. 190 De Plantis Japanensibus Mitznofana & Fatasiro.
Obs. 191 De Floribus Japanensibus Kanako Juri & Jama Juri.
Obs. 192 De Arboribus Japanensibus Fisakaky & Tsutta.
1691: Decuria II, Annus IX:
Obs. 75 De Plantis Japanensibus Din nanscho & Omodto.
Obs. 76 De Floribus Japanensibus Vohsnofana & Ghimi.
Obs. 77 De Arboribus Japanensibus Kutzinèsch & Tobera-Nocky.
1692: Decuria II, Annus X:
Obs. 35 De Opio Aphrodisiaco.
Obs. 36 De Arboribus Japonensium Itabe & Hambu.
Obs. 37 De Arbore Camphorifera Japonensium Kusnoky dicta.
Obs. 38 De Plantis Japonensium Ran & Schoboe.
1695: Decuria III, Annus II:
Obs. 179 De Plantis Japanensibus Jamaran & Decku.
Obs. 180 De Fruticibus Japanensibus Tzinsinqua & Daniwathas.
Obs. 181 De Floribus Japanensibus Schinobu & Tzooschinkiku.
Obs. 182 De Arboribus Japanensibus Meehebii & Insur.
1696: Decuria III, Annus III:
Obs. 118 De Arbore Japonensium Tschooditsoo sive Tschoot-Itzu.
Obs. 119 De Floribus Japonensium Kuko sive Asangu & Zuri-Jani.
Obs. 120 De Plantis Japonensium Zumani & Jamiuncka sive Jamamiuncka.
1700: Decuria III, Annus V & VI:
Obs.1 De Plantis Japonensibus Joosie.
[S. 19] Obs. 2 De Arboribus Japonensibus Gummy & Fiaku Schyqua.
Obs. 3 De Fruticibus Japonensibus Tsingkikoe & Fana datzibana.

Cleyers Mitgliedschaft in der Akademie der Naturforscher geht auf Mentzels und Vollgnads Förderung zurück. In den Ephemeriden von 1687 (Decuria II, Annus VI) findet man einen einhundertneunundfünfzig Personen umfassenden Catalogus S. R. I. Academiae Naturae Curiosorum Collegarum om- [S. 20] nium, cum Nominibus, Agnominibus, tempore receptionis. Diesem zufolge wurde Cleyer am 8. November 1678 als 81. Mitglied der Akademie aufgenommen, nur wenige Jahre nach Mentzel (1675) und noch vor Scheffer (1681). Die den Kollegen verliehenen Agnomina wie Argonauta, Pegasus, Achilles, Phoenix, Hector, Zephyrus sollten die jeweiligen wissenschaftlichen Bestrebungen charakterisieren. Sie zeigen uns zugleich, daß man sich in einer Gemeinschaft mit den Größen des Altertums verstand. Cleyer ist hinfort 'Dioskurides'. Energischer als in den Universitäten und von sozialen Barrieren weniger eingezwängt, erkundeten die Collegen der Leopoldina Mensch und Natur. Vieles aus fernen Regionen wurde über 'Sendschreiben' nach Europa vermittelt, die man direkt oder bearbeitet abdruckte, die man zitierte oder inhaltlich in die eigenen Schriften einflocht.

 

Cleyers Brief
Fig. 1 'Schefferbrief' (1683), S.9

 

 

Zum Inhalt und Umfeld des 'Schefferbriefes (1683)'

Der Verbleib der privaten Korrespondenz Cleyers liegt weitgehend im Dunkeln. Im Zusammenhang mit Japan ist nur ein einziges Schreiben an Scheffer bekannt, das heute in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen (Hs Ny kgl Saml. 358 2o)aufbewahrt wird und vermutlich aus dem Nachlaß Simon Paullis stammt. Etwa sechs Seiten hatte Cleyer, so eine Bemerkung auf Seite sieben des Briefes, in Japan entworfen, möglicherweise sogar ein wenig mehr. Am Ende des Dienstjahres auf Dejima segelte sein Schiff 1683 dann nicht direkt nach Batavia, sondern lief zunächst Malakka an, was bei Cleyers Begleiter, dem Dresdener George Meister, wie folgt vermerkt ist:[3]

Unsere Rückreise / als nehmlich die Erste / belangende / so nahmen wir unsern Curs über Malacca, warffen Ancker / und verblieben in die drei Monden alldar stilleliegen. Hier hat die Ost=Indische Holländische Compagnie eine starcke Vestung / welche theils In= als Ausländischen Feinden / sie ein zunehmen viel solte zu thun geben.

Zeit genug also zur Aufarbeitung der Korrespondenz. In der Stadtfestung brachte Cleyer das neunseitige Schreiben zum Abschluß (Fig.1), das zusammen mit einem japanischen Hohlspiegel und Muscheln - [S. 21] vieleicht auch noch anderen Dingen mehr - auf den Weg nach Europa gebracht wurde.

Der Empfänger, Sebastian Scheffer (1631-1686),[4] wirkte in seinem Geburtsort Frankfurt am Main als geachteter Stadtarzt. Er hatte Philosophie in Straßburg, Medizin in Leipzig und Helmstedt studiert, nach Reisen durch Holland und Frankreich 1659 in Heidelberg die Doktorwürde der Medizin erworben und war nun unter dem Cognomen Perseus Mitglied der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie. In deren Ephemeriden fand ich sieben seiner Observationen. Ansonsten tat er sich eher als Herausgeber und Korrespondent hervor. Ein Jahr nach Scheffers Tod gab Michael Bernhard Valentini die Memoria Schefferi (Frankfurt am Main 1687) heraus. Seine Rede zu Scheffers Leben steht in Pandectae medico-legales (Frankfurt am Main 1701). Adressat der Cleyerschen Zeilen ist nicht allein Scheffer. Er hatte Anfragen und Bitten aus dem Kreise der Naturforscher übermittelt und würde die Anworten bekanntmachen.

Cleyer war, wie sein Werdegang vom Lizentiaten der Medizin zum Apotheker, Kaufmann und Justizienrat nahelegt, ein tatkräftiger Mensch mit praktischer Intelligenz. Der Brief zeigt viel Interesse an naturkundlich-technischen Fragen, aber auch Freude an der Schönheit wenig nützlicher Dinge. Wo er die Regeln wissenschaftlicher Aufrichtigkeit verletzt glaubt, wird die Kritik engagiert und unverblümt. Der Übersichtlichkeit zuliebe habe ich den im Original kaum abgesetzten Text, so gut es ging, in thematische Abschnitte unterteilt und diese mit Markierungen versehen:

Probleme des Briefverkehrs [a]
Bitte von Moritz; Couplet; Specimen Medicinae Sinicae; Sapientia Sinica[b]
Moxa[c]
Pulsbuch Les Secrets de la Medicine Chinois[e]
Hortus Malabaricus[f]
Ginseng-Wurzel[g]
Terra Japonica / Catechu[h]
Persische 'Mumie'[i]
Steinbrechende Mittel[k]
Ananas[l]
Alchemistische Veredelung von Metallen [m]
Glaslinsen; Glasblasen in Japan; japanische Metallspiegel [n]
Muscheln [o]
Tee [p]
Japanische Blumen und Blüten, Propfkunst; Bonsai [q]
Herausgabe des Specimen Medicinae Sinicae [r]
Lizentiat Graff[s]
Vollgnads Ableben, Querellen in der Leopoldina [t]
Kakadu [u]
Cassia Lignea und Cinnamomum [v]

Offensichtlich war die Korrespondenz ins Stocken geraten. Der vorliegende Brief bezieht sich zunächst auf ein Schreiben Scheffers vom 4. November 1680, das angesichts der Entfernung und der Schiffsverbindungen vergleichsweise zügig am 22. Oktober 1681 in Cleyers Hände gelangte. Doch der ist sehr beschäftigt. Da sei ihm die Vermittlertätigkeit bei Auseinandersetzungen in der Herrscherfamilie von Bantam aufgetragen worden, überdies wären die jährlichen Retourschiffe nicht ausgelaufen, und schließlich hätte man ihn zum Japan-Residenten ernannt. Anlaß, sich zu entschuldigen, gab es genug. Auf Seite sieben erwähnt er zwei weitere Briefe Scheffers vom 21. Mai bzw. 23. Juli 1681, die seine Frau von Batavia nach Dejima weitergeleitet habe, wo sie erst im August 1683, d.h. in der Endphase seiner Dienstzeit in Japan, eingetroffen wären. Auf der folgenden Seite streift er ein noch nicht beantwortetes Schreiben des Präsidenten der Akademie, Michael Fehr, das ihn 1681 erreicht habe. De Jager erklärt in einem Brief vom 6. Juli 1683 an Rumpf, Cleyer habe seine Beschreibung des Indigo mit nach Japan genommen,[5] jene für die Ephemeriden vorgesehene Arbeit also, die infolgedessen mit ziemlicher Verzögerung an Mentzel ging.[6] Es war in der Tat einiges aufgelaufen. Warum wohl hatte Cleyer die in Japan den Niederländern geradezu aufgezwungenen ereignisarmen Phasen, in denen die Bewohner Dejimas ihre Zeit totschlagen mußten, nicht intensiver genutzt?

@Leider vermochte ich nicht zu klären, in welcher Form Cleyer als Mediator in den kriegerischen Auseinandersetzungen um Bantam [S. 23] wirkte. Auch bei Eva Kraft (1985), die sein Leben äußerst skrupulös verfolgt, findet sich nichts in dieser Hinsicht. Doch werfen wir wenigstens einen Blick auf das Ereignis selbst durch die Brille eines deutschen Zeitgenossen. Die Gründe, den Verlauf und Ausgang des Bantamschen Krieges schilderte der Sachse Elias Hesse in seiner Ost=Indischen Reise=Beschreibung Oder Diarium (1690) ziemlich zutreffend wie folgt:[7]

"Die wahre Ursache dieses Krieges soll (wie mir solches berichtet worden) diese seyn: Nachdem der König von Bantam den Jüngsten seiner zweyen Printzen dem Aeltesten in der Regierung vorziehen wollen, und desßhalben dem Jüngsten, sich der Stadt Bantam desto gewisser zu versichern, ein Forth mitten in der Stadt aufbauen lassen, hat solches Vornehmen seinen Bruder in Argwohn gesetzet, daß er auch deswegen bey der Königign seiner Fr. Mutter (welche diesen Printzen günstiger als dem jüngsten, gewesen:) bittliche Ansuchung gethan, den König dahin zu persvadiren, daß ihm als rechtmäßigen Erbgenehm und Successori das Königreich vor dem Jüngsten, nach des Vatern Tode, möchte gegeben werden. Welche Intercession, oder vielmehr der Königin begehren, bey dem Könige auch so viel gethan, daß er das dem jungen Printze gethane Versprechen, die Regierung betreffende wieder zu retractiren und umzustossen sich resolviret. Dieses Vorhaben aber ist dem jungen Printze bey zeiten entdecket worden; darauff er sich in höchster Eyl auf seinen neuen Forth, mit gnugsamer Mannschafft versehen, begeben hat; worauf er dennn von seinem Vater dem Könige, und seinem Bruder öffentlich vor einen Rebellen und wiederspenstigen erkläret, auch letztlich in gedachten Forth von ihnen belägert worden ist. Weiln aber allbereit zuvor dieser junge Printz sein Anliegen und vorstehende Gefahr schrifftlich an den Gouvern. Gen. und Räthe von Indien auf Batavia zuerkennen gegeben, und Hülffe oder Entsatz von der Holland-Ost Indischen Compagnie gebeten und begehret, als ist die hohe Niederländische Regierung zu [S. 24] Batavia hierin nicht säumig gewesen, (massen ohne dem die Holländer auf diese Stadt Bantam schon lage Zeit ein wachendes Auge aber nicht Gelegenheit zu kriegen gehabt:) sondern haben in kurtzer Zeit eine gute Anzahl Schiffe mit gnugsamer Mannschaft untern Commando des Majors, Mons. S. Andreaae Martini vor die Stadt Bantam commendiret [c]"

Die Stadt wird am 7. April 1682 erobert und der älteste Prinz von der Compagnie als Herrscher anerkannt, während der alte Sultan und der jüngste Sohn nach Turtiasse fliehen.[8] In Bantam liegt nun eine holländische Garnison, der englische, französische und dänische Kontor sind aufgelöst, das heißt, unliebsame Konkurrenz wurde ausgeschaltet und der eigene Einflußbereich ausgeweitet. Hesse nennt den neuen Herrscher zutreffend einen Compagnie-König. Cleyer, der wahrscheinlich an den Beratungen über den einzuschlagenden Kurs teilnahm, wird am 10. April 1682, d.h. kurz nach dem Fall der Stadt, zum Japan-Residenten ernannt.[9]

Doch zurück zum Brief. Nach all dem Heischen um Verständnis für die so verspätete Antwort kommt ein Anliegen von Erich Moritz zur Sprache. Moritz (1631-1691),[10] Assessor beim Kammergericht zu Speyer und Verfasser zahlreicher Schriften, hatte um Relationen aus Ostindien gebeten. Doch Cleyer erklärt, daß dies nicht leicht sei, da sich die Kaufleute vorwiegend für ihre Geschäfte interessierten und der Zugang zu den VOC-Tagebüchern - wohl wegen der Geschäftsgeheimnisse - sehr schwer wäre. Jedoch habe er Verbindungen zu den Jesuiten in China, die ihm zuweilen Informationen zukommen ließen.[11] Hierbei hebt er Philippe Couplet (1622-1693) hervor, der seit 1658 in China lebte und seit 1669 in brieflichem Verkehr mit Cleyer stand, für den er unter anderem Übersetzungen medizinischer Texte anfertigte. 1681 wurde Couplet als Prokurator nach Rom berufen. Die Rückreise verzögerte sich, so daß er über ein Jahr in Batavia Station machen mußte,[12] wo es für die beiden Korrespondenten zwischen dem 16. Januar 1682 und Cleyers Abreise nach Japan am 27. Juni 1682 reichlich Gelegenheit zum direkten Gedankenaustausch gab. Cleyer liest mit andacht die Sapientia Sinica exponente P. Ignacio a Costa Lusitano Soc. Ies. a P. [S. 25] Prospero Intorcetta Siculo eiusd. Soc. orbi proposita. Kién cha–m in urbe Sinarum Privinciae Kia–m Si– 1662.[13] Der zweisprachige, von den Jesuitenpatern Prospero Intorcetta (1625-1696) und Inácio da Costa (1603-1666) herausgegebene lateinisch-chinesische Blockdruck umfaßte die 'Große Lehre' (Daxue) und die ersten fünf Bücher der 'Gespräche' (Lunyu) des Konfuzius. Cleyer scheint von dessen Lehren tief beeindruckt. Er hatte auch weitere Manuskripte gesehen, wahrscheinlich jene drei der vier Haupttexte des Konfuzianismus (Daxue, Zhongyong, Lunyu, Mengzi),[14] die Couplet 1687 in Paris unter dem Titel Confucius Sinarum philosophus, sive scientia sinensis latine exposita herausgab.[15] Bei der zu Cleyers Bedauern noch immer nicht gedruckte Chronologie dürfte es sich um die Tabula chronologica monarchiae sinicae a R.P. Philipo Couplet [c] concinnata (Wien 1703) handeln.

 

Cleyers Brief
Fig. 2 Couplets chinesischer Name[16]

Die Verbreitung der Moxa in Europa hatte gerade erst begonnen. 1675 war ein Buch des im Vorjahr verstorbenen batavischen Predigers Hermann Buschof erschienen, das erstmals ausführlich das 'entlastende' Mittel und die Behandlung der Podagra vorstellt:[17] Het Podagra, Nader als oyt nagevorst en uytgevonden, Midsgaders Des selfs sekere Genesingh of ontlastend Hulp-Mittel (Amsterdam 1675). Dem durch eigenes Erleben zum enthusiastischen Apostel gewandelten Autor quoll das Füllhorn über vor lauter Lob. Marktschreier, die ihr Wundermittel anpriesen, gab es in Scharen, doch einem Pastor schenkte die Leserschaft leichter Vertrauen. Dazu kam, daß seine ostindische Brennwolle sanft und fast ohne Schmerzen auf der Haut verglimmte - ganz im Gegensatz zur westlichen Pyrotechnik mit rotglühenden Eisen. Und nicht zu vergessen: an der Podagra dokterten die Ärzte seit alters her [S. 26] ohne nachhaltigen Erfolg herum. Leider nur konnte oder wollte der Autor zum Bedauern des Publikums nichts über das Ausgangsmaterial und die Herstellungsweise mitteilen, so daß die 'Podagristen' tief in den Säckel greifen mußten, um sie zu gepfefferten Preisen in Holland zu erstehen.

 

Cleyers Brief
Fig. 3 Miscellanea curiosa Dec. II, Ann. IV, Observatio 1

 

Zwar findet man in Schriften aus der Zeit vor Buschofs Buch Hinweise, daß die Chinesen bzw. Japaner allerlei Krankheiten mit einer Art getrocknetem Beifuß (Artemisia) behandelten. Doch das war den deutschen Naturforschern entgangen, und so entfaltete sich in den Ephemeriden eine lebhafte Debatte um die Natur des ostindischen Wundermittels. Erich Moritz war unter den ersten Deutschen, die [S. 27] Buschofs Traktat lasen. Seine Mitteilung an Sebastian Scheffer erschien in geraffter Form als “Observatio D. Erici Mauritii de novo contra podagram remedio”.[18] Weiteres zum Inhalt erfuhren die Leser nicht lange darauf aus der “Observatio D. Johann Sigismundi Elsholtii de Moxa sinensi, antipodagrica”.[19] Der Berliner Leibarzt Elsholtz hatte das Buch über den Brandenburgisch-Braunschweigischen Leibarzt Dietrich Conerding erhalten und erstattete hier Vollgnad einen Bericht. Darauf setzte laut Michael Bernhard Valentini (1657-1729) ein Streit darüber ein, ob denn dieses Mittel auch denen Alten, absonderlich dem Hippokrati bereits bekannt gewesen sei.[20] Der später als Leibarzt der Herzogin von Ostfriesland und Professor der 'Hohen Schule' zu Franeker (Friesland) bekannt gewordene Butzbacher Bernhard Wilhelm Geilfuß lieferte 1676 in Marburg eine “Disputatio inauguralis de Moxa” ab, wahrscheinlich ohne den Gegenstand seiner Untersuchung gesehen zu haben. Für ihn war es das Feuer, welches heilte, so daß die Natur der Moxa keine wichtige Rolle spielte; die bei den Alten erwähnten Schwämme würden es gleichermaßen tun. Ein Jahr darauf war die deutsche Ausgabe des Buschofschen Buches fertig, übersetzt "von einem aus dem Collegio Naturae Curiosorum". Johannes Hartman Kornmann, ein hessischer Arzt, entdeckte dann in einer gekauften Probe unter dem Vergrößerungsglas einige kleine Blätter, die dem europäischen Beifuß ähnelten.[21] Darauf wandte sich Scheffer an Cleyer und bat um Klärung dieser Frage. Die erste Antwort, noch aus Batavia und auf den 20. November 1679 datiert, erschien in den Ephemeriden als erster Teil der “Observatio de Moxa” (Fig. 3).[22] Sie wurde durch Valentini 1714 auf deutsch verbreitet:[23]

"Die vorgelegte Frage betreffend: 'Ob die von Buschoffio im Holländischen beschriebene Moxa nichts anderst als die Artemisia seye? oder ob diese jener fälschlich substituiret werde?' Dienet zur Antwort / daß die Moxa freylich nichts anders seye / als die Artemisia, welche von den Japponiern eigentlich Moxa genennet wird; wiewohlen nicht zu läugnen / daß noch mehrere Kräuter zu finden / welche eben solchen effect thun. Die gantze Kunst aber kommet auff die Praepara- [S. 28] tion und Zubereitung an / und wird solche bey diesem besser / als bey jenem verfertiget. Insgemein aber wird also damit verfahren:
Sie nehmen den im Schatten gedörreten Beyfuß / absonderlich dessen Spitze oder summitates, klopffen sie wohl und reiben solche zwischen beyden Händen so lang / biß die äusserliche Schale abgefallen / und nichts als die innere wollichte Fäselein übrig geblieben / welche alsdann mit einem Kamme also außgehechlet werden / daß / wer es nicht gesehen / nimmermehr meynen solte / daß es die Artemisia gewesen sey."

Scheffer muß jene Versuche mit Ersatzmitteln wie Wiesenhahnenfuß, Baumwolle, Absinth usw. erwähnt haben, die später in den Ephemeriden vorgestellt wurden. Cleyer kann nun berichten, daß die Moxa in Japan tatsächlich auf die beschriebene Weise hergestellt werde und die Artemisia dort weit verbreitet sei. Er selbst habe den Absinth nicht benutzt, würde dann aber den Absinthum Ponticum, auch Absinthum Romanum genannt, dazu wählen. Diese Arzneidroge stammt von der Artemisia pontica L. Als seine Ausführungen zusammen mit dem oben wiedergegebenen Briefauszug unter dem Titel De Moxa in die [S. 29] Ephemeriden eingerückt werden, ist überdies die Dissertatio de Arthritide (London 1683) von Willem ten Rhijne erschienen, einem Mediziner, der auf Buschofs Anregung hin von 1674-76 als Faktoreiarzt in Nagasaki Materialien zur japanischen Medizin gesammelt hatte. Dank der Cleyerschen und Rhijneschen Recherchen in Japan konnte nun die Debatte um den Rohstoff abgeschlossen werden. Die Diskussion der Anwendung und Wirkung der Moxa jedoch dauerte an.

 

Pulsbild
Fig. 4 Pulsbild aus dem Specimen Medicinae Sinicae (1682), S. 30

 

Etwas komplexer gestaltet sich der Hintergrund von Cleyers Bemerkungen über ein Pulsbuch, dessen vollständiger Titel Les Secrets de la Médecine des Chinois, consistant en la parfaite Connoissance du Pouls, envoyez de la Chine par un François, Homme de grand mérite lautet. Das Werk wurde 1671 in Grenoble gedruckt. Es ist weiter einer der vielen Ausgaben[24] von Michel Baudiers L'histoire de la Cour dv Roy de la Chine beigebunden: Avec les Secrets de Medecine d'ou les Chinois se guerissent. Par un nouveau Voyageur François (Grenoble 1699). Über den unbekannten 'französischen Reisenden' wurde viel spekuliert. Grmeks Einschätzung scheint mir am plausibelsten. Er vermutete den Verfasser unter jenen Jesuiten, welche in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre in Kanton für längere Zeit unter Hausarrest standen, darunter Adrien Greslon, Jaques le Favre, Humbert Augery sowie Philippe Couplet.[25] Die Pulsbeschreibungen gleichen denen im Specimen Medicinae Sinicae, welche wiederum, wie eine Notiz im erhalten gebliebenen Manuskript der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (Berlin)[26] zeigt, auf ein Werk von Wang Shuhe (‰¤f˜a) namens Mojue nanjing (–¬Œ“ïãS), etwa 'Handbuch der Schwierigkeiten bei der Pulslehre' zurückgehen.[27] Der Hauptzuträger für das Specimen war Couplet. Einige Teile indes dürften auf den polnischen Pater Michael Boym zurückgehen, der die chinesische Natur- und Heilkunde nicht minder engagiert studierte und bereits 1656 in Wien eine Flora Sinensis veröffentlicht hatte. Ein von ihm verfaßtes weiteres Manuskript, die Clavis Medica ad Chinarum Doctrinam de Pulsibus, war 1653 in Batavia 'verschollen'. 1682 übergab Couplet eine Zweitschrift an Cleyer, welcher sie an Mentzel weiterleitete. Sie erschien zunächst 1685 als Monographie in Nürnberg, 1686 dann als Anhang der Miscellanea [S. 30] curiosa (Dec.II, Ann.IV).

Cleyer beschwert sich nun im Brief von 1683, daß er Puls-Materialien (welche?) an seinen Antagonisten, er meint Willem ten Rhijne, ausgeliehen und nicht mehr zurückbekommen habe. Diser mensch habe auch vile differentias pulsuum aus Schriften von Galen und Robert Fludd zusammengetragen, um einen Kommentar zu verfassen. Der griechische Arzt Galen von Pergamon (129-199 n.u.Z.) gilt als einer der Väter der abendländischen Pulslehre, dem wir die noch heute gebräuchlichen Pulsbezeichnungen magnus, parvus, celer, tardus etc. verdanken. Ten Rhijne studierte einen oder mehrere der folgenden galenischen Texte: De pulsuum differentiis; De diagnoscendis pulsibus; De causis pulsuum; De praesagitione ex pulsibus; De pulsibus ad tyrones.[28] Robert Fludd oder Robertus de Fluctibus (1574-1637) war ein englischer Arzt, Theosoph und Rosenkreutzer, der unter anderem Pulsus s. nova et arcana pulsuum historia[29] zu Papier brachte. In ten Rhijnes Mantissa Schematica (1683) findet man zudem eine kurze Bemerkung, daß er, sofern das Schicksal es wolle, Beispiele für die Vorschriften und Regeln der chinesischen Pulsdiagnose präsentieren werde,[30] so daß an dem Vorhaben nicht zu zweifeln ist. Doch kamen die Unterlagen dazu möglicherweise aus Japan. Zudem sind seine Verbindungen in in den Niederlanden festgezurrt. Was sollte er wissenschaftlich durch eine anonyme Publikation in Grenoble gewinnen? Cleyer hielt den Inhalt der ausgeliehenen Materialien für derartig dunkel, daß er jeden Gedanken an eine eigene Veröffentlichung aufgab. Warum gab er sie ausgerechnet ten Rhijne, wenn er ihm nicht vertraute? Seine Zeilen lassen anklingen, daß er ihn nicht für fähig hielt, mit einer solchen Materie fertigzuwerden. Wie intensiv hatte er selbst sich um die chinesische Heilkunde bemüht? Cleyer war nicht unbedingt auf Zuträger aus China angewiesen. Der Thüringer Johann Wilhelm Vogel ging in seiner Zehen=Jährigen Ost=Indianische Reise=Beschreibung (Altenburg 1704) auf die Chinesen in Batavia ein und lobte deren treffliche Medicos, die insonderheit sich wohl auf den Pulß verstehen. Er hielt Cleyer für den Autor eines Pulsmanuskriptes, das er bei ihm sah:[31]

[S.31 ]"Der Ober=Medicus Herr D. Andreas Kleyer / welcher fleißig mit solchen Chinesischen Medicis conferiret / hat in Lateinischer Sprache ein trefflich Buch de circulatione sanguinis & motu pulsus geschrieben / und mit Figuren illustriret / zusammen getragen / ob es aber in Druck / wie es vorgewesen / gekommen / weiß ich nicht.

Eberhard Rumpf schrieb nun in einem Brief vom 18. August 1682, daß er die Sinesische Pulß=Fühlung besessen habe und zwar mit Sinesischen und Lateinischen Buchstaben beschrieben. Weil sie ihm jedoch nicht dienete, habe er sie vor einigen Jahren an Doct. Cleyern überlassen[32] Es könnte sehr gut die verschollene, zweisprachige Erstschrift Boyms gewesen sein, die da über Rumpf an Cleyer und von diesem in Teilen oder vollständig an ten Rhijne gegangen war. Um den Weg der östlichen Pulslehre in den Westen freizulegen, bedarf es zweifellos noch intensiver Nachforschungen.

Leider macht Cleyer nicht deutlich, welcher Art die Kritik aus den Reihen der französischen Naturforscher am 1679 erschienenen zweiten Bandes des Hortus Indicus Malabaricus (Amsterdam 1678 - 1693) war. Unzufrieden äußerten sich aber auch andere wie G.E. Rumpf[33] in einem Schreiben vom zwanzigsten Mai 1683:[34]

"[c] welches Werck vor mich und andere / so die Malabarische Nahmen nicht verstehen / sehr dunckel und unbegreifflich ist. Ich hab vor mich selbst einen Schlüssel über dieses Werck gemachet / absonderlich von solchen Gewächsen / die wir aus der Beschreibung und Abbildung erkennen können / wie nemblich dieselbe in diesen Insulen und auff Malaisch genennet werden."

Georg Eberhard (Everhard) Rumpf (1628-1702), seit 1670 nahezu erblindet, arbeitete auf der Molukkeninsel Amboina an einem, leider erst posthum gedruckten Herbarium Amboinense.[35] Wenn der Plinius Indicus, so sein Agnomen bei den Leopoldinern, solche Schwierigkeiten monierte, dürfte es den Gelehrten in Europa kaum besser ergangen sein. Der Empfänger dieser Zeilen und special-gute Freund Cleyers, Herbert de Jager,[36] stimmt in seiner Antwort vom sechsten Juli 1683 zu und [S. 32] nimmt den Herausgeber des Werkes, den Utrechter van Rheede, und dessen Mitarbeiter aufs Korn:[37]

"Es ist wohl Jammer und Schad / daß an dem sehr köstlichen und herrlichen Werck des Herrn van Rheede kein guter Botanicus geholfen hat / es solte sonsten aus gantz andern Augen sehen: indem der Pater Matthaeus, welcher den ersten Grund davon geleget hat / im geringsten kein Botanicus ist / wie ich ihn dann in Persien gekandt habe. So hat auch D. Casearius[38] niemahlen in Europa einige Profession von diesem Studio gemacht / zu geschweigen / daß / wie es mir vorkommet / das gantze Werck allzusehr praecipitirret und übereilet worden / einige Figuren neben außweichen / auch die Historialien von den Kräutern einmahl außgeschlossen / auff ein andermahl aber nur mit sehr wenigen berühret worden. Sonsten sind die meisten Risse sehr accurat, auch die Beschreibung darvon complet genug / daß sie auch alle Theiliger auff das kläreste außlegen, Weßwegen dann dieses herrliche Werck sehr hoch halte / und ist die gantze gelahrte Welt / dem Edlen Herrn von Rheede, vor solche genommene Mühe / sehr verbunden. Doch muß ich auch bekennen / daß unter seinem Nahmen viele notable Gewächse verborgen sind / welche man schon unter andern Nahmen / die unter den Unserigen gehöret / oder in den Authoribus gelesen habe / wohl kennet; weßwegen dann einem Botanico noch einige Mühe übrig bleibet / alles aus der Finsternüß an den Tag zu legen / und alles unterschieden zu können; welches einem der den Augenschein und rechte Erkantnuß der inländischen Kräuter genommen hat / nicht schwer fallen dörffte / worinnen Mein Hochgeehrter Herr bestens geübt und erfahren ist: und darff ich mir wohl einbilden / daß in einigen Benennungen noch viel zu critisiren finden wolte. Allein es ist zu hoffen / daß der erfahrne Botanicus Paulus Hermanni, welcher nun das Munus Professorium auf der Universität zu Leyden mit grossem Ruhm bekleidet / und die Malabarische Länder selbsten betretten hat / dasjenige / [S. 33] was an des Herrn van Rheede Wercken noch desideriret wird / zu eines jeden Vergnügen suppliren werde."

Hendrik Adriaan van Rheede tot Drakestein (1636-1691)[39] stand seit 1657 im Dienste der Compagnie, wurde Kapitän, Opperhoofd zu Ceylon, später in Cochin, von 1669-1676 Kommandeur von Malabar, dann nach mehrjährigem Aufenthalt in Holland schließlich Generalkommissar in Vorderindien. Seit 1678 gab er besagtes Werk über die dortige Flora heraus.

Paul Hermann (1646-1695),[40] auf den de Jager so große Hoffnungen setzte, kam aus Halle und war für die VOC von 1672-1680 als Arzt auf Ceylon tätig, wo er das Studium der einheimischen Flora aufnahm. Nach seiner Rückkehr zum Professor in Leiden berufen, fertigte er u.a ein oft zitiertes Verzeichnis aller Pflanzen der Universitätsgärten an: Horti Academici Lugduno Batavi Catalogus, exhibens plantarum omnium nomina, quibus ab anno 1681 ad 1686 hortus fuit instructus, ut et plurimarum in eodem cultarum et a nemine hucusque editarum descrptiones et icones (Leiden 1687). Er hinterließ umfangreiche handschriftliche Aufzeichnungen, die in Teilen publiziert wurden. Hier seien nur die von William Sherard herausgegebenen beiden Werke Paradisus Batavus (1698) und das Musaeum Zeylanicum (1717) genannt.

Laut Cleyer befanden sich noch Unterlagen des Hortus Malabaricus im Besitze ten Rhijnes. Tatsächlich hatte dieser für kurze Zeit van Rheede bei der Beschreibung des medizinischen Nutzen von Pflanzen geholfen. Mehr noch: als van Rheede 1678 in die Niederlande für rund sechs Jahre zurückkehrte, vertraute er eine Textabschrift und Kopien der Abbildungen ten Rhijne an, daß der, falls unterwegs das Schiff unterginge, diese Doublette nach Europa sende.[41] Cleyer schreibt nun, das ten Rhijne besagte Materialien erst nach einer Aufforderung van Rheedes zurückgegeben haben soll. Womit der gleiche Vorwurf erhoben wird wie im Falle der Pulsmaterialien. Cleyer dreht die Schraube weiter an, indem er das Supplement von "Jacobi Breynii Gedanensis Exoticarum aliarumque Minus Cognitarum Plantarum Centuria Prima" (Danzig 1678) aufgreift. Im Anhang dieses, auch aus seiner Sicht löblichen Buches steht nämlich "Wilhelmi ten Rhyne Medici, Botanici & Chymici [S. 34] quondam Magni Imperatoris Japonicae, nunc verò Medicinae & Anatomiae Professoris in Batavia Emporio Indiae Orientalis celeberrimo Excerpta ex observationibus suis Japonicis Physicis &c. de Frutice Thee[...]". Der als Botaniker berühmte Danziger Kaufmann Jakob Breyn (1637-1697)[42] hatte von ten Rhijne Beschreibungen des japanischen Tees sowie anderer Pflanzen vom Kap und der Bucht von Saldanha erhalten. Cleyer glaubt nun nachweisen zu können, mit was vor dexterität dieselbe beschrieben und erhalten (S.sieben) sei. Vor seiner Reise nach Japan formulierte er ähnliche Vorwürfe weitaus schärfer, wie ein Abschnitt aus einem früheren Brief an Scheffer (zwanzigster November 1679) zeigt:[43]

"Daß aber ein gewisser Medicus allhier in Ost=Indien von diesem Cauterio [= Moxa] auch etwas in Druck gegeben / und dasjenige / was er nur aus meinen an ihn geschriebenen Brieffen genommen / vor seine auff der Jappanischen Reise gefaßte Observationes halten will / thut mich nicht wenig verdriessen / zumahlen viele von ihm erdichtete Sachen darinnen / welche eben so wahr sind / als die Observationes Botanicae, welche D. Jacobi Breynii Cent. I. Exot. angehänget worden. Was solte man wohl vor Observationes auff der Japponischen Reise machen können / wo alle wie Gefangene tractiret werden / und nicht aus dem Hause gehen dörffen? Daß er sich aber des grossen Käysers allda Archiatrum nennet / ist wohl Lachens werth / indem er denselben niemahlen mit Augen gesehen / ja wider die Gesetze solches Reiches lauffet / sich eines Christens Artzneyen zu bedienen."

Hier kolportiert Cleyer viel Geplauder aus Batavia. Zweifellos hatte die Compagnie ten Rhijne eigens für die Faktorei Dejima eingestellt - unter dem irrtümlichen Eindruck, daß die Japaner die Entsendung eines qualifizierten Arztes wünschten. Als ten Rjine hochgemut in Japan eintraf, wußte man zwar seinen fachlichen Rat und die Hilfe zu schätzen, aber eine im Vergleich zu seinen Amtsvorgängern bessere Behandlung wurde ihm zur Enttäuschung der Niederländer nicht zuteil. Der Aufwand der VOC in dieser Sache war ebenso groß wie der [S. 35] Gesichtsverlust, und viele in Batavia und Amsterdam wußten darüber gut Bescheid. Ganz sicher hat er sich nach der mißglückten Japanmission nicht als Leibarzt des Kaiser ausgegeben. Verwantwortlich hierfür war wohl Breyn, der einiges mißverstanden haben muß. Ein Verbot 'christlicher Arzneien' bestand nicht, im Gegenteil: die japanischen Ärzte und medizinisch interessierten Dolmetscher zeigten sich an der westlichen Medizin, besonders der Chirurgie, brennend interessiert. Wann immer sich eine Gelegenheit bot, ließen hochgestellte japanische Patienten die Faktoreiärzte von Dejima zu sich rufen. Seit der Leipziger Barbier Caspar Schamberger (1623 - 1706) durch seine Instruktionen in Edo zum Stammvater einer chirurgischen Schule aufgestiegen war,[44] wurde die Teilnahme des Arztes an der alljährlichen Reise des Faktoreileiters nach Edo zur Pflicht. Von dem hinter einer Art Binsenmatte verborgenen Sho–gun sah man während der Audienz am Hofe allerdings nicht viel. Daß ein interessierter Kopf so manches herausfinden konnte, wurde durch Engelbert Kaempfer hinreichend widerlegt, und auch Cleyer kehrte aus Japan nicht mit leeren Händen zurück. 1683 läßt er dann den Vorwurf fallen, man könne dort nichts beobachten.

Die nun folgenden Zeilen zur Wurzel des Panax Ginseng erschienen in den Ephemeriden mit einem langen Scholium von L. Schröck unter dem Titel De Radice Gensingh. Dem gelehrten Publikum war die Pflanze nur in groben Zügen bekannt - unter ihrem chinesischen Namen Rensheng (Jênshên) in Schreibvarianten wie Jensing, Gensing, Gin-Sen bzw. unter der sinojapanischen Lesung Ninjin als Niinzin, Ninzim, Ninsing, Nisi etc.. Als frühe Arbeiten sind hier zu nennen Willem Pisos Mantissa Aromatica (Radix Gîn Se}ng), Martin Martinis Novus Atlas Sinensis (Ginseng, Japonibus Nisi) und Athanasius Kirchers China illustrata (Radix Ginseng, Japonibus Nisi). Den Stand der Kenntnisse in den siebziger Jahren vermittelte der Pionier der Chinakunde und Probst an der Berliner Nikolaikirche Andreas Müller (1630-1694)[45] in der Observatio quarta seiner sieben Beobachtungen über China: Iconismus Herbae laudatissimae, Ginseng dictae.[46] Und dann ist schon die Reihe an Cleyer mit dem obigen Briefauszug.

[S. 36] Die Gestalt der Wurzel und allerlei chinesischer Volksglaube im Verein mit der Schreibung[47] verleiteten schon Martini zu Vergleichen mit der abendländischen Alraune (Mandragora officinarum). Ginseng war selbst in Ostasien äußerst rar und teuer und galt als Stärkungsmittel mit einer breiten Indikation, worauf unsere heutige Bezeichnung Panax hinweist. Seit dem sechzehnten Jahrhundert erschienen in China sogar Monographien wie die 'Mitteilungen zum Ginseng' (Renshen zhuan) des Li Yenwen,[48] die ausschließlich dieser Wurzel gewidmet waren. Manches Fernöstliche übernimmt der Westen kaum abgewandelt, wie [S. 37] Valentinis Abriß der Wirkungen zeigt:[49]

"Was ihre Krafft und Tugend anlanget / so wird sie von den Sinensern vor eine rechte Panacae [= Allheilkraut] gehalten / weilen sie nicht allein von aussen einem Menschen ähnlich / sondern auch eine sonderliche Gemeinschafft mit desselben Geblüt und Lebens=Geistern haben soll / wie Hermannus in seinem Msc. redet / und deswegen von dem Pisone in Mantiss. Arom. dafür gehalten wird / daß sie die natürliche Wärme oder Calidum innatum mit ihrer temperierten Wärme stärckt und erhalte / so gar / daß P. Martini in seinem Atlante Sinico[50] vorgiebt / man könne die gantz krafftlose und mit dem Todt schon ringende damit solang erhalten / biß sie die Zeit gewinnen auch noch andere Mittel zugebrauchen; weswegen sie dann vor eine sonderliche Hertzstärckung in Ohnmachten und dergleichen gehalten und deßhalben so wohl von den Sinensern und Japoniern, als auch einigen vornehmen grossen Herrn in Europa sich eine besonder Stärcke damit zuwegen zubringen / gebraucht wird / absonderlich von dejenigen / welche bey dem Venerischen Frauenzimmer sich Heldenmäsig zeigen wollen. Von den Medicis wird sie sonderlich in der Colicâ Convulsivâ oder kramffmäsigen Colic, wie auch daraus öffters herrührenden Lähmung und Contractur, im Schwindel / geschwächten Memori und andern Haupt=Kranckheiten sehr gerühmet / ja auch alsdann / wann die Gebährende nach außgestandener grosser Arbeit gantz abgemattet liegen / welche dadurch sehr gestärcket werden / indem sie die Lebens=Geister gleich besänfftiget / und derowegen von Doct. Blumentrost unter die Ruhe= und Schlaffbringende Mittel in Miscell. Acad. Germ. Cur. Ann. VIII. Dec. II. pag. vierhundertsiebenundachtzig gezehlet wird

Valentini und mit ihm Zedler beziehen sich in ihrer Beschreibung des Ginseng an mehreren Stellen auf Cleyer. Doch auch dort, wo sie Mentzel als Gewährsmann nennen, lugt Cleyer hervor. Mentzels ein Jahr nach der Cleyerschen eingereichte eigene Observatio De Radice [S. 38] Chinensium Gîn Se}n zehrte im wesentlichen von Cleyers und Rumpfens Sendungen.[51] Die eine seiner Illustrationen faßt Zeichnungen von beiden Gewährsleuten zusammen (Fig. 5). Rumpf erwähnt später, daß seine Abbildung auf der Vormahlung eines sicheren Sineesen,[52] einem auf Ambon praktizierenden Arzt namens Zeuckius / Zaauchquius beruhe.[53] Woher stammte die Cleyersche?

 

Pulsbild
Fig. 5 Miscellanea Curiosa, Decuria II, Annus V, Obs. 39, Tafel 2

 

Die Abhandlung Mentzels sowie eine weitere vom Leibarzt des russischen Zaren, Laurentius Blumentrost d.Ä. (1619-1705),[54] stimulierten das Interesse sehr. Natürlich ging George Meister an der Wunderwurzel Nyschin nicht achtlos vorüber.[55] Dazu gesellte sich Engelbert Kaempfer (1651-1717), der 1690-92 die japanische Pflanzenwelt studierte wie niemand vor ihm. Doch bei ihm wird der botanische Irrtum deutlich, dem wohl alle Japanreisenden vor ihm gleichermaßen erlegen waren. Der Ginseng-Anbau gelangte nämlich erst Anfang des achtzehnten Jahrhunderts aus Korea über Tsushima ins japanische Inselreich. Er wurde zunächst in einem Garten unter Sho–gunatsverwaltung in Nikko– vermehrt, von wo aus man die Samen an die einzelnen Fürstentümer verteilte, weswegen die Wurzel damals o-tane ninjin hieß, d.h. 'Samen-Ginseng'.[56] Heute spricht man von cho–sen ninjin ('Korea-Ginseng').[57] Bei Meister kann man lesen, daß die Pflanze von Gestalt wie die Zucker=Wurzel sei, und auch Kaempfers Abbildung kommt dem Sium sisarum L., japanisch mukago ninjin, verblüffend nahe.[58] Dessen Wurzel wurde und wird in der Tat in betrügerischer Absicht oder aus Unwissenheit als Ginseng ausgegeben. Kaempfer ließ sich gar vermeintlichen Ginseng-Samen geben, der dann im Garten auf Dejima leider nicht aufging.[59] Eine glücklichere Hand zeigte Paul Hermann in Leiden mit der ihm überlassenen Probe. Wahrscheinlich kam er nicht mehr dazu, seine Einschätzung der Pflanze Kaempfer mittzuteilen. Valentini (1714), der nachgelassene Manuskripte aus dem Hermannschen Collegio de Materia Medica einsehen konnte, schreibt, daß dieser das Gewächs für das Sisarum Montanum hielt. Inzwischen sei sicher, daß Mentzels Abbildung aus der Japaner und Sineser Kräuter=Bücher mit dem Sisaro Montano eine grosse Gleichheit zeige.[60] Es spricht für Cleyers Blick, daß ihm 1683 die [S. 39] Unterschiede zwischen den jungen Pflanzen, die er aus Japan bei sich führte, und jener Abzeichnung, die er vordem besaß, auffielen. Die erwähnten blaue Blüten deuten auf die Adenophora triphylla var. japonica Hara (Tsurigane-ninjin)[61] hin, deren Wurzel in Japan ebenfalls anstelle der Ginseng-Wurzel verwendet und mit dieser häufig verwechselt wurde.[62] Was immer die Europäer damals in Japan beobachtet haben mögen, vertrauenswürdig war keiner ihrer Berichte. Bis zur ersten authentischen Beschreibung durch den französischen Missionar Pierre Jartoux (1669-1720) im Jahre 1711 in Peking sollte noch einige Zeit verstreichen.[63]

 

Pulsbild
Fig. 6 Einsammeln des Catechu nach dem Trocknen; aus Wu Yiluo: Bencao congxin (1775)[64]

 

Die frühste abendländische Erwähnung der wahrscheinlich aus dem Malaiischen ka–chu[65] übernommenen Bezeichnung Catechu - in alten Texten variiert als Catsio, Cacho, Cato, Cate, Catschu usw. - stammt von D. Barbosa (1516): Cacho, pucho, e muyto encenso, que vem de Xaer. Auch in den Peregrinação von Fernão Pinto (1542) findet es sich : Roçamalha, açafrão, cacho, myrrha, perçolana. Neben diesen beiden gibt Dalgado allein für das sechzehnten Jahrhundert sieben weitere iberische Belege. Nachdem der Niederländer Linschoten (1589) den Baum Kaate nannte, bekommen wir in Bondts Historia naturalis (1631) eine knappe Beschreibung. In Deutschland wird das Mittel um die Mitte [S. 40] des 17. Jahrhunderts als Catechu, terra japonica, genus terrae exoticae (Schroeder, 1654) bekannt.[66] Es handelt sich entweder um den eingedickten Extrakt aus dem Kernholz der Acacia catechu Willdenow bzw. der Acacia suma Kurz (Leguminosae), zur Unterscheidung gelegentlich als Pegu Catechu bezeichnet, oder aber um den Extrakt aus den Blättern und Zweigen der Uncaria gambir Roxburgh (Rubiaceae), auch Gambir genannt.[67] Verhandelt wird es noch heute in Brocken oder Blockform. Terra Japonica hieß es, weil das rötlich-braune Catechupulver der Terra sigillata und ähnlichen medizinischen Erden ähnelte und eine japanische Herkunft vermutet wurde.[68] Der Produktionsschwerpunkt lag jedoch in Pegu und an der Küste von Koromandel. Von dort aus brachte man allerdings größere Mengen zur Verarbeitung nach Japan. Kaempfer, der sich in Königsberg Vorlesungsnotizen zur Terra Japonica gemacht hatte,[69] trug am elften März 1691 angesichts der zahlreichen Läden des für seine Heilmittel berühmten japanischen Städtchens Odawara in sein Tagebuch ein:

"man bereitet alhier jedoch den wohlriechenden Catechu (oder Japanische Erde) und formirt daraus Pillen, Bilder, Blumen und vielerlei Figuren, die man in kleine Schachtelns zum Verkauf thut; besonders das Frauenzimmer macht davon einen täglichen Gebrauch, weil damit neben Befestigung der Zähne ein guter Geruch aus dem Munde zuwege gebracht wird. Die Holländer und Sinesen bringen diesen verdikten Saft roh nach Japan, und wenn er zu Miaco [Kyo–to] oder Odoware [Odawara] gereinigt und mit Ambra, Borneischen Campher und andern Sachen angesezt worden, kaufen sie ihn wieder ein und führen ihn aus dem Lande.[70]

In der chinesischen Apotheke findet man das Catechu unter dem Namen Haiercha (›w™Z’ƒ), soviel wie 'Kindertee', weil es allerlei Ausschlag bei Kindern heile, in Japan unter Asenyaku (ˆ¢å–ò). Dieses Stichwort steht schon im japanisch-portugiesischen Vocabulario da lingoa de Iapam (Nagasaki 1603/1604) der Jesuiten: Axenyacu. Certa mezinha que se chama cacho. Asenyaku galt als zusammenziehend und blutstillend und wurde deshalb bei schlecht heilenden bzw. Bluten- [S. 41] den Wunden, Zahnfleischbluten, bei Blut im Urin oder Kot verwendet.[71] Sehr ähnlich sahen die Indikationen der Terra Japonica im Abendland aus. Valentini faßte 1704 wie folgt zusammen:[72]

"Ihre Kräfften und Würckungen betreffend / so hat sie eine adstringirende Krafft / und ist deßwegen in allen Durchbrüchen / Erbrechen / Blutstürtzungen / Flüssen und dergleichen ein sehr gutes Mittel / wie obgemelter Herr Hagedorn in seinem Büchlein nach der Länge davon zu sehen ist / wo auch viele andere Praeparata und Composita darvon zu sehen sind / unter welchen die Muscerda Moschata oder Catschu der Apothecker am gemeinsten ist / so auß der Terra Japponica mit Bisem und Amber durch Tragant und dergleichen zu kleinen Trochiscis, wie Mäußdreck anzusehen / formiret wird / welche je kleiner sie sind / je besser sie gehalten werden. Sie machen einen gutem Athem und dienen absonderlich gegen die blutende und wackelnde Zähne."

Doch lange Zeit spekulierte die abendländischen 'Materialisten' über das Ausgangsmaterial, wovon z.B. eine Abhandlung Wolfgang Wedels in den Ephemeriden zeugt.[73] Sehr eingehend setzte sich nach Lukas Schroeck fil.[74] auch Ehrenfried Hagendorn mit dem Catechu in einem längeren Tractatus Physico-Medicus, De Catechu, sive Terra Japonica (Jena 1679) auseinander. Da die Substanz in Wasser löslich war, konnte es keine Erde sein. Laut Valentini habe Paul Hermann die Ansicht geäußert, daß es sich um den eingedickten Saft der Areken-Frucht und der Rinde eines indischen Catechu-Baumes handele.[75] Cleyer, dessen Name hier ebenso genannt wird wie im betreffenden Lexikonartikel Zedlers, griff in seinem Brief nicht zufällig das Catechu auf. Sein Freund Herbert de Jager (1636/1637-1694), von 1684 bis 1687 mit kurzen Unterbrechungen für die VOC vorwiegend in Persien tätig, hatte in einem Brief an Rumpf (Batavia, zwanzigster Mai 1683) seine Unzufriedenheit mit der elenden Beschreibung des Catsio oder Catto bei Garcia da Orta samt einiger seiner eigenen Ansichten zum Ausdruck gebracht und um einen etwas nähern Bericht gebeten. Seine Meinung habe er auch Cleyer kundgetan, und er hoffe daß dieser, der jetzo in Japan weile, [S. 42] ein mehreres Vergnügen geben können würde.[76] Rumpf seinerseits zweifelte Cleyer gegenüber an de Jagers Beschreibung,[77] was Cleyer ziemlich angespornt haben dürfte. Interessanterweise kommt er zu dem Schluß, daß die Beschreibung von da Orta noch die vertrauenswürdigste sei. Das Werk dieses portugiesischen Arztes und Indienfahrers (ca. 1500-ca.1568)[78] war eigentlich nicht mehr so neu. Da Orta hatte seinen Text 1563 in Goa auf portugiesisch als Dialog zwischen dem Autor und einem wißbegierigen Neuankömmling publiziert: Coloquios dos simples e drogas he cousas medicinais da India e assi dalgu]as frutas achadas [c]. Doch einen größeren Leserkreis wurde er durch die von Carolus Clusius nach Sachgebieten geordnete und mit Anmerkungen versehene lateinische Version: Aromatum et simplicium aliquot medicamentorum apud Indos nascentium historia ante biennium quidem Lusitanica lingua [c] conscripta, D. Garcia ab Horto auctore (Antwerpen 1567). Wann immer die indische Materia Medica zur Sprache kam, galt da Orta noch immer als Wegbereiter und Zeuge.

 

Catechu
Fig. 7 japanischer Catechu

Scheffer hatte Cleyer weiter nach der persischen 'Mumia' befragt, unter Hinweis auf Ian Iansson Struys, Drie aanmerkelijke en seer [S. 43] rampspoedige Reysen, door Italien, Griekenlandt [c] Persien, Oost-Indien, Japan [c] (Amsterdam 1676), die zwei Jahre darauf auch auf deutsch erschien. Die harten, schwarzen Mumien, laut Valentini scharf und bitter schmeckend,[79] wurden seit dem Mittelalter aus Ägypten und Persien nach Europa ausgeführt. Sie waren so kostspielig, daß Fälschungen aus rezenten Verstorbenen in den Handel kamen. Valentini umreißt ihre Eigenschaften wie folgt:[80]

"Der Krafft und Würckung nach hat die Mumia eine erwärmende / zertheilende und Balsamische Qualität / zertheilet die Winde im Leib / wie auch das harte / geronnene und verstockte Geblüt / so jemand gefallen und sich wehe gethan hat: Ist gut gegen die Lungensucht / Miltz= und Seitenstechen / Mutterschmertzen und äusserliche wunde; weßwegen sie auch unter sehr viel alte Compositiones, als Pulv. contra casum Empl. Apostol. in dergleichen kommet / und in den Apothecken auff verschiedene Weiß praepariret wird / in welchen man eine Essenz, Elixir, Oleum und dergleichen darauß machet / worvon Schroederus pag. neunundzwanzig, lib. fünf. seiner Apothekerkunst [=Pharmacopoeia Medico Chym.] zu sehen ist."

Da war viel Aberglaube im Spiel, über den bereits Ambroise Paré in seinem Discours de la mumie, des venins, de la licorne et de la peste (Paris 1582) gehörig spottete. Nüchterne Autoren schrieben die Heilkräfte mehr dem konservierenden Balsam als dem Fleisch zu. Inzwischen gäbe es, so Valentini 1704,[81] einige Gelehrte, die unter Mumien nicht das balsamirte Menschen=Fleisch oder die Cörper selbsten, sondern nur dasjenige Hartz oder Erdpech / so mit dem Geblüt sich vereiniget / und also auß den Gräbern solcher balsamirten Cörper dringet, verstehen wollten. Ja, man fände einige, die das blosse Asphaltum auch an statt der Mumien gebrauchten. Dies ging auf die 1694 gedruckten Dissertation engelbert Kaempfers zurück, die eine Observatio De Mumiâ Nativâ Persicâ, Moyminahi dictâ[82] enthält. Kaempfer beschireb hier das persische Erdpech, welches Belessoon oder Balsam, auch Mouminahi genannt werde. Unter 'Mumie' [S. 44] verstand er ausschließlich das Bitumen, so daß Valentini (1714) 'nativâ' als 'von Natur wachsend' übersetzte. Immerhin, dies zeigt ein Vergleich mit Struys und Kaempfer, treffen Cleyers Erzählungen aus zweiter Hand weitgehend zu. Tatsächlich existierte im Raum Laar (heute Provinz Fars) ein Vorkommen der 'Mumie' in einer versiegelten Höhle des Bonna Gebirges. Einmal jährlich wurde sie geöffnet, das an den Wänden ausgeschwitzte Bitumen unter scharfen Sicherheitsmaßnahmen abgekratzt, raffiniert und an den königlichen Hof von Isfahan gebracht. Cleyer nennt die Menge von einer Unze (neunundzwanzig komma fünf Gramm), Kaempfer schreibt von vier Unzen; auf jeden Fall war die Ausbeute nicht überwältigend.

Alsdann widmet sich Cleyer einigen steinbrechenden Mitteln. Unter 'Menschenstein', auch Calculus humanus oder Ludus genannt, verstand man den Sand oder die Steine, welche an allen Orten in des Menschen Leibe wachsen, zum Exempel in den Nieren, in der Blase, in der Galle. Man wußte, daß die Ernährung eine Rolle spielte. Hatte sich ein Stein gebildet, so gab es Mittel, diesen zu brechen, den Urin zu befördern: Salz, Weinstein (Tartarus) oder Weinsteintinkturen, Vitriol, Salpeter und anderes mehr. Wenn das nicht half und das Leiden sich verschlimmerte, blieb nur noch der schwere Gang zum Steinschneider, dessen Künste Zedler über viele Seiten beschreibt.[83] Scheffer hatte Cleyer über ein neues 'Wasser' informiert, mit dem man in Frankreich unter den strengen Augen hochgestellter Personen (offenbar im Labor) einen Stein erfolgreich auflöste. Doch Cleyer ist skeptisch, daß man dieselbe Wirkung im menschlichen Körper erzielen könne. Er glaube auch nicht, daß das Mittel dem in einer Weinsteintinktur gelösten Ludo Helmontii gleiche, denn Helmont fordere, daß alles, was dem von ihm postulierten vitalen Prinzip, dem Archäus der Nieren und Blasen zugeführt werde, aus Kräutern, Früchten und Tieren, zu gewinnen sei. Cleyer kannte sicher den Traktat De lithiasi, die erste von vier Abhandlungen in Helmonts Opuscula medica inaudita (Köln 1644, zweite Ed. 1648). Joan Baptista van Helmont (1579-1644), Entdecker des Kohlendioxyds und Erfinder des Begriffes 'Gas', hatte sich u.a. intensiv mit Säuren und deren Wirkungen befaßt und dabei die Funktion einer 'hungrigen Säure' [S. 45] (acetum esurinum) bei der Verdauung entdeckt. Er postulierte, daß Metalle beim Auflösen in Säuren nicht zerstört würden, sondern wiedergewinnbar seien - ähnlich dem Salz im Wasser. Von ihm stammten weiter Verfahren zur Herstellung der Schwefel-, der Salpter- und Salzsäure.[84] Der von Cleyer hier erwähnte Joachim Polemann war Alchemist und Verfasser eines Novum lumen medicum, in welchem des Philosophen Helmontii Lehre von dem Geheimnis des Sulphuris philosophorum erklärt wird (Frankfurt am Main 1647, Amsterdam 1659).[85]

Im Zusammenhang mit der Lithiasis geht Cleyer auf die Ananas näher ein. Aus Westindien kommend, hatte die Pflanze sich in Ostindien rasch verbreitet. Ihre Frucht erfrischte und trieb nach Ansicht jener Epoche den Harn, Blasensteine oder den gestorbenen Fötus ab. Auch die Wurzeln und Blätter fanden medizinische Verwendung. Cleyer hatte hierzu eigene Beobachtungen anstellen können. Seine Warnung, daß ein übermäßiger Gebrauch bei großen Steinen lebensgefährlich wäre, wird von Valentini übernommen.[86] Georg Meister, der seiner Beschreibung der Ananas eine ansehnliche Abbildung befügte, nahm auf seiner Rückreise nach Europa 1688 im Auftrage Cleyers u.a. eine Herba Annanassa nach Amsterdam mit.[87]

Die folgenden Zeilen erinnern daran, daß wir uns im siebzehnten Jahrhundert befinden. Cleyer war Scheffer um Informationen zu alchemistischen Verfahren angegangen. Hier gesteht er, daß sein Interesse mehr allgemeiner, theoretischer Natur sei. Zwar ließen sich bestimmte Metalle nach Auflösung und Behandlung mit Feuer und Sulphur in edlere verwandeln, doch nur solche, die bereits eine Disposition hierzu aufwiesen. Er selbst habe nicht die Absicht, das in der Praxis zu versuchen, weil es die ganze Kraft und Zeit eines Menschen erfordere und meist nur zu Grillen und Armut führte. Die von Scheffer avisierten Erzproben sollten offensichtlich solchen Transmutationsversuchen dienen. Hatte hier der von der Alchemie faszinierte Laborant Cleyers, Johann Otto Hellwig (auf den ich weiter unten genauer eingehe) seinen Dienstherren beeinflußt?

Cleyer dankt alsdann für Informationen zu sphärischen Glaslinsen [S. 46] (Microscopium simplex), mit denen sich heute eher der Name A. Leeuwenhoeks verbindet. Die beiden Briefpartner dagegen hielten den Bürgermeister zu Amsterdam und Mathematiker Joan Hudde (1628-1704)[88] für bedeutsamer. Dieser hatte 1663 Mikroskope mit solchen Linsen konstruiert, zwei Jahre später arbeitete er mit Spinoza an Teleskoplinsen. Doch den Forschungen, die ihm in der Geschichte der Physik einen Platz sicherten, ging er inzwischen kaum noch nach. Die öffentlichen Ämter, Cleyer beklagt es, ließen ihm kaum noch Zeit hierzu. Seit 1679 war er als einer der Direktoren der VOC im gewissen Sinne Cleyers Vorgesetzter. Daß die Japaner nichts über das Glasblasen wüßten, ist ein wenig überzogen. Sie hatten lange von den Portugiesen und den Niederländern gelernt, wenngleich im 17. Jahrhundert das technische Niveau zweifellos noch um einiges unter dem im Abendland lag. Die Verwendung von Metallspiegeln reicht demgegenüber bis in die historische Frühzeit zurück, als man sie aus China einführte. Die wiederum von den Europäern übernommene Herstellungstechnik der Hohlspiegel hat man laut Cleyer im Griff. Ein kleines Exemplar ist der Sendung mit der Bitte um eine Beurteilung beigefügt .

Außerdem schickte er eine Reihe von Muscheln, an denen er die Farben und Formen schätzte. Eine der weniger auffälligen kleinen 'Schnecken' solle, mit Moschus versetzt Frauen auf den Bauch gebunden, diese von der Harnhemmung augenblicklich befreien. Dies könnte die in Japan 'uminina' genannte, zwei bis drei Zentimeter große schneckenförmige Batillaria multiformis aus der Familie der Potamididae sein,[89] deren Fleisch gemäß der Bildenzyklopädie des naturalisierten Chinesen R. Terashima, dem Wakan sansai zu'e von 1732,[90] unter anderem bei Dysurie helfen soll.

Scheffers Anfrage nach Seeäpfeln, d.h. Seeigeln, will Cleyer nachkommen, wobei er Rumpf im Auge hat, der u.a. solche Objekte erforsche. Möglicherweise geht die Rumpfsche Sendung an Cleyer vom fünfzehnten Mai 1688 auf diese Anfrage zurück. Unter den zahlreichen Schachtel sind ohngefehr einhundertzehn Sorten von verschiedenen Muschen eingeleget / samt einigen raren Seeäpffeln / und oben darauff eine dünne und platte Stella marina, also ein Seestern. In der Aufstellung am Schluß des [S. 47] Begleitschreibens finden wir einen Echinus Marinus Digitatus, ein langer und dick=schaliger See=Apffel, Acht Steinfinger / oder die Spitzen von dem vorbenahmten See=Apffel sowie einen weiteren runden Seeapfel, der Persianische Tulband genant und einige Füsse oder Spitze von diesem, wie Seil=Nadelen anzusehen / welche mit der Zeit gantz dick werden. Beschrieben hat Rumpf solche Gegenstände in der Amboinsche Rariteitkamer (Amsterdam 1705), auf deutsch 1766 in Wien als Abhandlung von den steinschaligen Tieren erschienen.

Das Thema wechselt zum Tee und anderen Pflanzen, die Cleyer während seiner Zeit in Japan sah. Die Ostindienfahrer lernten schon früh den Tee schätzen, den sie nach der im Raume Fujian üblichen Aussprache 'té' als 'The', 'Thea' oder aber nach der nordchinesischen und auch sinojapanischen Lautung als 'Cha', 'Tça' etc. bezeichneten. Die früheste Beschreibung, die ich fand, steht in einem Brief des Luis Dalmeida an den ebenso berühmten Pater Luis Frois vom 25. Oktober 1565.[91] Aus den Kreisen der Japanmission folgten zahlreiche weitere 'Cartas', in denen das Getränk genannt wurde.[92] Besonders hervorzuheben ist die Schilderung der Teezeremonie in der Arte del Cha von João Rodrigues.[93] Im 17. Jahrhundert melden sich endlich auch einige Deutsche zu Wort. So lesen wir im Diarium, oder Tage=Buch (Jena 1668) des Leipzigers Johann von der Behr:

Den fünften dieses [Januar 1650] begabe ich mich und mein Camerad in die Stadt Batavia, den köstlichen Tee-Tranck, welcher warm getruncken wird, (ist gut wenn der Magen mit Speisse und Tranck überladen, stärcket das Gedächtnüß und schärft den Verstandt,) wie auch das Zuckerbier zu versuchen.[94]

Der Berner Albrecht Herport, dessen kurze Ost=Indianische Reiss=Beschreibung 1669 in seiner Heimatstadt gedruckt wurde, beschrieb auf der Insel Taiwan 1662 das Leben der Chinesen:[95]

Darneben gebrauchen sie durch den tag das Dee-Wasser. Welches sie von dem kraut Dee, so in China wächset, kochen, trincken selbiges gantz heiß, darzu sie Confect von aller hand Zuckerwerck essen. Dises Wasser von Dee, wird nit nur von [S. 48] den Chinesen sonder von allen Indianen vnd von den Holländeren daselbst also gebraucht: Wird für ein gute Artzney gehalten.

Die ausführlicheren botanischen Beschreibungen der Pflanze beginnen mit Schilderungen in Jacob de Bondts De medicina Indorum libri VI (Leiden 1642) und dem Observationum medicarum, libri tres (Amsterdam 1641) des berühmten Nicolaas Tulp. Tee galt, wie Herport sagte, als Heilmittel, und die verhandelten Mengen waren zunächst unbedeutend. Nicht so die Gewinnspannen der Niederländer z.B. in Frankreich, über die sich Pater Alexander de Rhodes 1653 entrüstete. Er kannte sich in Ostindien bestens aus.[96] Eine ansehnliche Abbildung des 'Krautes' zeigt die Descriptio herbae Chà, sive Tè des Jesuiten Athanasius Kircher von 1667.[97] Als Augenzeuge zu nennen ist weiter der Hofmeister einer niederländischen Gesandtschaft nach Peking, Joan Nieuhoff, der Het gezantschap der Neerlandtsche Oost-Indische Compagnie aan den grooten Tartarischen Cham, den tegenwoord keizer van China (Amsterdam, 1665) schrieb. Die Beschreibungen von Tulp, Kircher und Nieuhoff verbreitete Steven Blankaart in seinen periodisch erscheinennnden Amsterdamer Collectanea medico-physica, oft Hollands Jaar-Register der Genees- en Natuur-kundige Aanmerkingen (S.dreihundertzweiundsiebzig ff.). Dieser Band von 1680 erschien zehn Jahre später in deutscher Übersetzung.[98] Die in der zweiten Jahrhunderthälfte einsetzende Popularisierung in Deutschland wurde erheblich, vielleicht sogar entscheidend durch den niederländischen Leibarzt des Kurfürsten von Brandenburg, Cornelis Bontekoe, vorangetrieben. Sein Tractat van het excellente cruyt Thee (1678) findet sich in Steven Blankaarts Buch Over het gebruik en misbruik van de thee [c] (Amsterdam 1686), von dem 1705 eine Hamburger Ausgabe erschien: Stephani Blancardi [c] Haustus polychresti, oder: Zuverlässige Gedancken vom Theé, Coffeé, Chocolate, und Taback, mit welchen der grosse Nutze dieser ausländischen Wahren so wol in gesunden als krancken Tagen gründlich und umständlich gelehret wird. Als Fürsprecher traten weiter Molinari (1672), Albinus (1684) und Pechlin (1684) in Erscheinung. Die Erforschung der Pflanze selbst machte einen deutlichen Fortschritt [S. 49] mit "Willhelmi ten Rhyne Medici [c] Excerpta ex observationibus suis Japonicis Physicis &c. de Frutice Thee". Der als Botaniker berühmte Danziger Kaufmann Jakob Breyn (1637-1697) hatte vom Verfasser Materialien zum japanischen Tee sowie seltenen Kapflanzen etc. erhalten und sie der "Jacobi Breynii Gedanensis Exoticarum aliarumque Minus Cognitarum Plantarum Centuria Prima" (Danzig 1678) angefügt. Die von ten Rhijne an Hieronymus Beverningk ex Insulâ Decimâ Anno M. DC. LXXV. geschickte Abbildung einer Tee­pflanze gab Breyn seinem eigenen Kapitel "The Sinensium, sive Tsia Japo­nensibus" bei.[99] Der Chinamissionar Philippe Couplet wiederum überließ Herbert de Jager Teesamen, wie dieser am 6. Juli 1683 aus Batavia an Rumpf mitteilt.[100]

Wie bei der Rezeption vieler anderer Dinge aus fernen Welten erschienen auch im Falle des Tees Autoren, die behaupteten, es handele sich in Wirklichkeit um nichts anderes als diese oder jene europäische Pflanze. Oder solche, die - etwas vorsichtiger - einheimische Gewächse anführten, die dem Tee in nichts nachstünden. Der erste, der sich laut Zedlers Ausführungen zum Thee, gewaltig vergangen habe, war der gelehrte, unter den Medicis wohlbekannte und sonst wackere Simon Paulli:[101]

Dieser berühmte Mann, welcher wie es fast an allen Orthen seiner Schrifften [c] herfür blicket, ein offenbarer Feind vom rechten Thee muß gewesen seyn, saget in seinem Traktate de abusu Tabaki & Thée[102] ungescheuet, des Dodonäi Chameläagnus oder der sonst genannte Myrthus Brabantica vel Rhus Sylvestris, der Branbantische Post, wäre der Chinesische wahre Thee, oder der Thee wäre nichts anders, als die Blätter von diesem unsern Post.

Paulli (1603 - 1680)[103] hatte sich den Gagelstrauch (Myrica gale L.) ausgesucht.[104] Dessen Blätter waren als Brabanter Myrtenblätter gegen (bösartige) Ausschläge in Gebrauch, mit einer Abkochung befreite man die Tiere von Ungeziefer. Sie wurden auch an Stelle des Hopfens zum Bierbrauen verwendet.[105] Zedler verzeichnet unter Chamaeleagnus lakonisch: Dieses Kraut ist trocken, macht trunck- [S. 50] en, hat mit dem Thée gleiche Kraft und curiret die Krätze. Paulli vertrat seine These ziemlich hartnäckig. Er nannte den Strauch ungescheuet Thee Europaeorum, Thee nostrum, und hat sich darmit dergestallt aufgehalten, daß er fast alle Schrifftsteller, die des Thees gedacht auf seinen Post bezog.[106] Solche Versuche, Unbekanntes in die bekannte Welt zu integrieren, waren unter den abendländischen Autoren, die ihren Gegenstand nicht aus eigener Betrachtung kannten, ziemlich verbreitet. Rumpf beklagte sich 1688 gegenüber Cleyer:[107]

Eben so unglücklich waren unsere Scribenten in Europa / welche die Oost= und West=Indische Gewächse / welche sie nicht anderst / dann aus der Figur und Beschreibung kenneten / unter dieses oder jenes Geschlecht eines Vatterländischen Krauts bringen wolten; dergleichen Fehler ich im Horto Malabarico anweisen und zeigen kan.

Die wenigen Glaubensgenossen, die Paulli mit auf seinen Holzweg ziehen konnte, seien Ärzte gewesen, die ihn, der in anderen Dingen [S. 51] berufen und gültig sei, aus gleichmäsiger Abhängigkeit und Feindschafft zum Thee, zu ihrem Behufe, nach der Zeit anführten. Immerhin veranlaßte er seinen Sohn, Johan Joachim Paulli, der nach Ostindien zog, Cleyer in dieser Frage anzusprechen.[108] Die schriftliche Antwort samt einer Zeichnung der Teepflanze, die Cleyer eigens hatte anfertigen lassen, findet sich in Thomas Bartholinis Acta Medica et Philosophica Hafniensia von 1677.[109] Die Abbildung taucht erneut bei Valentini (1714) im Kapitel Von dem Gemeinen= und Kayser=Thee auf (Fig. 8) . Kaisertee war laut Meister der dem japanischen Kaiser und hohen Familien vorbehaltende Ojandonnasamme Tzschë:[110]

 

Tee Fig. 8 japanische Teepflanze aus Cleyers Sendung an Simon Paulli[111]

 

Cleyers Gärtner in Batavia und 'Hofmeister' auf beiden Japanreisen, der Dresdener Georg Meister, teilte viele Interessen seines Dienstherren und hatte in Japan mit sonderbahrem Fleisse dieses Landes Bäume und Kräuter=Gewächse erkundiget.[112] Als er 1687 Batavia verließ, nahm er eine stattliche Zahl von Briefen und Paketen mit sich, die er an Mentzel, Breyn u.a. weiterleiten sollte, darunter Tee-Bäumgen und andere Gewächse in Bambusbehältern.[113] So findet sich denn in auch Meisters Orientalisch=Indianischen Kunst= und Lust=Gärtner (Dresden 1692) ein Kapitel Von Herba Thee, oder auf Jappansch Tzshë noky.[114] Seine Retourflotte 1688 hatte einhundertachtunddreißig einhundertfünfundneunzig Pfund chinesischen Tee geladen.[115] Doch den wichtigsten Beitrag unter den Asienreisenden jener Dekaden verfaßte wieder Engelbert Kaempfer mit seiner 'Geschichte des Japanischen Thees' in den Amoenitates exoticae (Lemgo 1712). Dort finden wir neben der botanischen Beschreibung allerlei zum Anbau, zur Verarbeitung, den verschiedenen Sorten, zur Zubereitung und Wirkung einschließlich kulturgeschichtlicher Hinweise.[116]

Allerdings dürfen wir nicht übersehen, daß im Gegensatz zum Mutterland China, die historischen Wurzeln des Tees in Japan vergleichsweise kurz waren. Zwar gelangte er zusammen mit dem Buddhismus schon im siebten Jahrhundert in die japanischen Tempelgärten, doch blieb das als Medikament hochgeschätzte, kostbare Getränk den Mönchen bzw. dem Adel vorbehalten. Während der heftigen Machtkämpfe gegen Ende der Heian-Zeit im zwölften Jahrhundert wurden Anbau und Nutzung wieder aufgegeben. Die heutige Tradition des Tees [S. 52] begann vor genau achthundert Jahren, als der Zenmönch und Sektenbegründer Eisai (1141-1215)[117] aus China Teepflanzen mitbrachte, die er in Hakata und an den Hängen des südwestlich gelegenen Seburi-Berges pflanzte. Dank einer Schrift Eisais 'Aufzeichnungen zur Pflege des Lebens durch Teetrinken' (Kissa yo–seiki)[118] und des von ihm verteilten Samens kam der Anbau und das Teetrinken rasch unter das Volk, und unter der Samurai-Schicht entwickelte sich das Trinken als Mittel zur psychischen Schulung. Neue Keramikglasuren aus China beschleunigten die Verbreitung der Teezeremonie. Die von den europäischen Missionaren des sechzehnten und den Kaufleuten des siebzehnten Jahrhunderts beobachtete Kultur des japanischen Tees blickte daher auf eine junge Geschichte zurück.[119]

Interessant ist Cleyers Hinweis auf die in Japan seiner Ansicht nach hoch entwickelte Pfropftechnik, die er bei kleinen Bonsaipflanzen bewundert hatte.[120] Seine Begeisterung für die Blumen und Blüten des Inselreiches ist mehr als deutlich. Valentini (1714), der diesen Abschnitt etwas gerafft abdruckte, fügte weitere Bemerkungen, wohl aus dem früheren Brief Cleyers von 1679, bei:[121]

"Also gibt es allhier fliegende Meer=Katzen / fliegende wilde Katzen / einhörnige Fledermäuse von schönen Farben: Fische von schönen Farben / so anderwerts nicht zu finden."

Vermutlich sah er auf dem Weg nach Edo den im Japanischen momoga [S. 53] oder wegen seiner Verbreitung auch Honshu–-momoga genannten Pteromys momonga Temminck et Schlegel (Fig.neun), der dank seiner Flughäute von Baum zu Baum segeln kann. Bei den Fischen dürfte es sich um die in der Tat sehr bunten Zierkarpfen (jap. nishikigoi) handeln. Wie in den Zeilen zur Schönheit der Muscheln erleben wir hier Cleyer als Naturliebhaber.

 

Momonga
Fig. 9 Pteromys momonga T. et. S.[122]

 

Die Umstände bei der Herausgabe des Specimen Medicinae Sinicaesind durch Kraft (1975) sehr ausführlich analysiert. Hinter dem Druck stand die Akademie, in deren Auftrag Scheffer in Frankfurt aktiv wurde. Das Werk war noch nicht vollständig gesetzt, als der Drucker starb und dessen Laden wegen anstehender Schulden schließen mußte.[123] Dies dürfte auch in einem der beiden von Scheffers nach Batavia geschickten Schreiben (einundzwanzigster Mai 1681 bzw. dreiundzwanzigster Juli 1681) gestanden haben, denn Cleyer hofft auf der siebten Seite unseres vorliegenden Briefes, das der newe Verleger hirzu sich willig einfinde. Alle [S. 54] Unkosten wolle er übernehmen und sich auch ansonsten dankbar zeigen. Zwar erscheint das Buch endlich 1682 (Fig.zehn), doch in einem Zustand, der wohl keinen der Beteiligten zufriedenstellt. Ein Exemplar liegt in Batavia, wahrscheinlich aus der Sendung Mentzels vom zwanzigsten Februar 1682, die Beilagen und Kupferdrucke umfaßte. Noch weiß Cleyer nicht, daß neben seiner Widmung und dem Vorwort auch die Schilderung seines eigenen Anteils am Werk fehlen. So wird es in der Folge zu Plagiatsvorwürfen und diversen Verdächtigungen kommen, die erst Kraft wieder zurechtrückte. Manche Zeitgenossen fällten über den Inhalt herbe Urteile. In der Tat fallen im Vergleich mit dem Manuskript des Specimen in Berlin die Tafeln weit hinter ihre Vorlagen zurück. Hier und dort unerfreuliche Druckfehler und eine konfuse Seitennummerierung. Überdies sind die Darstellungen mit dunklen Sinizismen durchsetzt, und über weite Strecken müßte man zum korrekten Verständnis genau das schon wissen, was die Texte zu vermitteln suchen.

 

Specimen Medicinae Sinicae
Fig. 10 Frontispiz Specimen Medicinae Sinicae (1682)

 

Leider konnte ich den Schleier um besagten Lizentiaten Graff nicht lüften. Scheffer hatte dessen Ankunft avisiert und um Fürsprache gebeten. Doch Cleyers Frau erwähnte Graff in ihrem Brief nach Dejima nicht. Nun war die Wahrscheinlichkeit, während der langen Reise von Texel nach Batavia zu sterben, ziemlich groß. Die Ventilation der Schiffe mit ihren niedrigen Decks kam in den tropischen Klimagebieten fast völlig zum Erliegen. Kranke konnten nicht isoliert werden, es mangelte an frischem Gemüse, Fleisch und Trinkwasser.[124] Fast alle Überlebende, die zur Feder griffen, beschreiben die Qualen der Fahrt nach Fernost - manchmal in lyrischer Form, wie Elias Hesse, der 1680 Holland verließ:[125]

"Durch das wilde wüste Meere
Welches wütt't und tobet sehre,
Dessen Noth nicht zu beschreiben
Weil man nirgend weiß zu bleiben.
Hierbey kunt es nicht verbleiben;
Kranckheit ließ auch finden sich,
Niemand wirds so leichte gläuben
[S. 55] Wie es ist so jämmerlich,
Wenn nur Hunger, Durst und Kummer
Furcht und Sorgen-voller Schlummer,
Ja wohl letztlich gar der Tod
Folgt auff vorgegangne Noth."

Viel Hoffnung auf eine gute Anstellung Graffs in Batavia kann Cleyer nicht machen, doch würden alle Strapazen versüßt durch die herrlichen Studienobjekte, die Ostindien darbiete.

Durch Mentzel erfährt Cleyer vom Ableben des Breslauer Stadtarztes Heinrich Vollgnads (= Sirius), der 1682 im Alter von siebenundvierzig Jahren starb. Zusammen mit Janisius und Sachs von Lewenhaimb hatte er die Herausgabe der Ephemeriden besorgt[126] und im Verein mit Mentzel dem batavischen Protomedicus zur Mitgliedschaft in der Akademie verholfen.[127] Cleyer wird nun ein vor der Versetzung nach Japan zu Papier gebrachtes, aber noch nicht an Vollgnad abgeschicktes Schreiben an Mentzel umdirigieren. Die Andeutungen über Auseinandersetzungen in der Leopoldina reichen leider nicht für die Identifikation der gemeinten Personen. Was immer auch vorgefallen sein mag, [S. 56] laut Satzung sollte auf wissenschaftlichem Felde jede Kritik unter den Mitgliedern eigentlich amice, candide et veluti fraterne, citra arrogantiam aut invidiam vel ullius contemptum ac contumeliam sein.[128]

 

Cinnamomum
Fig. 11 Rinde vom Cinnamomum aromaticum und Cinnamomum zeylanicum (rechts)

 

Vergleichsweise ausführlich setzt sich Cleyer dann mit der Cassia lignea und dem Cinnamomum auseinander. Unter der botanischen Gattungsbezeichnung Cassia subsumiert man heute rund fünfhundert fast ausschließlich tropische Pflanzenarten. Cleyer spricht dagegen von der Gewürzdroge Cassia lignea (Zimtcassia, Kaneel, Chinesischer Zimt, Mutterzimt), die von der mit den botanischen Cassia-Arten nicht verwandten Stammpflanze Cinnamomum aromaticum Nees (syn. Cinnamomum cassia Bl.) gewonnen wird. Deren Heimat wird in Cochinchina vermutet. Dalgados ältester Beleg stammt von Tomé Pires (1516).[129] Einflußreicher im Hinblick auf die Verbreitung dürfte da Ortas fünfzehntes Gespräch da canella, e de cassia lignea, e do cinamomo, que tudo he huma cousa gewesen sein,[130] welches den Themenkreis bereits umreißt. Aus der Rinde wurde ein Öl gewonnen, das nach Zedlers Universal Lexicon eine wärmende, trocknende Wirkung habe, die Feuchtigkeiten austreibe und derer Weiber Reinigung erwecke. Die Gewürzdroge Cinnamomum (Ceylonzimt, Echter Zimt, Echter Kaneel) wiederum stammt vom Cinnamomum zeylanicum Bl.[131] Der Geruch ist zum verwechseln ähnlich, kein Wunder, daß die Scheidung Mühe machte. Cleyer trennt geographisch. Das Cinnamomum gäbe es nur auf Ceylon, die Cassia lignea aber in vielen Regionen und Arten. Einige davon seien in der Tat dem Cinnamomum ähnlich, gäben auch ein gutes Öl, doch käme das dem Öl der Cassia lignea qualitativ nicht gleich. Valentini (1704) beschreibt die Holz-Caszie oder Caszien=Rinde als eine zusammengerollte Rinde, etwas dicker und röter als Zimtrinde, doch weniger stark und scharf in Geschmack und Geruch und ein wenig schleimig im Munde.[132] Weiter unten erklärt er:[133]

"Den Gebrauch und Nutzen dieser Rinden anbelangend / so kommet sie darin mit den Nägelein [Gewürznelken] über ein / stärcket das Haupt / Magen / Nerven und alle nervose [S. 57] Theile des Leibes / absonderlich auch die Mutter / und wird deswegen in schwerer Geburts=Arbeit / wie auch der Wassersucht sehr gerühmet. [c] Die Zucker=Becker überziehen sie auch mit Zucker [c]

Demgegenüber bestehe der Zimmet / welcher Lateinisch Cinnamomum, Cassia Cinnamomea und Canella genennet werde, aus einer dünnen, von ihrer eusseren Schale gesäuberten und in langen Röhren zusammen gerolten Rinde / so gelb=röthlich ist und einen scharff=beisenden / süßlichten und aromatischen Geschmack / auch einen sehr angenehmen Geruch habe.[134] Der Zimtbaum taucht in vielen Reiseberichten auf. Hier ein frühes Beispiel aus den vierziger Jahren. Johann von der Behr notierte in seinem 1668 in Jena publizierten Diarium unter anderem:[135]

"Das Holtz dieses Baumes hat weder Geruch noch Geschmack, wann die Rinde davon ist, (gestalt wir denn dessen viel zu Feuer-Holtz verbraucht). Es hat aber dieser Baum eine zweifache Rinde, die oberste ist ein wohlschmäckendes Häutlein, dermassen düne, daß sie nicht anders als grün kan abgezogen, die unterste ist glat und leimicht auff der Zungen, und wird nach dem sie in der Sonne gedürret, welche alle ihre Feuchtigkeit verzehret, sie röthlich machet, und in solche Pfeiffen, wie sie anhero in Europa gebracht wird, zusammen gerollet, und können in zwey oder auff längste in drey Jahren abgeschelet werden

Ein detaillierten Bericht von der Zimmet=Ernde und was dazu gehört aus der Feder de Jagers steht auch in Valentinis Ost=Indianischen Send=Schreiben.[136] Zur Verwendung heißt es im Museum Museorum:[137]

"Was den Nutzen und Gebrauch anbelanget / so erquicket der Zimmet mit seinen flüchtigen aromatischen Theilgens die Lebens=Geister / und stärcket mit seinen übrigen erwärmenden und mässig=anhaltenden Krafft den Magen / Mutter und andere Glieder / und wird derowegen in Ohnmachten / Hertz=Klopfen / Magen=Weh und Bangigkeit / vornehmlich aber in allen Mutter=Beschwerungen und Schwachheiten der Schwan- [S. 58] geren nützlich gebrauchet; wiewohlen vernünfftig in diesen damit umbzugehen / welchen er zugleich treibet / und also / wann man dessen den Schwangern zu viel oder zu offt geben wolte / eine Blutsturtzung der Mutter oder unglückliche Geburth vor der Zeit zuwegen gebracht würde; wie dann deßwegen der Zimmet / und was davon gemacht wird / die Geburth / Nachgeburth und Schwürungen befördern kan / und den Gebährenden deßhalben zu verschreiben / absonderlich / wann sich Ohnmachten und Schwachheiten zeigen wollen. So ist auch der Zimmet in den Haupt=Kranckheiten / als dem Schlag / Flüssen und dergleichen sehr dienlich / absonderlich denjenigen / welche aus dem Magen herrühren."

Auf den in diesem Zusammenhang erwähnten Kampfer geht Cleyer im 'Schefferbrief' nicht weiter ein. Doch schrieb er dazu mehr an anderer Stelle, so daß ich den Hintergrund ein wenig ausleuchten möchte. Kampferöl wurde neben der durchscheinend-weißen Kampfermasse aus dem Kampferbaum gewonnen. Westliche Beschreibungen reichen bis zu Marco Polo zurück. Auch die Naturforscher des siebzehnten Jahrhunderts bemühten sich immer wieder um den Baum und das Produkt. Eine Abbildung findet sich z.B. in der von Cleyers Laboranten, Hermann Nicolaus Grimm, eingereichten Observatio De Arbore Camphorae in den Ephemeriden.[138] Aus Hn. Arent Silvii Rapport, verfaßt in Poulo Chinco am zweiten Oktober 1680, zog Valentini (1714) eine Beschreibung des Campher-Baums samt Illustration.[139] Das zugrundeliegende holländische Manuskript liegt heute in Berlin.[140] Man unterschied sehr genau zwischen dem japanischen Kampfer (Cinnamomum camphora L.) und dem Baros-oder Borneo-Kampfer (Dryobalanops aromatica Gaertn.).[141] Letzterer sei zwar kleiner als die gewaltigen Bäume in Japan, liefere aber ein ungleich besseres und damit kostbareres Produkt. Einen japanischen Kampferbaum im Garten des Rats von Indien, Outhoorn, erwähnt de Jager in seinem Brief an Rumpf vom sechsten Juli 1683.[142] Breyn sah 1678 einen Arbor camphorifera japonica im Garten des Herrn von Beverningh.[143] Von dort stammte vermutlich jenes Ästchen, das er Scheffer verehrte.[144] Über den japanischen Kampfer- [S. 59] baum, kusu no ki (¾) genannt, schrieb Cleyer einige Zeilen an Mentzel, welche als Observatio De Arbore Camphorifera Japonensium Kusnoky dicta[145] in die leopoldinischen Ephemeriden gelangten. Die beigefügte Zeichnung des Baumes samt eines japanischen Sublimationsgefäßes (Fig. 12) übernahm Valentini (1704), der die Erläuterungen Cleyers wie folgt zusammenfaßte:[146]

"Es nehmen die Japonier die Wurtzel und junge Aestlein von den Bäumen / schneiden sie in gantz kleine Stücklein / [S. 60] kochen solche in einem destillir=Kessel N. I. voll Wasser 48. Stunden lang / da alsdann der Campfer sich sublimiret und sich oben in dem Hut N.2 anhänget.

 

Kampfersublimationsapparat  Kampfersublimationsapparat
Fig. 12 jap. Kampfer und Destillationseinrichtung (1 Gefäßbauch, 2 Hals, 3 Kopfteil, A Ofen, B Brennkammer, C Luftzufuhr)[147]

 

Engelbert Kaempfers Darstellung des Kampferbaumes ist nach alldem weniger originell als gelegentlich behauptet wird. Die laut Brockhaus-Enzyklopädie[148] erste Beschreibung der Kampfer-Gewinnung war kaum ergiebiger als die von Cleyer:[149]

"Die Extraktion des Kampfers ist die Aufgabe der Bauern in der Provinz Satsuma und auf den Goto–-Inseln,[150] die die Wurzeln und das Holz in halmdicke Stücke Schlagen und mit hinzugegossenem Wasser in einem eisernen Kessel kochen; von dem oben aufliegenden, großen, tönernen und geschnäbelten (damit er nicht durch den Dampfdruck zerbricht) Deckel gewinnen sie das Harz, das sich daran niedergeschlagen hat und an dem Stroh haftet, das den Deckel ausfüllte."

An dieser Stelle erwähnt Kaempfer dann auch die Gewinnung von Kampferöl aus den Wurzeln des Zimtbaumes:

"Eine Abart des Kampferbaums ist der Zimtbaum, dessen Wurzel das Kampferöl mit dem Kampfer selbst, dessen Rinde das Zimtöl und dessen Blätter das Nelkenöl liefern, wenn sie destilliert werden."

Japanischen Kampfer (Sho–no– ¾”]) aus dem Fürstentum Satsuma in Südkyu–shu– kaufte die O.I. Compagnie schon seit langem ein, in Mengen, die Anfang der dreißiger Jahre dazu führten, daß das Herrscherhaus Shimazu vorübergehend ein Brennverbot erließ, weil de beste ende grootste boomen daer toe gebruijckt wurden.[151] Nach der Einführung fortgeschrittenerer koreanischer Techniken zwischen 1711-1716 wurde die Herstellung schließlich lizensiert und der Handel monopolisiert. Der Überschuß ging an die Holländer und die chinesischen Kaufleute in Nagasaki.[152] Die verhandelten Mengen machten den Satsumakampfer zum zweitwichtigsten Exportgut Japans und zu einer bedeutenden Finanzquelle für das Fürstentum.

Hinsichtlich der Eigenschaften des Kampfers gab es im Abendland einigen Streit. Einige, so Valentini im Museum museorum, hielten ihn [S. 61] für kalter Natur, zumahl er, wie andere frigida, die Manns= Leute gar entkräffte, nach dem alten Vers Camphora per nares castrat odoere mares, auf deutsch Der Campfer ists / der Wunder kan, Sein riechen nur entmant den Mann. Doch die Gegenstimmen wiesen darauf hin, daß die Kampfer-Raffinierer in Venedig geil gnug sind / auch viele Kinder zeugen. Kampfer verhindere und zerteile die Entzündungen der Augen und anderer Teile, kühle bei hitzigen Fiebern, stille Kopf- und andere Schmerzen, auch Nasenbluten, werde auch in Umschlägen usw. gebraucht. Man verwende ihn heutzutage überdies zum Feuerwerk und Wasserkugeln, da er unter Wasser brenne.[153]

Zum Schluß fallen noch einmal bissige Bemerkungen, diesmal über den namentlich nicht genannten Verfasser eines Werkes namens Laboratorium Cilonicum. In Valentinis (1704) Conspectus librorum et autorum allegatorum ist es unter die anonym publizierten Schriften eingereiht. Wieder erhebt Cleyer echauffiert den Vorwurf des Plagiats, der eigentliche Lorbeer bei der Beschreibung des Zimts gehöre Paul Hermann. Dazu seien noch "Rhagadia" aus dem Glauber gekommen, also - um es mit Zedler zu verdeutschen - "Eyterbeulen der Scham=Glieder, sonderlich aber Geschwüre an dem Hintern". Wohl, um im deftigen Bild Cleyers zu bleiben, vom Hintern des deutschen Arztes und Iatrochemikers Johann Rudolph Glaubers (1604-1670), der die Salpeter-, Holzessig- und Glasfabrikation verbesserte, mehrere Chlorsalze entdeckte und als Namenspatron des Glaubersalzes (Natriumsulfat) verewigt ist.[154] Cleyer bezog sich unter Glaubers Schriften wahrscheinlich auf die Pharmacopoeia Spagyrica: oder, Gründlicher Beschreibung, wie man aus Vegetabilien, Animalien, und Mineralien, auff eine besondere und leichtere Weise, gute, kräfftige, und durchdringende Artzneyen zurichten und bereiten soll. (Amsterdam 1654-1668). Im Zusammenhang mit einer angefügten farrago observationum, also eingemengtem Viehfutter (!), führt Cleyer dann seinen ehemaligen Laboranten vor. Dieser Johann Otto Helwig (1654-1698)[155] war ein Bruder des berühmteren Christoph von Helwig (1663-1721) und kam aus Kölleda im Herzogtum Sachsen. Er hatte Medizin studiert und war nach seiner Promotion 1675 nach Ostindien gezogen, trotz seiner [S. 62] Qualifikation nur als Soldat (Adelborst), wie sein Reisegefährte, der Württemberger Christoph Schweitzer im Journal- und Tage=buch Seiner Sechs=Jährigen Ost=Indianischen Reise (Tübingen 1688) bemerkt. Anfang 1676 lief die Flotte aus und erreichte in Juni Batavia. Cleyer wurde rasch auf den Neuankömmling aufmerksam, denn Schweitzer schreibt unter dem Datum des 20. August 1676:[156]

"Den zwanzigsten brachten zwölf Jaffanen [=Javaner] ein Schlang, deren Länge 26. Holtzschue war, todt vor deß Generals Hauß, die der General, alß er sie gesehen, seinem Doctori, Namens Kleyern zu bringen befohlen, welcher durch Joh. Otto Helwig, Med. Doct. auß Sachsen gebürtig, und alß auch ein Soldat mit mir in Indien geschiffet, anjetzo aber vor einen Apotheker-Gesellen servirt, die Schlang öffnen und wieder außfüllen ließ."

Dies ist die Zeit, in der sich die Beziehungen Cleyers zu den deutschen Naturforschern vertiefen, und auch Helwig versuchte, eine ähnliche Verbindung anzuknüpfen, wie man aus einer 1678 in Batavia gedruckten Epistel erkennt: J.O. Helbigii [c] Introitus in veram atque inauditam Physicam epistola ex India Orientali in Europum ad [c] Academiam naturae curiosorum transmissa apertus [c].[157] In der zweiten Hälfte jenes Jahres stellte Cleyer den Dresdener George Meister als Aufseher der Gärten und Leibeigenen ein. Helwigs Dienstverhältnis endete vermutlich 1682, als Cleyer seinen Vertrag mit der VOC über die Führung der Stadtapotheke etc. auflöst. Meister geht als Hofmeister mit nach Japan. Helwig schiffte sich wahrscheinlich im gleichen oder folgenden Jahr gen Europa ein. Nach seiner Rückkehr wurde er kurpfälzischer Leibmedicus und Honorarprofessor in Heidelberg. Cleyers Vorwurf, daß solche Leute von den Comitibus Palatinis zu Doktoren gemacht würden, scheint mir auf diese Berufung gemünzt zu sein. In der Folge nahm Helwig ein unstetes Wanderleben auf, widmete sich hauptsächlich der Alchemie und forschte u.a. nach dem Stein der Weisen: “O. Helbigii [c] Gründliche Antwort auf folgende Drey Fragen: I. Was eigentlich der Lapis Philosophorum sey? II. Worinnen seine Materia bestehe und wie sie müsse bereitet werden. III. Und endlich was von denen Laboranten und Goldsuchern insgemein Al- [S. 63] chemisten, an Herren=Höfen, halten solle” (Heidelberg 1681). Er selbst galt vielen zweifellos als "Lumina medicorum" (Cleyer), als Leuchte unter den Ärzten. Der Herzog von Gotha wie auch der König von Dänemark ernannten ihn zu ihrem Rat, der König von England erhob ihn gar in den Adelsstand. Unter den posthumen Schriften spiegelt die folgende wohl das bunte Leben und die Träume dieses Mannes am eindrucksvollsten wider: J. O. [c] Baronis de Hellweig [c] Arcana majora, oder curiose und nützliche Beschreibung vieler wahrhaften physicalischen, medicinischen, chymischen, alchymischen, chyrurgischen und oeconomischen Geheimnisse. Aus weltberühmter Leute, so wohl Indianischen Braminen oder Weltweisen, als auch Teutschen, Spanier, Italiäner [c] und anderer vortreflichen Männer Manuscriptis (Frankfurt am Main / Leipzig 1712).

Der Verfasser des von Cleyer angegriffenen Laboratorium Cilonicum war der dänische Mediziner Hermann Nicolaus Grim(m) (1641-1711),[158] der nach seinem Studien in Kopenhagen und den Niederlanden als Schiffsarzt 1661 nach Nowaja Semlja segelte und weiter nach Batavia. Mindestesten in den Jahren 1674/75 lebte er auf Colombo.[159] Grimm hatte für eine mir unklare Zeitdauer zwischen 1667 und 1682 direkt unter Cleyer im Labor der Apotheke als 'doctor chimicus' gearbeitet. Sein erstes Buch wurde 1677 in Batavia auf holländisch als Laboratorium Chymicum, Gehouden op het voortreffelycke Eylandt Ceylon, Soo in 't Animalische, Vegetabilische, als Mineralische Ryckpubliziert.[160] Für Anfang 1678 delegierte Cleyer als Vorgesetzter die Visitationen der Ärzteschaft an Grimm und verschaffte ihm so eine Gehaltserhöhung.[161] 1679 erschient in Batavia eine weitere Arbeit: Hermanni Nicolai Grim [c] compendium medico-chimicum, seu accurata medendi methodus. Am 19. November desselben Jahres schloß Cleyer eine an den Generalgouverneur und die Räte von Indien gerichtete Erklärung über den Einsatz ostindischer Drogen ab, samt einer umfangreichen Aufstellung, welche in verscheyden quartieren van Indien vallen en wat voor compositien uyt deselven ten dienste van d'eed. Oost-Ind. Compagnie alhier connen gemaeckt worden.[162] Grimm lag ganz auf dieser Linie, als er 1684 der zweiten, in Augsburg gedruckten Ausgabe des Compendium medico- chymicum [S. 64] eine Pharmacopoeia Indica mit zahlreichen einheimischen Mitteln beifügte. Grimm, Helwig und Cleyer hatten tagtäglich miteinander zu tun. Es wird schon damals schwergefallen sein, bei diesem Geflecht gemeinsamer Arbeit und Interessen die Leistung der einzelnen beiteiligten Personen klar abzugrenzen.

Grimm zog sich 1680 aus Cleyers Labor zurück. Im Mai 1681 wird er als Bergrat nach Sumatra entsandt.[163] Mit von der Partie ist interessanterweise Willem ten Rhijne als Visitateur.[164] Die Compagnie versuchte, mit wenig Erfolg, den Goldbergbau auf der Insel voranzutreiben. Doch das mörderische Klima fordert einen schweren Tribut. In des Bergwercks Jammer-Thale Find man Kranckheit überalle, reimte der 'Bergschreiber' Elias Hesse und fügte seinem Diarium eine Liste der Bergleute aus Sachsen an, die mit ihm 1680 nach Sumatra zogen und dort gestorben sind.[165] Auch Johann Wilhelm Vogel, einer der deutschen Leidensgenossen, erkrankt bald so sehr, daß die auf Sumatra befindlichen Medici und Chirurgi verzweifeln. Der Commisarius Pit zeigt großes Mitleid, will ihm helfen und schickt zu dem Ende auch Herr D. Hermannum Nicolaum Grimm, einen berühmten Medicum, der in seiner Gesellschaft mit von Batavia gekommen / und der Commission als Rath beywohnete. Grimm empfiehlt eine Verlegung nach Batavia.[166] Dort kommt die Heilung auch nicht voran, doch bringt ihn schließlich eine einheimische Ärztin mit Kräutern und Schwitzkuren innerhalb von vier Wochen auf die Beine.[167] Grimm blieb bis zum Februar 1681 auf seinem Posten in Sumatra. Am fünften Oktober jenes Jahres erhielt er die Erlaubnis zur Heimreise.[168] Nach der Rückkunft soll er an verschiedenen Orten Hollands, Deutschlands, Dänemarks und Schwedens als Arzt gewirkt, ja 1683 eine Reise nach Indien unternommen haben, um sich dan in Stockholm niederzulassen. 1706 sei er dort königlicher Leibarzt geworden, aber schon 1711 an der Pest gestorben.[169] In den Ephemeriden der Leopoldina sowie in Thomas Bartholins Acta Medica & Philosophica Hafniensia findet sich eine stattliche Zahl von Grimmschen Observationen.[170]

Der von Cleyer im 'Schefferbrief' genannte Buchtitel war eine lateinische Version des Grimmschen Werks von 1677: Thesaurus medicus insulae Ceylaniae, seu Laboratorium Ceylanicum ex inquilinis Ceylaniae simplicibus medicamentis concinnatum, a Bartholomeo [S. 65] Pielat latinitate donatum(Amsterdam 1679). Zwar hatte Pielat den Namen Grimms verschwiegen, doch kann Cleyer beim besten Willen nicht entgangen sein, daß dem von ihm kritisierten Laboratorium Ceilanicum Grimms Laboratorium Chymicum zugrundelag. Pielat starb bereits 1681.[171] Wenn Cleyer Pielat als Plagiator treffen wollte, hätte die Nennung Grimms als eigentlicher Autor genügt. Aber er zieht über den Inhalt her - nicht allzu überzeugend. Selbst wenn Grimm etwas aus Paul Hermanns Arbeiten übernommen haben sollte, 'perfide' geschah das gewiß nicht. Er hatte eine Zeitlang auf Ceylon in Hermanns Nachbarschaft gearbeitet, und er rühmt denn auch diesen im Laboratorium wegen seiner Kenntnis der dortigen Pflanzenwelt.[172] Ich fürchte, das alles war kaum mehr als Mäkeleien an den ehemaligen Untergebenen Grimm und Helwig.

Einen höchst erfreulichen Blick auf den Menschen Cleyer gewährt demgegenüber der schon erwähnte Vogel, welcher 1704 in seinem Reisebuch Bericht und Dank erstattet:[173]

"Was auch Zeit meines Anwesens zu Batavia, insonderheit nach meiner Ankunfft von Sumatra, Herr D. Andreas Kleyer / aus Hessen gebürtig / bey mir gethan / solches kan zu seinem ewigen Ruhm mit Stillschweigen nicht übergehen. Derselbe war gleich zu der Zeit / als ich beym Herrn Directeur-General Speelmann um Ordonantz wegen meiner Verpflegung und Quartier Ansuchung thäte / bey wohl=ermelten Herr Directeur-General, nahm demnach Gelegenheit / mich zu fragen und sich meines Zustandes zu erkundigen: Nachdem er nun gnugsamen Bericht deshalber von mir eingenommen / befahl er mir / ich möchte bey ihm in sein Logiement einsprechen / er wolte mir mit Medicamenten und Labsal in meiner Cur / auch wenn ich es nöthig hätte / mit paren Gelde assistiren; Ich wunderte mich nicht wenig über dieses Mannes freygebiges Erbieten / zumahlen da er weder mich noch ich ihn vorhero jemahls gesehen / und spürete daraus Gottes sonderbahre Direction / danckte derowegen gehorsamst vor die offerte, und versprach bey ihme auffzuwarten. [c] So bald ich bey ihme [S. 66] angelanget / führete er mich in seine kostbare und herrliche Apothecke / gab mir einige Medicamenta und wiederholete sein voriges Erbiethen wegen einiges Geld=Vorschusses; Wiewohl ich nun dessen äuserst bedürfftig / in dem auff Sumatra, allwo ich die meiste Zeit kranck gelegen / noch nichts vor mich bringen können / sondern noch in ziemlichen Schulden steckte / so scheuete mich doch etwas zu borgen und weiter in Schulden zu gerathen; Als nun dieses wohlgemeldter Herr D. Kleyer merckte und mein Anliegen aus meinen Worten errathen konte / brach er endlich in diese Worte heraus: Ich bin als ein Soldat in Indien gekommen / und weiß wohl / wie einem der keine Mittel hat zu Muthe ist / nun mich aber Gott zu Ehren und Vermögen bracht / erkenne ich mich auch schuldig / meinem Nächsten und zumahlen Landes=Leuthen hinwiederum zu dienen; Nahm darauff aus seiner Cassa zwanzig Ducatons, gab mir solche / und fügte darbey / wenn ich weiter etwas brauchte / solte ich ohne Scheu zu ihm kommen oder jemand in meinem Nahmen senden / und versichert seyn / daß er micht nicht Hülff=loß lassen wolte. Hierauff wolte ich ihme eine Handschrifft über die zwanzig Ducatons ausstellen / allein er verlangete solche nicht / sondern sagte: Wenn ich zu meiner Gesundheit gelanget und Mittel bekäme / so möchte ich es wieder bezahlen / ausser deme wolte er der wiederbezahlung von Gott erwarten. Was nun für ein grosser Trost dieses vor mich in der weiten Fremde gewesen / solches überlasse einem jedem zu bedencken."

Und da wir gerade das menschliche Antlitz unserer Figuren beleuchten: der Umgang mit dem bislang von allen Seiten nur gelobten Paul Hermann war für manche Zeitgenossen wenig erfreulich. In der Beschreibung des zeylonesischen Compagnie-Hospitals (Colombo) erwähnt Christoph Schweitzer im Journal- und Tage=Buch (Tübingen 1688) eine Episode, die den Atem stocken läßt:[174]

"Innwendig der Stadt ist auch ein wohlgebauter Hospithal, darein die krancke Holländer gelegt, von darzu bestellten [S. 67] Barbierern und Sclaven mit Medikamenten und Pflagen ordentlich bedienet werden. Der darüber bestellte Ober-Inspector war Dr. Hermannus, jetzo Professor Medic. zu Leyden. Er brachte kein gutes Lob von den Soldaten und Bohtsgesellen, die under seinen Handen gewesen, mit hinweg. Er war ein rechter Tyrann über seine Sclaven, mit schlagen, und geißelen, wie er dann eines Todschlags an seiner Sclavin, die er in den Hoff hinder sein Haus begraben lassen, beschuldigt, der Ursach etlich Tag in sein Haus in apprehensie genommen, hernachmals wider loß gelassen worden."

Was nur wohl mag Zedler mit seiner für eine lexikalische Kurzbiographie doch merkwürdig anmutenden Bemerkung gemeint haben, Hermann sei "ungeachtet seiner grossen Gelehrsamkeit immerfort unglücklich" gewesen ?

 

 

Bemerkungen zur Rezeption des Briefes

Cleyers Brief war seinerzeit eine intensiv genutzte Informationsquelle. Mehrere Teile davon hatte Mentzel in lateinischer Bearbeitung in den Ephemeriden zugänglich gemacht. Dort werden sie in den folgenden Jahren von anderen Autoren wiederholt angeführt, besonders hinsichtlich der Moxa, des Ginsengs und des Catechus. Valentini, der einen Extract Auß Herrn D. Andreae Cleyeri Send=Schreiben / an Herrn D. Sebastian Scheffern[175] an dreizehnter Stelle unter seine Ostindianische Sendschreiben einreihte, kombinierte dort einige Passagen aus unserem Brief von 1683 mit einem früheren Schreiben Cleyers aus Batavia an Scheffer vom zwanzigsten November 1679, ohne dies anzuzeigen. Die Ostindianischen Sendschreiben findet man dem Museum Museorum (1704) beigebunden, aber 1714 auch in einer gesonderten Ausgabe gedruckt. Sie erschienen 1716 auf latein in Frankfurt am Main als Historia simplicium reformata. Accedit India litterata, seu dissertationes epistolicae, ab Europaeis curiosis et eruditis, Cleyero, Rumphio, Herberto de Jager, ten Rhijne, Kaempfero aliisque in India resiprocatae de plantis arboribus, gemmis iliisque rarioribus ad scrutinium naturae artemque medicam spectantibus. Zedler wiederum [S. 68] bearbeitete die oben angeführten Artikel seines Universal Lexicons (1732-1750) unter intensiver Nutzung von Valentinis Museum Museorum:

 

Miscellanea Curiosa Museum Museorum Ostind. Sendschreiben Zedlers Universallexikon
[c] Moxa › › › ›
[e] Pulsbuch ›
[g] Ginseng › › › ›
[h] Catechu › › › ›
[i] persische 'Mumie' › ›
[k] steinbrechende Mittel ›
[l] Ananas › › › ›
[m] Metallveredelung ›
[n] Glaslinsen; Glasblasen in Japan; japan. Metallspiegel ›
[o] Muscheln ›
[p] Tee › › › ›
[q] japanische Blumen, Propfkunst ›
[v] Cassia Lignea, Cinnamomum › ›

Die großzügige Vermischung von Auszügen aus den beiden 'Schefferbriefen' (1679 bzw. 1683) in Valentinis Ostindianischen Sendschreiben[176]hat ihre Tücken. Besonders die Behauptung, man könne auff der Japponischen Reise nichts beobachten, die ich im Zusammenhang mit Cleyers Kritik an ten Rhijne bereits vorgestellt habe, vermittelt den Eindruck, daß dies auf Cleyers eigener Erfahrung beruhe. Doch fiel die Bemerkung 1679 in Batavia, als er wahrscheinlich noch nicht ahnte, daß er einmal nach Dejima ziehen würde. Ein prominenter Autor, der die 'Epistola ad Schefferum' mißverstand, war Engelbert Kaempfer. Im Vorwort des Geschichte und Beschreibung Japans (1777-1779), ich zitiere den betreffenden Teil aus seinem Manuskript, schreibt er zu den Schwierigkeiten, gründliche Nachrichten [S. 69] über das Land zu erhalten:[177]

"Den nach der Zeit man die Römische Christen vertilget, unsere und Sinesche Kauffleüte eingesperrt, und die Grentzen des Reichs wieder den Zugang und Gemeinschafft ausländischer Völcker geschlossen hatt, ist zugleich der Japaner Mund Hertz und Gemut gegen uns fremde und eingesperrte Gäste verschlossen. Absonderlich werden alle und jede, die mit uns umbgehen, mit Eid und Blutverschreibung dahin gehalten, daß sie von Gelegenheitens ihres Vaterlandes, Glauben, geheimen Staats und verschiedenen anderen ihrer specifischen Sachen, nichts mit uns reden oder uns vertrauen sollen; und ist ihnen solches so viel mehr gesperret, weil ein jeder des anderen Verräter zu seÿn, laut besagter Eidesformel, verpflichtet ist. Welcher blutige Eid zu mehrerem Eindruck jährlich von ihnen wiederholet und verneüert wird. Also stehts mit der Ausländer Credit in Japan: wie solches unsere Holländer, die der Kauffmanschafft alhier obliegen, vor langer Zeit befunden, und in der Meinung stehen, alß seÿ es einem Fremden ohnmüglich etwas von Angelegenheiten dieses Landes zu erforschen, gestalt man hierzu weder Gelegenheit hatt, noch die Freÿheit gebrauchen darf; wie selbst H[.] Licent. Cleÿer alhier gewesener Resident in Epistola ad Schefferum vorgiebt. Aber, mein lieber Leser! es fält allerdings nicht so schwer wie es uns vorkommt, oder es die Japanische Regierung von ihren Leüten wol erfordert, und dazu alle mögliche Vorsehung gethan hatt."

Da hat unser lieber Kaempfer jedoch, um seine eigene Leistung herauszustreichen, stark übertrieben und überdies einen falschen Kronzeugen aufgerufen. Und diese seine Vorrede über das unbekannte Japan, zu dem er als erster auf so geschickte Weise den Zugang eröffnete, erschwert bis heute ein sachliches, abgewogenes Urteil über Kaempfers Leistung bzw. den Stand der europäischen Kenntnis Japans im siebzehnten Jahrhundert. In der VOC war eine ganze Menge bekannt, wenngleich man das aus geschäftlichem Interesse nicht an die große Glocke hängte. Und die [S. 70] Japanfahrer, die sich bemerkbar machten, wußten einiges zu berichten.

 

 

Text des Schreibens an Scheffer vom 20. Dezember 1683[178]

 

Dem her Doctor Sebastian Scheffer zu Frankfurt

Hochedler, vest: großachtbahr, Hochgelahrter Herr,

Viel geehrter Collega, und Liebwehrter freund.

[a] Wie ich mich beÿ vilen herren und freundten, die mich im verwichenem 1681den Jahr ihrer libwehrten schreiben gewürdiget, annoch in der schuld befinde, auf deroselben meine sehr gewillige antwort zuertheilen, also hatt meines Hochgeehrten Herren liebwehrtes de dato vierten Novembr. 1680 ein gleichfälliges unglück mit müssen unterworffen bleiben, welches mihr nicht eher dan den zweiundzwanzigsten 8br: 1681: ist endlich obhanden kommen; die ursach dessen ist für daß erste der entstandene Krieg auß Pantam zwischen dem alten Könige, dem Vatter und ersten Sohne, deme selbiger die Regierung hatt übergeben, damit dan hiesige Compagnie wegen der Alliance gleichfals ist eingemischet worden, und ich darbeÿ als einen Mediatorem erwisen, beÿ welchem intervall keine Schiffe für das jahr nacher Holland retournirt seÿn: Fürs ander ist mihr unerwartet ein Zufall obhanden kom'en, dadurch mich meines weiten und grosen umbschlags hab entschlagen, und viel Mühsamkeiten dadurch bin entlediget worden, achtende an meinen andere Bedienungen, und sonderlich in hisigem hohen Rath der Justitiae oder Tribunalis ein sattsames genügen zu haben; Dabeÿ dan im Vorjahr verwichen, von hisiger hohen Regirung bin befehligt worden, in com'ission nach dem Kaÿser Reich Japon mit 4 Kapital Schiffen, als haupt zu gehen, beÿ Ihro Kaÿserlichen Majestät alda wegen der Ost Indischen Compagnie die gewöhnliche Reverentz abzulegen, als auch die praesenten zu überlifern, ferner das Jahr 1683 das Praesidium über dero selben Importanten Negotiation in Nangaçackÿ zu führen, und mit dem übergenommenen Capital widerumb nach Battavia zu kehren, welches den neunundzwanzigsten Junÿ verwichenen Jahreß im namen Gottes hab angetretten, und auch insoferns glücklich (: dem Aller Höchsten seÿ hertzlich dafür gedancket:) vollzogen, wie ich dan selbiges durch ein Schreiben aus Japon Herren Dumbstdorffen[179] geadvisirt, welcher solches ohne Zweifel den Freun- [S. 71] dten wird mitgetheilet haben. Quod igitur differtur non aufertur, will demnach hiemit mich meiner schuldigkeit erinnern, und alles der Gebühr, nach Vermögen abstatten.

[b] Daß der unbekandte H[err] Ericus Mauritius, Assessor Camerae Imperialis zu Speÿer meiner wenigkeit hatt beliben getragen, sich zu erinnern und deßwegen Mhghren:[180] ersuchet, seinen freundlich Gruß beÿ mihr abzulegen, auch des weiters sich vernehmen lassen, mihr accesz zu verleihen; Umb meine geringe Person desselben unverdinte Kundschafft zu insinuiren, darfür bleibe ich nicht allein zum höchsten danckbahr, sondern obligire mich zu dises Herrn H. belibigen dinsten, und sonderlich den begehrten relationen, wiewohl das merckwürdigste derselben, als auß Tartarien, China, Japan, &c. nicht so leicht ist zu erlangen, in ansehung dise curiosität beÿ den Kaufflewten so hefftig nicht in dem schwang ist, als die consideration der com'ercien, da sie Nacht und Tag darauff speculiren, und ihr einigstes aufmercken nehmen: Selbigs aber auß den Diarijs oder Journalen zu zihen, erfordert nicht allein große müh, sondern auch einen zugang zu denselben, der jedwederm nicht vergönnet wird. Wie ich mich für disem mit den H. Patribus Jesuitarum in China zu Correspondiren einliß, bekam ich zuweilen eine und andere relation selbiges Reichß und dessen status Politici cursum concernirende, damahlig hatte die Compagnie alda ihre Residenten, da es vil hierzu contribuirte, wovon wir an jetzo gefenstiret seÿn. In dem verwichenen Jahr ist der Ehrwürdige Pater D[omi]nus Philippus Couplet, der jeder zeit mein correspondent alda gewesen, welcher auch das meiste meines Sinesischen werckß mihr hatt communicirt, und ein und anderß auf mein begehren auß der Sinesischen Sprach in die Lateinische versetzet hatt, von Battavia nacher Europa mit unsern Schiffen abgefahren; Diser H. hatt fünfundzwanzig jahr lang in selbigem Reich continuiret, und eine Chronologiam geschrieben, dem drucke diselbe in Europa schon vor etlichen jahren untergeben, so das er sich selbsten verwundert, warumb daß herliche werck, so lang rückständig bleibt, und dem Leser vor[ent]halten wird, welches nun aber seinen fortgang zu erreichen steht, sobald er glücklich wird daselbst seÿn angelandet. Auch seine herrliche Moralia von einem Philosop[h]o Confutio[181] durch gemelden H[errn] [S. 72] zusammengetragen, wohl würdig, daß sie an das licht kom'en, weilen hirine sonderbare Policeijen behälßen,[182] die ihren usum haben. [p.zwei] Ich habe nur daß erste Buch davon in China gedruckt gesehen, und auch mit andacht gelesen, dinge, darinnen sie unsern heutigen Statisten nichts bedörffen zuzugeben. Bitte also zum dienstfrl. obgemeldeten H. Mauritio meine gehorsamste dinste zu vermelden, und das ich nicht werde nach lassen, beÿ begebenheit demselbigen herren mit meinem geringfügigen schreiben aufzuwarte, dazu anjetzo mihr Zeit entbricht, und Mhghr mich darüber entschuldigen wolte.

[b] Eß ist mihr lib, daß Mhghrn einig genügen schöpfet auß meinem bericht wegen der Moxa oder des Krautß Artemisiae, mit welcher es sich sothanig verhält, alß schon erwehnet worden. Beÿ meiner Aufreiße nacher Jedo zum Kaÿserlichen Hoff, hab ich vil gebürger müssen über reißen, daselbsten vile Europianische kraüter angemercket, und die Moxa überall gesehen, an den Klippen, selbsten mich auch näher deroselben Praeparation unterfragt, aber keinen unterscheid vernommen, alß schon geschriben ist; Daß die Lanugo wol weißer und feiner gesehen, kompt beÿ der Arbeit zu, die man daran will gebrauchen, in welchem fall mit der seÿde, feinem flachß[,] hanff und wolle auch gehandelt wird, darbeÿ kein kleiner Unterscheid zum Öftern gespühret wird; Daß das Absinthium gleichfals seÿ zu gebrauchen, hab ich nicht versucht, wie wol dan das Ponticum oder Romanu][183] dazu liber erwehlen wolte, welches sehr leicht oder von Natur trocken, sehr vil auf sandigten bergen in Japan gesehen, aber nicht ein Zweiglein der vulgaris in meiner Reÿse verspüret, oder habhafft hab können werden, waß für mühe ich auch dazu habe angewendet dasselbe zu erlangen, davon die Rede beÿ anderer gelegenheit werde allegiren.

[c] Daß frantzösische Tracktätlein geintituliret: Les Secrets de la Medicine des Chinois, consistante en la parfaite connoisance de pouls. p[erge] verlange ich mit höchster verwunderung zu sehen, dann ich mihr absolut einbilde, daß selbiges durch meinen Antagonistam seÿe gepublicirt und sine nomine Authoris in das Frantzösische außgegangen, auß furcht meiner, weilen selbiger nur das wenige von mihr entlehnet, und nichtß mehr davon besitzt, darbeÿ nicht ausser der [S. 73] wahrheit vermeldet, daß solcheß mit groser Müh erhalten, und excessive kosten dazu requirirt seÿn. Diser mensch hatt auch vil differentias pulsuum auß dem Galeno[184] und Roberto Fuld de fluctibus,[185] beÿeinander getragen, umb einen Com–entarium darüber willens zu schreiben, daß ich ihme gerne hab wollen gönnen, wiwol sehr gezweifelt an desselben success, weilen ihm die sache nicht allein zu dunckel, sondern auch wohl einem weiserm verstande dises werck wird zu thun geben, der solches zu erlaütern sich wird anmassen, und wan die beschafffenheit dessen mihr so leicht wäre zu begreiffen gewest, ich hätte selbiges noch eine weile secretiret, und nicht unbillich unter die arcana annoch zurück behalten; Daß es keine Entia Rationis seÿn, hab ich aus vilfältiger praxi ersehen, die Physiologiam, Pathologiam &c. will ich erfahrneren Judiciis anheim stellen, so werden sie sehen, waß noch der heutigen Anatomiae ermangelt, soviel es den Usu] partium betrifft.

[d] Nicht sonder Reden halten die Curiosi. Parisienses 2dam partem Horti Malabarici suspect, weswegen der H. von Rhede, gewesener Com'andeur auf der Malabarischen Cust rechtmässiger Besitzer, die restirende theÿle von gemeldeten Rehÿne[186] widerumb hatt lassen abfordern, an deme sie waren in verwahrung gegeben, davon noch wohl etwas wäre zu sagen, achte aber solches der müh nicht würdig, weilen ich vernehmen, das eine gleiche begebenheit sich vorlängst mit Mhghrn begeben hatt, und die Bedächtnüß derselben jemand nur entstiehlet. Wie dann nicht wenig wird zu critisiren finden, der sich über dasjenige zu examiniren unterstünde, wodurch das löbliche werck exoticoru] deß H. brayne hinten an supplicirt worden, davon ich einiges stohltzens wüßte anzuholen und anzuweisen, mit was vor dexterität diselbe beschriben und erhalten seÿn, das wir der zeit, die alles entdecket, wollen anbefohlen seÿn lassen. [p.drei]

[d] Was die berühmte Wurtzel Gensingh oder Nÿçi[187] betrifft, ist es nicht ohne, daß selbige beÿ den Asiatischen Völckern in sehr großem gebrauch, und deroselben auch ungemeine Tugenden werden zugeschriben, absonderlich daß calidum innatum zu verstärcken, und derowegen bey gemelden Völckern in Veneris usu meistens adhibiret wird, darumb man auch so viel geld dafür zahlet, nemlich für jedweden [S. 74] pfund auf Battavia vierzig fünfzig sechzig auch wohl achtzig Th[ale]r; Darbeÿ wird sie so leicht wurmstichig, daß man sie keine zwei jahren gut bewahren kan, oder muß im'er darnach gesehen, und diselbe zum öfftern verlüfftet werden; Die Sineesen gebrauchen beÿnah kein Medicament in forma decocti, oder da kompt etwas von diser würtzel darbeÿ, aber selten oder niemahlen wird sie per se oder allein gebraucht, dann nur sehr sparsam, daß man zuweilen ein klein schnidlein im gewichte zwei granen in den mund nimbt, und allgemächlich isset, Dan dieselbe starck zu gebrauchen, ist nicht allein schädlich, sondern causirt auch den Todt, angesehen, sie daß geblühte sehr erhitzet, wie ich dan einen versirten Libhaber gekandt hab, der daß Extractum ihme Chymicè davon bereitten ließ, daß es mit brandwein vermengete, zum öfftern einen silbern löfel voll davon trunck und seÿner Geÿlheit sich so lange gebrauchte, daß er mit einem hitzigen fiber die welt verließ. Eß hatt diese wurtzel ihren Usum in sehr schwachen abgematteten leibern, muß aber vorsichtig damit werden zu wercke gangen, auf das der sach nicht zu viel geschehe. Sie fallt meisten theilß auf den Insulen Corea zwischen Japan und China ligend: Beÿ den Japandern ist sie in so großer renomie nicht, alß beÿ den Sinesen: Jene halten mehr von dem Borneischen Kampfer, deme selbige nation eine große, doch eben selbige Krafft zuschreibt, die denselben in allen ihren decoctis beÿfügen, dan sowohl die Japanders als auch die Sinesen nur simplicia meistens gebrauchen, aber nicht leicht über drei derselben untereinander misciren, und mit ein wenig wasser in einem kleinen verdeckten vasculo, darauß der geringste wasem nicht kan kom'en, ad 3tiae: partis consumptionem abkochen, und solches successive gebrauchen. Ich vergleiche diese wurtzel dem edlen Saffran, der gleichfalls einen herrlichen Gebrauch und jener Wurtzel nach zu praeferiren ist, wiewohl mit demselben gleichfalls will behutsam umgegangen seÿn, wie Mhghrn: solches besser bewust seÿn wird, der auch nie voll geprißene Helmont, als auch Poleman nicht vergeblich denselben so hoch exaltiren. veram effigiem radicis hujus decantatae, nec non fruticis nobilissimi Thee vel Chiae[188] p[erge]. Werde mit dißen Schiffen ad Curiosos von hier absenden, also ich beÿde dieselbe nun gesehen, und einige junge pflantzen mit mihr nach Battavia genom–en habe, umb zu [S. 75] sehen, ob selbige alda auch wachsen wollen; Ich hab vor disem eine abzeichnung davon gehabt, die mit jetziger nicht überein kompt, selbige war der gestalt nach, sehr ehnlich unsern Rapuntzeln, auch mit einer ebenmässigen blawen blumen, wie dan auch die wurtzel gleichsam von diser nicht viel differirt, sothanig, daß ich fest glaubte, es wäre die einigste, und das die wurtzel in einem decocto liquiritiae wär eingebeÿtzet, und hernacher mit einer sonderbahren dexterität widerumb getrucknet worden; Die ich aber nun habe, ist eine species trifolii wie wohl keine blume davon zu sehen bekommen.

[e] Die Catechu ist ein Succus expressus aus verschidenen astringirten früchten untereinander gemenget. Die best fällt in dem Königreich Pegu, wird auch in Zouratten,[189] und in dem großen Mogulischen Reich, als di Mallabarische Cust, Bengalen, wi auch auff Zeylon überflüßig gemacht, und große Kauffmannschafft durch gantz Orientem damit getriben. Die lewte brauchen sie meistens unter alle Pynang[190] mit bethel blättern gegessen, das eine gewonheit ist beÿ denen so starck, als der Taback im schwange gehend. Die rechte frucht ist die Acacia Orientalis, ein gewächß dem Tamarinden am aller ehnlichsten, welches auch der führnemste Basis dises Saffts ist: Das man aber disen succum Terram Japonica] nennt, ist noch ungeraümbter, sintemal diser am geringsten alda nicht fält, noch aus gemacht wird, sondern kompt mit großer Menge durch Möhrische und Synesische schiffe daselbst zu kauffe, und wird ein Redliches darauf gewon]en, wie dan die Japoneser vil auf Medicamenta simplicia wenden, und reichlich diselbe bezahlen; Zudeme wird meines geringen urtheils nach, [p.vier] dessen Tugend Hyperbolice außgestrichen, er hatt seinen nutzen, aber unmöglich zu so vilen gebrechen, alß ich in einem singuliren tractat unlängst davon gelesen habe; Die beste beschreibung ist bey dem Graciae ab Horto[191] zu lesen, die der Warheit am ehnlichsten, und glauben meritirt.

[f] Von dem balsam in der Reÿßbeschreibung von Struijs, hab ich noch keine Erfarung, ob selbigem so seÿ, muthmaße, daß gemelder Author, wi ich[,] solches nur ex relatione alioru– eingenom'en habe; Mihr ist von einer specie Mumiae verae erzehlet, die sich dero orthen beÿ Laar dem Casteel in Persien befinde, und von den Persianischen Priestern be- [S. 76] wahret wird, nicht sehr gemein, sondern als ein großes heiligthumb gehalten, und jährlich dem König ohngefehr die größe oder Quantität von einer Unce auf dessen Jahrtag zum sondern praesent von selbigen Pristern verehret wird, kan aber umb kein geld etwas davon erlangt werden; Dieser art Mumie werden sehr große tugenden attribuiret, gleiches mit allen dergleichen dingen zu gehet, die man in ansehen halten will: Und damit die orientalische Völcker, Philosophi, Gentiven meisterlich wissen die Menschen zu verleÿten, und geld durch solche mitteln zu fourniren, darunter einige zwar ihren Ruhm billig verdinen, und gleichwohl mit grosem Nutzen, in vielem können gebraucht werden.

[g] Waß Mhghr: von einem steÿn brechenden wasser gedencket im anwesen hoher personen in Franckreich hab unternom'en, solches ist etwas herliches, ob aber beÿ einnehmung dißes wassers die schmertzhafften Patienten einen sothanigen effect beÿ Continuirung dessen gebrauchß in ihrer Qual verspühret und linderung davon erhalten haben, wie ich muthmaße, solches gedenckt mein Hghr nicht, das dißes solvens hatt ausser zweifel seine verrrichtung in seinem vor sich habenden subjecto weit besser üben können, als in corpore Humano, da es einigen alterationibus unterwürffig bleibt, bevor es ad locu] affectum gelanget, davon nähern bericht erwünschet hätte, und weil Mhghr meldet, daß selbiges solvens ex lud. Helmontii dissoluto in liquore Tartari[192] gemacht, beÿ vilen gemuthmaßet seÿ, will ich nicht laügnen, weilen es dem schein nach, und der beschreibung dises hocherfahrenen mannes, nemlich deß unvergleichlichen Helmontij sehr gemäß; Bin aber niemals noch so glücklich gewesen, daß erwändten Ludu–,[193] noch den Orth in Brabandt habe besuchen können, wiewohl nicht zweiffele, ob dergleichen solten mehr in der welt hin und wider gefunden werden; Meine gedancken haben hierinnen ihre Speculation in der generirung des Borax, welcher in dem Mogulischen Reich, wi auch der Salpeter in Bengalen sehr haüffig gegraben wird, ob selbiger mit einem dergleichen ludo nicht billig seÿ zu vergleichen? Waß der berühmte Helmont in seinen schriften stellet, daß nemlich alles, was unserm Archaeo der nieren und blasen soll einverleibet werden, umb den Stein in seinem fieri [S. 77] zu verhindern, auß denen Kraütern, Früchten und Thieren p[erge] mus erlangt werden, wird Mhghrn: sattsam wissend seÿn; Item, waß die würckung des Urÿnß eines ungebohrenen Kalbes ausrichte, als auch von den zigenböcken, wan selbiger wird zum spiritu gemacht, da ich mich dan von beÿ dem von menschen gemacht[en] nicht übel befunden, und auß sonderlichen ursachen stercoris liquidi, wi unser Philosophus in diser Anatomia oder Analysi solches belibt zu nehmen, jenem in soweit gepraesentiret.

[h] Beÿ unterfindung hab ich, hisiger einwohner vorgeben, von der frucht Annanas, endlich glauben müssen beÿ messen, welche frucht beÿ H Dr. Pisoni[194] und Garzia als anderen mehr beschriben, und diser orten haüffig wächst, und daß selbige den stein zum theile abtreibt, wie wohl sehr behutsam damit will verfahren werden, damit keine gewalt dadurch geübt werde, und die Menschen in gefar laufen, wan der stein zu groß, und das medicament zu starck gebraucht wird, daß sie dabeÿ das leben einschlißen. Man nimpt die frucht, wan sie eben reiff ist, schelet diselbe und schneidet sie in kleine scheiben, di man in eine gläserne Englische Buttellie[195] thut, solche wohl verwahret, in einem kessel mit wasser, der auffm Fewr kocht, eingesetzet, damit dessen liquorpresse darauß auf dise weiße außschwitzen, und auch durch di coction verbessert werde, weilen dessen crudität anders einig sinnes eine corrodiren= [p.fünf] de krafft mit sich führt, die sich vermöge derselben gezeitiget, und zu mahlen verbewart, eben wi man daß Consummatum von einem Lappanen[196] zurichtet. Von disem Liquore wird nach beliben getruncken, nach beschaffenheit der sachen, und schmäcket sehr angenehm; Wi dan auch die weisse frucht geschelet, in lange stücken zerschnitten, mit saltz geriben, und spanischen wein darauf gegossen, einen so liblichen geschmack von sich gibt, als die besten Erdberen. Mihr steht zu vornen, was ich beÿ dem Cardano[197] gelesen, daß ein gemeiner Mann seÿ in Meÿland gewesen, der di kunst habe gehabt sonder unterscheid Lithiasin zu curiren, und so fest in derselben gewesen, alß ein guter schumacher ein par schu zu machen, habe aber selbige kunst mit sich unter die erd genom'en, welches zu beklagen, oder der undanckbaren welt zu zurechen, daß solche herliche Arcana verborgen bleiben.

[h] Das in Chymia vera[198] und durch unverdrossene labores in particularire vile herrliche wissenschafften ausgeübt finden hatt damahlß mich verursacht, Mhghr umb deroselben Com'unication anzulangen, wiewol ich gar gerne gestehe, das nimahlen in dem großen werck[199] biß annoch gedancken gehabt habe, mich dessen zu unterwinden, oder daran hand zu legen, darüber zu speculiren, und den Auctoren, di davon geschriben ihre concordantiam zu ponderiren, hab ich mich recreationis erga zum öffteren beflissen, und sovil vermerckt, das nemlich di metallische subjecta durch bequeme solventia zerlegt, durch ihr approbirt fewer gezeitigt, und durch verbesserte sulphura so sehr können geadelt werden, und consequenter kein metall in ein bessers transmutirt, den daselbe zuvor aptitudinem habe, um sich zu mit vor erwentem sulphure zu vereinigen. Sed hic Rhodus hic saltus. Das ich aber nötigere dinge verlas[s]en solte, und mich diser speculation quod praxim zu machen unterworfen, ist mein vorhaben nicht, oder müste gäntzlich meinen obligenden dingen absagen, welche mit meiner Rechnung noch nit übereinkompt, si quidem requirit totu– hominem, dabeÿ man dannoch siht, das di meisten sothanig sich darinnen vertifen, das ihnen nichts dan armuth und ein haufen chymaerischer einbildung zuletzt überbleiben.

[i] Bedancke mich sonst zum unterdinstlichsten für di anpraesentirte arten der ertze, wovon wol erwünsche eine kleine portion, und jedweder specification und namen zu fernerer nachricht, damit von allen eine cognition zu erreichen ich möge befördert werden, welches mit sonderbarem danck gegen Mhghrn werde trachten zu ersetzen. Zudeme bedancke ich mich nicht weniger zum allerhöchsten, für die com'unicirte gläserne sphaerulas[200] anstatt unsern microscopien, davon ich für erst auß Holland zur genüge bin versehen worden, Das der H Bürgerm. Hutte weltberühmt in dergleichen excellirt, ist mihr bekand, und das noch einige außbündige inventionen von selbigen Herren solten entstehen, außzukom'en, wird täglich erwartet, im fall nur das bonu] publicu] ihm nicht hinderlich, welches für jener zu betrachten seine vocation mit sich bringt. Ich habe können bemercken, das von dergleichen herlichen wissenschafften im Kaÿser Reich Japonien beÿ nimand etwas bekandt ist, weilen si des glasblasens, noch dasselbe zu machen [S. 79] im geringsten keine wissenschafft haben; Der metallischen hohlspigel sind di Japonier nicht unkündig, weilen in demselben gantzen Reich keine andere gattung zum gebrauch werden adhibirt; Seind plat, und so hell als ein spigel nim'er mehr geschliffen. di hole gattung haben sie von den Europaeern gesehen und nachgemacht, trefen selbige auch so wol, das sich ein mensch, wan er sich darin besehen will, beÿnah erschrecket: Ich habe für di curiositaet einen sehr [p.sechs] grosen mit heraußgebracht, der in seinem Diametro, mehr dann achtzehn daumen weit in sich hält, kostet ohngefehr vierundzwanzig Th[ale]r, Umb zu sehen was vor effecten selbiger will erweisen in der concentration der sonnen strahlen und eines gemeinen lichts, welcher so glat polirt ist als der beste spigel. Zum danckzeichen wird mein hoch geehrter H[err] disem beigefügt finden einen sehr kleinen, darüber meines hghrn urtheil ersuche, und was dero orthen von denen Libhabern weiter davon gehalten wird, will ich beÿ gelegenheit erwarten.

[k] Das ich der gröste libhaber der Muschelwercken mit bin, erweisen meine übergesendete an Mhghrn, wiwol si eine belustigung der augen erwecken, absonderlich wan si polirt, und von ihrer unsauberkeit gereinigt seÿn, da man mit verwunderung alsdan mus erkennen[,] wi di Natur sowol in disen seefrüchten als in den blumen von allerleÿ liblichen farben spihlet, und sich belustigt, darauf der meiste haufen der menschen ihr absehen nemen, mehr zu unterhaltung der hoffart in zierlichen gebauwen und krotten, als auf den nutzen cui bono diselbe geschaffen sind, wi ich mich dan errinere, das eine derselben unter den unachtsamsten von solcher crafft ist, wan man si auß dem wasser hohlt, selbig lebendig schnecklein ein klein wenig musci (Moschi) pretiosi[201] beÿfügt, davon es sobald stirbt, und dise muschel alsdan einer frauen person, die Dyssuria[202] laborirt, auf den nabel lassen binden, erzeigt augenscheinliche hülff. Was Mhghr von dem seeapfel[203] erwehnt, davon werde einen näheren bericht erhalten, auch einen umb andern versorgen, und mit beiden Mhghr aufzuwarten. Von disen raritäten erwarten wir dermal einst einen sattsamen bericht. Von dem H. Eberhard Rumphio einem hanawer von geburt, der in Amboina jetzo lebt, und sein gesicht in untersuchung diser muscheln als auch anderen gewächsen, [S. 80] das di grose hitze der sonnen und das glintzern des sands am seestrande zumalen verlohren, und ein berümtes werck davon über vierhundert Capitel geschriben hatt, welches selbiger H: dem H printzen von Oranien vermeint aufzutragen.

[S. 78] [l] Ich hab mich zum höchsten verwundert vor etlichen jahren über des hochgelehrten und sehr erfahrenen weit berümten H Professoris Selige D Simonis Pauli zu Coppenhagen beschreibung des Thees, und desselben sentement eine vergleichung das diselbe bletter mit dem Mÿrtho Brabanticae haben solten, angesehen es kein Kraut, sondern ein strauch und nicht unbillig unter di vorrichten arten mit nichten mag gezehlt werden, Wi ich dan auch den augenschein selbst im Jappan habe eingenom'en, und gesehen, das die Kornaecker überall in ihren limiten mit denselben haufenweiß doch ordentlich gepflantzet, abgescheiden seind, auch noch drüber gantze felder voll sich sehen lassen, di express dazu bereitet und unterhalten werden. Bin auch der gäntzlichen meinung gewesen, das nicht möglich, oder solch gewächß in Europa müste mit gefunden werden, bin aber nun einer ganz anderen meinung, und das quaevis tellus sua profert, dan ich ihn Jappam hab gesehen di schönsten provincien Rosen oder Centifolien[204] von farben, als Roth leib farb, schneweiß auf großen baümen wachsen im Januario wan es noch sehr kalt ist, aber ohne geruch[,] auch mancherleÿ art lilien auf höltzernen straüchen, item die Paeonien[205] herlich gefüllt auf Baumgewächs, als ich nimals in Europa hab vernemen können. So ist das Jmpfen[206] beÿ diser nation sothanig bekand, als ich an einem orth jemalen vernemen könen, angesehen ich kleine baüme, di in große töpfe geplantzt waren, und von zwanzig, dreißig, biß vierzigerleÿ arten blumen trugen, das eine lust anzusehen war, und alzumal drauf geimpfet. des gleichen hab ich baüme gesehen, die [p.sieben] nichts dan blumen anstatt der blätter haben, dannoch keine früchte geben, auch im Februario noch in der hefftigen Kält; Item kirschbaüme di nichts dan blumen, aber keine blätter noch früchte geben, ist nur schöne augenlust umb zu sehen p[erge].

[m] Wi ich dises vorerzehlte nur beÿ entledigung anderer occupatio[n]en in der Niderländischen Residentz in Japan entworfen hatte, [S. 81] und schon in dem gedancken gestanden, das unsere schiffe vom jetzigen jahre auß Battavia mit meinem Verfanger täglich müsten verscheinen, auch den zwölften August verwichen alhir arrivirten, erlangte ich mit denselben meines hochgeehrten Hn. wohl libwerthes schreiben de dato den einundzwanzigsten Maÿ und dreiundzwanzigsten Julÿ des 1681gsten jahrs inclusive in franckfurth geschriben, woraus mit sonderbarer frewd ersehen Mhghrn unverdrossene freundwilligkeit und mühwaltung, di wegen meines tractas meinem Hghrn hidurch verursacht, und zugefügt worden. Davor mein danckbegiriges gemüth jederzeit zu erwidern mihr werde angelegen seÿn lasen in allen belibigen occasio[n]en daselbst Mhghr mich seinem unverfälschtem freund und willigsten diner wird würdigen, auch in erstattung aller unkosten, di meinetwegen hirin wird gefallen und verschossen seÿn, special zum wenigsten dijenige zu refundiren, di an das prive durch Mhghrn dazu sind administrirt worden, mich dafür obligirt halte. In massen es sonder Müh nicht wird ablaufen können, das der newe verleger hirzu sich willig einfinde, das ich hertzlich erwünsche: Wi auch Mhghrn inzwischen zum höchsten danck sage für di willige hülffe, damit selbiger meinem werck beÿspringt. Meine Ehlibste, die mihr Mhghrn schreiben hatt zugesand, erwehnet von nimand, der ihr solchs habe eingehändigt, dahero ich in zweifel bin, ob erwehnter H Licentiat Graff mit demselbigen auf Battavia angelangt seÿ oder nicht, noch sich auch beÿ den meinigen im geringsten habe nahmkündig gemacht, das mihr beÿ meiner ankunfft in kurtzem wird leÿd zu vernehmen seÿn. Im fall selbiger H[err] sich mihr zu Reÿse hatt wollen annehmen oder etwa unterwegens nicht mit tod ist abgangen, weilen es langweilige verdrißliche Reisen, di mit vilen zufällen, als auch schwachheiten meistens vergesellschafftet seÿn. Dazu zweifle ich sehr ob er als Voluntair wird haben können angenom'en werden, es seÿ dan[,] das er fürhabens gewesen[,] für sich selbsten alleine zu leben auser dinst von der edlen Compagnie, und so er in dinsten mit einer schlechten qualität ist über kom–en, wird er nicht ohne sonder große müh und erlittene schwerigkeit dise Reiße haben abgelegt, welches dan zwar widerumb durch sovil herliche subjecta, di sich einem Libhaber und fleißigem untersucher der natur erzeigen noch versüsset wird.

[S. 82] [q] Einige schreiben mit den beÿlagen vom Mhghrn Dr. Menzelio mit noch einigen kupferstücken daneben seind mihr von meiner Ehlibste gleichfalls zugeschickt, ob aber selbige alle und noch andere mehr fürhanden seÿn werden, steht beÿ meiner zurückkunfft mit nächstem zu ersehen, das gedruckte exemplar meines Speciminis Medicinae Sinicae hatt si umb Reden bei ihr behalten, worüber nachmahls Mhghrn werde weitern bericht ertheilen[.] Auß jungstem schreiben von H Dr. Menzelio de dato den zwanzigsten febr. 1682 ersehe ich sehr ungerne den tödlichen abtritt unsers weiland vilgelibten [p.acht] H Mittcollegae und berümbten H: Dr Vollgenad seligen, wodurch unsere hochlöbliche Academia eines wackern Mitglides und wir eines unverdrossenen correspondenten seind verlustigt worden, da sich allbereits widerwertigkeiten, wi ich höre unter den H. Collegae genug ereignen, di in ihrer geburt besser dinen gedämpft zu werden, dan ferner außgebreitet, absonderlich wan man Theologica zur ungebühr allegirt, di zum öffteren ein gut fürnehmen gewaltig hindern, und nur die gemüther gegeneinander verbittern, woraus dan leicht zu erachten ist, wessen geistes kind di seÿn. Wi ich dan allbereits ersehe aus welchen ursachen di ersuchte protection beÿ Ihro Ch[ur]f[ü]rstl. D[u]rchl[aucht] zu Maÿntz auch deswegen erhalten seÿe, dazu der grund gütige Gott seinen ferneren segen und erwünschtes gedeÿen gnädig wolle verheißen. Was Mhghr wegen erlangung eines Cacatou vogels[207] erwehnet, welcher Ihme seÿ abgestorben, in wessen stelle ein anderer widerumb erwünschet wird, solchem will ich nachleben, und Mhghrn mit einem andern in das künfftige widerumb versehen, weilen diselbe nach genügen alhir zu erlangen sind, im fall si nur auf der Reÿse lebendig bleiben, an guter vorsorg solls beÿ mihr nicht ermanglen, als wärens anderer dinge mehr, und Mhghr solches nur freÿ müthig belibt zu befehlen.

[r] Illustrissimus D[omi]nus Praeses, der H. Argonauta[208] hatt mich mit seinem hochgeehrten schreiben, von Jahr 1681 an erstlich erhalten, gewürdigt, worinnen ein und anders zu erortern erwehnet wird, welches auch umbständlich zu beantworten, Gelibts Gott! bin entschlossen darin unter andern mit unterlaufen, was vor Differentia zwischen dem edlen gewürtz dem Cinamom. und der Cassiae ligneae seÿe, darauf nur [S. 83] kürtzlich dises antworte: Wie das Cinamomu] nirgend in der gantzen welt, dan nur auf der insul Zeylon, die Cassia lignea aber auf verscheidenen insulen und örtern alhir in Indien, di auch nicht einerleÿ ist, sondern vilfältig, ja auch einige der arten, dem Cinamomo dem ansehen nicht ungleichen, geben gleichfalß ein gut oleum im destilliren, wiwol beÿ weitem nicht zu vergleichen mit dem oleo cinamomi vero, noch im geruch, noch auch an liblichkeit des geschmacks, und wird von den einwonern überall für ein[e] species cinamomi sylvestris gehalten, welches meines erachtens, den solis, und derselben verscheÿdenheit in den verscheidenen insulen von einander abgelegen, meistens zuzuschreiben ist, angesehen auf der Mallabarischen küst aut ejusdem tractu man schon ein solche veränderung findet, ohngeachtet beÿde örter nach derselben Cardines[209] nur einen grad weit von einander ligen. das di Caneel Baüme zwar in den Habitu, stam's und blättern einander gleichen, dannoch diser letzte in seim oleo sothanig verscheiden ist, das er auch noch für den Rechten Kaneel, noch vor die Rechtmässige Cassia kan admittirt und angenommen werden, weilen selbiger ein gantz anderß oleum mittheilt, daß sowohl für ein oleum cinamomi, und oleo Camphorae, beide untereinander misciret, mag passiren, auch seinen usum in der fliegenden gicht, nit aber im podagra confirmata externe zu gebrauchen, darreichet der Campfer, welcher auß dessen wurtzel bereitet wird, ist eines sehr liblichen und angenehmen geruchs, den gemeinen weit übertreffend, aber von hisiger nation deme aus Borneo gantz nit aequivalent: Wovon ein mehreres zu erwehnen, dises mahl muß supersediren. In einem [p.neun] schreiben an H. Dr. Volgnad sel. zur antwort von mihr eingereichet, und wegen meines schleinigen unerwarteten abzugß, auf Battavia hinterbliben, welches wegen seiner enthaltenen Contenta beÿ meiner glücklichen zurückkunfft, gelibts Gott! entschlossen bin am Mhghrn Dr. Menzelium überzuschicken, wird ein und anderß jetzt erwehntes subjecti, darinnen kurtzlich allegirt, das zur nachricht dinen kan, und ferner anweisen, wi der H. Dr Paully Herrmanni, der ein aügige zeuge[210] von disem gewürtze auf der insul Zeÿlon gewesen, gründlichen bericht wird ertheilen können, auch durch seinen unverdroßenen fleiß analysiret hatt, als wenige oder wol nimand vor [S. 84] ihme gethan haben, dessen lob di berümte Profession zu Leÿden ihme durch seine Königliche Hoheit dem Prinzen von Oranien, und den H. Curatoren wegen seÿner berümten wissenschafft in untersuchung der Naturalien aufgetragen, beÿ jedwedere wird weltkündig gemacht werden: Wiwol nicht ohne, das sich ein kleiner tractat unterm titul, Laboratoriu– Cilonicu] vor wenig jahren praesentiert hatt, da viel wesens von leuten di mehr gelesen dan gearbeitet haben, außentstanden ist, da ein erfahrener ohne große Müh wird außersehen können, das dasjenige, so von Cinamomo darinne entworffen, perfidiosa manu erwehntem H. Professori Hermanno entfremdt, und für des außgebers arbeit darein gepflantzt ist, und das restirende nur Raghadia auß H. Glaubero Seel. und anderer schrifften entlehnet seÿn. Wiwol noch ein anderer farrago observationum deme gefolget ist, und da mein gewesener Laborant, si Diis placet! Johann. Otto Helwig, villeicht um ein stük geld sein Latein zu gewidmet hatt, dan der Auctor von selbiger sprache in trivialibus nicht vil vergessen hatt, und solche lewte dürfen noch in Europa der gelehrten Welt alda eine wächserne nase machen, das sie für Lumina Medicoru– außgeschrien , und mit dem gradu Doctorati durch di H. Comites Palatini[211] zu ihrem großen Lob beseeliget werden, sed quo jure, laß ich den Herren Promotoribus zu ihrer Verantwortung anheim gestelt. Was ich weiter disem beÿzufügen entschlossen bin, solches wird nach gesetztes P.S. erwehnen, oder auch durch noch ein anders schreiben expresse disen nachgesandtes, vermeldet werden;

Der ich Mhghrn sampt und sonderß inzwischen Göttlicher Obhutt empfehle,
und mich dessen gewogenheit überlaßend, beharlich verbleibe
Meines hochgeehrten H.
Dinstbeharlichster Freund und
gehorsamer Diener
Andreas Cleyer, Med. D. u. Senator
Societ: Holland: in nova Batavia.

In der Statt fortrese Malacca, auf meiner Rückreiße auß Jappan nacher Battavia den 20ten Decembr. Aõ 1683.[S. 85]

 

 

Handschriften:

MS Brief von A. Cleyer an S. Scheffer 20. Dezember.1683: Kongelige Bibliotek København; Handskriftafdelingen (Ny kgl. Saml. 358, 2o)
MS Specimen Medicinae Sinicae: Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz (Ms. lat. fol.95)
Staatsbibliothek Preuss. Kulturbesitz (Ms. germ. fol. 1479)
MS Heutiges Japan von Engelbert Kaempfer: British Library (Sloane 3060)

 

Literatur:

ADB   Allgemeine deutsche Biographie. Bd. 1-56, Leipzig 1875-1912.
AEWK   Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste [c] von J.S. Ersch und J.G. Gruber. Leipzig 1818 -
BNW   P.C. Molhuysen, P.J. Blok: Nieuw Neederlandsch biografisch Woordenboek (Leiden 1911-1937)
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ENI   Encyclopaedie van Nederlandsch-Indië. 's-Gravenhage / Leiden 1917-1939
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Breyn (1678)   Jacob: Breynii Gedanensis Exoticarum aliarumque Minus Cognitarum Plantarum Centuria Prima, cum Figuris Aeneis summo studio elaboratis. Gedani. Typis, sumptibus & in aedibus Autoris, Imprimebat David-Fridericus Rhetius. Anno M. DC. LXXIIX.
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Meister (1692)    Der Orientalisch=Indianische Kunst= und Lust=Gärtner / Das ist: Eine aufrichtige Beschreibung Derer meisten Indianischen / als auf Java Major, Malacca und Jappon, wachsenden Gewürtz= Frucht= und Blumen=Bäume / wie auch anderer raren Blumen / Kräuter= und Stauden=Gewächse / sampt ihren Saamen / nebst umbständigen Bericht derselben Indianischen Nahmen / so wol ihrer in der Medicin als Oeconomie und gemeinem Leben mit sich führendem Gebrauch und Nutzen; [c] entworffen und fürgestellet durch George Meistern / Dieser Zeit Churfl. Sächs. bestallten Indianischen Kunst= und Lust=Gärtner. [c] Dresden [c] Anno 1692.
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Michel (1990a)   Willem ten Rhijne und die japanische Medizin (II) - Die Mantissa Schematica. Dokufutus Bungaku Kenkyû, Nr. 40, 57-103, Fukuoka, 1990.
Michel (1990b)    Hermann Buschofs Leben und Werk. Kairos 28, Fukuoka 1990, 135-168.
Motoyama (1958)   Tekishu Motoyama: Inshoku jiten. Tôkyô 1958. (–{ŽR‰¬MFˆùHŽ«“T)
Muntschick (1983)   Engelbert Kaempfer. Flora Japonica (1712). Reprint und Kommentar von Wolfgang Muntschick. Wiesbaden 1983.
Naber(1930-32)   Reisebeschreibungen von Deutschen Beamten und Kriegsleuten im Dienst der Niederländischen West- und Ost-Indischen Kompagnien 1602 - 1797. Herausgegeben von S.P.L'Honoré Naber. Haag 1930-1931.
Nanba (1980)   Tetsuo Nanba. Genshoku Wakan yaku zukan. Osaka 1980. (“ï”gP—YFŒ´F˜aŠ¿–ò}ŠÓ) [S. 89]
Nihon yakkzokuhô   Nihon yakkzokuhô, Dai ni bu, kaisetsusho. Tôkyô 1971. (“ú–{–ò‹Ç•ûB‘æ“ñ•” ‰ðà‘)
da Orta (1563)   Garcia da Orta: Coloquios dos simples e drogas he cousas medicinais da India e assi dalgu]as frutas achadas [c]. Goa 1563. Hrsg. de Ficalho Lissabon 1891-1895.
Porkert (1978)   Manfred Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie. Heidelberg 1978.
Rhijne (1683)    Wilhelmi ten Rhyne M.D. &c. Transisalano-Daventriensis Dissertatio de Arthritide: Mantissa Schematica: De Acupunctura: Et Orationes Tres. [c] Londini [c] MDCLXXXIII.
Röpke (1928)   W. Röpke: Die Veröffentlichungen der Kaiserlich Leopoldinisch Deutschen Akademie der Naturforscher. In: Leopoldina. Berichte der Kaiserlich Leopold. Deutschen Akademie der Naturforscher zu Halle. Band 3, Leipzig 1928.
Sôda (1965)   Hajime Sôda: Nihon seiyaku gijutsushi no kenkyû. Tôkyô 1965, (@“cˆêF“ú–{»–ò‹ZpŽj‚ÌŒ¤‹†)
Sôda (1989)   Hajime Sôda: Nihon iryôbunka-shi. Kyôto 1989.i@“cˆêF“ú–{ˆã—Õ¶‰»Žjj
Unschuld (1986)   Paul U. Unschuld: Medicine in China. A History of Pharmaceutics. London 1986.
Uchida(1979)   Tôru Uchida et al.: Shinpen Nihon dôbutsu zukan. Tôkyô 1979. (Illustrated Encyclopedia of the Fauna of Japan Newly Compiled. i“à“c‹œFV•Ò“ú–{“®•¨}ŠÓj
Valentini (1704)    Museum Museorum Oder Vollständige Schau=Bühne Aller Materialien und Specereÿen Nebst deren Natürlichen Beschreibung / Election, Nutzen und Gebrauch [c] Mit etlich hundert sauberen Kupfferstücken Unter Augen geleget von D. Michael Bernhard Valentini, Ihro Hoch=Fürstl. Durch- [S. 90] l. der verwittibten Frau Landgräffin zu Hessen=Darmstadt / Leib= und Hof=Medico, der Artzney und Natürl. Wissenschaften prof. Ord. zu Giessen / auch verschiedener Curiosen Academien in Teutschland und Italien Collegâ. Franckfurt am Mäin / In Verlegung Johann David Tunners. Im Jahr 1704.
Valentini (1714)   Ost=Indianische Send=Schreiben / Von allerhand raren Gewächsen / Bäumen / Jubelen / Auch andern Zu der Natur=Kündigung und Artzney=Kunst gehörigen Raritäten / Durch Die Gelehrteste und Berühmteste Europäer / So vormahlen in Ost=Indien gestanden / Als D. Cleyern / Rumphen / Herbert de Jager, ten Rhyne, &c Allda gewechsellt / Und aus Deroselben in Holländischer Sprach geschriebenen Originalien in die Teutsche Mutter=Sprache übersetzet Von D. Michel Bernhard Valentini / Hoch=Fürstl. Hessen=Darmstättischen Archiatro, Prof. Ord. zu Giessen und Academico Curioso. Zweyte Edition. Franckfurt am Mayn / [c] Im Jahr 1714.
Vogel (1704)   Johann Wilhelm Vogels / Gewesenen Fähndrichs und Bergmeisters / im Dienst de E. Niederl. Ost=Indischen Compagnie, anietzo aber F.S. Cammerschreibers und Berg=Inspectoris zu Altenburg / Zehen=Jährige Ost=Indianische Reise=Beschreibung [c] Alles so wohl aus eigener Erfahrung / als vielen in Indien geführten Discursen von demselben aufrichtig beschrieben [c] Altenburg [c] 1704.
Walravens (1987)   Hartmut Walravens: China illustrata. Das europäische Chinaverständnis im Spiegel des 16. bis 18. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog der Herzog August Bibliothek Nr. 55, Wolfenbüttel 1987.
Zedler (1732-50)   Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschafften und Künste [c] Leipzig und Halle, [S. 91] verlegts Johann Heinrich Zedler. 1732-1750.

 

Anmerkungen

[1]   In den Ephemeriden der Leopoldina findet man:
DN. Herbertus de Jaeger, Illustr. Societat. Indiae Orientalis apud Belgas Proto-mercator, Mathes. & LL. Orient Peritiss.: Misc. Curiosa Dec. II, Ann. II, Obs. IV De Herbae, Indigo dictae [...]; Dec. II, Ann. III, Obs. I De Sementina
DN. Michael Leydecker, Theol. & Med. Doct. Mathematicus insignis & Minist. Verb. Divini Bataviae Indorum.: Dec. II, Aann. II (Epistolam) De Variatione Magnetis à suo quondam solito puncto. (S.445 - 448). Ursprünglich ein an Cleyer gerichteter Brief vom 17. Nov. 1681, Batavia.
DN. Cornelius Spielmann, Dux generalis Belgarum in Indiâ Oriental;: Dec. II, Ann. III, Obs. 45 De Telis deleteriô venenô infectis in Macassar & aliis Regnis Insulae. Ebenfalls an Cleyer gerichteter Tagebuchauszug aus Celebes (S.127).
DN. Servatius Clavius, Minister Verbi Divini Batavae novae in Java Majore: Dec. II, Ann. III, Addenda: De Piscaturâ Margaritarum ad Obs. XXXVI (S.417 - 419)
[2]   Röpke (1928), S.149ff.
[3]   Meister (1692), S.202
[4]   Biographie bei Zedler und in der ADB
[5]   Valentini (1714), S.22
[6]   De Jagers Manuskript und ein handschriftlicher deutscher Auszug sind in der Staatsbibliothek Preuss. Kulturbesitz erhalten (Ms. germ. fol. 1479, f.37-40). Publiziert wurde sie in den Misc. Cur. Dec. II, Ann. II, Obs. IV De Herbae, Indigo dictae [...].
[7]   Erste Auflage Dresden 1687, zweite Auflage Zum andern Mahl gedruckt und [...] verbessert, Leipzig 1690. Zitiert nach dieser 2. Auflage aus dem Nachdruck (Elias Hesse: Gold-Bergwerke in Sumatra 1680-1683) bei Naber (1931), Band 10, S.96f.
[8]   s. Naber (1931), Band 10, S.96ff.
[9]   Ernennungsurkunde (VOC-archief 697, fol. 940f.) bei Kraft (1985), S.190 abgedruckt
[10]   Biographie bei Zedler unter der latinisierten Form 'Ericus Mauritius'
[11]   Zur Mission in China siehe Walravens (1987), S.15ff und Lundbæk (1986), S.39ff.
[12]   s. Kraft (1975), S.178ff.
[13]   Jianchang in der Provinz Jianxi
[14]   Daxue ( ‘åŠw), Zhongyong ( ’†—f), Lunyu ( ˜_Œê), Mengzi (ñ–Žq )
[15]   zu den westlichen Drucken konfuzianischer Klassiker s. Walravens (1987), S.204ff.
[16]   Staatsbibliothek Preuss. Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 1479, f.29
[17]   Genaueres bei Michel (1990b)
[18]   Miscellanea Curiosa, Dec. I, Ann. VI, Obs. 218
[19]   Miscellanea Curiosa, Dec. I, Ann. VI, Obs. 22
[20]   Valentini (1704), S.230
[21] Miscellanea Curiosa, Dec. II, Ann. I, Obs. 6
[22]   Miscellanea Curiosa, Dec. II, Ann. IV, Obs. I
[23]   Valentini (1714), S.60f.
[24]   Die erste Ausgabe erschien 1624 in Paris.
[25]   Grmek (1962), S.63
[26]   Ms Lat. folio 95: Specimen Medicinae Sinicae, S.178, 179
[27]   Wang Shuhe hatte um 300 n.u.Z. einen 'Pulskanon' (Mojing ñN„S) verfaßt. Hier muß es sich um eine spätere Ausgabe handeln, eventuell eine Vermischung mit der 'Pulslehre' (Mojue) des Gao Yangsheng (çÇózêÝ) aus dem 10. Jahrhundert.
[28]   s.a. K. Sprengel: Beyträge zur Geschichte des Pulses. Leipzig 1787. K. Deichgraeber: Galen als Erforscher des menschlichen Pulses. Berlin 1957.
[29]   enthalten in der Medicina Catholica, seu mysticum artis medicandi sacrarum. In tomos divisum duos [...] Pulsus, seu nova et arcana pulsuum historia. Hoc est, portionis teriae pars tertia, de pulsuum scientia [...]. Frankfurt am Main 1629.
[30]   ten Rhijne (1683), S.149.
[31]   Vogel (1704), S.107.
[32]   Valentini (1714), S.55
[33]   Biographie in der ENI (Vol.II) sowie in H.C.D. de Wit: Rumphius Memorial Volume. (Barn, 1959), S.1-26
[34]   Valentini (1714), S.4
[35]   Herbarium Amboinense [...] Omnia magno labore ac studio multos per annos conlegit, & duodecim libris Belgice conscripsit Georg. Everhard. Rumphius, Med. Doct. Hanavensis, Mercator Senior, & in Amboina Consul, nomine Plinii Indici cleber [...] Nunc primum in lucem edidit, & in Latinum sermonem vertit Joannes Burmannus [...]. (Amsterdam 1741-1755)
[36]   Valentini (1714), S.5
[37]   Valentini (1714), S.17
[38]   Der Prädikant Johannes Caesarius, der die lateinischen Beschreibungen verfaßte, starb bereits 1677. Heninger (1986), S.53
[39]   Biographie im NNW, in der ENI (Vol.III) sowie bei Heniger (1986)
[40]   Biographie bei Zedler; s.a. ENI (Vol. I) 'Botanische Literatuur van Nederlandsch-Indië'
[41]   Hortus Malabaricus, Band 3 (1682), .XV; Heniger (1986), S.54
[42]   Biographie bei Zedler und in der ADB
[43]   Valentini (1714), S.61
[44]   W. Michel: Dejima rankan'i Kasuparu Shamuberugeru no sho–gai ni tsuite (Über das Leben des Dejima-Faktoreiarztes Caspar Schamberger. In: Nihon Ishigaku Zasshi (Journal of the Japan Society of Medical History),Vol.86, Bd. 3, 201-210, Tôkyô 1990.
W. Michel: Caspar Schambergers "Lebens-Lauff". In: Studies in Languages and Cultures, Institute of Languages and Cultures, Kyushu University, No.1, 41-52, Fukuoka, 1990.
[45]   zu Müller s. E. Kraft: Frühe chinesische Studien in Berlin. Medizinhistorisches Journal. 11, 1976, S.92-128
[46]   Hebdomas observationum de rebus sinicis. Coloniae Brandenburgicae 1674. Siehe auch Walravens (1987), S.168f. und S.66
[47]    Das erste Schriftzeichen im Namen (lŽQ ) bedeutet 'Mensch'. Das zweite stellte ursprünglich eine Frau mit drei Schmuckkugeln im Haar dar und bedeutet 'sich durcheinandermischen',
zusammenkommen u.ä. Tôdôä Kanwa daijiten. Tôkyô, 1978 ( “¡“°–¾•ÛwŠ¿˜a‘厫“Txj
[48]    —›Œ¾•·wlŽQ™Bx (ca.1500). Einen übersetzten Auszug findet man bei Unschuld (1986), S.233f.
[49]   Valentini (1704), S.164
[50]    Novus Atlas sinensi, a Martino Martinio S.I. descriptus. Amsterdam 1655.
[51] Miscellanea Curiosa, Dec. II, Ann. V, Obs.39; Nachdruck bei Kapitza (1990), I, S.870ff.
[52] Brief an Cleyer vom 15. Mai 1688. Valentini (1714), S.57
[53] Caesar (1991), S.936
[54] Miscellanea Curiosa, Dec. II, Ann. VIII, S.487-489 (ab 488 Mentzels Scholium).DN. D. Laurentius Blumentrost, Magni Tzarii in Moscovia, Archiater primarius: De Radicis Chin-Sen usu, lapide Thensy Chinensium & Herba claus trali. Dies war ein Brief an Mentzel, geschrieben in Moskau am 21. März 1689. Eine Abbildung der Wurzel steht auf Blatt 488 / 89 zusammen mit Cleyers Mizunohana und Hatayaro (Fig. 50).
[55] Meister (1692), S.167f.
[56] Yamamoto (1958) unter 'cho–sen ninjin'. Die Jahresangaben in der japanischen Literatur schwanken, liegen jedoch alle in der Periode Kyôhô (1716-1736).
[57] ’©‘NlŽQ
[58] Muntschick (1983), S.285; Makino (1986), S.375, 383
[59] Muntschick (1983), S.112ff.
[60] Valentini (1714), S.163
[61] Makino, S.547
[62] Nanba (1980), S.3
[63] Caesar (1991), S.939
[64] 'Restauration der Wurzeln und Kräuter' (Œà‹V—Œw–{‘œnVx ), reproduziert aus Chen (1982), Band IV, S.208; Bibliographisches etc. bei Unschuld (1986), S.173f.
[65] < sanskr. kvatha oder kva–tha
[66] Dalgado, Band 1, S.233
[67] Nihon yakkyokuhô, S.19; Chen, Bd. IV, S.208; Tôyôigaku daijiten, S.33; Porkert (1978), S.377; Gorkom (1919), Bd.3, 679ff.
[68] Interessanterweise reihte auch Li Shizhen im Bencao Gangmu (1596, Kap.7) das Mittel unter die Erden ein.
[69] Physiologia specialis [...] ab Engelb. Kaempfero, datiert 14. Juli 1679 (Universitätsbibl. Göttingen), ff.18v: Terra Japonica. Für den Hinweis danke ich L.Weiß, Lemgo.
[70] Kaempfer (1777-79), Buch 5, S.265; s. auch British Library, Sloane Collection 3060 f.342v.
[71] Weiteres zu Asenyaku und einer japanischen Fälschung bei Nanba (1980), S.216f.
[72] Valentini (1704), S.5f.
[73] Miscellanea Curiosa, Dec.I, Ann. II, Obs.128: Usus Novus Catechu, seu Terrae Japonicae. Desgleichen Obs. 129, Usus Catechu in Urinae Profluvio continuo.
[74] Miscellanea Curiosa, Dec. I, Ann. VIII, De Catechu
[75] Valentini (1704), S.5
[76] Valentini (1714, S.10f.
[77] Valentini (1714), S.52
[78] Biographie im DSB
[79] Valtenini (1704), S.417
[80] Valentini (1704), S.418f.
[81] Valentini (1704), S.418
[82] Kaempfer (1694), Paragraph 3; deutsche Übersetzung von Valentini (1714), S.100ff.; moderne Übersetzung von Hüls und Müller-König bei Hüls / Hoppe, S.38f.
[83] Zedler, Stichwort 'Menschen=Stein'
[84] mehr zu Helmont in DSB
[85] Für den Hinweis danke ich Wolfgang Muntschick-Caesar (Stuttgart).
[86] Valentini (1704), S.281
[87] Meister (1692), S.116f. bzw. S.228
[88] DSB; BNW
[89] Tetsuaki Kira: Genshoku Nihon kairui zukan. Ôsaka 1989 (31. Auf.), S.27 ( ‹g—Ç“N–¾FŒ´F“ú–{ŠL—ސ}ŠÓ)
[90] Ryôan Terashima: Wakan sansai zu'e. Ôsaka 1712. (Ž›“‡—LjÀF˜aŠ¿ŽOËš¤˜ð )
Verkleinerter Faksimiledruck Tôkyô 1970, Bd.1, S.530
[91] Cartas que os Padres E Irmãos da Companhia de Jesus escreuerão dos Reynos de Iapão & China [...] desdo anno de 1549 atè o de 1580. [...] Em Euora por Manoel de Lyra. Anno de M.D. XCVIII. Band I, S.163
[92] Einige representative Stellen findet man bei Michael Cooper: They Came to Japan. Berkeley, Los Angeles, New York 1965, S 198ff.
[93] J.L. Alvarez-Taladriz (ed.) in: Monumenta Nipponica Monographs, No.14, Tôkyô 1954
[94] zweite Auflage, Alles auffs neue übersehen in Frankfurt (1689. Hier zitiert aus der 1668er Ausgabe im Neudruck Johann von der Behr: Reise nach Java, Vorder-Indien, Persien und Ceylon 1641-1650. In: Naber (1930), Band IV, S.129f.
[95] zitiert aus dem Neudruck Albrecht Herport: Reise nach Java, Formosa, Vorder-Indien und Ceylon 1659 - 668. In: Naber, Band V, S.86.
[96] Divers voyages et missions du P. Alexandre de Rhodes en la Chine, et autres Royaumes de l'Orient [...]. Paris 1653.
[97] Kircher (1667), S.179ff.
[98] Collectanea medico-physica, oder Holländisch Jahr=Register / sonderbahrer Anmerckungen / die so wol in der Arztney=Kunst / als Wissenschaft der Natur in gantz Europa vorgefallen / angefangen mit dem Jahr 1680 [...] zusammen getragen durch Stephanum Blankart [...], Leipzig 1690. Ein Abdruck der Tee-Kapitel findet sich bei Kapitza (1990).
[99] Breyn (1678), S.112ff.
[100] Valentini (1714), S.14f.
[101] Zedler, Stichwort Thee, Spalte 522ff.
[102] Commentarius de abusu tabaci Americanorum veteri, et herbae thee Asiaticorum in Europa novo. (Straßburg 1665)
[103] Biographie in der ADB
[104] Für den Hinweis danke ich Wolfgang Muntschick-Caesar (Stuttgart) .
[105] Zedler; Meyers Großes Konversationslexikon (Leipzig / Wien 1907), Stichwort 'Myrica'
[106] Zedler, Stichwort Thee, Spalte 523
[107] Valentini (1714), S.58
[108] Valentini (1714), S..208
[109] Kopenhagen 1677, Vol. IV, S.1-4
[110] Meister (1692), S.176; oyadonosama cha (e“a—l’ƒ)
[111] nach Valentini (1704), S.208
[112] Meister (1692), S..223
[113] Meister (1692), S.226
[114] Meister (1692), S.175; cha no ki (’ƒ‚Ì–Ø), 'Teebaum'
[115] Meister (1692), S.260
[116] Kaempfer (1712), Fasc. 3, Observatio 13, S.605ff.; deutsche Übersetzung in Kaempfer (17777-79), Anhang V
[117] ‰h¼
[118] ‹i’ƒ—{¶‹L
[119] Sôda (1989), S.69ff.; Yamamoto (1958), Stichwort 'cha'
[120] Auch Meister (1692) bewunderte den zierlichen Gartenbau der Japaner und Chinesen (s.182f.).
[121] Valentini (1714), S.61
[122] aus Uchida (1979), S.729
[123] Kraft (1975), S.164f.
[124] P.H. Brans: Beiträge zur Geschichte der Schiffspharmazie in den Niederlanden und Niederländisch-Indien. In: Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Nr.13, 1958, S.63 f.
[125] zitiert nach der 2. Auflage aus dem Nachdruck (Elias Hesse: Gold-Bergwerke in Sumatra 1680-1683) bei Naber (1931), Band 10, S.186
[126] Röpke (1928), S.152
[127] Kraft (1975), S.164
[128] Zusatz zur Lex XII der Akademie. S.Röpke (1928), S.150
[129] Dalgado, Bd. I, S.224
[130] da Orta (1563), Coloquio XV
[131] zum Kaneel s. Gorkom (1919), Bd.3, S.401ff.
[132] Valentini (1704), S.248
[133] Valentini (1704), S.250
[134] Valentini (1704), S.250
[135] zitiert nach der Neuausgabe Nabers: Reise nach Java, Vorderindien, Persien und Ceylon, 1641-1650. In: Naber (1930-32), Band 4, S.61f.
[136] Valentini (1714), S.67ff.
[137] Valentini (1704), S.252
[138] Dec.II, Ann.I, Obs.153. Grimm bezeichnet hier ten Rhijne als Amicus meus.
[139] Valentini (1714), S.89f.
[140] Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Ms. lat. fol.95, f.8-9
[141] zum Borneo-Kampfer s. Gorkom (1919), Bd.3, S.444ff.
[142] Valentini (1714), S.14
[143] Muntschick (1983), S.41
[144] Valentini (1704), S.359
[145] Misc. Curiosa Dec. II, Ann X, Obs. 37
[146] Valentini (1704), S.360
[147] Misc. cur. Dec. II, Ann.X, Obs.37
[148] Wiesbaden 1970, Stichwort 'Kampfer'
[149] Kaempfer (1712), S.772; Übersetzung zitiert nach Muntschick (1983), S.43
[150] Satsuma ( ŽF–€) liegt in Südkyu–shu–, die Goto-Inseln (ŒÜ“‡) westlich von Nordkyu–shu–
[151] Daghregister des Comptoirs Hirado, 15.9.1633
[152] Hitoshi Tomita: Hakurai jibutsu kigen jiten. Tôkyô 1987, S.169f. ( •x“cmF”•—ˆŽ–•¨‹NŒ¹Ž«“T).
Minaminihon Shinbunsha: Kagoshima dai hyaka jiten. Kagoshima 1981, Stichwort shônô
( “ì“ú–{V•·ŽÐFŽ­Ž™“‡‘å•S‰ÈŽ«“T); Sôda (1965), S.24ff.
[153] Valentini (1704), S.361
[154] Biographie im DSB
[155] Für den Hinweis danke ich Wolfgang Muntschik-Caesar (Stuttgart). Biographisches, wo nicht anders vermerkt, aus der AEWK
[156] zitiert aus dem Nachdruck in Naber (1931), Band 11, S.32f.
[157] Neudruck Hamburg 1680
[158] Biographisches, wo nicht anders vermerkt, aus der AEWK
[159] siehe die Briefe in Thomas Bartholins Acta Medica & Philosophica Hafniensia Ann: 1674. 1675. 1676 [...] Volum. III. & IV Hafniae MDCLXXVII. [S.166] LXXXIX. De Spir cornu Rhinocerotis. Ex Epist. Hermanni Nicolai Grim. Nagapatnam Ind. Orient. 22. Sept. 1674 ad D. Olaum Borrichium.; XC. De arbore Cinomomi. Ex Ejusdem Literis Columbae scriptis 8 Sept. 1675. ad. Eundem.; Ex Ejusdem literis Columbae in Insula Ceylon scriptis 8 Dec. 1675. ad ejundem.
[160] Faksimile-Ausgabe mit einem Vorwort von F.A.H. Peeters. Tilburg 1982.
[161] Kraft (1985), S.39, 42
[162] VOC 1341, fol. 760; zitiert nach Kraft (1985), S.201
[163] Kraft (1985), S.57, Anm.102
[164] Vogel (1704), S.176
[165] zitiert nach Naber(1930-32), Band X, S.187 sowie 189ff.
[166] Vogel (1704), S.180
[167] Vogel (1704), S.188ff.
[168] Kraft (1985), S.57, Anm.102
[169] AEWK
[170] Misc. cur. Dec II. A. I, Obs. 146 - 153; 170 - 175.
Misc. cur. Dec. II, A. III. Obs. 36 - 39; 205 - 212 (durchweg Pflanzenbeschreibungen)
Misc. cur. Dec. II A. IV Obs. 56 - 58. Darunter:
Obs. 58: De Mercurii praestrantia medica. 12. Sept. 1685 ex Niuköping ad. D. D. Volckamerum. Grimm ist nunmehr Poliater Niuköpingensis.
Misc. Cur. Dec. II, A. V Obs. 37 De Minera auri & argenti Sumatrensi. Mit Abbildung des Bergwerks und einer Liste von 14 Mineralien. Datiert 20. Aug. 1686 Hafniâ.
Misc. Cur. Dec II, A. VII, Obs. 223 (Nürnberg 20. Juni 1688 missa): De Experimentis Chymicis
Thomae Bartholini Acta Medica & Philosophica Hafniensia Ann: 1674. 1675. 1676 [...] Volum. III. & IV Hafniae MDCLXXVII.
LXXXIX. De Spir cornu Rhinocerotis. Ex Epist. Hermanni Nicolai Grim. Nagapatnam Ind. Orient. 22. Sept. 1674 ad D. Olaum Borrichium.
XC. De arbore Cinomomi. Ex Ejusdem Literis Columbae scriptis 8 Sept. 1675. ad. Eundem. Ein Teil der Observatio stammt Ex Ejusdem literis Columbae in Insula Ceylon scriptis 8 Dec. 1675. ad ejundem.
[171] Tjiang B. Jap: Über indonesische Volksheilkunde an Hand der Pharmacopoeia Indica des Hermann Nikolaus Grim(m) (1684). Frankfurt am Main 1965, S. 59
[172] Heniger (1986), S.53
[173] Vogel (1704), S.195ff.
[174] zitiert aus dem Nachdruck bei Naber (1931), Band 11, S.128f.
[175] Valentini (1714), S.60f.
[176] Valentini (1714), S.60-62
[177] Sloane 3060, f.3.v.; in der Dohmschen Bearbeitung von 1777-79 auf S.LXV
[178] Hinsichtlich der Schreibung habe ich mich weitgehend an J. Schultze orientiert: Richtlinien für die äußere Textgestaltung bei Herausgabe von Quellen zur neueren deutschen Geschichte (Blätter für deutsche Landesgeschichte, 98, 1962, S. 1-11).
[179] Einen Hinweis auf die Identität lieferte nach langer Suche eine Stelle in den Miscellanea Curiosa, Dec II, A. VII, S.486 unter den Addenda Theae Chinensis icon: [...] Non proinde potuimus, quin stirpis istius virgultum ex Indiâ Orientali ab Illustr. D. Cleyero, Berolinum, ad Magnificum & Excellentiss. Dn. Christianum Menzelium, Archiatrum & venerabilem Collegam nostrum, tum & Amstelodamum ad Nob. & Naturae curiosissimum Dn. Nicolaum Dumbstorff Pharmacopoeum solertissimum missum, inde nobis Noribergae communicatum studioso sculptori aeri incidendum committeremus. [...]
[180] Mhgh = Mein hochgeehrter Herr (Kasus variiert je nach Kontext.)
[181] Konfuzius
[182] behälsen (ndl.) = beinhalten
[183] Absinthum Ponticum bzw. Absinthum Romanum
[184] Galenos (129-199 n.u.Z.) griechischer Arzt in Rom, dessen immeneses Lehrgebäude die abendländische Medizin bis zum Beginn der Neuzeit prägte. Siehe z.B. Lichtenthaeler (1982), S.195ff.
[185] Robert Fludd oder Robertus de Fluctibus(1574-1637) Für die Identifikation dieser Fehlschreibung danke ich Wolfgang Muntschik-Caesar (Stuttgart)
[186] Willem ten Rhijne. Die korrekte Schreibung des Namens wollte Cleyer nicht aus der Feder fließen!
[187] chin. renshen bzw. jap. ninjin, lŽQ
[188] jap. cha, ’ƒ
[189] Surat
[190] Pinang / Penang = Catechupalme
[191] Garcia da Orta
[192] Symbol für Tartarus = Weinstein
[193] ludus, d.h. 'Menschenstein' (synon. calculus humanus), bedeutet im übertragenen Sinne auch steinbrechendes Medikament.
[194] Willem Piso
[195] englische Flasche
[196] lappa, d.h. Klette, die als steintreibend galt
[197] Girolamo Cardano bzw. latinisiert Hieronymus Cardanus (1501-1576), Arzt und Mathematiker, Medizinprofessor in Pavia, Bologna, Rom. Cleyer hatte vermutlich Hieronymi Cardani opera omnia (Lyon 1663) eingesehen.
[198] Alchemie
[199] Unter dem 'großen Werk' verstand man die Transmutation von Metallen zu Gold.
[200] sphärische Gläser
[201] Moschus
[202] Dysuria (>gr.), Fehl- oder Schwerharnen
[203] pomum marinum, echinus, d.h. Seeball, Seeigel
[204] Provencerose = Zentifolie (< lat.), 'hundertblättrige' Rose
[205] Am bekanntesten sind: die Paeonia albiflora Pall. forma hortensis Makino (jap. shakuyaku), die Paeonia obovata Maxim. var japonica Makino (jap. yamashakuyaku) und die Paeonia suffruticosa Andr. (jap. botan)
[206] Pfropfen
[207] Kakadu, ein weißer Vogel mit bunter Kappe. Das über das Niederländische eingebürgerte Wort kommt von malei. Kakatua, einer Ansicht nach eine Lautmalung des Schreis , einer anderen These zufolge soviel wie 'altes Weib'
[208] Agnomen von Johann Michael Fehr (1610-1688), als Nachfolger von Bausch der 2. Präsident der Akademie der Naturforscher.
[209] lat. cardo, Angelpunkt, d.h. geographische Lage
[210] Augenzeuge
[211] Die Würde eines Hof-Pfalzgrafen wurde vom Kaiser verliehen. Man hatte dann u.a. das Recht, den Doktortitel zu verleihen.
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