Frühe westliche Beobachtungen zur Akupunktur und Moxibustion [Early Western Observations on Acupuncture and Moxibustion]. Sudhoffs Archiv, Vol. 77, No. 2 (Stuttgart 1993), pp. 194 - 222.

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Wolfgang Michel

Frühe westliche Beobachtungen zur Moxibustion und Akupunktur


Als älteste westliche Quelle zur Moxibustion gilt gemeinhin[1] eine Schrift des in Batavia lebenden Predigers Hermann Buschof, der sich in den sechziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts nach langem Gichtleiden von einer Ärztin aus Quinam (Indochina) behandeln ließ und angespornt durch die überraschende Wirkung ein Büchlein über Het Podagra, Nader als oyt nagevorst en uytgevonden, Midsgaders Des selfs sekere Genesingh of ontlastend Hulp-Mittel (Amsterdam 1675) verfaßte. Nach einer eingehenden Schilderung der Podagra und ihrer Ursachen stellte er im zweiten Teil sein revolutionäres Heilmittel vor, mit dem er auch einigen batavischen Mitbürgern Linderung verschafft hatte. Der heute in vielen europäischen Sprachen verbreitete Begriff “Moxa” geht auf diesen Text zurück.

Hinsichtlich der Akupunktur verweist man gewöhnlich[2] auf einige Zeilen, die der ebenfalls für die Verenigde Oostindische Compagnie (VOC) tätige Däne Jakob de Bondt (Bontius) zu Papier gebracht hatte. In der 1658 bei Wilhelm Pies (Piso) mit abgedruckten Historiae naturalis et medicae Indiae orientalis libri sex berichtet er, daß man in Japan “bei chronischen Kopfschmerzen, bei Obstruktionen der Leber und Milz, auch bei der Pleuritis [...] mit einem silbernen oder aus Stahl gemachten Stylus, nicht viel dicker als die Saiten einer Zither, durch langsames oder sachtes Einführen die oben erwähnten Innereien” durchbohre, so daß er auf der anderen Seite wieder heraustrete (!), was er selbst in Java gesehen habe.[3]

Den nächsten Meilenstein setzte der niederländische VOC-Arzt Willem ten Rhijne mit dem Sammelwerk Dissertatio de Arthritide: Mantissa Schematica: De Acupunctura: Et Orationes Tres (London 1683). Ten Rhijne, der zwei Jahre in der japanischen Faktorei Deshima (Dejima) verbracht hatte, beschrieb hier nicht nur seine Erfahrungen mit der Moxibustion in Japan sondern auch eingehend die Kunst des Nadelstechens, der er den Namen “Acupunctura” verlieh.[4] Alle Vermutungen über ältere Angaben zur Akupunktur bzw. Moxibustion bei Marco Polo, Fernand Mendes-Pinto oder Gerolamo Cardano usw. halten einer Nachprüfung nicht stand.[5]

Das durch die bisherige Quellenlage gerahmte Bild verliert dennoch an Farbe, wenn man sich daran erinnert, daß die ersten portugiesischen Schiffe schon Anfang des sechzehnten Jahrhunderts Südostasien anliefen. Zwar mochte China den Fremden keinen Zugang gewähren, doch in den anrainenden Ländern hatten die Europäer mehr Bewegungsfreiheit. Zumindest in der warmen Jahreszeit, wenn die Häuser weithin offen standen, konnten einem interessierten Beobachter die merkwürdigen Therapieformen nicht entgehen. In dem von Bondt erwähnten Japan missionierten bereits seit 1549 iberische Jesuiten, die in enger Zusammenarbeit mit konvertierten japanischen Ärzten eine stattliche Reihe von Spitälern und Leprastationen aufbauten.[6] Während die Europäer hier ihre chirurgischen Künste demonstrierten, lag die “innere Medizin” in den Händen einheimischer Kollegen.

Die besonders im achtzehnten Jahrhundert verbreiteten geringschätzigen abendländischen Kommentare zur fernöstlichen Heilkunde[7] fehlen in jener Zeit völlig. Wir dürfen mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, daß in den christlichen Einrichtungen auch Akupunktur und Moxibustion praktiziert wurden. Nicht zufällig enthalten die um die Jahrhundertwende gedruckten Missionswörterbücher und Grammatiken so manches diesbezügliche Stichwort. Im Jahre 1612 jedoch verhängte der Visitator Francisco Pasio aus missionsstrategischen Überlegungen ein kategorisches Verbot, Medizin oder Chirurgie zu erlernen, auszuüben beziehungsweise Bücher über diese Materie zu besitzen.[8] Weisungsgemäß zogen sich die Patres und Katecheten aus der ärztlichen und pflegerischen Praxis zurück, doch blieb ihr Interesse an Heilmitteln und Heilkunde weiterhin groß.

Seit Anfang des siebzehnten Jahrhunderts versuchten dann Engländer mit einer Handelsstation auf der Insel Hirado bei Kyūshū Fuß zu fassen. Unweit davon unterhielt die niederländische Verenigde Oostindische Compagnie (VOC) eine Faktorei - mit mehr Erfolg. Denn während die Engländer rasch scheiterten und die Iberer schrittweise aus dem Lande gedrückt wurden, durften die Niederländer sogar nach 1641, dem Jahr, als sich Japan endgültig von der Außenwelt abnabelte, einen begrenzten Handel fortführen. Aus China werden europäische Bemerkungen zur Medizin erst spät vernehmbar, doch auch hier hängt das bisherige Bild ein wenig schief.

 

 

Moxa und Moxibustion

Den ältesten diesbezüglichen Fingerzeig fand ich in einem auf den sechsten Januar 1584 datierten Brief von Lourenço Mexica aus Macão, gerichtet an den Abt des Collegio in Coimbra, Miguel de Sousa. Patre Mexica beschrieb hier ausführlich Land und Leute des Inselarchipels, unter anderem auch deren körperliche Verfassung:

Im allgemeinen sind die Japaner sehr gesund, wegen des Klimas, das sehr gemäßigt und gesund ist, weil sie wenig essen und weil sie kein kaltes Wasser trinken, das die Ursache vieler Erkrankungen ist. Wenn sie erkranken, genesen sie in kurzer Zeit fast ohne Medizin. Sie haben die Gewohnheit, bei allen Krankheiten den Bauch, die Arme, den Rücken etc. mit silbernen Nadeln zu stechen. Zugleich verwenden sie aus Kraut gefertigte Feuerknöpfe. Sie schlafen sehr wenig, ihr Schlaf ist sehr leicht, und daher trinken sie Tee.[9]

Diese Zeilen wurden sechzig Jahre vor der eingangs zitierten Bondtschen Bemerkung und sechsundsiebzig Jahre vor dem Erscheinen der Moxa-Schrift Buschofs geschrieben und 1598 in der berühmten Korrespondenz­sammlung der Japanmission, den Cartas, abgedruckt. Ähnliche, noch ältere Schilderungen muß es häufiger gegeben haben, auch war die Bezeichnung “Feuerknopf” (botão de fogo) zweifellos unter den Patres verbreitet. Denn 1585 fühlte sich Luis Frois (1532 - 1597), einer der führenden Köpfe unter den Jesuiten in Japan, in seiner Einleitung für die Historia do Japão (“Geschichte Japans”) zu folgenden klärenden Worten bemüßigt:

Ebenso schrieb man [!], man solle, um einen Kranken zu heilen, der an den Augen oder an Rheumatismus [“frialdade”] leide, ihm an seinem Körper drei- bis viertausend Feuerknöpfe anlegen. Das ist in Japan etwas sehr Gewöhnliches; aber es ist sehr cum grano salis zu verstehen, denn die Brenneisen macht man hier von trockenen [Blättern] in Kügelchen, so groß wie eine Bohne oder ein großer Granatapfelkern, und indem man sie, oben angezündet, auf das Fleisch bringt, brennen sie, bis alles verbrannt ist. Das ist eine sehr leichte Sache, und wenn man fünfzehn oder zwanzig am selben Ort genommen hat, dann verursachen die übrigen wenig Schmerz, da das Fleisch dort schon abgetötet ist. Sie sind also nicht wie unsere Brenneisen. Die Japans habe ich an mir selbst erprobt, gegen verschiedene Schmerzen und Krankheiten der Augen nahm ich auf dem Rücken und den Knien über dreitausend.[10]

Unter botões de fogo verstand man in Europa eigentlich Glüheisen mit konischer Spitze, die zur Wundbehandlung oder Erzielung einer eitrigen Ableitung dienten. Noch 1865 führte sie Pierre Larousse im Grand Dictionnaire Universel unter den cautères actuels als boutons de feu ou pointes de feu auf.

In einem von Frois im selben Jahr 1585 abgeschlossenen “Traktat über Gegensätze und Unterschiede der Gewohnheiten in Europa und Japan”, heißt es unter anderem, daß die Europäer Aderlässe anwendeten, die Japaner hingegen Feuerknöpfe mit Kräutern.[11] Laut einer Sentenz an anderer Stelle dieser Abhandlung ließ man die Pferde häufig zur Ader und brannte sie mit großen Feuerknöpfen unter den Kinnladen.[12] Zehn Jahre später erschien ein von der Societas Jesu in Japan hergestelltes Dictionarium Latino Lusitanicum ac Japonicum.[13] Dieses lateinisch-portugiesisch-japanische Wörterbuch enthält mehr als siebzig Krankheits­bezeichnungen, achtzehn Heilmittel, elf Namen medizinischer Instrumente, acht im Zusammenhang mit Akupunktur und Moxibustion und sechsund­dreißig aus dem Bereich der Anatomie, zu denen erstmals in einer westlichen Quelle die japanischen Äquivalente verzeichnet sind. So heißt es unter dem Stichwort ustio:[14]

Ustio, onis. Portugiesisch: jemanden versengen oder rösten. Japanisch: yaku oder karasu koto nari. Item, Cauterio oder botam de fogo. Japanisch: yaitō, kyūji oder kashin.[15]

Yaito bedeutet soviel wie Moxa, kyūji bezeichnet die Moxabehandlung, und kashin heißt Feuernadel. Das dem yaito synonyme mogusa, die Wurzel unseres Fremdwortes Moxa, fehlt hier allerdings. Die (chinesischen) Schriftzeichen für diese Vokabeln schlugen die Missionare in ihrem 1598 erschienenen Zeichenlexikon Rakuyōshū, d.h. “Sammlung gefallener Blätter”, nach. Zumindest einige Europäer wußten mithin um die Wende zum siebzehnten Jahrhundert, wie man bestimmte medizinische Termini in Japan pinselte.[16]

Im Jahre 1601 erschien dann in Barcelona eine Historia De Las Islas Del Archipelago, Y Reynos De La Gran China, [...] Y Iappon, welche die Bedingungen und Fortschritte der Mission in Ost- und Südostasien vorstellt.[17] Dort berichtete der spanische Franziskaner Marcello de Ribadeneira, daß viele Ärzte in Japan, wo er von 1595 bis 1597 gelebt hatte, chinesische Bücher benutzten. Sie würden einfache Arzneien und Tränke herstellen und süß schmeckende Abführmittel anwenden. Weiter heißt es:

Sie nutzen auch kleine Feuerknöpfe und wenden diese auf die Stellen des Körpers an, wo sie Schmerzen fühlen - zum Beispiel auf den Bauch und den Rücken, um Würmer zu vertreiben, die mit dem Reis zusammen gedeihen. Bei diesem Verfahren brennen sie das Fleisch mit kleinen Kügelchen, die wie Flaum aussehen, bis eine Blase entstanden ist. Sie erlangen bei vielen Leiden Erleichterung durch dieses Mittel, weil sie sagen, daß alle Krankheiten durch Kühle verursacht werden. Sie nehmen ein nicht sehr nahrhaftes Essen zu sich, und obwohl sie, wenn sie gesund sind und gut genährt wirken, sehr stark sind, gibt es bei den leichtesten Kopfschmerzen oder Leiden kein Leben in ihnen. Sie nehmen oft Ärzte und Medikamente in Anspruch.[18]

Es fehlt allerdings noch immer der Terminus mogusa, der erstmals in dem 1603 vom Collegio der Jesuiten in Nagasaki herausgegebenen Vocabulario da Lingoa de Iapam auftaucht.[19] Dieses in lateinischen Lettern gedruckte japanisch-portugiesische Wörterbuch unterschied bereits regionale Varianten, Frauen-, Vulgär- und Literatursprache. Anläßlich einer computergestützten Untersuchung des Wortschatzes ermittelte ich unter den über zweiunddreißigtausend Stichwörtern rund eintausend­dreihundert aus dem Bereich der Heilkunde, darunter etwa einhundert­neunzig Namen von Heilpflanzen bzw. Medikamenten, vierhundertfünfzig Krankheitsnamen, zweihundertvierzig anatomische Bezeichnungen, fünfzig Begriffe im Zusammenhang mit Akupunktur und Moxa, fünfzehn Namen von Instrumenten und siebenundzwanzig veterinärmedizinische Termini. Bei der Kompilation des Supplementos von 1604 haben sich die Redakteure überdies bemüht, sachliche Lücken zu füllen; gelegentlich treten aufeinanderfolgend ausschließlich medizinische Termini auf, die bestimmte Stichwörter im Hauptteil ergänzen.

Mogusa und yomogi werden hier als Kraut definiert, aus dem man Feuerknöpfe fertige. In Shimogata, also den Westregionen Japans, sage man futsu.[20] Ein wenig präziser hätte man das schon formulieren sollen, denn yomogi und die Dialektform futsu bezeichnen die Pflanze selbst und mogusa die daraus gefertigte Moxa. Botanisch gesehen handelt es sich bei yomogi um ein ganze Pflanzengattung, die in Japan über dreißig Arten umfaßt: so in den Küstenregionen die Artemisia stelleriana Bess. (shiroyomogi), Artemisia capillaris Thunb. (kawarayomogi), Artemisia scoparia Waldts. & Kitaib. (hamayomogi), in den Bergen die Artemisia norvegica Fries (samaniyomogi), Artemisia sinanensis Yabe (takaneyomogi), Artemisia schmidtiana Maxim (asagirisō) und andere mehr.[21] Am weitesten verbreitet sind die an sonnigen Stellen sowohl in den Ebenen als auch den Bergen vorkommenden Artemisia apiacea Hance (kawaraninjin), Artemisia japonica Thunb. (otokoyomogi), Artemisia keiskeana Miq. (inuyomogi) und Artemisia lavandulaefolia (himeyomogi). Zur Herstellung von Moxa dient vorwiegend die Artemisia princeps Pampanini - in der Literatur auch als Artemisia vulgaris L. var. indica Maxim. oder Artemisia asiatica Nakai aufgeführt.[22]

Das Vocabulario stellt weiter einige sinnverwandte Wörter zur mogusa vor wie kyūji, yaitō oder yaihi. Zur kawarayomogi hingegen schrieb man nur, daß es sich um ein medizinisches Kraut handele.[23] Den “Hautschneider” (kawakiri) erklärten die Patres als “ersten Feuerknopf” beziehungsweise “die erste Nadel, die man zur Behandlung” setze.[24] Beim direkten Brennen mit Moxa wurde ähnlich wie beim Setzen westlicher Fontanellen eine (kleine) Eiterung angestrebt. Vier heute nicht mehr gebräuchliche Verben beschreiben deren “schwelende Ausbreitung” (ibō, kuiboru, ubukuru), ja in einem Fall explizit deren “Reifung” und “Absonderung von Materie” (ugū).[25]

Seit 1609 agierte die Verenigde Oostindische Compagnie auf der japanischen Bühne), welche auf der Insel Hirado eine Handelsstation unterhalten durfte. Dem Versuch der Engländer unter Richard Cocks (†1624) blieb ein dauerhafter Erfolg versagt. Sie hatten 1615 ebenfalls auf Hirado eine Faktorei errichtet, zogen sich aber nach finanziellen Verlusten 1622 wieder zurück. Im Tagebuch des englischen Kontors vermerkte Cocks, ein Mann mit wachem Blick und breitem Interesse, gelegentlich landeskundliche Beobachtungen, so unter dem Datum des achtundzwanzigsten Mai 1617, nach dem japanischem Kalender der vierte Tag des fünften Mondes:[26]

Dieses Fest beginnt am ersten dieses Monats Gogatsu und endet am fünften Tag, welcher morgen ist und der Haupttag bei beiden, den Chinesen und Japanern. An diesem Tag decken sie alle Traufen ihrer Häuser mit grünen Flaggen (oder mit Beifuß) vermischt mit einem anderen grünen Kraut, welche sie das ganze folgende Jahr durch aufbewahren, trocknen das besagte Kraut und fertigen kleine Lunten an, um ihren Köper, die Beine oder Arme oder andere Teile, wo sie Schmerzen verspüren, zu brennen, was sie anstelle des Aderlasses tun. Ich meine, wo wir gewöhnlich bei kranken Personen zur Ader lassen, pflegen sie sie mit besagtem Kraut zu brennen, und halten das an diesem Tag geweihte für das beste.

Der fünfte Mond galt in China wie Japan als unheilbringend. Anders als im europäischen Wonnemonat vermied man hier Eheschließungen und schrieb Kindern, die in dieser Zeit geboren wurden, die übelsten Eigenschaften zu. Unter der Fülle der Gepflogenheiten fällt die häufige Verwendung von Kalmus (japan. shōbu) und Beifuß zur Abwehr von Krankheiten auf - leicht verständlich angesichts der unmittelbar bevorstehenden feuchtheißen Regen- und Sommerzeit. So war es in vielen Regionen Japans üblich, am fünften Tag in die Berge zu gehen, um Heilkräuter zu sammeln (yakusōgari, kusurigari). Von China wurde weiter die Sitte übernommen, aus Beifuß gefertige Menschen- oder Tigerpüppchen an den Hauseingang zu hängen, manchmal mit anderen Kräuterbällchen (kusuridama) zusammen. Auch galt der am fünften Tag des fünften Monats gerupfte, junge Beifuß als der heilkräftigste.[27]

Innenpolitisches Kalkül und erhebliche Spannungen zwischen den japanischen Machthabern und den Iberern führten Ende der dreißiger Jahre zur Abschottung Japans nach außen, zum Verbot des Christentums und zur Vertreibung aller Ausländer und Mischlinge. Dank ihrer geschickten, zuweilen auch skrupellosen Politik erhielt nur die VOC die Erlaubnis, in Konkurrenz mit chinesischen Kaufleuten, den Handel fortzusetzen - auf der scharf überwachten, fächerförmigen Insel Deshima (Dejima) in der Bucht von Nagasaki. Zwar pflegten die Kontorvorsteher alle geschäftlich relevanten Ereignisse in ihr “dagregister” einzutragen, doch die uns interessierenden Einkäufe an Drogen etc. sind meist nur als “geneesmiddel” oder “medicijnen” zusammengefaßt. Da Buschof 1675 hinsichtlich der Bezugsquellen für die Moxa in einem Atemzug China und Japan nannte und auf die große Kaufmannschaft hinwies, die beide Nationen damit trieben, muß das nach seinen Worten in Ballen gehandelte Mittel jedenfalls nach Batavia gekommen sein - sei es in Schiffen der Compagnie, sei es auf chinesischen Dschunken.[28]

Es ist nicht klar, ob die folgende Schilderung aus den Kreisen der Ostindischen Compagnie kam oder aber von einem ehemaligen Japanmissionar. Heinrich Oldenburg aus Bremen (1626 - 1678), Sekretär der Royal Society of London For The Promotion Of Natural Knowledge, hatte an eine namentlich nicht identifizierte Person schriftliche Fragen über das japanische Reich gerichtet und eine auf französisch verfaßte Antwort erhalten. Der Autor, so heißt es in seiner Vorbemerkung, habe in Japan viele Jahre gelebt. Besagte Auskünfte erschienen auf englisch im Juli 1669 in den Philosophical Transactions der Gesellschaft und streiften unter anderem die Medizin.[29] Drei Jahre darauf fügte der Nürnberger Gymnasialprofessor Christoph Arnold (1627 - 1687) eine deutsche Version dieses Textes seinem Sammelwerk Wahrhafftige Beschreibunge dreyer mächtigen Königreiche Japan, Siam und Corea bei. Die Luft in ganz Japan, heißt es dort, sei sehr gesund, weshalb man auch nie von der Pest gehört habe. Allerdings seien die Kinderblattern und die rote Ruhr sehr gemein verbreitet. Es gebe viele Sauerbrunnen und warme Bäder, die man zur Heilung von Krankheiten nutze. Aber auch sonst hätten sie viele besondere Arzneien und ließen niemals zur Ader:

Dagegen bedienen sie sich des Brennens; wann sie nemlich pulverem artemisiae in einer Baumwolle überlegen und solche hernach auf einer Nerven des Leibes anzünden.[30]

Hier wurde unmißverständlich die Artemisia als Brennmittel angeführt, während Buschof fünf Jahre später den Namen des Krautes nicht mitteilen konnte oder wollte. Die im deutschen Collegium naturae curiosorum durch sein Buch ausgelöste langjährige Debatte um den Rohstoff zur Gewinnung der ostindischen “Brennwolle” hätte man sich durch sorgfältigere Lektüre der Philosophical Transactions oder Arnolds Buch durchaus ersparen können. Erstaunlicherweise lokalisiert der anonyme Japankenner im Gegensatz zu anderen Quellen jener Jahre den Ort der Moxatherapie auf den Nervenbahnen und nicht auf Adern.

Unter den Japanmissionaren galt die Moxa als milde Form des Kauters, wie die durchweg gebrauchte Bezeichnung botão de fogo zeigt. Das Wort Moxa benutzte erstmals Buschof, der es von Japanern in Batavia übernommen haben muß.[31]

 

 

Akupunktur

Als ältester erhaltener westlicher Beleg ist auch hier der eingangs vorgestellte Brief von Lourenço Mexica zu nennen. Weitere Belege erbringt das japanisch-portugiesische Vocabulario da Lingoa de Iapam (1603/4), wo man unter dem Stichwort hari schreibt:

Hari. Nadel oder Lanzette. Hari wo hineru. Nadeln oder Nägel zur Behandlung an bestimmten Körperteile setzen. Hari wo tsukō. Lanzettieren, wie bei Aderlässen von Pferden.[32]

Der Ausdruck hari wo hineru, zu deutsch “Nadel drehen”, weist auf die Technik der Drehnadelung (hineribari) hin. Das Vocabulario enthält auch Stichwörter wie Schlagnadel (hineribari), Haltenadel (tomebari), Silbernadel (ginshin) und Goldnadel (kinshin):

Ginshin. Shirokane no hari. Nadel aus Silber. Z.B. ginshin wo hineru. Eine Silbernadel in das Fleisch eindrehen.
Kinshin. Kogane no hari. Eine Art von Goldnadeln, welche die Japaner an Stelle der Medizin verwenden.
Uchibari. Nadel, die man unter Schlagen in den Körper setzt. Uchibari wo utsu. Diese Nadel dort einschlagen.
Tomebari. Nadel, die man an bestimmte Körperstellen setzt, um Durchfall zu verhindern. Tomebari wo tatsuru. Diese Nadel setzen.[33]

Die sogenannte Schlagnadeltechnik (dashinhō) gab es in China nicht. Sie wurde in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts durch den japanischen Mönchen Mubun entwickelt, über dessen Person wir leider wenig wissen. Mubun ignorierte die herkömmlichen “Leitbahn-Theorien” und entwarf ein Konzept, in dem die Bauchoberfläche zum entscheidenden Ort für Diagnose und Therapie wird. Dort definierte er Bereiche, die jeweils einem der elf traditionellen Organe zugeordnet sind. Deren Leere- bzw. Fülle-Zustand (kyojitsu) ermittelte man nun durch Palpation. Es kann sein, daß er sich vom sechzehnten Kapitel des chinesischen “Handbuchs der Schwierigkeiten” (Nanjing) anregen ließ, wo man Rudimente einer Abdominaldiagnose erkennt.[34] Doch sein Konzept ist unvergleichlich komplexer, spielte doch der Bauch (hara) im japanischen Denken seit alters her eine besondere Rolle.[35] Mubuns mündlich erteilte Lehre ist in der “Sammlung der Geheimnisse der Nadelung” (Shindō hiketsushū) zusammengefaßt, einem Manuskript aus ungeklärter Hand.[36] Ein Akupunkteur soll sich ihm zufolge, hier wird der Einfluß des Zen-Buddhismus spürbar, mit reinem, leeren Herzen ans Werk begeben. Die Fingerkuppen der linken Hand mit Ausnahme des Daumens sitzen leicht auf der Haut, die Nadel ist zwischen dem Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt. Mittels eines kleinen Hämmerchens treibt man sie flach, aber entschlossen in die jeweilige Bauchregion ein. (Abb.1). Mubun unterschied weiter je nach Behandlungsziel eine Reihe von Varianten, darunter die Haltenadel, auf japanisch tomebari oder todomaru hari.[37] Diese Nadelung geschah zu beiden Seiten des Nabels in einer den Nieren zugeordneten Region und sollte ein Ansteigen des sogenannten Meimon-Feuers in der rechten, den Samen bergenden, bzw. mit dem Uterus in Verbindung stehenden Niere verhindern.[38]

Die Schlagnadelungen Mubuns wurden durch Misono Isai (1557 - 1616), von dem manche Autoren annehmen, er sei ein Sohn Mubuns, weiter verbreitet. Sie müssen sich seinerzeit sehr rasch durchgesetzt haben, wofür unser gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts kompiliertes Jesuiten-Wörterbuch zeugt. Misono propagierte überdies die Verwendung von Gold- und Silbernadeln - nicht der Hygiene wegen, vielmehr schienen ihm die Weichheit und der Wärmecharakter dieser Metalle für die Stoßtechnik geeigneter als die bis dato gängigen Eisennadeln.

Abb. 1 Schlagnadelung nach Mubun (Hongō, 1712)

 

Hergestellt wurden Nadeln von “Nadelschleifern” (harisuri), die Ärzte nannte man u.a. “Nadeldreher” (harihineri) oder “Nadelsetzer” (haritate):[39]

Harisuri. Jemand, der die Nadeln macht, welche die Japaner benutzen, um wegen einer Erkrankung Nadelungen an bestimmten Stellen des Körpers vorzunehmen.
Harihineri. Jemand, der bei Erkrankungen mit gewissen Nadeln aus Gold oder Silber zu Behandlungszwecken Nadelungen vornimmt.
Haritate. Jemand, der bei Erkrankungen gemäß der Bräuche in Japan mit bestimmten Nadeln Nadelungen vornimmt.

Bei der “Nadelbehandlung” (shinji) hielt man nämlich den Unterschied zwischen dem sachten “Eindrehen” der Nadel (hineru) und dem “Setzen” (tatsuru) für wichtig.

Unter den klassischen “Neun Nadeln” erfüllten einige eher chirurgische Funktionen. So sticht man mit der in Japan manchmal messerförmig geformten “Pfeilnadel“ (chin. chanzhen, jap. zanshin) die Haut oberflächlich an, um bei Beschwerden des “Wärmetypus” etwas Blut abzulassen. Den gleichen Zweck erfüllte die “Pyramidennadel” (chin. fengzhen, jap. hōshin) mit ihrer dreikantigen Spitze, derer man sich auch bei Schwellungen bediente. Dem westlichen Skalpell kommt die vierzehn Zentimeter lange “Schwertnadel” (chin. feizhen, jap. hishin) nahe, mit der man Geschwüre aufschnitt, Eiter oder Wasser abließ. Eine ähnliche Verwendung fand die neunte Nadel als Feuer- bzw. Dicknadel (chin. huozhen, dazhen, jap. kashin, daishin). Nicht zufällig wählten die Missionare im Dictionarium Latino Lusitanicum ac Iaponicum (1595) für westliche Instrumente wie Skalpell und Phlebotom die japanische Übersetzung hari.[40]

Umgekehrt wurde hari im Vocabulario da Lingoa de Iapam (1603) mit “agulha” und “lanceta” übersetzt, und zum Beispielsatz hari wo tsukō heißt es, er bedeute “lanzettieren wie beim Aderlaß von Pferden”. Der Terminus Aderlaß mag erstaunen, denn schon der berühmte Visitator der Japan-Mission, Alessandro Valignano, wies am achtundzwanzigsten Oktober 1583 in seinem “Sumario de las cosas que pertenecen a la provincia de Japón” unter allgemeiner Betonung der großen Unterschiede zwischen Europa und Japan darauf hin, daß man die Phlebotomie (“sangre”) ablehne: “Sie machen keinen Aderlaß, und die Purgative, welche sie applizieren, sind wohlriechender und milder”.[41]Viele Autoren des siebzehnten Jahrhunderts folgten ihm in diesem Punkt, was im Prinzip richtig war. Tatsächlich aber floß gelegentlich nicht nur bei Pferden Blut, allerdings in sehr geringen Mengen. Das Vocabulario ist meines Wissens der älteste Beleg überhaupt für das Wort “Breitnadel“ (hirabari), auch “Blattnadel” (habari) genannt:

Hirabari. [...] Item. Lanzette, um Pferde zur Ader zu lassen oder Menschen. Z.B. hirabari wo tatsuru. Lanzettierung, um Blut abzunehmen.[42]

Lanzettierungen kamen schon im chinesischen Huangdi neijing zur Sprache.[43] Auch in Japan waren sie als “Kanalstechen” (shiraku, chin. ziluo) bekannt, wurden allerdings nicht zu allen Zeiten praktiziert. Um Stauungen, Überschüsse abzubauen oder aber “schlechtes Blut” (akketsu) zu entfernen, stach man dabei die Haut oder Kapillargefäße an.[44] Frois, der in seiner kulturvergleichenden Abhandlung dem westlichen Aderlaß zunächst die japanischen Feuerknöpfe gegenüberstellte, muß das gesehen haben. Denn in der nächsten Sentenz schrieb er, daß man in Europa “Menschen gewöhnlich an den Armen zur Ader” lasse, bei den Japanern jedoch “mit Blutegeln oder dem Messer am Kopf und bei den Pferden mit Lanzetten”.[45] Belege für die hiru oder mizuhiru genannten Blutegel liefern japanische Quellen reichlich.[46] Sie wurden meist am Scheitel oder am Hinterkopf angesetzt.

Den Wundkauter kannte Ostasien ursprünglich nicht, so daß die Redakteure des Dictionarium Latino Lusitanicum ac Iaponicum (1595) zum Stichwort Cauterium als japanisches Äquivalent den Begriff kashin (Feuernadel) angaben und erklärten, es handele sich um eine “Nadel, mit der man Brandzeichen [sic] appliziere”.[47] Diese rund vierzehn Zentimeter lange Feuernadel (chin. huozhen) ist die neunte der klassischen Nadeln. Sie wurde in kaltem Zustand benutzt, um Wasser aus Schwellungen abzulassen. Mäßig erhitzt diente sie zur Behandlung von Brustgeschwüren und Lymphkrankheiten. Dennoch brannten die Japaner Wunden in bestimmten Fällen wie bei Hunde- oder Schlangenbissen durchaus direkt aus. Dazu entzündete man auf die Bißstelle gebrachte Moxakegel.[48]

 

 

Moxa und Nadeln zur Behandlung von Tieren

Auch Tiere wurden moxibustiert. Im Vocabulario da lingo de Iapam (1603) finden wir einen Behandlungspunkt namens hyakue (chin. baihui), der einmal - völlig korrekt - als auf der Spitze des Kopfes befindlich (GV20) beschrieben wird, dann aber noch einmal spezifiziert ist als “Stelle beim Pferd etwas oberhalb des Hinterns”.[49] Letztere war in der Veterinärmedizin sehr beliebt.[50] Unerklärlich bleibt allerdings, warum man die Bezeichnung kyū, eine gebräuchliche Variante von yaito, in diesem Wörterbuch durchweg auf das “Kurieren der Pferde” beschränkte.[51]

Weiter heißt es im kulturvergleichenden Froisschen Traktat von 1585, daß man im Abendland die Pferde nur zur Ader lasse, während man sie in Japan auch “mit großen Feuerknöpfen unter den Kinnladen” - wahrscheinlich am Punkt akufushi (chin. efu) - brenne.[52]

Auch beim Pferd gibt es eine Stelle, wo man mit drei Fingern der rechten, dann der linken Hand den Puls nimmt.[53] Dazu kommen Behandlungspunkte für Akupunktur und Moxa sowie zum Blutlassen.[54] In der Trennung dieser Funktionen waren die Jesuiten nicht durchweg exakt. So beschrieben sie die Punkte chinsō, kakuyū, kotsudō und nyūmyaku gleichlautend als Puls, den man am Bauch des Pferdes nehme.[55]

Nur unter taimyaku lesen wir, daß dies ein “gewisser Ort am Bauch des Pferdes” sei, wo man im Krankheitsfall “Nadelungen zur Behandlung” vornehme.[56] Bei derartigen “agulhadas” ließ man, wie bereits erläutert, mit Dreikant- oder Lanzettnadeln geringe Mengen “schlechten Blutes” ab. Im Vocabulario wird das für Pferde durch Beispielsätze unter den Stichwörtern chi (Blut) und chizashi (Blutstechen), idasu (herauslassen) und toru (nehmen) belegt.[57] Möglicherweise wurden in Japan die Laßstellen im Kopf- und Bauchbereich nicht so häufig genutzt. Denn zwei Termini verweisen auf die Beine, wo man der Tradition gemäß ein gutes Dutzend Stellen kannte, darunter eine an den Hufen für “Hufkopfblut” (chin. titouxue):[58]

Chi. [...] Chi wo idasu. Blut nehmen oder fließen lassen bzw. zur Ader lassen. Uma no suso no chi wo idasu odertoru. Pferde an den Beinen zur Ader lassen.
Tsukuroi, rō, ōta. [...] Uma wo tsukurō. Pferde zur Ader lassen, ihnen die Hufe schneiden und sie behandeln, damit sie keinen Schaden an den Beinen nehmen.[59]

Ein “Nadelbenutzer” (haritsukai) war schlechthin “jemand, der Tiere zur Ader läßt”.[60] Bis mindestens zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts gibt es meines Wissens keine weitere westliche Quelle, in der irgend etwas zur japanischen Veterinärmedizin verzeichnet wäre.

 

 

Anatomie, Physiologie

Im Dictionarium Latino Lusitanicum ac Iaponicum von 1595 tat man sich besonders bei humoralpathologischen Stichwörtern sehr schwer. Die Melancolia wurde im Japanischen zur “Stimmung alter Weiber”, Humor bedeutete “Feuchtigkeit bzw. den Wasseranteil im Sake”, unter Phlegma findet man immerhin eine “gewisse Flüssigkeit im Innern des Körpers”, und Termini wie Spiritus oder Pneuma machten die Redaktion völlig ratlos. Ein wenig besser ging es dann 1603 auf dem umgekehrten Weg vom Japanischen zum Portugiesischen im Vocabulario da Lingoa de Iapam. Fast alle in Japan verwendeten Begriffe stammten aus China. Ich will hier nur einige herausgreifen, welche die Art des Verstehens andeuten.

Natürlich kannten sich die Jesuiten in der kosmologisch-philosophischen Terminologie ziemlich gut aus. Ohne die hätten sie die heftigen, in ihren Sendschreiben nach Europa eingehend beschriebenen, philosophisch-theologischen Debatten mit buddhistischen Bonzen (“boncos”) über das Wesen der Dinge und die Natur Gottes schlecht überstehen können. Zum berühmten Paar von yin und yang schrieb man beispielsweise:

Inyō. Schriftsprachliches Wort, das man nimmt als Nacht und Tag, Himmel und Erde, Frau und Mann usw. Inyō kyōkai. Die Vereinigung von Mann und Frau. Item die Ding-Vereinigung, wie die Vereinigung von Materie und Form, aus welchen sich die sinnlich wahrnehmbaren Dinge zusammensetzen. Inyō zuijun. Komposition bzw. Kombination dieser zwei Dinge, in, yō, nämlich Materie und Form, Feuchtigkeit und Hitze usw.[61]

Bei den “fünf Wandlungsphasen” (wuxing) hätte ich die noch in jüngster Zeit häufige Interpretation als “fünf Elemente” erwartet. Doch wählten die Redakteure einen anderen Weg:

Gogyō. Fünf Teile, oder Materien, aus welchen sich die gemischten Körper zusammensetzen, nämlich moku, ka, do, gon, sui.[62]

Einen Anhaltspunkt dafür, warum man den Terminus “Elemente” vermied, zeigt das Stichwort shidai-gogyō. Die erste Komponente kam mit dem Buddhismus aus Indien und bezeichnet die vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer und Wind),[63] die hier eine seltsame Ehe mit den chinesischen Wandlungsphasen (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) eingegangen waren.. So verbot es sich schon aus logischen Gründen, beide Termini gleichzusetzen. Ob die Übertragung als “vier Elemente und fünf Materien, aus denen sich die Dinge zusammensetzen” jedoch gelungen war, sei dahingestellt.[64] Eine solche eklektische Vermischung von Konzepten prägte jedoch auch das Denken japanischer Ärzte, von denen viele aus Tempeln kamen.

Nähern wir uns nun dem menschlichen Körper. Traditionell kennt man in der chinesischen Anatomie “Fünf Speicherorgane” (wu zang) sowie “Sechs Verwaltungsorgane” (liu fu), d.h. Dick- und Dünndarm, Blase, Magen, Gallenblase sowie den “Dreifachen Erwärmer”. Die dem yin zugeschlagenen “massiven” Speicherorgane produzieren, verwandeln und regulieren. Die “hohlen” Verwaltungsorgane auf der yang-Seite dagegen nehmen auf, zerlegen und absorbieren. Sie waren, wie das Vocabulario zeigt, in japanischer Form den Jesuiten bekannt:

Gozō. Fünf Teile der Eingeweide, nämlich kan oder kan no zō, Leber. Shin oder shin no zō, Herz. Hi oder hi no zō, Milz. [...] Hai oder hai no zō, Lunge. Jin oder jin no zō, Nieren.
Roppu. Sechs Teile oder Orte der Eingeweide bzw. des Tierkörpers [sic], nämlich daichō, shōchō, bōkō, sanshō, i, tan: Deren Bedeutung sehe man an den jeweiligen Stellen nach. Ferner sagt man auch daichō no fu, shōchō no fu etc.[65]

Den im chinesischen Schrifttum sehr schillernd beschriebenen,[66] “gestaltlosen” und doch vielerlei Funktionen erfüllenden “Dreifachen Erwärmer” (chin. sanjiao, jap. sanshō) bestimmte man - wohl in Ermangelung eines konkreten anatomischen Substrates - als Körperregion:

Sanshō. Drei Teile des Körpers. Schriftsprache. Nämlich jōshō, chūshō, geshō. Obere Teile von der Brust ab aufwärts, mittlere Teile und untere Teile.
Jōshō. Die oberen Teile des Körpers wie der Kopf und Hals.
Chūshō. Der Raum von der Brust hinunter zur Gürtellinie.
Geshō. Untere Teile des Körpers, z.B. geshō no hieta. Die unteren Teile sind abgekühlt. / Jōshō. Die oberen Teile wie der Kopf etc. / Chūshō. Die mittleren Teile wie der Bauch etc.[67]

Eine wichtige Rolle in der Medizin, ja der Naturphilosophie überhaupt spielte das qi, welches im Japanischen ki, als Teil von zusammengesetzten Wörtern auch ‑ke bzw. abeschwächt ‑ge gesprochen wird. Dem griechischen Pneuma nicht unähnlich, durchzieht es in vielfältigen Ausformungen den Mikrokosmos des Körpers und den Makrokosmos der Umwelt, wofür in der chinesischen wie japanischen Alltagssprache zahlreiche Begriffe der Wortfelder Gesundheit, Krankheit, psychische Befindlichkeit, atmosphärische Erscheinungen zeugen. Das Vocabulario verzeichnet unter “Qi” zwar eine Reihe von Gebrauchsbeispielen, doch verharrt die Erklärung des Stichwortes selbst bei der Formulierung “Herz, Lebensgeister, oder Kraft des Herzens”.[68] João Rodriguez wurde nicht ohne Grund für seine Japanischkenntnisse gerühmt, wenn man zum Vergleich die kurze grammatisch-semantische Bemerkung in der Arte da Lingoa de Iapam: von 1604 heranzieht:

Kena, dessen Zeichen ist ki, d. h. kokoro, was Lebenskräfte bedeutet. Z. B. ki ga agaru, ki wo ushino, ki ga warui etc. Aber dieser Partikel, der sich mit Nomina, oder Verbwurzeln verbindet, bedeutet auch eine Disposition, Qualität einer Sache, gemeinhin zum Schlechten hin, wie bei Krankheit usw. Zum Beispiel: Shinkikena, Melancholie haben. Chūbukena, eine Lähmung haben. Gaikikena, einen Katarrh haben. Harakena, Durchfälle haben. Wazuraikena, krank sein. Shitsuraikena Idem. Kiaikena. Schlecht aufgelegt sein. Gankena. Augenkrankheit. Zufūkena. Kopfschmerzen. [...][69]

Interessant ist im Vocabulario auch die Darstellung des “bösartigen qi” (jaki, chin. xieqi), einer in der Literatur häufigen, sehr allgemeinen Charakterisierung der Krankheitsursache sowohl innerhalb als auch außerhalb des Körpers. Zwar gab es in Japan nie einen Pestausbruch, doch man erkennt, wie sich der Bearbeiter bemühte, den Terminus qi zu erfassen, der hier deutlicher wird als in den obigen Beispielen:

Jaki. Verdorbener Hauch oder Pestilenz. Schriftsprache. Jaki aru. Ein ansteckendes Leiden haben, wie Pest, oder Pestwind. Jaki ga tachisaru. Verschwinden dieses verdorbenen Windes bzw. ansteckenden Leidens oder verdorbenen Hauches.[70]

Das für Akupunktur und Moxibustion so bedeutsame System der “Trakte und Kanäle”, welche in der westlichen Literatur oft “Leitbahnen” oder in einer höchst mißverständlichen Projektion auch “Meridiane” genannt werden, hatte man nicht verstanden. Je nach Art der Erkrankung muß hier an spezifischen Punkten durch Brennen oder Nadeln aufgestautes qi abgeführt oder aber unterschüssiges qi verstärkt werden. Zwölf sogenannte Reguläre Trakte (chin. jing, jap. kei) bilden die Grundlage des Netzes, dessen Beschreibung ich mir hier versage.[71] Sie sind nach den Regionen Hand und Fuß, den Aspekten yin und yang sowie dem jeweils korrespondierenden Organ benannt. Hinzu kommen u.a. fünfzehn kürzere Kanäle (chin. luo, jap. raku), die über bestimmte Punkte als Querverbindungen fungieren. Zwölf davon bezieht man auf die Regulären Trakte, je ein Kanal ist mit dem sogenannten “Herrscher-Gefäß” bzw. “Empfängnis-Gefäß” verbunden. Bei dem fünfzehnten handelt es sich um den “Großkanal der Milz”. Diese Trakte und Kanäle (jingluo, jap. keiraku) erklärten die Jesuiten als Venen:

Jūnikei. Zwölf Venen an den Füßen und Händen, von welchen die Mediziner sprechen. Zum Beispiel jūnikei, jūgoraku. Siehe jūgoraku.[72]
Jūgoraku. Fünfzehn Venen, z.B. jūnikei jūgoraku. zwölf und fünfzehn Venen des Körpers von welchen die Mediziner sprechen.[73]

Auch der Punkt meimon (chin. mingmen, GV4) wurde als Vene gedeutet. Auf gleicher Linie liegt die Erklärung der Leitbahn-Bildtafeln (zukyō) als “Anatomisches Buch der Ärzte, mit dem man die Venen und Körperteile erfaßt.”[74] Die solchen Werken abgedruckten Figuren (zubōshi)[75] beschrieb man als “Zeichnung, die im einzelnen die Körperteile zeigt, um das Heilen zu erlernen.”[76]

Das klassische chinesische Schrifttum gibt auf die Frage, was den nun in den “Trakten und Kanälen” fließe - qi, Blut oder beides - ziemlich schillernde Antworten,[77] so daß der Gleichsetzung von “Leitbahnen” und “Blutbahnen” wenig entgegenstand. Hübotter, der Anfang dieses Jahrhunderts in Japan und China als Arzt gearbeitet und geforscht hatte, vertrat die Ansicht, daß die Chinesen Adern meinten. Man solle sich zum Vergleich die Vorstellungen anderer Kulturvölker wie die Ägypter und Griechen vor Augen halten, dann würde das Ganze “weniger wunderlich und utopisch” wirken. Sein vorsichtiger Versuch, dieses “anatomische Zerrbild der chinesischen Aderlehre in das Prokrustesbett moderner europäischer Anatomie” einzuzwängen, führte zur Vermutung, daß die “Yin-Adern” als Arterien, die anderen aber als Nerven zu interpretieren seien.[78]

Im Vergleich hierzu gab es um die Wende zum siebzehnten Jahrhundert keinerlei Interpretationsspielraum. Noch hatte William Harvey seine Entdeckung des Blutkreislaufes (De Motu Cordis, 1628) nicht publiziert. In den Köpfen der Japan-Missionare, dies zeigen flüchtige Spuren in den Werken ihrer japanischen “Südbarbaren-Chirurgie” (Nanbanryū geka), existierte bestenfalls die Galenische Theorie der Blutbewegung. Hier wurden die Nährstoffe aus den Därmen in die Leber gebracht und durch die “spiritus naturales” in Blut umgewandelt, welches nun teils durch die Venen in die Peripherie, teils in die rechte Herzkammer floß. Über die Poren des Septums gelangte das Blut überwiegend in die linke Kammer, ein Rest ging in die Lunge. Im Herzen lud es sich schließlich mit den durch die Lunge engetretenen “spiritus vitales” auf. Eine derartige Vorstellung stand zweifelsohne hinter der oben zitierten Erklärung des qi im Vocabulario bzw. bei Rodriguez. Galen zufolge floß das Blut nun weiter durch die Arterien in die Peripherie - unter anderem ins Gehirn, wo die “spiritus animales” entwickelt und über die Nerven im Körper verteilt wurden.

Doch warum nannte das Vocabulario in der Erklärung der “Leitbahnen” nur die Venen? Ein Grund war sicher praktischer Natur: An Arterien wäre das Nadeln und Brennen übel ausgegangen. Überdies pflegte das Abendland eine lange Tradition des Phlebothomie an den Venen. Ein europäischer Betrachter der Leitbahnabbildungen in japanischen Werken assoziierte unumgänglich die heimischen Aderlaßmännchen.

Der Sog der Analogien war stark. Den Jesuiten darf man das niedrige Niveau der abendländischen Anatomie im sechzehnten Jahrhundert zugute halten. Doch das läßt sich im Falle des promovierten Mediziners Willem ten Rhijne nicht mehr behaupten. Aber auch er, der von 1672 - 1674 in Japan weilte und in seiner Mantissa Schematica die “Leitbahnen” aus Wang Weiyis Werk Tongren shuxue zhenjiu tujing (“Illustriertes Handbuch des Nadelns und Brennens der Transportpunkte, gezeigt an der Bronzefigur”) einzeln durchging, stellte sie ungeachtet all seiner anatomischen Bildung als Venen und teils gar als Arterien vor. Immerhin kritisierte er die Qualität der Abbildungen.[79]

Zu einem etwas schärferen Urteil kam der Patre Dominicus Parennin, welcher immerhin mit Pekinger Hofärzten über die Materie sprechen konnte. Parennin war vom Kaiser Kangxi beauftragt, ein Anatomiebuch herauszugeben, worüber er in einem an die französische Akademie der Wissenschaften gerichteten Brief vom ersten Mai 1723 berichtete.[80] Beim Text des Buches habe er sich an Dionis, bei den Abbildungen an Caspar Bartholin orientiert:[81]

Als ich unter andern dem Kayser die Circulationem Sanguinis oder den Umlauff des Geblüts so deutlich / als mir je möglich ware / schrifftlich samt denen gemahlten Figuren zugestellet / er aber solche mit grossem Vergnügen überlesen hatte / liesse er eine drey=Schuh=hohe menschliche Bild-Säule / welche über und über mit graden Streimen als eben soviele Adern übermahlet ware / in seiner Kunst=Kamer aufsuchen / und mir zum Untersuch behändigen. Nachdem ich nun dieselbe samt zweyen bewährtesten Kayserlichen Leib=Medicis genau betrachtet / haben wir sie für falsch / folgsam für unnütz befunden / angesehen alle Streim derselben unter einander parallel, oder gleich=weit von einander stehen / und weder mit denen Senn= noch Blut=Adern übereinskommen.
Erwehnte zwey Leib=Artzte glauben / solche Linien bedeuten nichts anders / als diejenigen Gegenden des Leibs / in welche die Strick=Nadeln nach ihrem Gebrauch denen Gicht=Hafften und Podagrämern sollen eingesteckt werden: gewaltsam die Sineser dergleichen Siechen diese Nadeln zwey biß drey Zoll tief zwischen die Mäußlein / oder in das dicke Fleisch / ja auch anderwärtig einpflantzen. Wiewol übrigens gewiß bleibt / daß sie den Umlauff des Blutes und des Ader=Wassers zu allen Zeiten erkant haben / ware ihnen dannoch biß auf dise Stund verborgen / wie solcher beschaffen seye; weil ihre Bücher / denselben nirgend erklären / und ihre Medici davon nichts gründliches zu sagen wissen.

Kommen wir nun zu den Behandlungspunkten bei Akupunktur und Moxibustion. Allgemeine Angaben hierüber findet man schon im sechzehnten Jahrhundert. So haben wir in Lourenço Mexicas Brief gelesen, daß die Nadelungen am Bauch, den Armen und auf dem Rücken vorgenommen wurden. Luis Frois ließ sich gegen verschiedene Schmerzen und Krankheiten der Augen auf dem Rücken und den Knien moxibustieren. De Ribadeneira nannte den Bauch und den Rücken, wo man direkt auf der schmerzenden Stelle brenne, Cocks demgegenüber Rumpf, Beine und Arme, also fast den gesamten Körper.

Das japanisch-portugiesischeVocabulario von 1603 führt erstaunlicher­weise sogar einige der Behandlungspunkte namentlich auf, allerdings nur im Kontext der Moxibustion:

Hyakue. Stelle am Scheitel des Kopfes, wo man die japanischen Feuerknöpfe setzt.
Zekkotsu. Stelle am Fuß, wo man Feuerknöpfe setzt.
Kigai. Stellen auf beiden Seiten der Wirbelsäule oder am Hintern, wo die Japaner ihre Feuerknöpfe setzen.
Sanri. Stelle unterhalb des Knies, auf der entgegengesetzten Sehne des Fußes, wo man Feuerknöpfe setzt.
Yu. Stellen entlang der Wirbelsäule, wo man Feuerknöpfe setzt.[82]

Der Name hyakue (chin. baihui, GV20) bedeutet wörtlich soviel wie “Hunderttreff”, weil sich hier das qi ansammele. Er bezeichnet einen der prominentesten Therapiepunkte. Das traditionelle Schrifttum listet eine Fülle von Indikationen vorwiegend nervöser Art einschließlich von Sprachstörungen auf, dazu kamen Augen- und Nasenleiden sowie Hämorrhoiden.[83] Die Bezeichnung zekkotsu (chin. juegu) findet sich nur im älteren Schrifttum, beispielsweise dem Tongren shuxue zhenjiujing von Wang Weiyi. Dort trägt eine Stelle am Unterschenkel den Namen zekkotsu, die dem Punkt xuanzhong (GB39) entspricht.[84] Der Punkt kigai (chin. qijie), d.h. “qi-Straße”, ist bereits im Ishinpō (982 n.u.Z.), dem ältesten medizinischen Text Japans, verzeichnet. Dies war eine alternative Bezeichnung des Punktes kishō (chin. qichong, ST30).[85] Hier wurden allerlei Leiden im Unterleibsbereich, wie Unfruchtbarkeit, diverse Entzündungen, Blasenbeschwerden therapiert. Viele Texte warnen hier vor Nadelungen. Laut Honma ließ man dort aber u.a. mit der Dreikantnadel Blut ab.[86] Sanri (chin. sanli, ST36) galt als universaler Punkt gegen Kopf-, Zahn- und andere Schmerzen, Leiden im Magen- und Darmbereich, Lähmungen etc. Yu (chin. shu) ist das jeweils letzte Zeichen in den Namen einer Reihe von Punkten, die sich längs der Wirbelsäule entlangzieht (BL13 bis BL30). Wenn die Missionare aus über dreihundertsechzig Punkten ausgerechnet die oben genannten in ihr Wörterbuch aufnahmen, werden sie gute Erfahrungen gemacht haben. Es sollte bis zum Erscheinen der Amoenitates Exoticae (Lemgo 1712) von Engelbert Kaempfer dauern, daß in einem europäischen Text wieder Behandlungspunkte namentlich erscheinen.

Daß hinter den oben vorgestellten Termini und Fragmenten ein vergleichsweise geschlossenes Bild der japanischen Medizin stand, machen die Ausführungen eines Chinamissionars deutlich, der wohl die Erzählungen eines Kollegen aus der Japanmission notiert hatte. Man findet sie in einer Monographie über Les Secrets de la Médecine des Chinois, consistant en la parfaite Connoissance du Pouls. Envoyez de la Chine par un François, Homme de grand mérite (Grenoble 1671). Das Vorwort wurde am einundzwanzigsten Oktober 1668 in “Quam Chen”, Hauptstadt der chinesischen Provinz “Quantum” geschrieben. Grmek, dem ich hier folge, vermutete den Verfasser unter einer Gruppe von Jesuiten, die in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre in Kanton für längere Zeit unter Hausarrest standen. Es spricht sehr viel für die Urheberschaft des Franzosen Philippe Couplet,[87] der von seinem polnischen Kollegen Michael Boym, dem Verfasser der ersten eingehenden Arbeit zur chinesischen Medizin, ein einschlägiges Manuskript (Clavis Medica ad Chinarum doctrinam de Pulsibus) erhalten hatte.[88] Die “Geheimnisse der chinesischen Medizin” liegen vor allem in ihrer Pulsdiagnose, auf die ich weiter unten kurz zurückkomme. Im Kontext unserer Erkundungen ist der dritte Paragraph des dritten Buches, einer Art Anhang, interessant, wo der Autor die Heilkunde einiger Nachbarvölker Chinas skizziert, darunter die der Japaner:

Über die japanische Medizin
Die Japaner begründen ihre Medizin auf das Prinzip, daß alle die Übel und Schmerzen, die im menschlichen Körper auftreten, vom Ki herrühren, das sind spiritus des Feuers, des Wasser, der Erde und der Luft, welche entweder nicht austreten können oder nicht an ihrem natürlichen Ort sind. Davon ausgehend haben sie [die Japaner] Auswege für die Geister gesucht und in allen Teilen des Körpers bestimmte Orte festgelegt, über welche diese Geister austreten können, während sie an jener und jener Stelle zurückgehalten werden. Und dort applizieren sie einen kleinen Knäuel, den sie aus trockenen Blättern des Absinthus Silvestris anfertigen und welchen sie entzünden. Sich verzehrend wird er heiß und verbrennt dann die Haut, welche gebrannt Schorf bildet, der abfällt und eine Öffnung oder Wunde hinterläßt, durch die der Humor oder das Ki, welche den Schmerz an demselben Ort verursachte, heraustritt. Bisweilen wenden sie sieben, neun, fünfzehn, dreißig, hundert und zweihundert und fünfhundert dieser Knäuel oder Knöpfe an, welche sie als vom Feuer bezeichnen.
Doch weil in den Eingeweiden und Därmen das besagte Ki manchmal auch aufgehalten wird und es dort keinen Austrittspunkt gibt, wo es herausgehen könnte, da es bisweilen zu tief liegt und die Ausgänge, welche uns die Natur gegeben hat, nicht genügen, bedienen sie sich dann einer großen silberten Nadel mit einer ein etwas abgestumpften Spitze, welche sie zwischen den beiden Daumen drehen und, “pharé pharé” wiederholend, langsam eindringen lassen bis ins Tiefinnere, wo das Ki ist, welches einen Ausgang findend sogleich austritt und dem Schmerz ein Ende macht.
In den anderen Anwendungen ihrer Medikamente richten sie sich nach den Chinesen.[89]

Bemerkenswert ist zunächst der Hinweis auf das ki (chin. qi), das auch spätere Autoren wie ten Rhijne oder Kaempfer nicht besser verstanden. Die starke Betonung seiner Rolle läßt den Einfluß der japanischen “Schule der alten Praxis” (Kohōha) erahnen, die sich seinerzeit herausbildete, in Besinnung auf die “Alten” unter gleichzeitiger Betonung der Praktikabilität und Säkularität der Medizin.[90] Als Ausgangsmaterial zur Herstellung der Moxa wird der Absinth genannt, der in der Tat zur Gattung der Artemsia zählt, und wieder begegnen wie dem “Feuerknopf”. Außerdem begegnen wir der Silbernadel sowie der aus China übernommenen Drehtechnik (hineribari) wieder, wobei “pharé” wohl die leicht korrumpierte Wiedergabe des japanischen Wortes hari (Nadel) sein dürfte.

Man würde erwarten, daß der kleine Überblick “De la Medecine des Chinois” im ersten Paragraphen desselben dritten Buches auch etwas zum Nadeln und Brennen berichtete. Doch das ist nicht der Fall.[91] Seien es Les Secrets de la Medecine des Chinois , sei es Boyms Clavis Medica ad Chinarum doctrinam de Pulsibus oder seien es die vermischten Materialien im Specimen Medicinae Sinicae[92] - die so ungemein detaillierten Pionierarbeiten zur chinesischen Medizin richten ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Puls und damit zusammenhängende physiologisch-anatomische Phänomene. Dazu gesellt sich im Specimen noch die Zungendiagnose. Bemerkenswert an der Therapie hingegen war anscheinend nur die - in der Tat eindrucksvolle - Pharmakopoë, aber man wundert sich, warum die Verfasser die doch recht auffällige Akupunktur und Moxibustion ignorierten.

 

 

Pulsdiagnose

Die oben genannten Übersetzungen und Ausführungen zur Pulsdiagnose wurden in Europa intensiv rezipiert. Grmek, der den Weg in den Westen eingehend verfolgte,[93] nennt neben diesen Werken noch einige einschlägige Bemerkungen bei Athanasius Kircher (1602 - 1686),[94] Alexandre de Rhodes (1591 - 1660)[95] und als frühesten Beleg den 1621 gedruckten Brief des spanischen Patres Francisco de Herrera Maldonado.[96] Man könnte hier einige Zeilen aus einem Brief des Patre Johannes Schreck aus demselben Jahr hinzufügen, in denen Schreck die bedeutende Rolle des Pulses, eine Dreiteilung der Arterie und drei Korrespondenzen dieser Teile skizziert.[97]

Aber auch hier sollte man die Pioniere der Japanmission nicht ganz ignorieren, denn natürlich war den dort lebenden Jesuiten die umständliche Art der Pulsdiagnose aufgefallen.[98] Patre Luis de Almeida (etwa 1525 - 1583), einst in Spanien als Arzt ausgebildet, Begründer eines großen Krankenhauses in Funai (heute Ōita), wußte ihn gar auf die einheimische Weise zu fühlen, wie wir aus der Schilderung seiner Behandlung des Fürsten von Gotō im Jahre 1566 (!) erkennen. Dort heißt es, daß er diesem “den Puls mit aller Zeremonie, die hierzulande üblich” sei, genommen und “Rechenschaft über seine Krankheit” gegeben habe.[99] Im kulturvergleichenden Traktat von 1585 hebt Frois hervor, daß die Japaner den Puls - im Gegensatz zu den Europäern - Männern zuerst am linken und Frauen zuerst am rechten Arm nehmen würden.[100] Dies ist bereits im chinesischen Huangdi neijing, Suwen (“Handbuch des Gelben Kaisers für das Innere, Einfache Fragen”) aus dem zweiten Jahrhundert v. u. Z. belegt.[101]

Wie man solche Gepflogenheiten im kriegerischen Japan nutzen konnte, illustriert eine von Luis Frois in der Geschichte Japans erzählte legendäre Episode, in welcher der gefürchtete Feldherr Oda Nobunaga, angeblich krank, sich ins Bett legte und um den dringenden Besuch seines älteren Bruders bat. Als der schließlich kam “streckte jener ihm den linken Arm hin, damit er ihm den Puls nehme, und während er ihm denselben nahm, ergriff er [...] ein Kurzschwert [...] und tötete ihn auf der Stelle.”[102]

Die Ausbeute an sphygmologischen Begriffen im Dictionarium Latino Lusitanicum ac Iaponicum (1595) bleibt spärlich. Puls heiße im Japanischen myaku, den “Pulsariles venae” entspräche das Wort kinmyaku. Doch letzteres war eigentlich ein spezieller Pulstyp, der uns weiter unten erneut begegnen wird. Interessant die japanische Erläuterung für “Sphygmos”: Schlagen des Pulses bzw. die Bewegung der Gefäße, in denen das kekki, das Blut-qi, fließe.[103] Zwei weitere Typen findet man im Zeichenlexikon Rakuyōshū: den “treibenden” sowie den “tief gesunkenen Puls” (fumyaku bzw. fuchin).[104] Dies wirkt jedoch angesichts der zahlreichen nicht erwähnten Typen sehr zufällig.

Etwas ausführlicher wird das Vocabulario da Lingoa de Iapam. Die traditionelle Lehre, auf die ich hier nicht eingehen kann,[105] unterscheidet am rechten wie am linken Handgelenk entlang der Arteria radialis je drei Pulsstellen cunkou, guanshang, chizhong, in japanischer Lesung sunkō, kanjō und shakuchū. Rechter und linker Puls sind entsprechend der kosmischen yin-yang-Polarität verschiedener Natur. Der Mann wie auch die Linke gehören zum yang, die Frau und die Rechte zur Seite des yin. Der Puls wird nun mit drei Fingern genommen, was das Vocabulario wie folgt erklärt:

Sunkō. Gewisser Ort, wo man den Puls nimmt, der dem ersten der drei Finger, d.h. dem Zeigefinger, entspricht, mit denen die Chinesen und Japaner den Puls nehmen.
Kanjō. Ein gewisser Puls, von dem die Ärzte reden.
Shakuchū. Ein Teil des Pulses, der dem auf den kleinen Finger folgenden 'Arznei-Finger'[106] respondiert, wenn man gemäß dem Brauch der Chinesen und Japaner mit drei Fingern [den Puls] nimmt.[107]

Je nachdem, ob man den Puls nun mit stärkerem oder mit schwächerem Fingerdruck fühlt, läßt sich an den insgesamt sechs Stellen (drei rechts, drei links) der Zustand von zwölf Organen feststellen. In den frühen chinesischen Schriften gab es noch keine feste Anzahl von Pulstypen. Der Puls-Kanon Mojing von Wang Shuhe (265 - 317) gibt vierundzwanzig Arten an, Li Shizhen nennt in seinem Binhu moxue von 1564 neben vier Kardinalpulsen noch dreiundzwanzig andere. Zwei der Kardinalpulse verzeichnet das Vocabulario an mehreren Stellen, den treibenden Puls fu und den gesunkenen Puls chin:

Fumyaku. Puls den man beim Untersuchen sofort fühlt.
Chinmyaku. Shizumu myaku. Stockender und schwacher Puls.[108]

Die anderen beiden Kardinalpulse, der langsame Puls chi (chin. chi) und der Schnelle Puls saku (chin. shu), fehlen. Dafür werden in einem viersilbigen Begriff neben fu und chi der aufsteigende Puls shō sowie der fallende Puls genannt und den vier Jahreszeiten zugeordnet:

Shōgōfuchin. [...] Item, diese Silben sind die Namen von Pulsschlägen, welche den vier Jahreszeiten entsprechen, d.h. shō ist der Puls des Frühlings, gō der des Herbstes, fu der des Sommers und chin der des Winters.[109]

Einige der traditionell untergeordneten Pulstypen sind nur als “Pulsart” bzw. als “Puls eines schwachen und gebrechlichen Menschen” erklärt: der gespannte Pulskinmyaku (chin. chimo), der leere Puls kyomyaku bzw. kyojaku na myaku (chin. xumo), der schwache Puls jakumyaku (chin. ruomo) und der rutschende Puls katsumyaku (chin. huomo).[110] Andere weichen von der überlieferten Nomenklatur erheblich ab, was auf eine beträchtliche Variationsbreite der damaligen japanischen Terminologie deutet. Begriffe wie Erdpuls (jimyaku), Nierenpuls (jinmyaku), Hauptpuls (honmyaku), Todespuls (shimyaku) und Herzpuls (shinmyaku) zu spezifisch, als daß sie dem Bereich der alltäglichen Konversation zugehören könnten.[111]

Meimon (chin. mingmen)[112] war eigentlich der Namen der rechten Niere, die allerdings nicht in unserem Sinne als Niere fungierte, sondern als “Lebenstor” das Sperma barg bzw. mit dem Uterus in Verbindung gebracht wurde.[113] Den Zustand dieses Organs erkundet man an der Stelle shakuchū des rechten Handgelenks. Ähnlich wie bei beim Nierenpuls (jinmyaku) handelte es sich bei meimon als Pulsname wahrscheinlich um einen seinerzeit gängigen nachlässigen Sprachgebrauch.

Daß die japanischen Ärzte dem Puls viel Beachtung schenkten, wurde von europäischen Lesern durchaus wahrgenommen. So schrieb 1649 Bernhard Varen aus Hitzacker (1622 - 1650/51) in der Descriptio regni Japoniae, einer Pionierleistung der wissenschaftlichen Landeskunde, die “bescheidene Erfahrung” der Japaner in der Heilkunst äußere sich darin, “daß sie vor allem aus dem Pulsschlag auf eine Krankheit zu schließen” verstünden.[114]

 

 

Eine frühe Stimme aus der Chinamission

Unter den Jesuiten, die Anfang des siebzehnten Jahrhunderts in China lebten, ist Johannes Schreck (1576 - 1630) für uns besonders interessant. Er stammte aus Konstanz, studierte Medizin in Altdorf, ab 1603 in Padua, wo er Galilei kennenlernte. Wegen seiner wissenschaftlichen Fähigkeiten berief man ihn 1611 in die Accademia dei Lincei (Akademie der Luchse). Im selben Jahr trat er in die Societas Jesu ein und betrieb in Rom theologische Studien. Dort begegnete er dem Chinamissionar Nicolas Trigault, der in Europa Unterstützung für seine Mission suchte und machte sich mit 1618 auf den Weg nach Ostindien. Der Zugang zu China war nicht leicht. Nach zwei Jahren Wartens in Macão reiste er endlich über Hangzhou nach Peking, wo er 1623 eintraf. In den wenigen Jahren bis zu seinem Tode verfaßte er auf chinesisch mehrere Werke über europäische Maschinen, Astronomie, Trigonometrie und die menschliche Anatomie.[115] Anders als bei den Sendschreiben der Japanmission, in denen solche Dinge nur gelegentlich berührt wurden, teilte Schreck in privaten Briefen seinem Freund Johannes Faber, einem Apotheker in Rom, eine Fülle naturkundlich-medizinischer Beobachtungen mit. Hier nur seine Einschätzung der Medizin, verfaßt in Hangzhou am sechsundzwanzigsten August 1621:

Von den chinesischen Medikamenten und Ärzten kann ich im ganzen das sagen: Fast alle Arzneien werden in Abkochungen gereicht, es sind trockene Kräuter oder zerhackte Wurzeln; Mineralien gebraucht man seltener. (Die Ärzte) selbst sind Empiriker und haben keinerlei Ahnung von den Ursachen; in den Pulsen jedoch sind sie hervorragend; indem sie ihn nämlich fühlen, fragen sie den Kranken nichts, sondern erzählen alle Vorfälle, gleich als wenn sie aus einem Buche vorläsen, wie ein Ziganus, der aus der Hand vorsagt. Die Grundlage kenne ich nicht, nur eines: Man teilt die Arterie in der Länge in einige Teile: der dem Daumen am nächsten gelegene entspricht dem Kopf, der folgende dem Herz etc. aus denen sie dann auf die Krankheiten der (betreffenden) Teile schließen. Alle sind hier Ärzte, deswegen wird die Kunst geringgeschätzt.[116]

Wir erkennen rudimentäre Einsichten in die Pulsdiagnose, und in der Tat sind der heiße Aufguß (infusio, chines. tang) und der Absud (decoctum, chines. jian) sehr häufig.

Zwei Jahre benötigte Fabers erster Brief aus Europa, bis er am einundzwanzigsten April 1622 in Schrecks Hände gelangte. Schreck hält sich zu diesem Zeitpunkt in Xiading bei der Stadt Suzhou auf und verfaßt am folgenden Tag seine Antwort.[117] Er sei zwar nun schon lange in China, doch in seinen Beobachtungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Acht Monate in Hangzhou “immer von Wänden eingeschlossen”, keine Erlaubnis, “öffentlich auszugehen”, dazu die schrecklich hohe Hürde der chinesischen Schriftsprache. In naturkundlichen Dingen komme er nicht vorwärts, da er die Sprache noch nicht beherrsche und sie außerdem nicht mit den Einheimischen sprechen dürften.[118] Am Schluß lesen wir:[119]

Die Chinesen gebrauchen statt der Brenneisen etwas Absinthium und verbrennen es auf der Haut, bei den meisten mit großem Erfolg. Sie treiben eine sehr lange Nadel in die Haut, stecken sie ganz hinein, und indem sie sie verschieden bewegen als wenn sie ein Staren stech(en) und vernichten, wie ich glaube, Feuchtigkeiten und Geschwulste, aber das alles habe ich vom Hören, ich konnte es noch nicht sehen. Die Krankheiten sind hier schwächer, wie ich glaube, weil man Reis ißt und der Wein schwächer ist. Die Fieber sind schleichend, es sind keine hitzigen. Es gibt eine Art Fieber, die bei uns unbekannt ist, sehr schleichend, an dem die sterben, die etwas essen. Man gibt ihnen etwas Wasser, in dem etwas Reis gekocht ist: es ist wie Gerstenwasser. Sie stehen das acht bis vierzehn Tage durch und genießen nichts anderes, und so genesen sie alle.

Zwar wird im Hinblick auf die Moxibustion und Akupunktur nur Gehörtes wiedergegeben, doch diese Zeilen schreibt ein medizinisch geschulter Mann, der sich auch um das Ziel der ihm neuen Therapie Gedanken machte. Ob in den folgenden Jahrzehnten aus China weitere Berichte dieser Art in den Westen gelangten, vermochte ich leider nicht zu klären. Bislang fand ich nichts, was die Lücke bis zu Michael Boyms Studien Anfang der fünfziger Jahre sowie den Aktivitäten der Ende der sechziger Jahre in Kanton internierten Patres schließen würde.

 

 

Schluß

Über einen langen Zeitraum lernten die Ostindienfahrer das Nadeln und Brennen vorwiegend in Japan kennen, wo man mit der chinesischen Tradition ziemlich frei umging, ja sie im Falle der Schlagnadeltechnik und der damit verbundenen Ätiologie sogar weitgehend ignorierte. Medizinische Mitteilungen aus der verzögert einsetzenden, mit großen Schwierigkeiten behafteten Chinamission vernahm man erst später. Die einzelnen Infomationen dieser Phase der ersten Beobachtungen sind über verschiedene Quellen verstreut. Manche davon, wie die Briefe, Jahresberichte usw. wurden durch Übersetzungen in Europa weit verbreitet. Andere, wie die Froisschen Manuskripte, Valiagnos Sumario usw. beeinflußten als vielstudierte Handschriften die gelehrten Autoren und ziehen sich sowohl durch “römische” wie auch protestantische Japanwerke des siebzehnten Jahrhunderts. Die Wirkung der japanischen Wörterbücher und Grammatiken blieb demgegenüber wohl nur auf einen kleinen Kreis beschränkt. Sicher war es für europäische Leser nicht leicht, einen Gesamteindruck in der oben skizzierten Art zu gewinnen. Mit Recht sicherten sich Hermann Buschof und Willem ten Rhijne mit ihren Büchern einen Platz in der Geschichte der Medizin. Daß die Moxa in Europa schließlich eingeführt und diskutiert wurde, war Buschofs Verdienst, und ten Rhijne verdanken wir neben weiteren Schilderungen zur Moxa die erste detaillierte Darstellung der Akupunktur. Aber es gab vor ihnen eine ansehnliche Zahl von Europäern, die aus eigener Beobachtung über beide Therapien erstaunlich viel wußten und Leser in der Heimat, denen der eine oder andere Fakt durchaus bekannt war.

 

Anmerkungen
[1]   Karl E. G. Ritter von Reichert: Ein Beitrag zur Geschichte der Moxa. Deutsches Archiv für die Geschichte der Medizin und medizinische Geographie (1879), Bd. 2, 45-50; Gerhart Feucht (1): Die Moxabehandlung in Europa. Heidelberg 1977. S.3f.; Lu Gwei-Djen and Joseph Needham: Celestial Lancets. A History and Rationale of Acupuncture and Moxa. Cambridge, 1980. S.292.
[2]   Hans Jürgen Arnold: Die Geschichte der Akupunktur in Deutschland. Heidelberg 1976. S.25-30. Gerhart Feucht (2): Die Geschichte der Akupunktur in Europa. Heidelberg 1977. S.3; Lu / Needham (1980), 269f.
[3]   Jakob de Bondt: Historiae naturalis et medicae Indiae orientalis. Lib. 5, Kap. 33, S.85. Beigebunden zu Wilhelm Piso: De Indiae utriusque re naturali et medica libri quatuordecim. Amsterdam 1658.
[4]   Siehe hierzu Wolfgang Michel: Willem ten Rhijne und die japanische Medizin (I) / (II). In: Dokufutsu Bungaku Kenkyū 39 (1989), 75-125 bzw. Nr. 40 (1990), 57-103.
[5]   Feucht (2), 3f.; Lu / Needham (1980), 269; Pierre Huard, Ming Wong: La Médecine chinoise au cours des siècles. Paris, 1959. S.76.
[6]   Siehe hierzu Dorotheus Schilling: Das Schulwesen der Jesuiten in Japan (1551-1614). Münster 1931; Dorotheus Schilling: Os Portugueses e a introdução da medicina no Japão. Coimbra 1937.
[7]   Siehe z.B. Lorenz Heister: Chirurgie. Nürnberg 1747. S.428f.; Georg Ernst Stahl: Collegium casuale magnum. Leipzig, 1753. S.76.
[8]   Schilling (1931), 65.
[9]   Cartas qve os Padres e Irmãos da Companhia de Jesus escreuerão dos Reynos de Iapão & China ...]. Em Euora por Manoel de Lyra. 1598. P. II, lib. 1, f. 123v: São geralmente os Iapões muito saõs, a si polo clima, que he mui temperado, & são, como polo pouco comer, por não beber agoa fria, que he causa de muitas enfermidades. Se adoecem em mui breue tempo saraõ quasi sem mezinha. Costumão quasi em todas as doenças de se furar com hu]as agulhas de prata polo estamago, braços, costas, &c. E juntamente botões de fogo com eruas; dormem muito pouco, & o sono he mui leue, & pera isso bebem o chaà.
[10]   Georg Schurhammer / E.A. Voretzsch: Luis Frois: Die Geschichte Japans (1549-1578). Nach der Ajudabibliothek in Lissabon, übersetzt und kommentiert. Leipzig, 1927. S.9. Ich habe das Zitat geringfügig überarbeitet.
[11]   Josef Franz Schütte: Tratade em que se contem muito susintae abreviadamente algumas contradicoes e differencas de custumes antre an gente de europae esta provincia de Japao. Estmalige, kritische Ausgabe des eigenhändigen portugiesischen Frois-Textes in der Biblioteca de la Academia de la Historia in Madrid mit deutscher Übersetzung, Einleitung und Anmerkungen. Tokyo, 1955. Kap. 9, Nr. 2.
[12]   Schütte (1955), Kap. 8, Nr. 29.
[13]   Dictionarivm Latino Lvsitanicvm, ac Iaponicvm, ex Ambrosii Calepini volumine depromptum. Amakusa 1595. Faksimile-Ausgabe des Exemplars der Bodleian Library (Oxford). Tokyo, 1979.
[14]   Der japanische Teil ist in in lateinischen Lettern gedruckt, deren Lautwerte auf dem Portugiesischen aufbauen. Ich gebe im Text nachfolgend alle diese Vokabeln in der Hepburnschen Transkription wieder und in den Anmerkungen das Original.
[15]   Dictionarium (1595), 896: Vstio, onis. Lus. O queimar, ou tostar. Iap. Yaqu, l, carasu coto nari. Item, Cauterio, l, botam de fogo. Iap. Yaito, qiǔgi, l, quaxin.
[16]   Racvyoxv. In Collegio Japonico Sociatatis Jesv. o.O. 1598. Faksimile-Ausgabe des Exemplars aus dem British Museum. Tokyo, 1977. f. 26v, 44v, 95r.
[17]   Für den Hinweis danke ich Michael Cooper (Tokyo).
[18]   Juan de Legísima (Hrsg.): P. Marcelo De Ribadeneira / Franciscano / Historia De Las / Islas Del Archipiélago / Filipino Y Reinos De La / Gran China, [...] Y Japón. Madrid 1947. S.324f. : Tambien acostumbran botones de fuego, dándolos en la parte adonde sienten el dolor, y en la barriga y espaldas para las lombrices, que crían muchas con el arroz, y con esta medicina cauterizándose con unas pelotillas corno de borra que queman y las aplican a la carne, hasta que hacen llaga y sienten notable provecho con este remedio para muchas enfermedades, porque dicen que cualquiera mal que sea nace de estar resfriado. Y como los japones se mantienen de manjares de tan poca sustancia, aunque tienen brió estando sanos y muestran aspecto de hombres mejor mantenidos, en dándoles cualquier dolor de cabeza o enfermedad, no tienen ánimo. Usan mucho de médicos y de medicinas.
[19]   Vocabulario da Lingoa de Iapam. Nagasaki 1603. Faksimile-Ausgabe des Exemplars der Bodleian Library, Tokyo, 1973.
[20]   Vocabulario (1603), 164v: Mogusa. Erua com que se dão botões de fogo. / l.c., 323v: Yomogui. Erua de que se fazem botões de fogo. No Ximo se diz, Futçu. / l.c., 112r: Futçu. Erua com que se dão botoens de fogo. X. [...] No Cami se diz Yomogui.
[21]   Siehe Makino Fujitarô: Genshoku Makino shokubutsu daizukan. Tokyo, 1986 (5.Aufl.) S.579; Ohwi Jisaburô: Flora of Japan. Washington 1965. S.893-898.
Bei allen nachfolgend genannten japanischen und chinesischen Autoren folgt nach Gepflogenheit jener Länder der Vorname auf den Familiennamen.
[22]   Siehe Kimura Kôichi, Konoshima Masao: Yakuyō shokubutsugaku - kakuron. Tokyo, 1971 (6. Aufl.). S.272-274.
[23]   Vocabulario (1603), 201r: Qiǔgi. i, Yaitô, l, yaifi. Botoe]s de fogo. Qiǔgi suru. Dar botoẽs de fogo. / l.c., 316v: Yaitô. Botão de fogo que se da com certa erua seca: posto que a propria palaura he Qiǔgi. / l.c., 233r: Suye, yuru, eta. [...] Yaitôuo suyuru. Dar botões de fogo. / l.c., 338r: Cauarayomogui. Certa erua medicinal.
[24]   l.c., 338r: Cauaqiri. O primeiro botão de fogodos de Iapão que se dà, ou a primeira agulhada das que se dão por mezinha.
[25]   l.c., 127r: Iboi, ô, ôta, i, vmi, u. Laurar o botão de fogo. No Ximo se diz, Vbuqe, uru, ota. / l.c., 64r: Cuibori, u, otta. [...] Item, ir laurando o botão de fogo, ou outra queimadura, & estendendose. i. Iboi, ô, ôta. / l.c., 386v: Vbuqe, uru, eta. O laurar do botam de fogo. X. / l.c., 272v: Vgui, gǔ, ǔta. i, iboi, ô, ôta. Laurar o botão de fogo, ou amadurecer, & fazer materia.
[26]   Richard Cocks: Diary kept by the head of the English Factory in Japan. 1615-1622. Vol. II, January 1, 1617 - January 14, 1619. Tokyo 1979, S.81: This feast begyneth the first of this month of Gonguach, & endeth the 5th day, w'ch is to morow, w'ch is the cheefe day both w'th China & Japon. & this day in the mornyng they decked all the eaves of their howses w'th green flagges (or segges) mingled mingled w'th an other green herbe, w'ch they keepe all the yeare after, drying the said herbe, & make littell mattchs to burne their bodies, legges, or armes, or any p'rte wherein they feele payne, w'ch they doe in place of letting blood. I say, wheare we vse to lett blood vpon occation to sick p'rsons, they vse to burne them w'th this herbe, & esteeme that consecrated this day the best, &c.
[27]   Siehe hierzu z.B. Suzuki Tôzô: Nihon nenjū gyôji jiten. Tokyo, 1976. S.416-427.
[28]   Hermann Buschof: Het Podagra, Nader als oyt nagevorst en uytgevonden, Midsgaders Des selfs sekere Genesingh of ontlastend Hulp-Mittel. Amsterdam, 1675. S.52.
[29]   Philosophical Transactions, Vol. IV (July 1669), 984.
[30]   Christoph Arnold: Wahrhafftige Beschreibunge dreyer mächtigen Königreiche Japan, Siam und Corea. Nürnberg, 1672. S.358, 361.
[31]   Siehe hierzu Hermann Buschof: Das genau untersuchte und auserfundene Podagra, Vermittelst selbst sicher=eigenen Genäsung und erlösenden Hülff=Mittels. Neudruck der ersten europäischen Abhandlung über die Moxibustion nach der Breslauer Ausgabe von 1677, bearbeitet und kommentiert von Wolfgang Michel. Heidelberg, 1993, S.30-32.
[32]   Vocabulario (1603), 81r: Fari. Agulha, ou lanceta. Fariuo fineru. Meter certas agulhas, ou alfenetes por algũas partes do corpo por mezinha. Fariuo tçucǒ. Dar lancetada como quando sangraõ cavalos.
[33]   l.c., 117v: Guinxin. Xiroganeno fari. Agulha de prata. Vt. Guinxinuo fineru. Meter a agulha de prata na carne torcendoa. / l.c., 371r: Qinxin. Coganeno fari. Hua laya de agulhas de ouro, de que usam os Iapões por mezinha. / l.c., 270v: Vchibari. Agulha que se mete no corpo batendo. Vchibariuo vtçu. Meter esta agulha assi. / l.c., 260r: Tomebari. Agulha que se mete em certa parte do corpo pera impedir as camaras. Tomebariuo tatçuru. Dar esta agulhada.
[34]   Nanjing jinze. Taibei 1982 (6. Aufl.); Paul U. Unschuld: Nan-ching. The Classic of Difficult Issues. Berkeley, Los Angeles, London, 1986.
[35]   Kodansha Encyclopedia of Japan. Tokyo, 1983. Bd. 3. S.100.
[36]   Kyoto University, Fujikawa-Collection.
[37]   Die anderen Techniken waren “Feuerziehnadel” (hihiki no hari), “Siegeszugnadel” (kachihiki no hari), “Rückzugnadel” (makehiki no hari), “Wechselziehnadel” (aihiki no hari), “Magenerleichterungsnadel” (ikai no hari) und “Streunadel” (sanzuru hari).
[38]   Siehe hierzu Maruyama Toshiaki: Shinkyū koten nyūmon. Tokyo, 1987. S.46-49.
[39]   Vocabulario (1603), 346v: Farisuri. O que faz as agulhas de que usam os Iapões pera dar agulhadas em certos lugares do corpo por causa de algũa doença. / l.c., 346v: Farifineri. O que da agulhadas a alguns doentes com certas agulhas de ouro, ou prata por mezinha. / l.c. 346v: Faritate. O que da agulhadas com certas agulhas a alguns doentes conforme ao costume de Iapam.
[40]   Dictionarium (1595), 386: Phlebótomon. Lus. Lanceta da sangria. Iap. Chiuo toru fari. / l.c., 719: Scalpellum, i, dim. Lus. Lanceta do barbeito, ou surujiao. Iap. Fari, texxin. Item, Instrumento como naualha pera cortar a carne podre. Iap. Gueqiono nicuuo qiru cogatana.
[41]   Jesuita Na Asia, Codex 49-IV-56, Biblioteca Da Ajuda. Photographische Reproduktion. Tokyo, 1931. (ohne Paginierung).
[42]   Vocabulario (1603), 94v: Firabari. [...] Item, Firabari. Lanceta de sangrar caualos, ou homẽs. Vt, Firabariuo tatçuru. Dar lançetada pera tirar sangue.
[43]   Yang Weijie (Hrsg.): Huangdi neijing, Suwen. Taibei 1984. Kap. 16, 62, 63, 64. Zur Rolle des Aderlasses in der chinesischen Medizin siehe D.C. Epler: Bloodletting in Early Chinese Medicine and its Relation to the Origin of Acupuncture. In: Bulletin of the History of Medicine, 54 (1980), 337-367.
[44]   Siehe FujikawaYu: Nihon igakushi. Kyoto 1942 (Nachdruck Tokyo, 1972). S.310, 418.
[45]   Schütte (1955), Kap. 9, Nr. 3: Os homens antre nós se custamão ordinariamente sangrar nos braços; os Japões com sanbixugas ou com faca na testa, e aos cavalos com lanceta.
[46]   Siehe z.B. die Enzyklopädie Wakan sansai zue (1712). Neuabdruck Tokyo, 1960. Buch 52.
[47]   Dictionarium (1595), 109: Cauterium, ij. Lus. Cauterio, ou ferro de queimar. Iap. Quaxin, l, yaqijiruxiuo atçuru fari.
[48]   Siehe z.B. Hongô Masatoyo: Shinkyū chôhôki. Edo 1718. Bearbeitete Ausgabe von Ono Fumie, Yokosuka, 1959. S.194
[49]   Vocabulario (1603), 347v: Fiacuye. Certo lugar no cume da cabeça, onde se dam botoens de fogo de Iapão. / Fiacuye. Lugar hum pouco ariba do cabo do cauallo.
[50]   Man findet ihn z.B. im Maniu yifang (“Medizinische Behandlungsverfahren für Pferde und Rinder”) von 1399. Ein einschlägiges japanisches Beispiel wäre das Baryô shinkyū satsuyô (“Auszug des Nadelns und Brennens bei der Pferdebehandlung”). Edo 1760. Neuausgabe von Tobe Sôshichirô, Tokyo / Yokosuka, 1976.
[51]   Vocabulario (1603), 372v: Qiû. Certo modo de botam de fogo de que às vezes usam os Iapões em curar os cauallos.
[52]   Schütte (1955), Kap. 8, Nr. 29: Os cavalos emtre nós se sangrão somente; em Japão se sangrão muitas vezes e lhe poem grandes botões de fogo debaxo dos qeixos.
[53]   Yu Benyuan, Yu Benheng: Maniutuo jing (“Handbuch für Pferde, Rinder und Kamele”). 1608. Neudruck Beijing, 1979. S.88-95.
[54]   l.c., 131-133.
[55]   Vocabulario (1603), 339r: Chinsǒ. Certo pulso que tem o cauallo na barriga.; Quacuyû. Certo pulso que se toma na barriga ao cauallo. / l.c., 341v: Cotçudǒ. Certo pulso que se toma ao cauallo na barriga. / l.c., 367v: Nhumiacu. Pulso que se toma na barriga do cauallo.
[56]   l.c., 381r: Taimiacu. Certo lugar na barriga do cauallo onde lhe dao agulhadas por mezinha, quando està doente.
[57]   l.c., 49r: Chizaxi. O sangrar caualos. Vt, Vmano chizaxiuo suru. / l.c., 130r: Idaxi, su, aita. [...] Susono chiuo idasu. Sangrar caualos, &c. / l.c., 262r: Tori, ru, otta. Tomar. [...] Chiuo toru. Sangrar: particularmente se diz de caualos.
[58]   Yu Benyuan, Yu Benheng (1608 / 1979), 132
[59]   Vocabulario (1603), 46v: Chi. Sangue. [...] Chiuo idasu. Tirar, ou botar sangue, ou sangrar. Vt, Vmano susono chiuo idasu, l, toru. Sangrar os caualos nos pees. / l.c. 246r: Tçucuroi, rô, ôta. [...] Vmauo tçucurô. Sangrar os caualos, cortar lhesas unhas, & curalos para que não se danem os pès &c.
[60]   l.c., 81v: Faritçucai. O sangrar bestas. Vt, Faritçucaiuo itasu.
[61]   Vocabulario (1603), 132v: Inyǒ. Palaura de liuros que se toma por noite, & dìa, ceo & terra, molher, & homen, &c. Inyǒ qeôquai. Ajuntamento do homem, & molher, Item Ajuntamento de cousa como materia, & forma de se compoem as cousas sensiueis. Inyǒ zuijun. Composição, & combinação destas duras cousas. s. In, yǒ. Que he materia, & forma, ou humidade, & quentura, &c.
[62]   l.c., 121r: Goguiǒ. Cinco partes, ou materiaes de que se compoem os corpos mistos. i, Mot, qua, do, gon, sui.
[63]   Paul U. Unschuld: Medicine in China. A History of Ideas. Berkeley, Los Angeles, 1985. S.141, 143.
[64]   l.c., 300r: Xidaigoguiǒ. Quatro elemontos, & cinco materias de que se compoem as cousas. Vt, Gi, sui, fǔ, qua, qi, fi, tçuchi, cane, mizzu.
[65]   l.c., 122v: Gozǒ. Cinco partes que ha nas antranhas. v.g. Can, l, cannozǒ. Baço. Xin, l, xinnozǒ. Coração. Fi, l, finozǒ. Figado   [...] Fai, l, fainozǒ. Bofes. Iin, l, jinnozǒ. Rins. / l.c., 375v: Roppu. Seis partes, ou lugares nas entranhas, & corpo do animal. S.Daichǒ, Xôchǒ, Bǒquǒ, Sanxô, Y, Tan: cuja significação se veja em seus lugares. Item, Se diz, Daichǒno fu. Xǒchǒno fu, &c. / l.c., 104v: Fu. i, Gozǒ roppuno fu. Hu]a parte qualquer das seis que ha nas entranhas, ou partes interiores.
Man findet diese Vokabeln auch bei João Rodriguez: Arte da Lingoa de Iapam Nagasaki 1604. Faksimiledruck des Exemplars der Bodleian Library. Tokyo 1976. f. 225v.
[66]   Yang Weijie (Hrsg.): Huangdi neijing, Lingshu. Taibei, 1984. Kap. 18; Nanjing, Kap. 31; Yang Weijie (1984), Suwen, Kap. 8, 66.
[67]   Vocabulario (1603), 218v: Sanxô. Tres partes do corpo. S.Iǒxô, Chǔxô, Guexô. Partes superiores do peito pera cima, partes do meo, & partes inferiores. / l.c., 360r: Iǒxô. As partes superiores do corpo como cabeça, & pescoço. / l.c., 339v: Chǔxô. O espaço que ha do peito ate a cintura. / l.c., 117r: Guexô. Partes inferiores do corpo. Vt, Guexôno fiyeta. Esfriarãose as partes de baixo. Iǒxô. As partes de cima como cabeça, &c. Chǔxô. As partes do meo como barriga, &c.
[68]   l.c., 194r: Qi. Coração, espiritos vitaes, ou vigor do coração.
[69]   Rodriguez (1604), 92r: Quena, he a letra, Qui. i. Cocoro, que significa os espiritos vitaes. Vt, Quiga agaru, Quio vxinǒ, Quiga varui, &c. Mas, Que, he hu]a particula que junta com nomes, ou rayzes de verbos significa a disposiçam, ou qualidade da cousa, comu]mente em mà parte, como doença, &c. Vt. ...]
[70]    Vocabulario (1603), 139v: Iaqi. Yocoxima no qi. Bafo ruim, ou pestilence. S.Iaqi aru. Auer algu]a doença contagiosa, como peste, ou vento pestifero. Iaqiga tachisaru. Acabarse este vento ruim, ou doneça contagiosa, ou de ruim bafo. S.
[71]   Genaueres bei Lu / Needham (1980), 13-69; Unschuld (1985), 75-77; Manfred Porkert: Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin. Stuttgart, 1982. S.150-230.
[72]   Vocabulario (1603), 146v: Iǔniqei. Doze veas que ha nos pès, & nas mãos de que falão os medicos. Vt, Iǔniqei, jǔgoracu. Vide Iǔgoracu.
[73]   l.c., 146r: Iugoracu. Quinze veas, Vt, Iǔniqei jǔgoracu. 12. & 15. veas do corpo de que falão os medicos.
[74]   l.c., 330r: Zzuqiô. Liuro de anotomia dos fisicos pera saberem as veas, & partes do corpo.
[75]   Das Wort erinnert an den Tsoë bos von Isaac Titsingh, einer heute im Musée d'Histoire de la Médicine (Paris) zusammen mit einem Büchlein aufbewahrten Pappmaché-Figur mit den Akupunktur- und Moxapunkten. Siehe Isaac Titsingh: Beijzonderheden over Japan. s'Gravenhage, 1824. S.227f.
[76]   l.c., 330r: Zzubôxi. Pintura que mostra distintamente as partes do corpo pera aprender a curar.
[77]   Siehe z.B. Yang (1984), Suwen. Kap. 10, 62; Yang (1984), Lingshu, Kap. 39, 47; Nanjing. Kap. 25; Unschuld (1985), 74f.
[78]   Franz Hübotter: Die Chinesische Medizin zu Beginn des XX. Jahrhunderts und ihr historischer Entwicklungsgang. Leipzig, 1929. S.65-67.
[79]   ten Rhijne (1683), 145-168.
[80]   Joseph Stöcklein: Allerhand so Lehr= als Geist=reiche Brief / Schrifften / und Reis-Beschreibungen / welche meistens von den Missionariis Societatis Jesu Aus Beyden Indien / und andern über Meer gelegenen Ländern / Seit Anno 1642. biß auf gegenwärtiges Jahr in Europa angelangt seynd. Tomus Secundus. Ausburg, Grätz 1729. Teil 12, Nr. 288, S.10-13.
[81]   l.c., 12.
[82]   Vocabulario (1603), 347v: Fiacuye. Certo lugar no cume da cabeça, onde se dam botoens de fogo de Iapão. / l.c., 141r: Ietcot. Certo lugar dos pees onde se dão botões de fogo. / l.c., 370v: Qigai. Certo lugar nos lombos, ou cadeiras onde os Iapões dam seus botões de fogo. / l.c., 218v: Sanri. Certo lugar a baxo dos joelhos onde se dão botões de fogo na canela da perna. / l.c., 325v: Yu. Certos lugares ao lõgo do espinhaço onde se dão botões de fogo.
[83]   Maruyama Masao (Hrsg.): Dôjin yuketsu shinkyū zukyō. Tokyo, 1974, S.60f. (annotierte Textausgabe eines in der Nationalbibliothek Tokyo aufbewahrten Abriebs von Wang Weiyi: Tongren shuxue zhenjiu tujing). Siehe auch Xi Fangzi: Mingtang jiujing. Nachdruck in: Siku quanshu zhenjiu gushu, Band 5, Taibei, 1977. S.3.
[84]   Maruyama (1974), 145f.
[85]   Nakamura Shunya, Takashima Bun'ichi (Hrsg.): Tanba Yasuyori: Ishinpô (982). Neuausgabe, Tokyo, 1982. S.213; Maruyama (1974), 117.
[86]   Honma Shôhaku: Shinkyū jitsuyô keiraku gaku. Tokyo, 1980 (15. Aufl.). S.52.
[87]   Mirko Drazen Grmek: Les reflets de la sphygmologie chinoise dans la médecine occidentale. La Biologie Médicale, Paris 1962, Vol.51, (Numéro Hors-Série). S.63; Eva Kraft: Christian Mentzel, Philipp Couplet, Andreas Cleyer und die chinesische Medizin. In: Helga Wormit (Hrsg.): Fernöstliche Kultur. Marburg 1975, S.158-196; Wolfgang Michel: Ein 'Ostindianisches Sendschreiben'. Andreas Cleyers Brief an Sebastian Scheffer vom 20. Dezember 1683. In: Dokufutsu Bungaku Kenkyū 41 (Fukuoka 1991), S.15-98.
[88]   Michael Boym: Clavis medica ad Chinarum doctrinam de pulsibus. In: Miscellanea Curiosa Academiae Naturae Curiosorum, Dec. 2, Ann. 4, (Nürnberg 1686), Appendix 1.
[89]   Les Secrets de la Medecine des Chinois, consistant en la parfaite connoissance du Pouls. Envoyez de la Chine par vn François, Homme de grand merite. Grenoble 1671, S.129-131: De la Medecine Iaponnoise. Les Iaponnois fondent leur Medecine sur ce principe, que tous les maux & douleurs qui se faisissent du corps humain luy viennent du Ki, c'est à dire des esprits du Feu, de l'Eau, de la Terre, & de l'Air, lesquels ou ne peuvent sortir, ou ne sont point dans leur lieu naturel; & partant ils ont cherché des issuës à ces esprits, & determiné dans toutes les parties du corps certains lieux par où peuvent sortir ces esprits, estans retenus en tel & tel endroit, & là ils appliquent un petit peloton qu'ils sont des feüilles seches de l'absinthe Sylvestre, auquel ils mettent le feu, & en se consommant va échauffant, & puis brûlent la peau, laquelle estant brûlée fait escarre, qui tombe & laisse une ouverture ou playe par où sort l'humeur où le Ki, qui causoit douleur sur ce mesme endroit; quelquefois ils appliqueront 7, 9, 15, 30, 100. & 200, & 500 de ces pelotons ou boutons qu'ils appellent de feu.
Mais parce que dans les entrailles & intestins ce dit Ki est par fois aussi retenu, & qu'il n'y a point d'issuës par où il puisse sortir, à raison de ce qu'il est quelquefois trop profond, & qui les issuës que la nature nous a données ne suffisent pas; alors ils se servent d'une grande éguille d'argent qui a la pointe un peu émoussée, laquelle ils roulent entre deux doigts, & repetant pharé pharé, la vont faisant entrer peu à peu jusques au plus interieur où est le Ki, lequel trouvant issuë, sort aussi-tost & cesse la douleur.
Dans les autres usages de leurs medicamens, ils se conforment aux Chinois.
[90]   Fujikawa Yu: Der Arzt in der japanischen Kultur. Tokyo, 1911 (Nachdruck Esslingen 1976). S.44-48; Sugimoto Masayoshi / David L. Swain: Science & Culture in Traditional Japan. Tokyo, 1989. S.277f., 280-84.
[91]   Les Secrets (1671), 124-129.
[92]   Andreas Cleyer (Hrsg.): Specimen Medicinae Sinicae. Frankfurt am Main, 1682.
[93]   Grmek (1962), LV-LVIII.
[94]   Athanasius Kircher: China Monumentis, qua sacris qua profanis, nec non variis naturae & artis spectaculis aliarumque rerum memorabilium argumentis illustrata. Amsterdam, 1667. S.169. Grmek zitiert die französische Ausgabe.
[95]   Alexandre de Rhodes: Divers voyages voyages et missions du P. Alexandre de Rhodes en la Chine, et autre Royaumes de l'Orient. Paris, 1653. S.189-194.
[96]   Francisco de Herrera: Nouvelle histoire de la Chine. Paris, 1622. S.169f.
[97]   Abgedruckt in Hartmut Walravens: China illustrata. Das europäische Chinaverständnis im Spiegel des 16. bis 18. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog der Herzog August Bibliothek Nr. 55. Wolfenbüttel, 1987. S.25-27. Original im Archivio d. Orfani (vol. 415, c. 540).
[98]   Cartas (1598), lib.1, 385.
[99]   Schurhammer / Voretzsch (1927), S.295.
[100]   Schütte (1955), Kap. 9, Nr. 6.
[101]   Yang (1984), Suwen. Kap. 15.
[102]   Schurhammer / Voretzsch (1927), S.354.
[103]  Dictionarium (1595), 658: Pulsariles venae. Lus. Veas, ou arterias do pulso. Iap. Qinmiacu. / l.c., 759: Sphygmos, i. Mouimento, ou alteração da arteria, ou pulso. Iap. Meacuno vtçu cotouo yǔ, l, qecqino cayô sugino vodoru cotouo yǔ.
[104]   Rakuyôshû (1598), 32r.
[105]  Zur Pulslehre siehe z.B. Hübotter (1929), 168-193, 240-272; Grmek (1952).
[106]   Bei “dedo medicinal” handelt es sich um eine Direktübersetzung des japanischen kusuriyubi, bei uns der Ringfinger. Mit ihm pflegte man in Japan durch Umrühren das Auflösen von Arzneipulver in Wasser zu beschleunigen.
[107]   Vocabulario (1603), 231v: Suncô. Certo lugar onde se toma o pulso, que responde ao primeiro dos tres dedos que he odice com que os Chinas, & Iapões tomão o pulso. / l.c., 204r: Quanjǒ. Hum certo pulso, de que tratão os medicos. / l.c., 292r: Xacuchǔ. Hu]a parte do pulso que responde ao dedo medicinal, que he o que està junto do meimiubo, quando se toma com tres dedos, como custumão os Chinas, & Iapões.
[108]   l.c., 352r: Fumiacu. Pulso que se sente logo em se sonãdo. / l.c., 48r: Chinmiacu. Xizzumu miacu. Pulso escaço, & fraco.
[109]   l.c., 310v: Xogofuchin [...] Cada sillaba destas he nome de hu]a maneira de pulso conforme aos quatro tempos do anno. Xô he o pulso da prima vera. Gǒ, Do Outono. Fu, He do estio. Chin, O do inuerno.
[110]   l.c., 196v: Qinmiacu. Pulso. / l.c., 198r: Qiojacu. [...] Qiojacuna miacu. Pulso fraco de pessoa que està muito debilitada, & fraca. / l.c., 391v: Vtçuuo. [...] Vtçuuo miacu. i. Qioxita miacu. Pulso de homem que esta muito fraco, & debilitado. / l.c., 205r: Quatmiacu. Certo Pulso.
[111]   l.c., 354v: Gimiacu. Pulso ordinario. / l.c., 142v: Iinmiacu. Pulso que responde aos rins. / l.c. 101r: Fonmiacu. Pulso natural, & ordinario. / l.c. 302r: Ximiacu. Pulso de quem està pera morrer, ou vizinho à morte. / l.c. 394r: Ximeacu. Pulso de que està pera morrer, ou intercadente. / l.c. 303v: Xinmiacu. Pulso que vem do coração. Item, O tomar, & ver o pulso. S.
[112]   l.c., 362r: Meimon. Rins. Item, Certo pulso.
[113]  Siehe z.B. das Nanjing, Kap. 36.
[114]   Bernhard Varen: Descriptio regni Japoniae. Beschreibung des Japanischen Reiches. Amsterdam 1649. Ins Deutsche übertragen von Ernst Christian Volkmann. Darmstadt 1974. S.160.
[115]   Biographisches bei Walravens (1987), 22f.; dazu B. H. Willeke: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644. S.1282f.
[116]   Walravens (1987), 25; Original im Archivio d. Orfani (vol. 415, c. 540).
[117]   Deutsche Übersetzung Walravens (1987), S.30-35; Original im Archivio d. Orfani (vol. 415, c. 528-529, 539).
[118]   Walravens (1987), S.33f.
[119]   Walravens (1987), S.35.  

 

 

Schriftzeichenliste

(Die Schreibungen folgen den Konventionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Da die chinesischen Ideogramme für japanische Pflanzennamen ziemlich willkürlich gewählt wurden und botanisch in die Irre führen, habe ich auf deren Wiedergabe verzichtet. Personennamen und Buchtitel decken nur die Primärquellen ab. Chinesische Vokabeln sind durch ein Sternchen gekennzeichnet.)

Baryō shinkyū satsuyō  馬療鍼灸撮要

aihiki no hari  相引之針
akketsu  悪血
Binhu mo xue*  瀕湖脉學
chanzhen* (zanshin)  巉鍼
chi  血
chi wo toru  血を取る
chinmyaku  沈脈
chinsō  ちんさう
chizashi  血刺
chūbukena  中風氣な
chūshō  中焦
daishin (dazhen*)  大鍼
dashinhō  打鍼法
feizhen* (hishin)  緋鍼
fengzhen* (houshin)  鋒鍼
fuchin  浮沈
fumyaku  浮脈
futsu  ふつ(艾)
gekyō no niku wo kiru kokatana 外痙の肉を切る小刀
geshou  下焦
geshō no hieta  下焦の冷えた
ginshin wo hineru  銀鍼を捻る
ginshin / shirokane no hari.  銀鍼、銀の鍼
ginshin wo hineru  銀鍼を捻る
gogatsu  五月
gogyō  五行
moku  木
ka  火
do  地
gon  金
sui  水
gozō (wuzang*)  五臓
kan (no zō)  肝( の臓)
shin  心
hi  脾
hai  肺
jin  腎
habari  刃鍼
hai no zō  肺の臓
hara  はら(腹)
harakena  腹氣な
hari  鍼、針
hari wo hineru  鍼を捻る
hari wo tsukou  鍼を使ふ
harihineri  鍼捻り
harisuri  鍼磨
haritate  鍼立
haritsukai  鍼使
haritsukai wo itasu  鍼使を致す
heimyaku  平脈
hihiki no hari  火曳之鍼
hineribari  捻鍼
hineru  捻る
hirabari  平鍼
hirabari wo tatsuru  平鍼を立つる
hiru  ひる(蛭)
hishin (yizhen*)  鈬鍼
hito hari  一鍼
Hongō Masatoyo  本郷正豊
honmyaku  本脈
Huangdi neijing*  黄帝内経
-, Lingshu*  靈樞
-, Suwen*  素問
hyakue (baihui*)  百絵
ibou  いぼふ
idasu  出だす
ikai no hari  胃快之鍼
in yō (yin yang*)  陰陽
inyō kyōkai  陰陽交會
inyōzuijun  陰陽随順
Iroha jiruisho  伊呂波字類書
Ishinpō  醫心方
jaki (xieqi*)  邪氣
jaki ga aru  邪氣がある
jaki ga tachisaru  邪氣が立ち去る
jakumyaku (ruomo*)  弱脈
jin no zō  腎の臓
jinmyaku  腎脈
jōshō (shanjiao*)  上焦
jūgoraku (shiwu luo*)  十五絡
juunikei (shier jing*)  十二經
gaikikena  咳氣氣な
gankena  眼氣な
kachihiki no hari  勝緊之鍼
kakuyū  くわくゆう
kan no zō  肝の臓
kanjō (guanshang*)  関上
karasu koto nari  からす事也
kashin (huozhen*)  火鍼
katsumyaku (huomo*)  活脈
kawakiri  皮切
kawakiri ga daiji da  皮切が大事だ
kei (jing*)  經
keiraku (jingluo*)  經洛
kekki  血氣
ki (qi*)  氣
ki ga agaru  氣が上がる
ki ga warui  氣が悪い
ki wo ushinou  氣を失ふ
kiaikena  氣合氣な
kigai (qijie*)  氣街
kiketsu  氣血
kinmyaku (chimo*)  緊脈
kinshin / kogane no hari  金鍼、金の鍼
kishou (qichong*)  氣*'
kokoro  こころ(心)
kotsudou  こつだう
kuiboru  くいぼる
kusurigari  藥狩
kusuridama  藥玉
kusuriyubi  藥指
kyojakuna myaku  虚弱な脈
kyomyaku (xumo*)  虚脈
kyū  灸
kyūji  灸治
Li Shizhen*  李時珍
liufu*  六腑
makehiki no hari  負曵之鍼
Maniu yifang*  馬牛醫方
Maniutuo jing*  馬牛駝經
meimon (mingmen*)  命門
Misono Isai  御園意斎
Mizuhiru  みずひる(水蛭)
Mo jing*  脈經
Mogusa  もぐさ(艾)
Mubun  無分
Myaku  脈、脉
Myōgoki  名語記
Nanjing  難經
Nyūmyaku  乳脈
pêron (bailong*)  爬龍[ 船]
qi*  氣
raku (luo*)  絡
Rakuyōshū  落葉集
roppu (liufu*)  六腑
daichō (no fu)  大腸(の腑)
shōchō  小腸
boukou  膀胱
sanshō  三焦
i  胃
tan  膽
sanri (sanli*)  三里
sanshō (sanjiao*)  三焦
sanzuru hari  散鍼
shakuchū (chizhong*)  尺中
shidai (ji, sui, ka, fuu)  四大(地、水、火、風)
Shimogata  下方
shimyaku  死脈
shin no ōu  心の臓
Shindou hiketsuushuu  鍼道秘訣集
shinji  鍼治
Shinkyū chōhōki  鍼灸重寶記
shinmyaku  心脈
shiraku  刺洛
shizumu  沈む
shōbu  菖蒲
shougou fuchin  昇降浮沈
sunkō (cunkou*)  寸口
suso no chi wo idasu  裾の血をいだす
suyuru  据ゆる
taimyaku  帶脈(穴)
tatsuru  立つる
tesshin  鉄鍼
todomaru hari  留まる鍼
tomebari  留鍼
tomebari wo tatsuru  留鍼を立つる
Tongren shuxue zhenjiujing*  銅人輸血鍼灸經
tōbari  唐鍼
tsukurou  刷ふ
ubukuru  うぶくるくる
uchibari  打針
uchibari wo utsu  打針を打つ
ugū  うぐふ"
uma no chizashi wo suru  馬の血刺をする
uma no suso no chi wo idasu 馬の裾の血を出だす
wuxing*  五行
Wakan sansai zue  和漢三才圖繪
Wang Shuhe*  王叔和
Wang Weiyi *  王惟一
Wazuraikena  煩ひ氣な
wuzang*  五臓
xuanzhong  懸鍾
yaihi  やいひ
yaito  やいと
yakijirushi wo atsuru hari  焼印を當つる鍼
yakusōgari  藥草狩
yang*  陽
yin*  陰
yomogi  よもぎ(蓬)
yu (shu*)  腧
Yu Benyuan*  喩本元
Yu Benheng*  喩本亨
zekkotsu (juegu*)  絶骨
zuboushi  圖法師
zufūkena  頭風氣な
zukyō  圖經

 

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